Erwachen
Dunkle, pechschwarze Wolken lagen schwer über dem Kargland. Blitze rissen unruhige Furchen in den Himmel, jedes grollende Donnern vibrierte wie ein fernes Beben durch die trostlose Ebene. Kein einziger Sonnenstrahl durchbrach die Wolkendecke; der Tag lag in einer Finsternis, die beinahe wie Nacht wirkte.
Ein Gebrüll durchbrach die Stille zwischen zwei Donnerschlägen – roh, tief, voller Schmerz. Es hallte aus einer der vielen Höhlen, die in den Fels gerissen waren. Je näher man dem Eingang kam, desto deutlicher drangen metallische Klänge und heisere Rufe nach draußen: Kampfgeräusche, hart und verzweifelt.
Im Inneren der Höhle standen drei Dutzend schwer gepanzerte Männer. Die Hälfte davon Armbrustschützen, die in einem weiten Halbkreis eine gewaltige Kreatur bedrängten: einen Drachen, dessen Schuppen in Schwarz und Rot schimmerten wie geschmiedetes Feuer.
Der Boden war ein Schlachtfeld aus Blutlachen, zerborstenen Eierschalen und verstümmelten Körpern. Der süßliche, beißende Geruch des Todes hing schwer in der Luft. Der Drache schrie auf – ein Geräusch, das die Wände erzittern ließ.
Bolzen prasselten auf ihn nieder. Sie durchschlugen seine Schuppen mit erschreckender Leichtigkeit. Einige der Geschosse waren mit Seilen versehen, die sich um Gliedmaßen und Flügel wickelten und ihn Schritt für Schritt zu Boden zwangen. Der Drache bäumte sich auf, fauchte, spie Feuer, das zischend an Schilden und Rüstungen abprallte. Seine Flügel rissen Sand und Staub wie einen Sturm durch die Höhle.
Die Männer wichen zurück, taumelten, suchten Deckung – doch nur für einen Atemzug. Dann trieben sie die Flaschenzüge an, zogen die Seile straff, verankerten sie an Felsen und Metallhaken. Langsam, unerbittlich, sanken die mächtigen Flügel auf den Boden. Die Bestie kämpfte mit letzter Kraft, schlug mit dem Schweif, riss Krallen in den Fels. Aber der Kampf war entschieden.
Als der Drache keuchend und festgezurrt lag, trat ein Mann aus den Reihen hervor – ein Ritter, gepanzert wie aus alten Heldensagen. Das Schwert in seinen Händen war so groß, dass er es nur mit Mühe führen konnte, eine Waffe, die ihn beinahe überragte. Sein Schritt war ruhig, sein Blick unbewegt.
Er hob das Schwert über den Kopf. Die Luft schien für einen Moment stillzustehen, selbst das Dröhnen des Gewitters draußen verklang. Der Drache hob den Kopf, fauchte ein letztes Mal, ein Geräusch voller Wut und Verzweiflung.
Dann sauste die Klinge herab.
Schützend hob die Rothaarige die Hand vor das Gesicht, als sie die Augen öffnete. Das Sonnenlicht traf sie unerwartet hart, und ihre blauen Augen mit der schmalen, geschlitzten Pupille weiteten sich reflexhaft. Ein dumpfer Gedanke drang durch den Schleier der Müdigkeit.
Wo bin ich? Was war das gerade?
„Kef? Bist du anwesend?“ Eine weibliche Stimme durchbrach die Trägheit in ihrem Kopf.
„Mhm…?“ Kefka blinzelte mehrmals, suchte nach Halt in der plötzlichen Helligkeit. „Was? Wie? Was ist passiert?“
„Du bist eingeschlafen, Kefka.“ Die Stimme klang ruhig, fast belustigt.
Langsam passten sich ihre Augen an. Vor ihr saß eine junge Frau mit langen, hellblonden Haaren, die ihr in weichen Wellen bis zur Taille fielen. Schlank, sportlich – vertraut.
Kefka richtete sich auf. Ihr eigenes Haar, rot mit tiefschwarzen Strähnen durchzogen, fiel ihr schwer über die Schultern bis zur Hüfte hinab. Auch sie war durchtrainiert, der Alltag ihres Studiums ließ ihr kaum Raum für Trägheit.
„Warst du schon wieder bis tief in die Nacht mit deinem Handy online?“ fragte die Blonde, ein prüfender Blick in den Augen.
Kefka verzog leicht den Mund. „Ach Mika… du weißt doch, wie viel Stoff ich nacharbeiten muss. Wenn ich nicht am Ball bleibe, hänge ich wieder hinten dran.“