nine till nine

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Zusammenfassung

Wann immer der extravagante, zielstrebige und lebenslustige Nic mit seiner kühlen und unfreundlichen Chefin Danielle zusammenarbeitet knallt es. Also so gut wie jeden Tag. Wieso war sie so und wieso führt Dani das erfolgreiche Bistro mit dem schönen Ambiente so halbherzig? Nic fühlt sich provoziert und angestachelt. Was kann er nur tun um ihre harte Schale aus Freudlosigkeit und Kälte aufzubrechen? Je tiefer Nicholas bohrt um Danielle's Feuer zu entfachen, umso dunkler wird es.

Genre:
Erotica/Romance
Autor:
kazu
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
19
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

1


__________

.

.

[Nicholas]


"Ey. Das das hab ich auch schon mal schneller gesehen..."

Sie murmelte mich mit hochkonzentriertem Blick leise von der Seite aus an. Mal wieder.

In Gedanken äffte ich meine Chefin nach und rollte innerlich mit den Augen. Was auch immer ihr jetzt schon wieder für eine Laus über die Leber gelaufen war - es nervte.

Ich tat bereits mein Bestes um alle Bestellungen fertig zu stellen. Aber das Lokal war nun einmal brechend voll und ich hatte nur zwei Hände und ein Gehirn. Ich war zwar sehr fit im Kopf und ziemlich auf Zack. Aber das änderte nun einmal NICHTS an der Tatsache, dass alle Tische des Lokals besetzt waren. Hier war die Hölle los.

Melody, unsere einzige Bedienung, rotierte ohne Unterlass während ich die hereinflatternden Bons abarbeitete. Hier ein Stück Kuchen, da eine Schüssel Eintopf, dann ein Sandwich und natürlich unzählige Salate, die alle erst einmal von mir angerichtet werden mussten.

Die Einzige, die gerade gut klar kam, war Danielle.

Wie immer. Sie kämpfte zwar selbst an diversen Fronten aber hatte wie jeden Tag den kompletten Überblick.

Sie übertrug den hohen Anspruch, den sie an sich selbst hatte, auf uns. Nicht, dass ich keinen Anspruch an mich selbst hatte - im Gegenteil. Aber Mitarbeiter-Motivation hatte sie irgendwie nicht gut drauf.

Ihre Struktur und ihr stets kühler Kopf zeichneten sie als Boss definitiv aus und ihre Stress-Resistenz war bewundernswert. Wäre da nicht die Tatsache, dass ihre Art mich manchmal zur Weißglut trieb. Sie hatte manchmal eine unglaublich scharfe Zunge und kam einem regelmäßig dumm. Und das mit einer Ausstrahlung, die einem Eisblock ähnelte. Wie ging das zusammen?

'Wenn mir der Job hier nicht so viel Spaß machen würde, dann würde ich der Bitch den Mittelfinger zeigen, ihr ins Gesicht sagen was sie für eine Oberzicke ist und meine Kündigung auf den Tisch klatschen.'

Aber das wollte ich aktuell noch nicht.

Man konnte mir viele Charakterzüge zuschreiben und sogar vorwerfen.

Meine Neigung zum ständigen Sarkasmus, meine riesige Sturheit, Triebhaftigkeit oder aber meine Impulsivität. Meine Vorliebe für makabere Dinge wahrscheinlich ebenfalls.

Aber ich war sicher kein Mann der leicht aufgab. Meine Sturheit hatte ich ja bereits erwähnt, oder?

Die Flinte nach schon 3 Monaten ins Korn schmeißen obwohl der Job hier bockte? Nein, sicher nicht mit mir.

So hatte ich es schon bei dem Studium gehalten. Das Studium, dass meine pervers-reichen Eltern sich für mich gewünscht hatten. Es war mir aufgezwängt worden. Schlimm genug für Dad, dasses nicht Jura geworden war. 'Welch Schande!' Das Söhnchen würde nicht in seine Fußstapfen treten.

Meiner Intelligenz und Hartnäckigkeit sei Dank, hatte ich vor 3 Jahren diesen lästigen Ingenieur-Abschluss gemacht.

Alles was ich anfing - das zog ich durch.

Kampflose Aufgabe war absolut nicht mein Ding.

Aber warum genau hatte es der wohlhabende, intelligente Nicholas 'Nic' fucking Chambers jetzt nötig bei so einem guten Abschluss in der schlecht bezahlten Gastronomie zu arbeiten? Nicht gerade der Platz für einen smarten und gebildeten Typen...

Tja. Weil es meinen ganz eigenen Plänen in die Karten spielte und Spaß machte. Weil ich's konnte.

Vielleicht war es etwas infantil mit meinen fast 27 Jahren rebellisch und flexibel zu bleiben. Aber ich war nun einmal nicht wie meine Bonzen-Eltern mit ihren hochtrabenden Jobs.

