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Der Gestank von billigem Tequila und verschüttetem Bier lastete wie ein schweres Gewicht auf meiner Brust. Ich bekam kaum noch Luft. Ich hätte nicht zu dieser Party kommen sollen. Eigentlich sollte ich zu Hause sein und mich unter meiner Bettdecke vergraben. Dort würde ich Müsli direkt aus der Packung essen und irgendeine dämliche Reality-Show schauen, bei der mein eigenes Leben weniger wie ein totaler Trümmerhaufen aussah.
Stattdessen stand ich in der Ecke eines schäbigen Verbindungskellers. Ich klammerte mich an einen lauwarmen Plastikbecher, als wäre er mein Rettungsboot.
„Du tust es schon wieder“, flüsterte Ava und lehnte sich an meine Schulter. Meine beste Freundin war ein Engel, weil sie mich heute Abend mitgeschleppt hatte. Aber sie log sich selbst etwas vor, wenn sie dachte, dass mir das hier half. „Du suchst nach ihm, Soph. Hör auf damit. Er ist die Wimperntusche nicht wert, die du heute aufgetragen hast.“
„Ich suche nicht nach ihm“, log ich. Die Worte schmeckten wie Asche.
Natürlich suchte ich nach ihm. Ich hatte Mark gesucht, seit wir durch die Tür gekommen waren. Drei Jahre lang war Mark die Sonne und ich der Planet in seiner Umlaufbahn. Wir waren das Traumpaar aus der Highschool. Das Paar, das es schaffen würde. Dann kamen wir an die U of M. Plötzlich wollte Mark keine Freundin mehr, die seine Kindheitsängste kannte und die Lasagne seiner Mutter liebte. Er wollte „persönliches Wachstum“. Er wollte sich „ausprobieren“.
Das hieß übersetzt: Er wollte alles flachlegen, was einen Puls hatte und ihn nicht an zu Hause erinnerte.
„Oh, Scheiße“, murmelte Ava und drückte fest meinen Arm.
Ich folgte ihrem Blick und mein Herz brach nicht nur – es zerfiel zu Staub. Da war er. Mark. Er lehnte an einem Beer-Pong-Tisch. Seinen Arm hatte er lässig um ein Mädchen mit platinblonden Haaren gelegt. Ihr Rock war so kurz, dass er auch als Gürtel hätte durchgehen können. Er lachte. Dieses laute, dröhnende Lachen, das früher nur für meine Witze reserviert war.
Er sah nicht aus wie ein Typ, der vor vier Tagen eine dreijährige Beziehung beendet hatte. Er sah aus, als hätte er gerade im Lotto gewonnen.
„Ich muss weg“, brachte ich mühsam heraus. Der Tequila in meinem Becher fühlte sich plötzlich wie Gift an. „Ich kann hier nicht bleiben, Ave. Ich muss mich gleich übergeben.“
„Soph, warte –“
Ich wartete nicht. Ich drängelte mich durch die verschwitzten, tanzenden Körper. Die genervten Rufe ignorierte ich, während ich mir den Weg zur Treppe bahnte. Ich brauchte Luft. Ich musste weg von diesem Anblick. Er machte einfach weiter, während ich noch darum kämpfte, überhaupt wieder tief durchzuatmen.
Ich stürzte durch die Hintertür in die kühle Nachtluft und stolperte zum Geländer der Veranda. Meine Lungen brannten. Es war erbärmlich. Ich war zwanzig Jahre alt und verlor den Verstand wegen eines Typen, der wahrscheinlich schon meinen Zweitnamen vergessen hatte, als er die ersten Silikonbrüste sah.
„Ganz schön viel Drama für einen Donnerstagabend.“
Die Stimme war tief – ein tiefes, melodisches Grollen, das bis in meine Fußsohlen vibrierte.
Ich drehte mich nicht um. Ich konnte nicht. Meine Augen brannten von den Tränen, die einen wie ein Sumpfmonster aussehen lassen. Ich brauchte keine Zuschauer für meinen Zusammenbruch. „Zieh Leine.“
„Vergiss es“, sagte die Stimme, jetzt viel näher. Ich hörte das Scharren von Stiefeln auf dem Holz. Dann lehnte sich ein Körper neben mir gegen das Geländer.
Ich spähte durch den Vorhang meiner Haare. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Und ausnahmsweise lag es nicht an Mark.
Eli Underwood.
Ich wusste, wer er war. Jeder kannte Eli. Er war der Typ, der einen Raum nicht einfach betrat, sondern ihn in Besitz nahm. Dunkle Haare, Augen wie ein stürmisches Meer und ein Mund, der für zwei Dinge gemacht schien: Lügen und Mädchen zum Schreien bringen. Er war der Campus-Gott für One-Night-Stands. Ein wandelndes Warnschild für jedes Mädchen, dem ihr Verstand etwas wert war.
„Du bist Sophie, oder? Sophie Reed?“ Er sah mich nicht an. Er starrte in den dunklen Garten und ein leichtes Grinsen umspielte seine Lippen.
