Knoblauch - die Kurzgeschichte zum 10.12.2025

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Zusammenfassung

Ich habe gekocht. Wohl bekomms!

Genre:
Other
Autor:
HieroBald
Status:
In Arbeit
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Knoblauch

Hier jedenfalls riecht es, wie in einer spanischen Kaschemme. Ein frischer Kohlrabi samt Blattwerk wurde geschlachtet und kunstgerecht zerlegt, im Beisein mehrerer Zehen frischen Knoblauchs in einer Pfanne mit Öl und Pfeffer geschmort. Darauf zwei Eier und eine Scheibe Käse. Darunter zwei Scheiben Zwiebelbrot.

Mit dem, was jetzt hier in der Luft liegt, könnte man einen Exorzismus zelebrieren oder Graf Dracula in die Flucht schlagen. Vermutlich auch beides.

Während der Verspeisung dieses kulinarischen Meisterwerks hörte ich den Vortrag eines Autors. Buchempfehlungen. LeserInnen hatten ihm Listen unverzichtbarer Romane geschickt. Von mit Stacheldraht erwürgten Jugendlichen über Balzac hin zu dystopischen Zukunftsvisionen war da einiges geboten. Mutterfreuden mit einem solchen Übermaß an Glück, dass die Mutter zur Wölfin mutiert und die Katze aufschlitzt. Das fördert den Appetit.

Jetzt bin ich satt, reiße die Fenster auf, draußen fallen Vögel und Insekten tot in den Vorgarten. Romantik pur. Die Scheiben beschlagen. 3 Grad Minus. Der Gummibaum friert.

Jetzt wäre ein schöner Zeitpunkt zu enden.

Das Messer schärfen.

Die Gasleitung öffnen und die Musik so laut, dass die halbe Stadt bebt. Warten, bis einer klingelt? Das gibt keine schöne Leiche.

Das Haus in Brand setzen?

Der obduzierende Arzt dürfte keine Knoblauchallergie haben. Vielleicht würde er zu Staub zerfallen?

Was wäre dann anders? Es ist doch jetzt schon alles gleich. Der Tag. Die Nacht. Arbeiten, Rechnungen zahlen. Die schlechtesten Schauspieler werden Regierung. Überall. Einstudierte Gefühle. Privatfernsehen. Kakerlakenessende Vollpfosten heiraten auf den ersten Blick den Landwirt, den die Fernsehanstalt dafür gecastet hat. Die Handtasche muss leben!

Ich habe das Video angehalten. Herr Gasser, eingefroren als der Messias. Die Hand zum Segensgestus erhoben, die Lippen lasziv geöffnet.

Den Zauberberg lesen? Oder nochmal Dostojewski? Blond. Marilyn einmal anders. Als Norma Jeane Mortensen. In der S-Bahn. Gegenüber ein in einer Fremdsprache – ukrainisch? – zankendes Ehepaar, dass dann aussteigt. Aus verschiedenen Türen, aber immerhin an derselben Haltestelle. Das Buch wegpacken.

Wenn es jetzt enden würde. Einfach so. Klick – aus.

Was wäre dann anders?

Vermissen würde mich wohl keiner. Höchstens mein Arbeitgeber.