Die Chroniken der Prinzessin: Asche & Aufstieg

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Zusammenfassung

Ember Cross hätte niemals gesehen werden dürfen. Aufgewachsen in den Schatten zwischen den Welten, betritt sie Veridian ohne Titel, ohne Rudel und ohne Loyalitäten – in sich tragend eine Macht, wie sie kein Wolf je zuvor gekannt hat. Während uralte Schutzsiegel brechen und längst vergessene Prophezeiungen erwachen, ziehen die Rudel den Ring enger, verzweifelt darauf bedacht, in einer Welt, die ins Chaos abdriftet, die Oberhand zu gewinnen. Ember verweigert sich sowohl den Kronen als auch den Räten, selbst als ihre bloße Anwesenheit Kräfte weckt, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Von manchen gefürchtet, von anderen begehrt und an einen Prinzen gebunden, dem sie noch nicht trauen kann, muss sie sich an einem Hof behaupten, an dem Macht genommen und nicht verliehen wird – und an dem Zurückhaltung für Schwäche gehalten wird. Denn ein Aufstieg ist nicht immer eine Wahl. Manchmal geschieht er einfach, wenn die Welt nicht länger so tun kann, als würdest du nicht existieren.

Genre:
Fantasy
Autor:
EKPrym
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
47
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Prolog

Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als ich ruckartig hochschreckte und mit einem Keuchen aus dem Schlaf riss. Die Überreste des Traums klebten an mir, glitschig und beharrlich, und wollten mich einfach nicht loslassen. Kalter Schweiß durchnässte meine Haut. Jeder Atemzug brannte, als wäre ich zu schnell aus tiefem Wasser aufgetaucht.

Die Dunkelheit drückte schwer und wachsam auf mich herab. Schatten dehnten sich an den Steinwänden aus und bogen sich, wo sie es nicht sollten. Jedes Knarren des Hauses jagte mir einen Schauer über den Rücken. Instinktiv streckte ich die Hand nach dem Licht aus, meine Finger zitterten...

...und erstarrte.

Die Erkenntnis traf mich, als würde man auf einen zugefrorenen See treten und spüren, wie das Eis unter den Füßen bricht. Das war kein Traum. Die Vision hallte noch immer in meinen Knochen nach, scharf und unbestreitbar. Eine Vorwarnung. Die Art von Warnung, die man nur bekommt, wenn das Schicksal bereits seinen Lauf genommen hat. Das Reich war in Gefahr. Ich war in Gefahr, und ich würde nicht die Einzige sein, die das spürte.

Diese Gabe, dieser Fluch, würde Wellen schlagen. Das tat er immer. Er würde Aufmerksamkeit erregen und jene rufen, die auf solche Dinge achteten. Jene, die ein Ungleichgewicht jagten, so wie andere ihre Beute jagten. Sie würden sich auf mich zubewegen... Auf das, was ich in mir trug.

Ich schwang die Beine aus dem Bett und meine nackten Füße berührten den kühlen Steinboden. Die Nacht war unnatürlich still, als würde die Welt selbst den Atem anhalten. Jedes Geräusch wirkte übermäßig laut. Das Flüstern der Blätter, die an das Fenster streiften, das langsame, bewusste Ticken der Uhr, die Sekunden zählte, die ich nicht mehr hatte.

In der Ferne rief eine Eule, tief und klagend. Ein Vorzeichen. Ich zog mich schnell an. Meine Bewegungen waren von Notwendigkeit geprägt, nicht von Panik. Lederstiefel. Ein Umhang in tiefem Smaragdgrün, eng um meine Schultern geschlossen. Das hier war mein Zuhause gewesen, mein Zufluchtsort. Ich hatte es leidenschaftlich geliebt und darauf vertraut, dass es Bestand haben würde. Doch Liebe hält nicht auf, was in der Dunkelheit jagt.

