My Forbidden Feral

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Zusammenfassung

Alles, was Anastasia Ashwood will, ist ein friedliches Leben – fernab vom Trubel der geschäftigen Kleinstadt... Doch da der Prinz um ihre Gunst buhlt und die bestialischen Feral-Männer an jeder Ecke lauern, ist Frieden in ihrem Leben alles andere als wahrscheinlich... Besonders, als sie ihren ganz eigenen, Forbidden Feral trifft...

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
27
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
18+

Feral Valley.

Willkommen im Feral Valley...

Lucifer: Anastasia – hab Erbarmen mit meinen armen Beinen. Diese Körbe sind so schwer! Was um alles in der Welt hast du da reingepackt? Ich glaube, meine Arme fallen gleich ab!

Anastasia: Luci, bist du nicht der Knappe eines Herzogs? Sicherlich wirst du mit ein paar Geschenkkörben fertig.

Lucifer: Ja, schon – aber es sind DREI Stück!

Anastasia: Richtig. Einer ist für Papa. Einer für Violette und einer für den Herzog. Damit du bei ihm weiterhin einen Stein im Brett hast. Immerhin habe ich dich von deinen morgendlichen Pflichten weggeholt, damit du mir bei meinen Besorgungen hilfst.

Lucifer: Ah... da hast du wohl recht. Na gut, wenigstens dafür danke ich dir.

Mit einem Nicken ging ich mit beschwingtem Schritt weiter. Mein jüngerer Bruder trottete hinter mir her. Er schleppte die vielen Körbe voller Leckereien. Einer davon – und das war der wichtigste – war ein Korb mit hausgemachtem Essen für Papa.

Father Eli: Ah! Guten Morgen, Miss Ashwood – und der junge Master Ashwood!

Lucifer: Father Eli! Bitte sagen Sie meiner liebsten Schwester, dass diese Arbeit reine Tierquälerei ist!

Mit einem schelmischen Grinsen ging ich zu Lucifer hinüber. Ich griff in Papas Essenskorb und holte eine Zimtschnecke heraus. Dann wandte ich mich an Father Elijah Fitzpatrick und bot sie ihm an. Ich wusste genau, dass das seine liebste Nascherei war.

Anastasia: Father... Ich glaube, Zimtschnecken mögen Sie am liebsten? Sie sind heute Morgen frisch gebacken worden!

Father Eli: Sie sind viel zu gütig, Miss Ashwood. Gott segne Sie.

Lucifer: Anastasia?! Das ist unfair – du erkaufst dir sein Schweigen. Haben Sie Mitleid, Father, bitte schimpfen Sie mit ihr!

Anastasia: Ich unterstütze doch nur die örtliche Kirche. Und dazu gehört auch das Wohlergehen von Father Eli.

Father Eli: Vielen Dank, Miss Ashwood. Ich werde sie mir aufheben und mit einer Tasse frischem Tee genießen, wenn ich wieder in meinem Zimmer bin.

Anastasia: Und denken Sie daran...

Father Eli: Ja, ja. Ich soll den Duft des Tees tief einatmen. Der Dampf hilft gegen meine Allergien. Danke, Miss Ashwood. Sie verstehen Ihr Handwerk wirklich meisterhaft.

Anastasia: Immer wieder gerne, Father.

Father Eli verbeugte sich höflich. Er blickte kurz zwischen mir und meinem Bruder hin und her. Dann ging er weiter, um den nächsten Dorfbewohner zu begrüßen. Er drehte seine morgendliche Runde wie immer mit einem strahlenden Lächeln.

Anastasia: Komm schon, Luci. Papa fragt sich sicher schon, wo wir bleiben.

Ich nahm Violettes Korb von dem Stapel, den Lucifer so mühsam schleppte.

Ich lächelte Lucifer an, während er mir zu Papas Laden folgte. Die kleine Glocke über der Tür bimmelte, als wir eintraten. Sofort kam meine engste Freundin und Vertraute, Violette Graves, mit einem breiten Lächeln auf uns zu.

Violette: Da seid ihr ja! Ich hatte schon Angst, dass euch die Ferals geschnappt haben!

Nathaniel: Um Himmels willen – so etwas darfst du nicht einmal sagen, Violette!

Lächelnd reichte ich Violette ihren Korb. Dann wandte ich mich meinem Vater zu und nahm ihn fest in den Arm. Ich gab ihm einen Kuss auf jede Wange und trat dann einen Schritt zurück.

Anastasia: Guten Morgen, Papa.

Nathaniel: Guten Morgen, mein Schatz. Was führt euch zu mir?

Anastasia: Ich bringe natürlich Geschenke vorbei.

