Ein Augenblick der Gnade

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Zusammenfassung

Sie rettete ihm das Leben. Er kannte nicht einmal ihren Namen. Sara Roberts dachte, ihre Vergangenheit läge längst hinter ihr. Ein ruhiges Leben in Kapstadt, in dem sie sich um ihre Mutter kümmerte, war ihr Rückzugsort – ein sicherer Hafen vor der Erinnerung an den Jungen, der ihr vor einem Jahrzehnt das Herz gebrochen hatte. Doch als der Unternehmer James Harrison als ihr neuer, hochkarätiger Klient in ihr Leben tritt, gerät Saras sorgfältig aufgebaute Welt ins Wanken. Er ist erfolgreich, er ist charmant, und er ahnt nicht im Geringsten, dass die Frau, die sein Konto betreut, nicht nur seine erste große Liebe ist, sondern auch die anonyme Fremde, die ihn vor einem Jahr vor einem gewaltsamen Überfall bewahrt hat. Während sie nun durch ihre Arbeit und eine unwiderstehliche Anziehungskraft zueinander hingezogen werden, beginnt ein Jahrzehnt voller Geheimnisse zu bröckeln. Für James ist es eine Reise zur Wahrheit über das Leben, das er hinter sich gelassen hat. Für Sara ist es die beängstigende Entscheidung zwischen dem Schutz ihres Herzens und dem Kampf für eine zweite Chance, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Genre:
Romance
Autor:
LeilaToxley
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
63
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Prolog

Vor einem Jahr

James

Der Motor des Mercedes brummte tief und zufrieden unter mir. Ein perfektes Stück deutscher Ingenieurskunst fraß sich durch die dunkle, kurvige Straße vom Signal Hill hinunter. Ich hatte gerade einen Deal abgeschlossen, der der Firma einen achtstelligen Gewinn einbringen würde. Ich spürte diese vertraute, kurze Zufriedenheit nach einer gewonnenen Schlacht. Am Telefon klang mein Vater begeistert.

„...absolut brillant, mein Sohn. Ein Geniestreich.“

„Es war der logische Schritt, Dad“, sagte ich. Mein Blick ruhte auf dem glitzernden Lichtermeer von Kapstadt unter mir. Es war ein Königreich, das mir zu Füßen lag. Ein Königreich, das ich selbst erbaut hatte.

Nachdem ich aufgelegt hatte, machte sich eine vertraute Leere auf dem edlen Beifahrersitz neben mir breit. Ich hatte alles erreicht, was ich mir je vorgenommen hatte. Das Geld, den Erfolg, den Respekt. Warum fühlte sich das alles nur so... still an?

In diesem Moment sah ich die Scheinwerfer hinter mir. Sie kamen viel zu schnell näher. Meine Hand klammerte sich instinktiv fester um das Lenkrad. Kurz darauf schoss eine alte Limousine an mir vorbei. Sie scherte heftig ein, schnitt mir den Weg ab und bremste hart bis zum Stillstand. Meine Reflexe übernahmen das Kommando. Ich stieg voll in die Eisen und die Reifen schrien gequält auf. Der Mercedes kam nur wenige Zentimeter hinter der Stoßstange des anderen Wagens zum Stehen.

Bevor ich begreifen konnte, was passierte, hielt ein schwerer SUV hinter mir. Er versperrte mir jeden Fluchtweg. Ich saß in der Falle. Mir fror das Blut in den Adern.

Die Türen des Autos vor mir flogen auf. Zwei Männer stiegen aus. Ihre Gesichter waren durch das blendende Licht meiner eigenen Scheinwerfer verdeckt. Einer hielt etwas in der Hand, das im Schein der Straßenlaternen glänzte – ein Brecheisen. Der andere hatte eine Waffe.

Das war kein Raubüberfall. Das war ein Carjacking.

Meine perfekt geplante Welt zerbrach mit dem Lärm von splitterndem Glas. Das Fenster auf der Beifahrerseite explodierte nach innen. Pure, nackte Todesangst packte mich. Jemand zerrte mich aus dem Wagen. Meine Hände tasteten hilflos umher und mein Kopf war vor lauter Terror wie leergefegt.

Doch dann brach aus einer ganz anderen Richtung Chaos los.

In meinem Rückspiegel blitzten wild Scheinwerfer auf. Eine Hupe durchschnitt die Nachtluft. Es war kein höfliches Hupen, sondern ein durchgehender, panischer, gellender Schrei. Ich drehte den Kopf und sah eine kleine, unauffällige Limousine hinter dem SUV. Der Fahrer schien völlig auszurasten. Er fuhr wilde Schlangenlinien und hatte das Fernlicht eingeschaltet. Die Szene war so bizarr und verwirrend, dass meine Angreifer kurz stutzten. Sie hatten mich schon halb aus dem Auto gezerrt, hielten aber inne. Sie drehten die Köpfe und ließen sich von dem Lärm und dem Licht ablenken.

Es war nur eine einzige Sekunde. Aber diese Sekunde rettete mir den Arsch.

Adrenalin schoss pur und heftig durch meine Adern. Ich warf mein gesamtes Körpergewicht nach hinten. Mein Ellbogen rammte dem Mann, der mich festhielt, mitten in den Magen. Er grunzte auf und sein Griff lockerte sich für einen Moment. Das reichte. Ich hechtete zurück hinter das Steuer, legte den Rückwärtsgang ein und latschte voll auf das Gaspedal.

Es gab ein hässliches Krachen von Metall, als ich in den SUV hinter mir raste. Aber das war mir scheißegal. Ich riss das Lenkrad herum, während die Reifen quietschten. Ich schoss auf die Gegenfahrbahn und mein Herz hämmerte wie wild gegen meine Brust. Ich sah nicht zurück. Ich fuhr einfach nur los. Meine Hände zitterten so heftig, dass ich das Lenkrad kaum halten konnte.

Meilen später hielt ich endlich an. Mein ganzer Körper bebte noch immer vor Schock. Ich war am Leben. Ich war in Sicherheit. Ich sah in den Rückspiegel, aber die Straße war leer. Das kleine, chaotische Auto – mein unbekannter Retter – war weg. Ich hatte das Gesicht des Fahrers nicht gesehen.

Ich saß noch lange da, während der Motor in der stillen Nacht knackte. All mein Geld, mein ganzer Erfolg, mein perfekt durchgeplantes Leben – nichts davon hatte mich retten können. Aber die mutige Tat eines Fremden auf einer dunklen Straße hatte mir alles zurückgegeben. Und ich hatte keine Ahnung, wem ich danken sollte.