Chapter 1
Beckham
Ich konnte mich nicht erinnern, wann mich mein Bedürfnis das letzte Mal so im Griff gehabt hatte. Nicht nur ein bloßer Wunsch... ein Bedürfnis. Ein dreckiges, kriechendes Bedürfnis, das unter meine Haut ging. Mein Burnmark juckte unter meiner linken Handfläche wie ein unter Strom stehendes Kabel, während mein Breakmark an der rechten Hand eisig pulsierte. Es passierte immer, wenn es ruhig um mich wurde: Ein Hunger überkam mich, den ich nicht beim Namen nennen konnte. Ich konnte ihn nur mit Ficken betäuben.
Regen überzog die Straßen von Dominion, und das Neonlicht verlief in den Pfützen auf dem nassen Asphalt. Die Luft schmeckte nach Ozon, ein Geruch, der alles durchdrang. Jeder Schatten hier kannte mich. Jede Kamera auch. Beckham Cross zu sein bedeutete, dass sich Türen öffneten, Drinks serviert wurden und sich Schenkel spreizten. Es lag nicht nur an den Stunden im Fitnessstudio oder dem maßgeschneiderten Anzug, der meine breiten Schultern betonte; es war der Name. Unser Name. Die Black Skulls. Die größte, härteste Gang der Stadt. Dominion gehörte uns, und jeder wusste das.
Endlich sah ich mein Ziel für heute Abend. Die blaue Lampe über einer schwarzen Tür. Meine Bar, meine Droge. Drinnen schlug mir die Hitze wie eine Faust entgegen. Schweres Parfüm, eine Menge Schweiß und der Bass, der in meiner Brust wummerte. Die Köpfe drehten sich, sobald ich eintrat. Manche senkten den Blick, andere starrten zu lange. Ein paar Typen am Ende der Bar murmelten meinen Namen wie einen Fluch. Ein Mädchen in einem roten Kleid mit langem blonden Haar straffte die Schultern. Ihre Augen waren schon auf mich gerichtet, als hätte sie nur auf mich gewartet. Das taten sie immer.
Mein Ruf hatte mich zu einem Pussy-Magneten gemacht; mein Gesicht und mein Körper waren meine Waffe. Und heute Abend würde ich sie wieder benutzen.
Ein kurzer Blick in Richtung Flur, der zu den Toiletten führte. Die Blonde folgte mir, ihre Absätze klackerten wie Schüsse auf den Fliesen.
Zwei Minuten später presste sie ihre Hände gegen die Wand der Toilettenkabine, das rote Kleid bis zur Taille hochgeschoben. Ich umklammerte ihre Hüften und stieß mit all der aufgestauten Wut, die in meinen Knochen rüttelte, in sie hinein. Jeder Stoß knallte sie gegen die Fliesen, und die Kabine bebte unter der Wucht. Ihre Stöhnen klang scharf und hoch, aber es drang kaum durch den Nebel, der in meinem Kopf tobte.
Ich dachte nicht einmal an sie. Nur an Burn. Nur an Break. Und an das Bedürfnis, irgendetwas zu fühlen, nur nicht diese Leere.
Ihr süßes Parfüm verstopfte mir die Kehle. Schweiß rann von meiner Schläfe an meinem Kiefer hinab. Ich drückte meine Brust gegen ihren Rücken, die Zähne zusammengebissen, und stieß ein Knurren aus. Meine Hüften rammten sie, als wäre sie nichts weiter als das Ventil, das ich brauchte. Scham kroch unter meine Haut, aber ich wurde nicht langsamer. Scham war Teil des Rituals. Meines Rituals. Es war das Bedürfnis, das ich niemals loslassen konnte. Mein Fluch.
„Fuck! Beckham!“, wimmerte sie.
Ich gab es ihr. Härter. Gnadenlos. Es war mir egal, wer zuhörte. Es war mir egal, dass wir in der Öffentlichkeit waren. Dieses Bedürfnis musste gestillt werden, und zwar sofort.
Ich legte den Kopf in den Nacken und kniff die Augen zu. Hinter meinen Lidern sah ich nur die Skyline von Dominion, wo die Lichter wie ein Neon-Kruzifix pulsierten. Das Jucken in meiner Handfläche schrie förmlich, und ich stieß noch tiefer hinein, als wollte ich es dort vergraben – in ihrem Körper, in der Hitze und der Nässe.