Ich kniete am Fußende des Bettes vor der Holztruhe nieder. Ihre Oberfläche war mit Sigillen verziert, die so alt waren, dass sie durch die Hände von Generationen weich geworden waren. Es war keine Dekoration, sondern ein Bann. Versprechen, die über Zurückhaltung gelegt wurden. Magie, die unberührt bleiben sollte; sie wartete, anstatt zu schlafen. Die Linien meiner Abstammung waren in das Holz eingraviert. Jedes Zeichen stammte von jemandem, der geglaubt hatte, dieser Ort würde halten.

Ich fuhr mit den Fingern darüber und prägte mir jede Kurve und jede Kerbe ein. Ich legte meine Handfläche auf den Deckel. Das Holz war warm unter meiner Haut, lebendig auf die stille Art von Dingen, die an einen Zweck gebunden sind. Einen verräterischen Moment lang überlegte ich, sie zu öffnen. Ich dachte daran, das zu nehmen, was bewacht und unvollendet war, und es mit mir in die Nacht zu tragen.

Noch nicht, sagte ich mir. Manche Wahrheiten überleben nur, weil man auf sie wartet. Die Schutzbannungen regten sich allein durch meine Absicht. Ein leises, stetiges Summen bestätigte meine Wahl, anstatt ihr zu widerstehen. Die Truhe blieb versiegelt, geduldig wie die Blutlinie, die sie bewahrt hatte.

Ich nahm nur das Nötigste mit. Ein kleiner Dolch lag auf dem gefalteten Tuch in meiner Reisetasche. Sein Griff schmiegte sich in meine Handfläche, als wäre er nur für mich gemacht. Das Geschenk meiner Großmutter. In seinem Kern ruhte alte Magie, still und treu, zufrieden damit, getragen und nicht geschwungen zu werden. Ich stand auf und ließ die Truhe unberührt. Ich blickte nicht zurück. Manche Sicherungen funktionieren nur, wenn man ihnen vertraut.

Die Luft draußen war scharf und kalt genug, um zu beißen. Sie trug den feuchten Duft von Moos und Kiefern. Ich schlüpfte lautlos in die Nacht und wandte mich dem Wald zu, der dunkel und dicht hinter dem steinernen Pfad aufragte. Seine uralten Äste verschlangen sich wie ineinander verschränkte Finger, die auf etwas warteten.

Ich rannte. Wurzeln und Steine drohten mich zu Fall zu bringen, während ich meine Röcke raffte und floh. Mein Umhang peitschte hinter mir her. Zweige rissen an Stoff und Haut, während ich mich durch das Unterholz kämpfte. Der Wald schloss sich um mich mit einer Vertrautheit, die tiefer schnitt als jeder Trost. Der Wald kannte mich.

Er veränderte sich, während ich hindurchlief, und flüsterte Warnungen, die ich mir nicht mehr erlauben konnte zu beachten. Irgendwo hinter mir bewegte sich etwas. Es war zu leise für einen Zufall und zu gezielt, um ungeplant zu sein. Auch die Night Wraiths hatten es gespürt. Das Echo der Prophezeiung hallte noch immer durch das Land, laut genug, um das zu wecken, was hätte schlafen sollen.

Meine Lungen brannten. Mein Herz hämmerte. Die Angst schärfte meine Sinne, bis die Welt nur noch aus Atem und Bewegung bestand. Vor mir lichteten sich die Bäume. Eine Lichtung tat sich auf, geflutet von silbrigem Mondlicht, das so hell war, dass es unwirklich wirkte. Hoffnung flammte plötzlich und gefährlich auf. Wenn ich sie erreichen konnte, wenn ich dieses offene Gelände überqueren konnte...

Eine Hand legte sich fest auf meinen Mund. Mein Schrei erstickte an einer Handfläche, die nach Erde und Stahl roch, als ich rückwärts in den Schatten gezerrt wurde. Panik explodierte in mir, wild und blind. Ich kämpfte, trat und wand mich, bis die Welt plötzlich scharf wurde und ich einen Blick auf sein Gesicht erhaschte.

Eoghan.

