Lunari - Blood of the Heavens (Band 1)

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Zusammenfassung

Als Noemi ihren Freund mit anderen Frauen im Bett erwischt, bricht ihre Welt zusammen. Ohne nachzudenken, lässt sie alles hinter sich. Ihr Zuhause, ihr Rudel, ihr altes Leben. In Albufeira, weit weg von Italien, versucht sie einen Neuanfang. Zwischen Vorlesungen, fremden Gesichtern und der Sehnsucht nach Frieden glaubt sie, den Schmerz endlich hinter sich lassen zu können. Doch manche Wahrheiten finden einen immer, egal wie weit man rennt. Und manchmal ist ein Anfang nur eine andere Form des Erwachens.

Genre:
Romance
Autor:
VitaMia
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
59
Rating
4.9 7 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Noemi

„Nein, Valentina! Es ist mir völlig egal, was Alessandro dir erzählt hat!“ Ich presste das Handy fester an mein Ohr und spürte, wie mein Puls raste. „Er konnte offensichtlich seine Finger nicht bei sich behalten und hat mich betrogen. Nicht nur mit einer Frau, sondern mit zwei. Zwei!“ Meine Stimme brach fast, und sogar das leise Rauschen in der Leitung klang wie reiner Spott.

Ich hörte Valentina seufzen. Es war dieses vertraute Geräusch, wenn sie versuchte, mich zu verstehen und gleichzeitig zu beruhigen. „Ich wünschte wirklich, ich wäre mit dir nach Albufeira gekommen, Noemi.“

Ich verdrehte die Augen, während ich über den Campus eilte. Montag. Die Sonne brannte mir im Gesicht. Obwohl meine Vorlesungen früher zu Ende waren, schien sich der ganze Tag gegen mich verschworen zu haben.

„Du kannst immer noch kommen, Valentina“, sagte ich. Ich bog in Richtung Altstadt ab, da ich noch ein paar Dinge für meine Wohnung besorgen musste. Die Meeresbrise roch nach Salz, Kaffee und irgendwie nach Freiheit. Ich zwang mich dazu, gleichmäßiger zu atmen. „Mein Adoptivvater ist der Alpha des Rudels“, murmelte ich leise vor mich hin, ohne wirklich darüber nachzudenken.

Am anderen Ende der Leitung blieb es kurz still. Ich wusste genau, dass Valentina mit der Zunge schnalzte, weil sie mal wieder nicht wusste, was sie sagen sollte.

Meine Gedanken sprangen zurück zu dem Tag, an dem in mir alles zerbrochen war. In dem Moment hatte ich Alessandro mit zwei Fremden im Bett erwischt, als ob eine nicht schon genug gewesen wäre. Ich war einfach in der Tür erstarrt und konnte nicht glauben, was ich da sah. Zwei unbekannte Gesichter, sein dämlicher, schuldiger Blick und die erbärmliche Ausrede, die er danach stammelte. Ich schwöre, wenn ich nicht so unter Schock gestanden hätte, hätte ich wahrscheinlich das Bett nach ihm geworfen.

Mein Adoptivvater war der Einzige gewesen, der wirklich wusste, wie sehr ich litt. Er hatte mir geraten, zum Studieren nach Albufeira zu gehen. Weit weg von allem, was mich ständig an Alessandro erinnerte. Ich hatte keine Sekunde gezögert. Ich packte alles ein, was ich besaß, und stieg in ein Flugzeug nach Portugal. Ich war weg, noch bevor mir richtig klar wurde, was ich da eigentlich tat.

Jetzt war ich hier. Eine Fremde in einem fremden Land, mit einer Wut im Bauch, die immer noch brannte. Mein Herz weigerte sich hartnäckig, zu heilen.

Ich blieb mit meinem geliebten Cappuccino am kleinen Brunnen am Rande des Campus stehen. Für einen kurzen Moment genoss ich das warme Kribbeln der Sonne auf meiner Haut und den Duft von frisch gemahlenem Kaffee.

„Valentina, ganz ehrlich, ich will einfach nur meine Ruhe. Kein Wort mehr über ihn. Ich brauche einfach nur —“

Ich kam nicht dazu, den Satz zu beenden.

Plötzlich knallte ich gegen etwas Hartes. Mein Cappuccino flog in einem weiten Bogen davon. Direkt vor mir hörte ich einen verärgerten Fluch. Durch den Aufprall geriet ich ins Stolpern. Als ich mich wieder gefangen hatte, starrte ich auf das Hindernis, in das ich gerade hineingelaufen war.

Eine Wand.

Zumindest dachte ich das zuerst.

Bis mir klar wurde, dass die Wand warm war.

Und atmete.

Und unglaublich gut roch.

Ich blinzelte erschrocken. Mir wurde klar, dass ich gerade meinen Cappuccino über die Brust eines Mannes geschüttet hatte. Und was für eine Brust das war. Er hatte Muskeln, als hätte sie jemand extra für eine griechische Statue gemeißelt.

