From the First Moment - Zwei Herzen in Manhattan

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Dante Blackwood hat alles hinter sich gelassen: den Reichtum seiner Familie, die erstickenden Erwartungen der New Yorker Society und vor allem den Schatten seiner Mutter Elli. Seit fünf Jahren herrscht Funkstille – ein notwendiger Befreiungsschlag gegen eine Frau, die Homosexualität als Schande betrachtet und jedes Mittel, bis hin zur Gewalt, nutzte, um ihren Sohn zu formen. Heute ist der 27-Jährige ein hochangesehener IT-Spezialist bei Kaiser Enterprise und lässt sich von niemandem mehr vorschreiben, wer er zu sein hat. Dantes Leben folgt einer klaren Struktur, bis seine beste Freundin Laurel eine Begegnung hat, die alles verändert. Sie hat ihn gesehen: Gabriel Kaiser. Der mysteriöse CEO, der sein Imperium wie ein Phantom aus dem Hintergrund leitet, ist plötzlich greifbar. Als Dante schließlich selbst auf Gabriel trifft, stellt er fest, dass der Mann hinter der kühlen Maske so ganz anders ist, als die Gerüchte vermuten lassen. Zwischen den Serverräumen und den glitzernden Penthouses Manhattans entbrennt eine Verbindung, die Dante niemals für möglich gehalten hätte. Doch das neue Glück lockt die Geister der Vergangenheit aus ihren Löchern. Elli Blackwood ist nicht bereit, ihren Sohn endgültig aufzugeben, und plant, ihn mit aller Macht zurück in ihr Weltbild zu zwingen. Aber sie hat eine Sache unterschätzt: Dante ist nicht mehr der Junge von damals. Er hat gelernt, sich zu wehren - nicht mit Fäusten, sondern mit einer Zunge, die so scharf ist wie sein Verstand. Sogar gegenüber Gabriel nimmt er kein Blatt vor den Mund, was die Funken zwischen ihnen nur noch heftiger sprühen lässt.

Genre:
Lgbtq
Autor:
L. N. Rivers
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
16
Rating
5.0 4 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Kapitel 1 

Dante:

Das rhythmische Klackern meiner Tastatur war das einzige Geräusch, das mich in meiner Konzentration hielt. Ich war gerade vollkommen in den Zahlenkolonnen versunken, als ein vertrauter Duft nach Vanille-Parfüm meine Aufmerksamkeit stahl. Laurel lehnte sich so weit über meinen Schreibtisch, dass ihre Haare fast meine Tastatur berührten.

„Du glaubst nicht, wem ich gerade im Foyer begegnet bin“, raunte sie mir zu. Ihr Blick war so intensiv, als hätte sie gerade den Jackpot im Lotto geknackt.

Ich hielt inne, die Finger noch über den Tasten schwebend, und sah sie fragend an. „Lass mich raten: Der Lieferant mit den kostenlosen Donut-Proben?“

„Besser“, flüsterte sie und schirmte ihren Mund mit der Hand ab, als stünden wir unter strengster Beobachtung. „Gabriel Kaiser.“

Ich zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Unser CEO? Echt jetzt? Ich dachte, der Mann wäre ein Mythos, den die Personalabteilung erfunden hat, um uns Angst einzujagen. Ich arbeite seit einem Jahr hier und habe noch nicht einmal ein aktuelles Foto von ihm gesehen.“

„Das ist es ja! Er ist wie ein Geist. Nur der innerste Zirkel bekommt ihn zu Gesicht“, sprudelte es aus ihr heraus. Sie ließ sich auf die Kante meines Schreibtisches sinken. „Aber ich sag’s dir, Dante: Wenn das ein Geist ist, will ich ab sofort in einem Spukhaus wohnen. Der Mann ist verdammt heiß. Und diese grauen Augen ... ich schwöre, die brennen dir direkt Löcher in die Seele.“