Ich grenzte mich sowohl optisch durch unzählige großflächige Tätowierungen als auch durch meine Interessen von meiner Familie ab. Den Biss und das Durchhaltevermögen hatte ich vererbt bekommen. Den Spieltrieb und die Lust am Leben - das waren meine persönlichen Eigenheiten.

Es würde keinen Ingenieur-Nic mit Hemd und guten Manieren geben. Niemals.

Aber gerade? Ja...

Gerade sehnte ich mich eher nach einem Laptop und einem Schreibtisch. Weit weg von dieser miesen, herrischen...Aaargh. Meine Abneigung gegen Danielle in dieser hektischen Schicht kickte richtig stark rein. Es war bereits der sechste, in meinen Augen ungerechtfertigte, Anschiss für heute gewesen.

"Entschuldigung, die Dame! Ich werde mir ein zusätzliches paar Arme wachsen lassen!"

Ich konterte. Da war sie - die nic'sche Impulsivität, die regelmäßig Besitz von mir ergriff.

Ich fing mir einen kühlen, warnenden Blick aus ihren Augen ein, deren Farbe ich bis dato immernoch nicht benennen konnte. Nannte sich das Hellbraun? Eher noch etwas heller. Bernstein?

'Ach, weiß der Geier...'

Die zierliche Frau, die sehr wahrscheinlich in meinem Alter war, strich sich eine lange Strähne ihres aschblonden Haares hinters Ohr.

Die Stimmung wurde eisig und ihre bissige Art stand meiner Frechheit wieder in Nichts nach.

"Sehr gute Idee, Chambers. Das wäre das Sinnvollste. Bevor die Tische 9, 5 und 8 verhungern. Oder willst du sofort kündigen und gehen? Kommt jetzt gerade auf's selbe raus... "

Ich spannte meinen Kiefer an und mühte mich ab.

Pokerface.

'Warte nur ab, du kleine... Ich werd hier nicht kündigen. Ich bleibe...'

Nachdem ich mir selbst fast sprichwörtlich auf die Zunge beißen musste, legte ich eine Schippe drauf. Ich wollte mich zwar nicht in Hektik reinsteigern aber der Wunsch dieser kleinen Bitch zu zeigen aus welchem Holz ich geschnitzt war - der war groß.

Dass ich nicht einfach nur ein 1,87 m großer, tätowierter Muskel-Larry war, sondern jemand, den man in jeglicher Hinsicht ernst nehmen konnte - Das war es. Sie musste mit meiner Art klar kommen. Jedes Hinderniss konnte ich mühelos in Luft auflösen.

Diese Erfahrungen in der Gastro waren wichtig für meinen Lebensentwurf.

Irgendwann, wenn man mir meine gastronomischen Erfahrungen nicht mehr absprechen konnte, würde ich meinen eigenen Laden aufmachen. Das war schon seit je her mein Plan gewesen. Etwas Eigenes erschaffen.

Die Adresse für gutes Essen, geile Drinks, Musik und Lebenslust. Ein Schlaraffenland des Nachtlebens, in dem jeder auf seine Kosten kam.

Zugeschneidert auf Leute, die tickten wie ich und die von den schönen, leichten Momenten im Leben nicht genug bekommen konnten.

Denn was gab es schon Schöneres als lecker Essen, sich einen anzusaufen und dann nach einem gelungenen Abend ein hübsches Mädel mit heimzunehmen und zu knallen?

Richtig.

Nichts.

Das war die Vision.

Das tägliche Leben war für die meisten Leute schon trist, ernst und grau genug.

Jeder hatte es verdient auch mal den lockeren Grundbedürfnissen nachgehen zu können.

Mit diesem Ziel vor Augen hielt ich stoisch bis zur Schließung um 21:00 Uhr durch.

Und das ohne weiteren Anschiss des knapp über 1,65 m kleinen, scharfzüngigen "Kampfzwergs" von Chefin.


×


[Dani]


'Wow.'

Der Umsatz des Tages ließ sich durchaus sehen, was mir einen ungeheueren Stein vom Herzen fallen ließ.

Heute war wieder einer dieser Tage gewesen.

Der Beweis dafür, dass es sich lohnte dran zu bleiben. Eine Belohnung für die endlosen Mühen und unzähligen Tränen. Endlich war der Knoten geplatzt und der Umsatz stimmte.

Das gute Essen, leckere Getränke und Melody's Freundlichkeit im Service - all das zog seit einigen Monaten immer mehr Gäste an.

Leute, die sich eine willkommene Pause gönnten, Menschen die selbst nicht sonderlich gut kochen oder backen konnten. Und auch die Nachtschwärmer, die sich hier eine gute Grundlage schafften um sich anschließend im Nachbarbezirk in des Discos und Bars einen Rausch reinzuhämmern.

'Es wird...'

Wie lange würde es noch dauern...? Ich musste meine Hochrechnungen an die aktuellen Zahlen anpassen. Aber sicher nicht mehr heute.

Für heute war die Luft endgültig raus.

