Lesbarkeit anpassen
Aa

Drei Minuten CEO-Zeit

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Er baute ein Imperium auf rücksichtsloser Präzision auf. Er verlangte Kaffee bei exakt 18,5 Grad, Gehorsam in Stille und eine Welt, die sich seinem Willen beugte. Seine Sekretärin Aiko war sein perfektestes Instrument, bis zu dem Tag, als sie ging und die Stille mitnahm. Jetzt zerfällt Hiroshi Tanaka. Der Milliardär, der Märkte bewegte, streift durch Bibliotheksgänge, nur um einen Blick auf ihren grauen Pullover zu erhaschen. Der Mann, der sich nie entschuldigte, schreibt Nachrichten, die er niemals abschicken wird. Er hat ihre ruhige Bibliothek besetzt, Komponisten engagiert, um das Summen zu reproduzieren, das sie hinterließ, und wacht auf den Café-Fliesen, die sie liebte. Doch manche Frequenzen kann man nicht kaufen. Manche Arten von Stille schreien. Das hier ist kein Märchen. Es ist ein Zusammenbruch. Die rohe, chaotische Autopsie eines Mannes, der alles hatte und das Einzige verlor, was es erst bedeutend machte. Er steht kurz davor zu lernen, dass man eine Seele nicht mit einer Gehaltserhöhung zurückverhandeln oder einen Herzschlag mit einer Milliarde Yen kaufen kann. Die einzige Währung, die bleibt, ist die Wahrheit – und sie wird ihn alles kosten. Drei Minuten CEO-Zeit ist ein eindringlicher, viszeraler Abstieg in die Besessenheit und die erschreckende Anmut, ein Mensch zu werden. Wie tief muss ein König fallen, um ein einziges Lied noch einmal zu hören? Und was, wenn das Lied längst ohne ihn weitergezogen ist?

Genre:
Romance
Autor:
TangXu
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
30
Rating
5.0 (2 Bewertungen)
Altersfreigabe
13+

Chapter 1

Das Bürolicht summte, eine tiefe, elektrische Schwingung, die in Hiroshi Tanakas Zähnen zu vibrieren schien. Es war 3:00 Uhr morgens. Die restliche Skyline von Tokio schlief; draußen hinter den raumhohen Glasscheiben erstreckte sich ein Raster aus verblassenden Lichtern. Doch hier, im vierzigsten Stock, war die Luft steril und hellwach.

Hiroshi stand vor dem vierten Schreibtisch. Es war eine glatte Fläche aus brasilianischem Kirschholz, identisch mit dem daneben und identisch mit dem davor. Aber dieser war leer. Kein Monitor, kein Stiftebecher, kein Stapel mit offenen Rechnungen. Nur Holz.

Er nahm den Brieföffner aus Messing von seinem eigenen Schreibtisch. Er hatte die Form eines winzigen Schwerts, ein Geschenk eines Fusionspartners vor drei Jahren. Er ging zurück zu dem leeren Schreibtisch und zog die Spitze über die Oberfläche.

Das Geräusch war scharf, ein Kreischen von Metall auf Lack. Er tat es noch einmal. Eine lange Rille erschien und legte das rohe Holz unter dem Lack frei. Er verspürte keine Befriedigung. Er verspürte keine Wut. Er hatte einfach nur das Bedürfnis, eine Spur zu hinterlassen, zu beweisen, dass hier etwas geschehen war. Er ließ den Öffner auf dem zerkratzten Holz liegen und ging hinaus.

Das morgendliche Vorstellungsgespräch war für 9:00 Uhr angesetzt. Die Kandidatin war auf dem Papier perfekt. Yale, Jahrgangsbeste, sprach fließend drei Sprachen. Sie betrat das Büro in schwarzen Pumps, die auf dem Marmorboden klackten.

Klack. Klack. Klack.

Hiroshi sah nicht von dem Vertrag auf seinem Schreibtisch auf. Er hörte auf den Rhythmus. Er war zu scharf. Zu aggressiv. Er gehörte nicht zu ihr.

„Ihr Gang ist beleidigend“, sagte er.

Die Frau hielt inne. Das Klacken verstummte. „Bitte?“

„Die Schuhe. Sie stören den Arbeitsablauf.“ Hiroshi hob schließlich den Kopf. Sie sah verwirrt aus, ihre Haltung versteifte sich. Sie war qualifiziert. Sie war kompetent. Sie war nicht Aiko.