„Woher kennst du meinen Namen?“ Ich wischte mir energisch mit dem Handrücken über die Augen.
„Ich passe eben auf“, zuckte er mit den Schultern. Schließlich drehte er den Kopf. Die Intensität seines Blicks gab mir das Gefühl, zu nah an einem Feuer zu stehen. „Und gerade fällt mir auf, dass du aussiehst, als würdest du gleich aus deiner Haut fahren. Was ist los, Reed? Hat dich jemand angepisst?“
„Mein Leben ist ein Witz“, zischte ich. Die Bitterkeit kochte endlich über. „Mein Freund – mein Ex-Freund – führt sich da drinnen auf, als hätte es mich nie gegeben. Wir waren drei Jahre zusammen, Eli. Drei Jahre. Und er hat mich innerhalb von sechsundneunzig Stunden ersetzt.“
Eli schnaubte leise. „Klingt so, als wäre er ein verdammter Idiot.“
„Er ist kein Idiot. Er ist einfach... er ist Mark. Alle lieben Mark.“
„Ich nicht“, sagte Eli schlicht. Er trat näher und drang in meinen persönlichen Bereich ein. Ich konnte ihn riechen – eine Mischung aus Sandelholz, teurem Bourbon und purem Ärger. „Ich halte ihn sogar für einen riesigen Vollpfosten. Und die Tatsache, dass du hier draußen wegen so einer Flasche heulst? Das ist die wahre Tragödie.“
„Du hast doch keine Ahnung“, flüsterte ich, obwohl ich nicht zurückwich. Meine Haut kribbelte überall dort, wo er mir nahe war.
„Ich weiß genug“, murmelte er. Er streckte die Hand aus. Seine langen Finger strichen über meinen Kiefer und hoben mein Gesicht zu seinem. Seine Berührung fühlte sich elektrisierend an, ein krasser Kontrast zum kalten Wind. „Ich weiß, dass du das hübscheste Mädchen in diesem Haus bist. Und ich weiß, wenn du an meinem Arm da wieder reingehst, wird Mark nicht mehr lachen. Er würde an seiner eigenen Zunge ersticken.“
Mein Atem stockte. „Bietest du dich etwa als mein Fake-Freund an, Eli? Ich kenne diese Geschichten und die gehen nie gut aus.“
Eli lachte – ein dunkles, raues Geräusch, das mir direkt durch Mark und Bein ging. „Ich mache nichts auf Fake, Sophie. Und ich bin definitiv kein Typ für feste Beziehungen. Aber ich bin ein großer Fan von Ablenkung. Und du siehst aus, als bräuchtest du heute Nacht die Mutter aller Ablenkungen.“
Er wartete meine Antwort nicht ab. Er lehnte sich vor, bis sich unsere Nasenspitzen fast berührten. Die Welt schrumpfte zusammen auf seine Hitze und die Art, wie seine Augen fast schwarz wurden.
„Komm mit zu mir“, sagte er mit einer rauen, leisen Stimme. „Nur eine Nacht. Keine Vergangenheit, keine Zukunft. Nur ich, wie ich dich vergessen lasse, dass dieser verdammte Mark jemals existiert hat.“
Ich hätte Nein sagen sollen. Ich hätte weggehen und Ava suchen sollen. Aber dann blickte ich durch die Glastür. Ich sah, wie Mark das blonde Mädchen zur Treppe führte. Da riss in mir etwas. Das „brave Mädchen“, das sich immer an die Regeln hielt, war tot. Mark hatte sie umgebracht.
„Eine Nacht“, flüsterte ich.
Elis Grinsen wurde raubtierhaft – und seltsam hungrig. „Eine Nacht.“
Ich war kein guter Mensch. Ich tat auch nicht so. Ich liebte mein Leben genau so, wie es war: schnell, laut und ohne jeglichen emotionalen Ballast. Ich hatte einen Ruf auf diesem Campus und ich gab mir Mühe, ihn zu behalten. Wenn man einen Typen wollte, der Händchen hielt und einen „Schatz“ nannte, war man bei mir falsch. Wenn man für zwei Stunden Gott sehen wollte und wollte, dass ich vor Sonnenaufgang weg bin? Dann war ich der Richtige.
Aber Sophie Reed war anders.
Ich hatte sie jahrelang immer mal wieder gesehen. Sie war das Mädchen im Hintergrund. Die Stille. Diejenige, die immer an diesem arroganten Mark klebte. Für einen Typen wie mich war sie eigentlich zu sanft. Zu süß. Sie sah aus, als würde sie nach Erdbeeren und Sonnenschein schmecken. Ich war eher der Typ für schwarzen Kaffee und Zigaretten.
Aber als ich sie auf der Veranda sah, wie sie zitterte und am Ende war? Da passierte etwas mit mir. Ich wollte irgendwas kaputt schlagen. Am liebsten Marks Gesicht.