Ich verstaute die Einnahmen im Tresor im kleinen, verramschten Büro und schlurfte völlig ausgelaugt in den nun dunklen Frontbereich meines Lokals. Dort war es zumindest schon mal zu 90% aufgeräumt.

Die Stühle standen auf den Tischen und durch die Glasfront sah man Silhouetten von Menschen achtlos vorbeilaufen, die alle in Richtung Vergnügungsviertel unterwegs waren. Taxen, die in der Parkbucht Leute absetzten, fuhren ohne Unterlass herbei und wieder in die noch junge Nacht. Alle waren mit sich selbst und ihren bevorstehenden Maßnahmen beschäftigt.

Maßnahmen, die die anonymen Gestalten eine harte Arbeitswoche vergessen ließen.

Niemand nahm Notiz vom nun geschlossenen "Pax". Und schon gleich gar nicht von mir.

Aber das sollte mir egal sein. Nein, es war mir gerade sogar ziemlich recht. Ich genoss die Ruhe nach dem Sturm und die Dunkelheit der Räumlichkeit. Ich schenkte mir das Überbleibsel Rosè-Wein in ein Glas. Die Flasche hatte noch trostlos hinter dem Tresen gestanden und es würde ohnehin nicht mehr für ein zufriedenstellend volles Glas für einen Gast reichen. Als ich die leere Flasche zum anderen Altglas gestellt hatte, setzte ich mich an einen der Ecktische und starrte von drinnen nach draußen. Wie ein Fisch im Aquarium.

Wie lang war es her?

Unbeschwert Sonnenstrahlen im Park genießen?

Zuhause die Worte eines Buches in sich aufsaugen wie ein Schwamm oder stundenlang mit Freundinnen oder der Familie telefonieren?

Shoppen?

Losgelöst tanzen gehen?

Flirten oder gar ficken?

Das war sehr lange her.

So lange, sodass es sich anfühlte als wäre dieses vergangene Leben garnicht mein eigenes gewesen. Als wäre es nur ein Traum gewesen.

Ich führte das Weinglas verbittert zu meinem Mund und ließ die zarte, rosa-angehauchte Flüssigkeit meine Kehle hinab laufen.

Wärme blieb zurück.

Plötzlich gab mein Handy einen Ton von sich und forderte Aufmerksamkeit ein.

》Hey. Schönen Feierabend erstmal. Isses möglich wenn ich morgen erst ab 09:30 Uhr kommen? Hab ja immerhin schon über 30 Überstunden...

Ich stieß ein Seufzen aus.

"Bastard..."

Nicholas Chambers war kein Mitarbeiter der leicht zu führen war. Der nur 5 Monate jüngere Mann mit den dunklen Haaren und vielen Tattoos war aufmüpfig und stets für ein Kompetenz-Gerangel zu haben.

Forderungen stellen konnte er hervorragend.

Allerdings konnte er auch anpacken, war stressresistent. Und überraschend fleißig. Dabei sah er mit seiner großen, muskulösen und alternativen Erscheinung und seinem perfekten Gesicht auch noch so aus, als würde er zum Inventar des modernen Bistro's gehören. Es passte wie Arsch auf Eimer. Und bei all der Arbeit blieb er meistens cool und gelassen.

Vielleicht war es genau das.

Das, was ich neben seinem frechen Maul am meisten verabscheute.

Er stellte alles dar, was ich auch einst gewesen war. Coool und gelassen.... Er hielt mir gnadenlos einen Spiegel vor.

》Ja. Passt. 09:30 statt 08:45 Uhr und keine Sekunde später. Sonst machst du morgen den Laden zu...

In der nächsten Sekunde verfluchte ich mich selbst.

"Scheiße... fuck!"

Ich war heute sowieso unausstehlich gewesen. Und jetzt hatte ich allem die Krone aufgesetzt.

'Toll Dani. Viel zu harsch...'

Aber die Nachricht löschen war wertlos. Er hatte es gelesen und die Quittung kam prompt.

》Gnädig wie immer 🙄 Bin um 09:29 startklar vor Ort. Aber salutieren oder mich für diese Gütigkeit verbeugen muss ich mich nicht, mh?

Ich biss mir auf die Lippe und schlug meine Handfläche genervt auf den Tresen.

Zeit zu rudern. Und zwar nicht vorwärts sondern rückwärts. Jetzt musste ich das kurzfristig kitten. Die nächsten Tage würden auch wieder voll werden. Da brauchte ich jede Hand.

Sprich: Auch Nicholas' volltätowierte Riesenpranken. Gerade die...

Morgen kam eine Gertänke-Lieferung.

》Jaja schon okay. Sorry. Komm um 10:30 Uhr. Das reicht.

Ich sollte austrinken und am besten schleunigst die Kurve kratzen. Ich brauchte dringend eine Mütze Schlaf. Bevor ich ihn und andere Mitmenschen noch weiter wahllos anschiss.