Die Erkenntnis traf mich härter als die Angst. Ein alter Freund meiner Eltern. Ein Wächter. Ein Vertrauter. Jemand, dem ich mein ganzes Leben lang vertraut hatte. Meine Gedanken rasten und suchten nach einem Sinn. War er gekommen, um mich aufzuhalten? Um mich zurückzuzerren, bevor es zu spät war?

Ich versuchte zu sprechen, ihn zu warnen, ihm zu erklären, was bereits begonnen hatte. Doch die Panik schnürte mir die Kehle zu und ließ meine Vernunft zusammen mit meinem Atem gefrieren. Die Prophezeiung war zu laut gewesen. Zu mächtig. Natürlich hatten es andere gespürt. Eoghan legte einen Finger auf seine Lippen, seine Augen funkelten vor Dringlichkeit, dann deutete er auf die Lichtung. Ich folgte seinem Blick und mein Blut gefror.

Palastwachen bewegten sich durch das silberne Licht. Ihre Rüstungen blitzten auf, als sie den Waldrand absuchten. Hätte ich noch einen Schritt gemacht, hätten sie mich gesehen. Ich sah zurück zu Eoghan, suchte sein Gesicht und sprach ohne Worte.

Du bist hier, um mir zu helfen.

Er antwortete nicht. Er schlang nur seine Arme um mich, und die Welt zerbrach. Der Wald verschwand in einem heftigen Ruck, als sich die Realität in sich selbst faltete. Der Raum krümmte und zerriss sich; das Gefühl war ganz anders als beim Gehen. Es war eher, als würde man seitwärts durch Atem und Licht fallen, durch etwas, das älter war als jede Sprache. Die Luft brannte und mein Magen kehrte sich um. Meine Knochen vibrierten, als wären sie eher von Schall als von Bewegung getroffen worden.

Es dauerte nur Sekunden. Als meine Füße festen Boden berührten, rebellierte mein Körper. Ich brach auf die Knie zusammen und würgte, bis nichts mehr kam. Der Geschmack von Kupfer lag scharf auf meiner Zunge. Die Welt drehte sich, fremd und falsch.

„Entschuldige“, flüsterte ich und zwang mich hoch.

Eoghan stand vor mir, sein Gesichtsausdruck von Kummer gezeichnet. In diesem Moment verstand ich, was er mir genommen hatte, selbst während er mein Leben rettete. Alles. Mein Zuhause. Mein Volk. Das Land, das meinen Namen kannte.

Zu wissen, was das Richtige ist, und sich dafür zu entscheiden, trägt seinen eigenen Schmerz in sich. Es legte sich wie eine lange Winterdämmerung in mich, still und unnachgiebig, und drückte kalte Finger unter meine Rippen. Es zog durch meine Seele wie eine langsame Flut und zerrte alles Zärtliche zurück in die Dunkelheit, wo selbst die Hoffnung nur noch flüstern lernte.

„Du musst versteckt bleiben“, sagte Eoghan leise. „Du musst in Sicherheit sein.“

„Eoghan“, fragte ich, während sich in meinem Magen ein ungutes Gefühl ausbreitete, „was soll ich tun?“

„Das kannst du nicht wissen“, antwortete er, und der Schmerz in seinen Augen spiegelte meinen eigenen wider. „Wenn ich bleibe, wirst du entdeckt werden. Du wirst wissen, wann die Zeit gekommen ist, aber nicht früher.“

Er trat einen Schritt zurück, bereits außerhalb meiner Reichweite.

„Für den Moment“, sagte er mit brüchiger Stimme, „wirst du hierbleiben.“

Er sah mich ein letztes Mal an.

„Im Reich der Menschen.“

Und dann war er weg. Der Wald, dieser neue, fremde Wald, stand still um mich herum. Keine Bannungen summten unter meiner Haut. Keine alte Magie antwortete auf meinen Atem. Die Sterne über mir waren scharf, fern und gleichgültig. Ich presste eine zitternde Hand auf meine Brust und wandte mich nach innen, um das Wenige zu schützen, das mir geblieben war. Denn ich wusste mit schmerzlicher Gewissheit... Das Schicksal hatte mich nicht verloren. Es war mir nur gefolgt.