Taken Love - Umbra Solitudinis

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Zusammenfassung

Eine gute Tat, die ein Opfer fordert. Eine Beschwörung, die Seelen rettet. Drei Herzen, die einander finden. Ein Teufel, der sich nicht betrügen lässt.

Genre:
Fantasy
Autor:
SamCustodia
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
5
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Der Ruf

Agalia

Das Höllenportal spuckt mich in einer finsteren Nacht aus, die die Welt der Lebenden in dichten, kalten Nebel hüllt. Ein kleines Waldstück, fernab von den Städten der Menschen.

Meine Hellebarde versetzt die Seelen im Schleier, die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, in Aufregung. Sie wissen, dass wir Dämonen sie holen, um die Gier des Höllenfeuers nach Leid und endlosen Qualen zu stillen. Der Höllenfürst selbst würde sich dafür nie die Hände schmutzig machen.

Die Kälte im Schleier bringt meine aus Höllenfeuer geschaffene Haut zum dampfen.

Trotz vieler Seelen wandere ich ein wenig ziellos umher. Diese Aufgabe bestimmt seit tausenden Jahren mein Leben und obwohl ich zu Beginn Freude daran hatte, die Seelen in die Hölle zu schleppen, langweilt sie mich bereits seit Jahrhunderten. Es ist immer derselbe monotone Ablauf, dennoch kann ich mich nicht daraus befreien. Die Krallen des Höllenfürsten zerreißen jeden, der es wagt, sich gegen ihn zu stellen.

Ein Wimmern reißt mich aus meinen Gedanken. An einen Baum gelehnt sitzt eine Seele auf dem Boden, eingehüllt von Gefühlen, die nur aus Trauer und Schmerz bestehen.

Seufzend bleibe ich stehen. Perfekt für das Höllenfeuer.

Die Seele, ein junger Mann mit sommersprossigem Gesicht und roten Haaren, hält seinen Oberkörper so fest umklammert, als müsste er sein Herz zusammen halten. Albern, weil es nicht mehr schlägt.

Er blickt zu mir auf und normalerweise spüren Seelen, dass von uns eine Gefahr ausgeht. Doch da funkelt etwas in seinen blauen Augen … Hoffnung?

»Kannst du mir helfen?« Mutig.

Ich ziehe meine Augenbraue nach oben. »Weißt du, was ich bin?« Natürlich weiß er das. Jede Seele die hier verweilt, weiß das in dem Moment, in dem sie hier ankommt.

Er nickt hastig. »Aber … wie finde ich das Licht?«

Ich stöhne genervt auf. Menschen, so einfältig.

»Du weißt, dass ich dich nicht ins Licht führen werde, oder?«

»Das sollst du auch nicht. Ich will nur wissen, wie ich dort hin komme.«

Er hat keine Angst vor mir, das würde ich spüren.

»Pass auf, ich habe heute einen guten Tag. Einen Rat erhältst du von mir: Vergib dir selbst.«

Fragend sieht er mich an, doch ich gehe an ihm vorbei. Ob er das Licht findet oder ein anderer Dämon ihn erwischt, ist mir egal.

Ein plötzlicher Schrei fegt über mich hinweg. Ein Schatten, dessen Kälte mich frösteln lässt. Ich kenne diese Wesen, die selbst uns Dämonen gefährlich werden können. Ein Nachtmahr, der sich noch in seiner Verwandlung befindet.

Ich drehe mich zu dem Mann um, der entsetzt dabei zusieht, wie der Nachtmahr die vereinzelten Seelen um uns herum in sich aufnimmt und damit auslöscht.

Sein Mut verleitet mich zu meinen Worten.

»Wenn du das Licht finden willst, dann verschwinde von hier, bevor es deine Seele verschlingt.«

Er steht auf, nickt mir zu und rennt in die Richtung, aus die der Nachtmahr gekommen ist.

Die Kälte kommt urplötzlich wieder, versetzt die Seelen in Panik.

Ich fluche. Irgendein Mensch hat wieder herumexperimentiert und ihn geschaffen – vielleicht war er es sogar selbst. Doch um wieder einen weltlichen Körper zu haben, muss er Seelen fressen. Erst danach widmet er sich den Menschen und verfolgt sie in ihren Albträumen.

Ich hebe meine Hellebarde um dem Nachtmahr etwas entgegen zu setzen, als ich den Ruf meines Höllenfürsten vernehme. »Zurück mit euch. Alle!«

Seine machtvolle Stimme dröhnt in meinem Kopf und ich öffne ohne zu zögern ein Portal, das mich in die Halle der Dämonen führt. Die anderen blicken zu unserem Fürsten auf, der uns anweist, uns vom Schleier fernzuhalten, bis der Nachtmahr genug gefressen hat. Ich bin nicht traurig darüber.

Ich will mich bereits wie anderen Dämonen in ein Hölleneck zurückziehen, da streift mich ein Ruf. Sanft und dennoch voller Entschlossenheit.

»…usurae tuae. Veni ad me!«

Ich muss kein Portal öffnen, der Ruf zieht mich mit sich.