Das ist mein Leben.
Ethan

Ethan
„Nein.“ Jacob stößt ein ersticktes Flehen aus der großen Glaszelle aus, die mitten in der Lagerhalle aufgebaut ist.
Er ist an einen Stuhl gefesselt. An der Wand läuft eine Uhr ab, es sind nur noch drei Minuten übrig. Seine Hände sind blutig, weil er versucht hat, die Knoten der Seile zu lösen. Während die Zeit unerbittlich verstreicht, werden seine Bewegungen und sein Flehen immer panischer.
Hunderte von Leuten sind im Raum versammelt. Sie laufen umher, trinken, klatschen und warten gespannt darauf, dass die richtige Show beginnt. Man muss ein kompletter Psychopath sein, um sich auf das zu freuen, was gleich kommt.
„Tick tack, Jacob.“ Der Boss grinst dreckig und klopft gegen das Glas. Was für ein kranker Bastard er doch ist, sich so eine perverse Folter- und Selbstmordmethode auszudenken.
Ich kann kaum fassen, dass das jetzt mein Leben ist.
Aber ich bereue es nicht.
Wenn ich die Wahl hätte, würde ich es wieder tun. Das Geld, das ich für meinen Eintritt in die Mafia bekommen habe, hat die Krebsbehandlung meiner kleinen Schwester finanziert. Sie lebt heute noch, und das ist das Einzige, was zählt.
Die Uhr erreicht die Null. Der Boss macht ein Zeichen mit dem Finger, und ein nacktes Mädchen mit einem Sack über dem Kopf wird herbeigeführt. Sie wird zu Jacob in die Zelle gestoßen, und sein Schreien wird lauter. Er weiß, was kommt. Wir alle wissen es, weil wir gezwungen werden, uns diese Bestrafungen mehrmals im Jahr anzusehen.
Ich hasse jede Sekunde davon. Es wird mir für Tage den Schlaf rauben. Aber ich darf keine Schwäche zeigen und nicht wegsehen, sonst lande ich am Ende selbst an Jacobs Stelle.
Als ich der Mafia beitrat, war ich schlau genug, meine Familie zu schützen. Für die Mafia ist meine Schwester an Krebs gestorben und meine Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben. Meine Computerkenntnisse haben sich ausgezahlt, denn niemand hat das gefälschte Online-Leben angezweifelt, das ich erschaffen habe.
Der Boss hat diese kranke Regel, dass es ein Blutsverwandter sein muss. Ich habe keine Ahnung, warum er Ehepartner und Partner in Ruhe lässt, aber er tut es.
„Nein“, fleht Jacob erneut. Der Boss lächelt nur. Es ist ein kaltes, grausames und berechnendes Lächeln, das jeden im Raum warnen soll. Jacob wird beschuldigt, Drogen gestohlen zu haben. Ob er es getan hat oder nicht, weiß ich nicht. Jacob wird keinen Tag vor Gericht erleben.
Ich blicke nach oben zu dem Schild. Jede Regel hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt.
Respektiere die Hierarchie.
Verräter werden zum Schweigen gebracht.
Kein Diebstahl. Ich finde es heraus.
Die Aufnahme in die Familie ist dauerhaft.
Fass meine Tochter nicht an.
An die letzte Regel kann man sich leicht halten. Der Boss bringt seine Tochter nie mit. Außerdem: Wer würde sich seiner Tochter auch nur nähern wollen? Ich will mir gar nicht vorstellen, ihn als Schwiegervater zu haben.
Sie nehmen den Sack ab, und ich versuche, ruhig zu atmen. Um Himmels Willen, das Mädchen kann nicht älter als fünfzehn sein. Sie blickt panisch im Raum umher. Tränen laufen Jacob über das Gesicht, als er seine Tochter erkennt. Er versucht weiter verzweifelt, seine Hände zu befreien, kommt aber kaum voran. Es liegt eine Waffe im Raum. Sobald er sich befreit und Selbstmord begeht, hört das Ganze auf.
Das Mädchen kann in der Glaszelle nirgendwohin. Sie ist vielleicht drei mal drei Meter groß. Die Zelle hat kein Dach. Ich bin sicher, das ist Absicht, damit ihre Schreie nicht gedämpft werden. Sie fleht Jacob an, ihr zu erklären, was hier los ist. Aber er entschuldigt sich unter Schluchzen nur immer wieder.
Fünf Männer betreten die Zelle, in der Jacob und sie sind.
Sie versucht, vor ihnen wegzulaufen, aber sie drängen sie schnell in eine Ecke.
Diese kranken Schweine grinsen, während sie sich ausziehen. Sie sind nicht die Einzigen, die lächeln. Männer außerhalb des Glases rücken näher, um besser sehen zu können. Sie trommeln gegen die Scheiben und feuern die Männer drinnen an.
Ich kontrolliere meinen Atem und unterdrücke die Kotze, die mir hochkommt. Eines Tages wird der Boss erledigt sein, und ich werde frei von diesem Leben sein.
Die nächste halbe Stunde tun die Männer ihr Unaussprechliches an. Nein, das sind keine Männer, das sind Tiere. Wilde Bestien, die Jacob zwingen, zuzusehen, wie seine Tochter vergewaltigt wird, bis sie das Bewusstsein verliert. Und selbst das hält sie nicht auf.
Schließlich befreit sich Jacob aus den Seilen und schießt sich in den Kopf. Damit ist alles vorbei. Ihr schlaffer Körper wird hinausgeschleift, und kurz darauf werden Prostituierte reingebracht. Innerhalb kürzester Zeit wird daraus eine verdammte Orgie. Was für ein krankes Schwein muss man sein, um eine Pädophilen-Vergewaltigung als Vorspiel für Sex zu betrachten?
Das ist mein Leben.
Aber meine Schwester lebt.
Dieser eine Gedanke wird mir helfen, das hier durchzustehen.