„Oh mein Gott“, murmelte ich. Meine Augen weigerten sich, wegzusehen. „Das ist… äh… ich meine, das war mein Kaffee.“

Mir schoss die Hitze in die Wangen. Ich hätte wegsehen können. Wirklich. Aber nein, mein Blick klebte natürlich hartnäckig an dieser perfekten, kaffeeverschmierten Brust.

Mal im Ernst, wer sieht im echten Leben bitteschön so aus?

Ich traute mich kaum, den Kopf zu heben. Meine Finger umklammerten den leeren Becher. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und das ganze Desaster ungeschehen machen. Ich stand einfach nur da, gefangen zwischen Peinlichkeit, Ärger und einer seltsamen, unerklärlichen Faszination.

Ganz langsam hob ich den Kopf und bereute es sofort. Natürlich war an ihm alles perfekt. Der Fremde war groß und kräftig gebaut. Er hatte einen Körper, bei dem man sich fragte, ob das überhaupt legal sein sollte. Seine Haut war gebräunt, sein schwarzes Haar wirkte gewollt unordentlich. Und seine Augen, verdammt, diese Augen. Sie waren dunkelbraun, fast schwarz und so intensiv, dass mir kurz der Atem stockte. Unsere Blicke trafen sich und blieben aneinander hängen. Es war, als hätte jemand die Welt um uns herum auf Pause gedrückt.

Ich hätte schwören können, dass wir in diesem Moment wie aus einer dieser übertriebenen Filmszenen wirkten. Einer dieser Momente, in denen die Zeit stillsteht und man nur noch den Herzschlag der Hauptfigur hört.

Dann riss mich Valentinas Stimme aus meinem iPhone zurück in die Realität.

„Halloooo? Noemi? Bist du noch dran?“

Ich blinzelte verwirrt. Plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich immer noch mitten in einem Telefonat steckte. Mein Handy klebte halb an meiner Wange, während ich stammelte: „Es tut mir so leid, ich habe Sie nicht gesehen!“ Ich murmelte die Worte eher gegen seine Brust als zu ihm hoch, weil ich es einfach nicht wagte, ihm noch einmal in die Augen zu schauen.

Er sagte zuerst nichts, sondern starrte mich nur an. Und dann traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag ins Gesicht.

Ich hatte gerade Italienisch gesprochen.

Natürlich hatte ich das.

Ich war zwar noch nicht lange in Portugal, sprach die Sprache aber eigentlich ganz gut. Ich hatte eben noch mit Valentina telefoniert. Scheinbar war mein Gehirn nicht in der Lage, peinliche Unfälle, attraktive Fremde und Sprachwechsel gleichzeitig zu bewältigen.

„Es tut mir wirklich leid“, sagte ich noch einmal, diesmal auf Portugiesisch. „Ich habe Sie wirklich nicht gesehen. Ich kann Ihr T-Shirt reinigen lassen, wenn Sie mir Ihre Nummer geben, dann —“ Ich kam nicht weiter.

Der Fremde hob eine Augenbraue. Sein Gesichtsausdruck wurde schlagartig eiskalt. „Was soll das denn für ein billiger Anmachspruch sein?“ Seine Stimme war tief und leicht rau. Er sah mich an, als hätte ich gerade das Absurdeste auf der Welt gesagt.

Ich spürte, wie mir alle Farbe aus dem Gesicht wich. Einen Moment lang wusste ich nicht, ob ich lachen oder ihm den Becher mit den letzten Kaffeetropfen direkt entgegenwerfen sollte.

Ein unterdrücktes Kichern lenkte meine Aufmerksamkeit auf den Typen, der neben ihm stand. Er war groß, dunkelhaarig und sichtlich amüsiert. Er musterte mich mit einem Grinsen, wodurch ich mich noch mehr wie in einer schlechten Komödie fühlte.

„Ich gebe meine Nummer keiner Fremden“, knurrte der erste Mann und schüttelte leicht den Kopf. „Die Anmachsprüche werden auch immer schlechter.“

Ein paar Studenten, die vorbeigingen, warfen uns neugierige Blicke zu. Einige blieben sogar stehen. Ich merkte richtig, wie mir die Wut im Hals hochstieg.

Ich verschränkte die Arme vor der Brust und starrte genauso wütend zurück. Für wen hielt sich dieser Idiot eigentlich?

„Ist das dein Ernst?“, herrschte ich ihn an. Ich merkte, wie mir das Blut heiß in den Kopf schoss. „Wie kommst du überhaupt auf die Idee, dass ich dich anbaggere? Ich will deine Nummer nicht, um dich kennenzulernen, sondern um die Reinigung zu bezahlen!“ Ich fuchtelte beim Sprechen mit den Händen in der Luft herum. Meine Stimme wurde lauter, aber das war mir egal. „Wer zum Teufel glaubst du eigentlich, wer du bist? Der König von Spanien? Massimo aus 365 Tage? Oder Christian Grey aus Fifty Shades of Grey?“

Ich hielt kurz inne, atmete tief durch und funkelte ihn weiter böse an. „Verdammt noch mal, verwechsel Höflichkeit nicht mit Flirten“, knurrte ich und stemmte eine Hand in die Hüfte.