Als sie zustimmte, mit zu mir zu kommen, dachte ich, sie würde einen Rückzieher machen. Die meisten Mädchen wie sie taten das. Sie fanden die Idee von einem Typen wie mir gut, aber die Realität war ihnen dann zu viel.
Sophie zögerte nicht eine Sekunde.
Im Auto redeten wir kaum. Sie saß auf dem Beifahrersitz meines Jeeps und starrte aus dem Fenster. Ihre Hände in ihrem Schoß zitterten. Ich wollte herüberreifen und ihre Hand halten, aber ich tat es nicht. Das war nicht Teil der Abmachung.
In dem Moment, als wir das Eishockey-Haus betraten, änderte sich die Stimmung. Es war nicht mehr nur Spannung; es war ein verdammtes Gewitter. Ich hatte die Tür kaum geschlossen, da drehte sie sich schon zu mir um. Ihre Augen waren weit und verzweifelt. Gott sei Dank waren die Jungs noch unterwegs.
„Eli“, fing sie an, aber ich ließ sie nicht ausreden.
Ich packte sie an der Taille und zog sie eng an mich. Meine Hände fanden die Kurven ihres Arschs durch das dünne Seidenkleid. Sie stieß einen kleinen, überraschten Seufzer aus und legte ihre Hände auf meine Brust.
„Denk nicht nach, Reed“, knurrte ich und vergrub mein Gesicht in ihrer Halsbeuge. Sie roch noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Nach Vanille und Blumen.
Ich biss in die empfindliche Haut direkt unter ihrem Ohr. Sie stieß ein Stöhnen aus, das bis in meinen Brustkorb vibrierte. Das war's. Meine Selbstbeherrschung, die normalerweise ziemlich stabil war, löste sich in Luft auf.
Ich drückte sie gegen die Tür. Mein Mund fand ihren in einem Kuss, der alles andere als sanft war. Ich wollte sie verschlingen. Ich wollte mich ihr so tief einprägen, dass sie mich immer unter ihrer Haut spüren würde – egal, wie viele Highschool-Liebelei sie noch hatte.
Sophie hielt nicht still. Sie kletterte an mir hoch wie an einem Baum. Ihre Beine schlangen sich um meine Taille, während sie in meinen Mund wimmerte. Ihre Hände krallten sich in meine Haare, sie zog daran und wollte mehr.
„Schlafzimmer“, brachte sie zwischen den Küssen hervor.
„Sofort“, stimmte ich zu.
Ich trug sie den Flur entlang, mein Puls hämmerte in meinen Ohren. Ich stieß die Zimmertür mit dem Fuß auf und warf sie auf die Matratze. Ich ließ ihr keine Sekunde zum Durchatmen, bevor ich über sie herfiel.
Wir rissen uns die Kleider mit einer hektischen, verzweifelten Gier vom Leib. Als sie schließlich nackt unter mir lag, im schwachen Licht der Nachttischlampe, hielt ich inne. Ich musste einfach. Sie war das Schönste, was ich je gesehen hatte. Plötzlich traf mich ein heftiger Stich in der Magengegend – etwas, das sich gefährlich nach echten Gefühlen anfühlte.
„Alles okay bei dir?“, fragte ich mit rauer Stimme.
Sophie sah zu mir auf. Ihr Brustkorb hob und senkte sich schnell, ihre Augen suchten meine. „Hör nicht auf, Eli. Bitte. Lass mich einfach... alles vergessen.“
Ich hörte nicht auf.
Zuerst nahm ich sie ganz langsam, ich wollte jeden Zentimeter von ihr spüren. Sie war so eng und so leidenschaftlich. Jede Berührung entlockte ihr neue Laute. Aber im Laufe der Nacht fing der „unverbindliche“ Teil unserer Abmachung an zu bröckeln.
Der Sex war unglaublich – der beste, den ich je hatte, ohne Frage. Aber es war mehr als das. Es war die Art, wie sie mich ansah, als sie ihren Höhepunkt erreichte. Als wäre ich der einzige Mensch auf der Welt. Es war die Art, wie sie danach nicht abrückte.
Normalerweise suchte ich an diesem Punkt nach meinem Handy oder überlegte mir, wie ich mich elegant aus dem Staub machen konnte.
Stattdessen zog ich die Decke über uns beide. Ich bettete ihren Kopf unter mein Kinn und legte meine Hand auf ihren unteren Rücken. Sie dämmerte bereits weg, ihr Atem wurde an meiner Brust ganz ruhig.
Ich hätte gehen sollen. Ich hätte mich auf das Sofa legen sollen.
Aber das tat ich nicht. Ich blieb. Ich blieb, bis die Sonne durch die Vorhänge schien. Ich beobachtete sie beim Schlafen und merkte, dass ich gerade die wichtigste Regel von Eli Underwood gebrochen hatte.
Ich fing an, Gefühle für sie zu entwickeln. Und ich hatte das im Urin, dass das ein verdammtes Desaster werden würde.