Mein Handy vibrierte.
Ich knurrte es an, aber hörte nicht auf.
Es vibrierte erneut, beharrlich. Mein Handy in der Tasche drückte gegen ihre Hüfte. Ich wusste, dass es nicht aufhören würde.
Mit einem Fluch zog ich es einhändig hervor, während die andere Hand ihre Taille noch immer umklammerte und sich wie aus Reflex weiterbewegte. Ich sah kaum auf das Display. Johnny Vega. Natürlich.
Ich nahm den Anruf mit einem rauen Knurren entgegen. „Was?“
Ein Rauschen, dann Johnnys tiefe, kiesige Stimme, abgehackt und atemlos, als wäre er gerannt. „Beck. Wir wurden getroffen.“
Ich erstarrte mitten in der Bewegung, meine Brust hob und senkte sich schwer. „Getroffen? Von wem?“
„Jemand hat Grayson geholt.“
Die Welt stürzte in sich zusammen. Das Jucken, mein Burn, der ganze Lärm in meinem Kopf ... alles weg. Nur Eis blieb übrig, als seine Worte durch meinen Körper sickerten. Mein Burnmark glühte heiß auf, das Breakmark wurde eiskalt.
Das Mädchen stöhnte unter mir, wand sich und stieß gegen mich, verzweifelt nach dem, was ich ihr mitten im Stoß gestohlen hatte. „Hör nicht auf, bitte, Beckham, bitte!“
Ich hörte ihr nicht zu. Mein Körper funktionierte nur noch mechanisch, meine Hüften hämmerten wieder auf sie ein, härter und schneller als zuvor. Johnnys Stimme bellte aus dem Telefon, aber das war nur Hintergrundgeräusch. Ich brauchte die Erlösung, bevor mein Kopf klar werden konnte, bevor der Skull-Teil in mir wieder die Kontrolle übernahm. Ich konnte mich nicht konzentrieren, solange der Fluch so wild in mir tobte.
Ich rammte mich mit brutalen, strafenden Stößen in sie, dass die Kabine bebte, als würde sie gleich aus der Verankerung reißen. Ihre Schreie hallten scharf in meinen Ohren, grenzten fast an Schmerz, aber ich lebte für diesen Grenzbereich und das Ficken daran – so war es eben. Meine Hand krallte sich in ihre Hüfte, die Knöchel traten weiß hervor. Ich beugte mich über sie, keuchend an ihrem Hals, das Telefon am Ohr, während Johnny weiter schrie.
Mein Blickfeld wurde eng, schwarz und rot an den Rändern. Das Jucken in meiner Handfläche erreichte einen fiebrigen Höhepunkt, während die Kälte in der anderen Hand wie Glas schnitt. Mein Körper spannte sich an, peitschte vor, und ich zog mich gerade noch rechtzeitig zurück. Ich kam mit einem Stöhnen über ihrem unteren Rücken. Es war heiß und dreckig, ein Anspruch, den ich mir niemals erlaubte, innen zu hinterlassen.
Niemals innen. Nicht bei ihr. Bei niemandem. Nicht hier. Nie.
Sie japste, zitterte gegen die Wand und flüsterte einen Fluch, den ich nicht verstand. Ich war bereits dabei, mich anzuziehen, die Brust noch immer keuchend.
Das Handy noch immer am Ohr. „Bring den Wagen zum Crossing“, bellte ich und unterbrach Johnny mitten im Satz. „Ich bin unterwegs.“
Ich sah sie nicht an. Mir war das Chaos egal, das an ihrem Rücken hinunterlief, der verschmierte Lippenstift auf ihrer Wange oder der Hunger, der noch immer in ihrer Stimme mitschwang.
Ich stieß die Kabinentür auf, trat zurück in den Flur, wo das Neonlicht durch das zerbrochene Fenster fiel. Der verfluchte Jäger war fort. Nur der Skull blieb zurück.
Und Grayson war da draußen. Entführt.
Das bedeutete, dass heute Nacht Blut in den Straßen von Dominion fließen würde. Mein anderes Mal brannte, bereit zum Töten.