Er starrte mich nur völlig fassungslos an, als hätte ich ihm ohne Vorwarnung eine Ohrfeige verpasst. Sein Freund neben ihm platzte vor Lachen. Er lachte laut und ungehemmt, während der Fremde selbst wie versteinert dastand.

Ich hob das Kinn, drehte mich auf dem Absatz um und marschierte zur Mensa. Meine Wangen brannten und mein Herz raste, aber ich zwang mich, nicht zurückzublicken. Hinter mir hörte ich noch das Lachen des anderen Mannes über den Campus schallen. Der Fremde war scheinbar immer noch damit beschäftigt, seinen Schock zu verdauen.

Und ich? Ich tat so, als wäre mir alles völlig egal, obwohl mein inneres Chaos gerade Salsa tanzte.

„Ähhh, Noemi? Was war das denn für ein Arschloch?“, hörte ich Valentinas Stimme aus dem Handy. Ich lachte kurz auf. Mir wurde klar, dass ich meine beste Freundin völlig vergessen hatte.

„Ja, kein Kommentar zu Mr. Arrogant“, murmelte ich. „Ich dachte, die Portugiesen wären freundlich. Er ist wohl die Ausnahme. Arrogant, unhöflich und ehrlich gesagt: zu viel Brust und zu wenig Manieren.“

Valentina kicherte. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie sie die Augen verdrehte. „Noemi, du musst dein Temperament zügeln. Du bist nicht mehr in Italien. Manche Leute kommen mit deinem Feuer einfach nicht klar.“

Ich schnaubte leise und wich einem Radfahrer aus, der viel zu dicht an mir vorbeifuhr. „Mein Feuer ist das Einzige, was mich davon abhält, jemanden zu erwürgen“, murmelte ich. Ich strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die mir der Wind ständig hineinwehte.

„Waren die Fremden Wölfe?“, fragte Valentina nach einer kurzen Pause. Ihre Stimme klang jetzt ernster. „Du musst wirklich so tun, als wüsstest du nichts über die übernatürliche Welt. Wenn jemand herausfindet, dass du aus einem Rudel in Italien kommst und den portugiesischen Alpha nicht informiert hast, dass du ohne seine Erlaubnis hier bist —“

Ich blieb kurz stehen, atmete tief durch und blickte zu den alten Campusgebäuden. „Ja, ich weiß“, sagte ich leiser. „Ich werde vorsichtig sein. Versprochen.“

„Ich sage das nur, weil ich dich kenne. Der Ärger sucht dich förmlich, Noemi. Und du bist die Letzte, die ihm aus dem Weg geht.“

Ich grinste, auch wenn sie recht hatte. „Nun, vielleicht sollte der Ärger lernen, schneller wegzulaufen.“

Valentina lachte laut auf, und das Geräusch löste meine Anspannung ein wenig. Ich schob das Handy in meine Tasche und drückte die Tür zur Mensa auf. Mir schlug der warme Duft von Kaffee und Gebäck entgegen. Zum ersten Mal an diesem Tag fühlte ich mich fast ruhig, zumindest für ein paar Sekunden.

Die Stimmen der Studenten mischten sich mit dem Klappern von Tassen und dem leisen Summen der Kaffeemaschine. Ich stellte mich in die Schlange. Ich spürte, wie die Wärme des Raumes in meine Haut sickerte, und zwang mich, den Kopf frei zu bekommen. Aber je länger ich dort stand, desto klarer wurde mir, dass Valentina recht hatte.

Niemand durfte wissen, dass ich ein Mensch war und in einem Rudel in Italien gelebt hatte. Wenn der portugiesische Alpha das herausfinden würde, wäre das eine Katastrophe. Mein Adoptivvater bekäme Ärger. Ich würde wahrscheinlich als Spionin oder Verräterin abgestempelt werden, oder was auch immer sich Wölfe so ausdachten, wenn jemand nicht in ihre Welt passte. Allein der Gedanke machte mich nervös und meine Schultern spannten sich an.

Mein Adoptivvater hatte mir einen Hexentrank gegeben, den ich jeden Tag nehmen musste. Er sollte meinen Geruch verändern und maskieren. So sollte kein übernatürliches Wesen sofort bemerken, was ich wirklich war. Er wollte auf keinen Fall, dass ich Aufmerksamkeit erregte oder, noch schlimmer, einen Gefährten fand. Er hatte mir oft gesagt, dass mein Geruch anders sei als der von allen anderen, und niemand konnte erklären, warum. Manchmal, sagte er, roch ich nach Magie. Was das eigentlich bedeutete, wussten weder er noch ich so genau.

Ich schloss kurz die Augen, atmete tief durch und hoffte, dass ich hier unauffällig bleiben konnte. Ich wollte einfach nur mein Studium beenden, in Ruhe leben und das Chaos hinter mir lassen.

Und doch musste ich, während ich an der Theke meinen Cappuccino bestellte, an Mr. Arrogant denken. Mein Magen zog sich zusammen, und gleichzeitig konnte ich mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Das war mal wieder typisch für mich. Kaum eine Woche in Portugal, und schon hatte ich meinen ersten Idioten mit Kaffee dekoriert.