Ich musste schmunzeln. „Klingt ja fast so, als hättest du dich schockverliebt.“

„Fast“, gab sie zu und seufzte theatralisch. „Er hat im Aufzug zwar gerade jemanden am Telefon zusammengefaltet wie eine alte Landkarte, der Typ am anderen Ende der Leitung tut mir jetzt noch leid , aber als er aufgelegt hatte, war er die Höflichkeit in Person. Er hat sich bei mir für den Lärm entschuldigt und sogar gelächelt.“ Sie schmollte und strich sich eine Locke aus dem Gesicht. „Wenn nicht jeder wüsste, dass er absolut nicht auf Frauen steht, hätte ich glatt meine Nummer in seine Sakkotasche fallen lassen. Aber bei ihm habe ich wohl keine Chance.“

Sie warf mir einen vielsagenden Blick zu, den ich nur zu gut deuten konnte.

Ich lehnte mich in meinem Bürostuhl zurück und bedachte sie mit einem schiefen Grinsen. „Soll ich jetzt die Taschentücher rausholen und Mitleid mit dir haben? Oder worauf genau willst du hinaus, Lau?“, fragte ich und konnte mir einen kecken Unterton nicht verkneifen.

„Mann, Dante! Das ist echt gemein“, stieß sie aus und warf dramatisch den Kopf in den Nacken. „Ich schütte dir hier mein Herz aus und klage dir mein Leid darüber, dass dieser Gott von einem Mann absolut unerreichbar für mich ist, und du hast nichts Besseres zu tun, als mich aufzuziehen?“

Sie verschränkte die Arme fest vor der Brust und schob die Unterlippe vor. Es war derselbe Ausdruck, den sie schon in der elften Klasse aufgesetzt hatte, wenn ich ihr die letzte Pommes weggegessen hatte. Ein Bild, das sich über die Jahre kaum verändert hatte und mich jedes Mal aufs Neue zum Schmunzeln brachte.

Ich stieß einen tiefen, absichtlich theatralischen Seufzer aus, um ihr ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen. „Na gut, ich hab’s verstanden. Dein Schicksal ist wahrlich tragisch.“ Ich rollte mit dem Stuhl ein Stück zurück und stand auf. Während ich mein Sakko kurz glattstrich, beugte ich mich zu ihr hinunter und drückte ihr einen freundschaftlichen Kuss auf den Scheitel.

„Bleib ganz ruhig, Dramaqueen. Ich gehe jetzt zum Automaten, hol dir einen ‚Ich-werde-nie-die-Frau-eines-Milliardärs‘-Schokoriegel und für mich einen extrastarken Kaffee. Deal?“

Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, auch wenn sie immer noch versuchte, beleidigt zu wirken. „Mit Extra-Nüssen, Dante! Wenn schon Frustessen, dann richtig.“

Kopfschüttelnd und mit einem leisen Lächeln auf den Lippen machte ich mich auf den Weg in die Pantry-Küche unserer Abteilung. Das leise Summen der Kaffeemaschine war hier das dominierende Geräusch. Ich fütterte den Automaten mit Münzen, fischte den Riegel mit den Extra-Nüssen aus dem Auswurfschacht und wartete geduldig, bis mein schwarzer Kaffee mit einem Schuss Milch und zwei Löffeln Zucker fertig war.

Als ich zurück an meinen Schreibtisch kam, wurde ich bereits sehnsüchtig erwartet. Ich reichte Laurel ihre „Beute“, woraufhin sie den Riegel fast schon andächtig entgegennahm.

„Meine Rettung des Tages!“, verkündete sie, während sie das Papier aufriss. „Ich sage es dir, Dante: Egal, welcher glückliche Mann es irgendwann schafft, das Herz dieses Mannes zu erobern und ihn zu bändigen – diese Person werde ich ab diesem Tag bedingungslos anhimmeln. Er muss ein Heiliger sein. Oder ein Magier.“