„Ich… ich verstehe nicht.“

„Sie sind gefeuert. Die Personalabteilung wird Ihre Abfindung verdoppeln. Der Sicherheitsdienst wartet draußen.“

Er wartete ihre Antwort nicht ab. Er unterschrieb den Abfindungsscheck mit einer schwungvollen Bewegung seines Obsidian-Stifts und wartete darauf, dass die Tür zischend ins Schloss fiel. Die Stille, die folgte, war nicht friedlich. Sie drückte schwer und dicht gegen seine Trommelfelle. Früher war diese Stille erfüllt gewesen vom leisen Summen ihres Tippens, dem sanften Rascheln von Papier, dem gelegentlichen Räuspern. Jetzt war da nur noch Luft.

Die Vorstandssitzung war eine Nullnummer. Kenji, sein Finanzvorstand, faselte monoton über vertikale Integration und Quartalsprognosen. Auf der Leinwand bluteten Diagramme in Grün und Rot. Hiroshi starrte auf einen Punkt auf dem Konferenztisch, einen winzigen Fehler in der Holzmaserung.

Früher hatte er während dieser Meetings Aikos Hände beobachtet. Sie saß zu seiner Linken und machte sich Notizen. Sie hatte die Angewohnheit, die Ecke eines Memos glattzustreichen, bevor sie es ablegte. Ihr Stift bewegte sich in einem ganz bestimmten Rhythmus, ein stilles Metronom, das den Takt zu seinen Gedanken vorgab. Jetzt war der Platz leer. Eine neue Assistentin saß dort, ein Mann mit geometrischem Haarschnitt und einem Tablet. Er tippte lautlos. Es gab keinen Rhythmus.

Zum Mittagessen flüchtete Hiroshi in das Café gegenüber. Es war eine Strafe. Er bestellte schwarzen Kaffee und setzte sich auf die dritte Fliese von links. Er wusste, dass sie dienstags hierher kam. Er beobachtete eine Stunde lang die Tür. Sie kam nicht. Eine Barista mit lila Haaren lachte über einen Kunden, das Geräusch war scharf und hell. Hiroshi ließ die Tasse voll stehen. Der Kaffee wurde kalt, ein dunkler Fleck auf dem Altholz.

Zurück im Penthouse war die Stille eine physische Präsenz. Sie saß auf jedem Stuhl, sie starrte aus den raumhohen Fenstern. Die Stadt breitete sich unter ihm aus, ein schwindelerregender Teppich aus Licht und Leben, eine Leiterplatte aus den Dramen anderer Leute. Das war der Gipfel, der goldene Käfig. Jedes Element war kontrolliert. Die Luft war durch HEPA-Filter klinisch rein, die Aussicht war unverstellt und erkauft, die Stille war künstlich erzeugt – dreifach verglaste Fenster hielten das Tosen der Stadt ab. Es war ein perfektes Vakuum. Und es erstickte ihn.

Er ging zum Sub-Zero-Kühlschrank. Er stand vor seinem kalten Hauch. Er sah sein Spiegelbild im Edelstahl: ein hagerer Mann in einem zehntausend-Dollar-Anzug, ausgehöhlt. Die einzelne Packung Ramen war noch da, versteckt hinter einer Flasche mit Wein. Sie war neongelb, ein Denkmal für seinen Verfall. Er hatte seit gestern nichts mehr gegessen.

Er kochte Wasser in einem Topf. Die Bewegung war unbeholfen; er verbrannte sich den Daumen am Dampf. Er riss die Folie auf, schüttete den Nudelblock hinein, das Pulver roch nach künstlicher Erlösung. Er stand an der Kücheninsel unter einer Pendelleuchte, die so hell war, dass es sich chirurgisch anfühlte, und er aß direkt aus dem Topf.

Die Brühe verbrühte ihm die Zunge. Die Nudeln waren wie Kleister. Es schmeckte nach Salz und Chemikalien. Es war das Lebendigste, was er seit Monaten gefühlt hatte.

Er erinnerte sich an eine Nacht vor zwei Jahren. Eine Krise mit einem Container im Suezkanal. Er war achtundvierzig Stunden im Büro gewesen. Sie hatte ihm diese Ramen aus dem Supermarkt im Erdgeschoss mitgebracht. „Sie können nicht auf nüchternen Magen denken, Sir“, hatte sie gesagt. Sie hatten schweigend gegessen, das blaue Leuchten der Monitore spiegelte sich in ihren Augen. Es war das Beste gewesen, was er je gegessen hatte.

Jetzt spuckte er den Bissen in das Edelstahlbecken. Das Geräusch war obszön.

Er konnte das Gebäude kaufen, in dem sie wohnte. Er konnte das Café kaufen. Er konnte die Ramen-Firma kaufen. Aber er konnte nicht eine einzige anhaltende Note ihres leisen Liedes erwerben. Er konnte nicht die Art zurückgewinnen, wie sie ihn ansah – nicht als CEO, sondern als einen Mann, den sie geduldig zu ertragen wählte.