Ich lehnte mich gegen die Schreibtischkante und nahm einen vorsichtigen Schluck von meinem heißen Kaffee. „Jetzt übertreib mal nicht. Du willst also ernsthaft jemanden zu deinem Idol machen, nur weil er ein Date mit unserem Chef hat? Seit wann bist du so leicht zu beeindrucken?“, neckte ich sie. „Normalerweise bist du doch diejenige, die jeden Mann erst einmal durch ein Verhör jagt, bevor er auch nur in deine Nähe kommen darf.“

Laurel kaute genüsslich auf einem Stück Schokolade und sah mich mit einem seltsamen Glitzern in den Augen an. „Das ist etwas anderes. Bei Gabriel Kaiser geht es nicht um ein simples Date. Es geht um das Unmögliche. Er ist wie ein Rätsel, das niemand lösen kann.“

Sie biss ein weiteres Mal von ihrem Schokoriegel ab, schloss kurz die Augen, als würde sie die Kombination aus Nougat und Koffein zelebrieren, und redete dann mit vollem Mund weiter. „Eben weil er sich wie ein Phantom verhält, wissen wir absolut nichts über ihn. Nicht einmal die banalsten Dinge. Trinkt er seinen Kaffee schwarz wie die Seele seiner Konkurrenten? Oder mit Unmengen an Zucker? Keiner weiß es.“

Sie ließ ihren Blick prüfend über meine Schultern wandern und grinste dann breit. „Was ich aber weiß: Der Mann verbringt Zeit im Fitnessstudio. Viel Zeit. Sein Sakko war maßgeschneidert, aber selbst der beste Schneider der Welt kann diese Muskeln nicht verstecken. Ich dachte einen Moment lang echt, die Nähte an seinen Oberarmen würden jeden Moment nachgeben.“

Sie kicherte und stupste mich mit dem Fuß an. „Versteh mich nicht falsch, Dante. Du bist ja auch kein schmales Hemd und für einen IT-Experten verdammt gut in Form, aber dieser Kaiser? Er ist eine ganz andere Gewichtsklasse. Er wirkt... mächtig. Fast schon gefährlich.“

Ich schaute an mir selbst herunter und zog unwillkürlich den Bauch ein, was Laurel nur noch mehr zum Lachen brachte. „Na toll. Jetzt hast du es geschafft. Ich fühle mich offiziell wie ein Lauch“, brummte ich spielerisch beleidigt, während mein Interesse an diesem mysteriösen Kraftpaket von einem Chef wider Willen wuchs.

Laurel schien mein gespielte Beleidigtsein zu bemerken, denn ihr Blick weichte sofort auf. Sie griff nach meiner Hand und drückte sie kurz. „Ach, komm schon, Dante. Du weißt ganz genau, dass du für mich immer die Nummer eins bleibst“, sagte sie mit einer Sanftheit, die sie nur mir gegenüber zeigte. „Wir haben uns schon im Sandkasten um die Förmchen gestritten. Wir kennen uns quasi in- und auswendig.“

Sie schenkte mir ein ehrliches, breites Lächeln. „Du warst derjenige, der mir bei jedem einzelnen Liebeskummer die Hand gehalten und mich mit Eiscreme vollgestopft hat. Kein CEO der Welt könnte deinen Platz einnehmen – egal wie gut sein Sakko sitzt.“

Ein warmes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus. Das war das Schöne an uns: Egal wie viel wir uns neckten, am Ende wussten wir genau, was wir aneinander hatten. Ich erwiderte ihr Lächeln, beugte mich noch einmal vor und drückte ihr einen kurzen, liebevollen Kuss auf den Scheitel.

„Schon gut, Lau. Ich verzeih dir ja“, murmelte ich schmunzelnd. Ich wirbelte meinen Bürostuhl herum und ließ mich mit einem wohligen Seufzer in das Polster fallen. „Aber wehe, der Schokoriegel hat nicht geholfen. Ich hab nämlich nicht vor, heute noch mal zum Automaten zu pilgern.“

Ich rückte mich zurecht und legte die Hände wieder auf die Tastatur, während das Bild dieses übermächtigen Gabriel Kaiser noch immer wie ein Schatten in meinem Hinterkopf lauerte.