Die Erkenntnis war kein sauberer Schnitt. Es war ein blauer Fleck, der sich mit hässlicher Farbe unter seiner Haut ausbreitete. Die Melodie war unvollendet. Er war nur ein Echo, das von den Wänden eines vergoldeten Grabes abprallte und jeden Tag schwächer wurde. Er war ein Geist, der in seinem eigenen Leben spukte.

Er schaltete das Licht aus. Der Schreibtisch im Büro war immer noch zerkratzt. Die Kandidatin war immer noch weg. Der Ramen-Topf stand immer noch in der Spüle. Nichts hatte sich geändert, außer dass die Stille lauter geworden war. Er ging zum Fenster und sah hinunter auf die Lichter der Stadt. Sie verschwammen. Er stellte fest, dass er sie gar nicht mehr ansah. Er lauschte auf ein Summen, das nicht da war.

Hiroshi Tanaka lehnte seine Stirn gegen das kalte Glas. Er war der Herrscher über dieses Reich, und er kniete vor dem Altar einer Tasse Kaffee, völlig bekehrt zu einem Glauben, dessen Namen er nicht kannte. Er war ein König in einer kahlen Wüste, der auf eine einzige, perfekte Rose starrte, die aus einem Riss im Stein wuchs, wohlwissend, dass sein Schatten allein ein Gift war, wohlwissend, dass seine Berührung den Tod bedeutete, wohlwissend – mit einer Gewissheit, die ihn aushöhlte –, dass er selbst die Wüste war.

Er flüsterte in den leeren Raum: „Wohin bist du gegangen?“

Der Raum antwortete nicht. Das tat er nie.

Lass TangXu wissen, was du von diesem Kapitel hältst!
Ich liebe es

1

Ich liebe es

Lustig

0

Lustig

Pikant

1

Pikant

Spannend

0

Spannend

Emotional

0

Emotional

Tiefgründig

0

Tiefgründig

Herzerwärmend

0

Herzerwärmend

Schockierend

1

Schockierend

Gutes Schreiben

0

Gutes Schreiben

Überzeugende Handlung

0

Überzeugende Handlung

Toller Charakter

0

Toller Charakter

Starker Dialog

1

Starker Dialog

Weitere Empfehlungen

Charly's Weihnachten

T.M: Ich kann es gar nicht anders sagen also ich liebe diese Geschichte einfach. Sie hat für mich einfach alles was es braucht. Sie hat mich einfach mitgenommen auf eine echt schöne Reise. Danke❤️

Jetzt lesen
In Sneakers ins neue Leben

Tanja : Eine wirklich wunderschöne Geschichte. Sehr schön geschrieben mit Gefühl. Man konnte sich sehr gut in die Charaktere hinein versetzen. Lia hat mir sehr gut gefallen,wie sie sich verändert hat im lauf der Geschichte,selbstbewusster geworden ist und sich gegen Joachim und seine Familie durch gesetzt h...

Jetzt lesen
Deal mit meinem Chef

123alec456: Allein nach ein paar seiten konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, denn sonst hätte ich mch nur gefragt was als nächstes käme

Jetzt lesen
Die abgewiesene Delta

wegner1962: Die Geschichte ist sehr spannend und fesselnd.

Jetzt lesen
YOU AND ME

Grazia: Auch wenn diese Geschichte abgeschlossen ist und ein Ende hat, ist es für mich kein tolles Ende. Es ist als würde es mittendrin aufhören. Man will das Happy end weiterlesen, aber da ist nichts mehr, nur das kurze, knutschen und Freund und Freundin sein und dann .... Grundsätzlich mag ich die Geschic...

Jetzt lesen
Das Kindermädchen eines Millionärs

Martina partsch: Wie ich lesen konnte wurde das Buch von vielen Lesern sehr Positiv bewertet.Das Freud mich wirklich für die Autorin.Meiner Meinung nach ist es zwar eine süße,simpel geschriebene Liebesgeschichte,aber mir persönlich fehlte die Spannung damit der Roman nicht Langweilig wird.Die Geschichte ist zwar loc...

Jetzt lesen
Alle Träume in Montana 1

Silvia: Sehr gut geschrieben Spannend und fesselnd zugleich. Ein Hauch von frechheit und lustiges. Es mcht Spaß den Roman zulesen.

Jetzt lesen
Die Wölfe von Welby

Sina: Eine wirklich schöne Geschichte Mit vielen Höhen und Tiefen Hat mir gut gefallen Auch der schreibstil Dankeschön das ich diese Geschichte lesen durfte 🥰 👍🏻

Jetzt lesen
 Mehrfach zurückgewiesene Gefährtin

Sina: Das war eine schöne bewegende Geschichte Hab sie in eins durch gelesen War toll und flüssig geschrieben Dankeschön das ich sie lesen durfte 🥰

Jetzt lesen