Nathaniel: Oh?

Ich nahm Lucifer den Essenskorb für meinen Vater ab. Mit einem verschmitzten Lächeln überreichte ich ihn ihm.

Anastasia: Ich dachte, ein paar hausgemachte Leckereien könnten nicht schaden. Ich weiß doch, wie sehr du nachmittags ein Stück Kuchen liebst.

Nathaniel: Wie wunderbar – das hättest du doch nicht tun müssen!

Anastasia: Es ist auch ein extra eingepackter Kürriskuchen für Shae und den kleinen Milo dabei. Als Dank für die harte Arbeit, mit der sie dich hier unterstützt.

Nathaniel: Du sorgst wirklich gut für uns.

Anastasia: Wo ist Shae eigentlich heute?

Shae: Hier bin ich, Herrin.

Shae ist ein wundervolles Mädchen. Sie ist eine echte Stütze im Laden, da sie meinem Vater hilft, alles am Laufen zu halten. Der einzige Haken ist, dass sie aus den Bergen stammt – sie ist das, was wir eine „Feral“ nennen.

Man sagt, dass man Ferals an ihren verfilzten Haaren, scharfen grünen Augen, langen spitzen Ohren und Reißzähnen erkennt. Die Männchen nutzen diese Zähne, um ihre Partnerinnen für das ganze Leben zu markieren. Über solche Details wird im Tal nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert...

Dieser schreckliche Herzog schnitt Shae die Haare ab, als er ihren Sohn Milo erwischte. Der Junge hatte einen Laib Brot von einem Marktstand gestohlen. Der Herzog hätte den armen Milo fast zu Tode geprügelt, wenn mein Vater nicht dazwischengegangen wäre. Es hat Monate gedauert, bis der Junge sich erholt hat. Seitdem stehen sie unter dem Schutz meines Vaters und geben sich als seine Diener aus. Denn das ist der einzige Grund, warum Menschen Ferals dulden...

Männliche Ferals dürfen das Tal nicht betreten. Man tötet sie sofort, wenn man sie sieht. Sie sind riesig, muskulös und haben ein gefährliches Temperament. Die Feral-Frauen werden aus ihrer Heimat und von ihren Familien weggerissen. Hier im Feral Valley müssen sie dann für uns Menschen schuften...

Violette: Ist das für mich?

Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch und sah zu Violette. Sie schaute gerade neugierig in ihren Geschenkkorb.

Ich nickte und lächelte sie strahlend an, als sie sich über den Inhalt freute.

Anastasia: Ein schönes Geschenk für eine wunderbare Freundin.

Violette: Das ist zu viel, Anastasia. Das kann ich unmöglich annehmen!

Anastasia: Du kannst und du wirst. Betrachte es als Dankeschön dafür, dass du mir den Herzog vom Hals hältst.

Nathaniel: Man kann wohl sagen, dass der Herzog eine Heidenangst vor Miss Graves hat...

Violette: Ich bin doch gar nicht so gruselig.

Nathaniel: Violette, du trägst ein Messer bei dir...

Violette: Nur zu meinem Schutz. Man weiß ja nie, wann man einem Feral-Mann begegnet...

Bei der Erwähnung der Feral-Männer senkte Shae traurig den Blick. Ich selbst habe noch nie einen gesehen. Ich kenne nur die Geschichten.

Anastasia: Wie geht es Milo, Shae?

Shae blickte sofort auf, als ich nach ihrem Jungen fragte. Sie lächelte mir zu und nickte.

Shae: Es geht ihm viel besser, Herrin. Ihre Heilsalben haben ihm sehr geholfen. Wir werden Ihnen Ihre Güte niemals vergessen.

Anastasia: Das freut mich sehr.

Nathaniel: Anastasia hat Geschenke mitgebracht, Shae. Dieser Kuchen ist für dich und den kleinen Milo.

Mein Vater nahm den verpackten Kürriskuchen aus dem Korb. Ich wusste, dass Shae und Milo ihn liebten. Er reichte ihn ihr mit einem herzlichen Lächeln.

Shae: Das kann ich unmöglich annehmen, Herr.

Nathaniel: Unsinn. Es ist nur ein kleines Dankeschön für deine harte Arbeit. Du hast mir in den letzten Monaten so sehr geholfen.

Shae: Aber das war doch nur der Dank dafür, dass Sie meinem Milo geholfen haben, Master Ashwood!

Nathaniel: Nun, ich bin dir trotzdem sehr dankbar.

Shae: Sie sind zu gütig, Herr.

Shae machte einen Knicks und nahm den Kuchen vorsichtig entgegen. Dann verschwand sie wieder im Hinterzimmer.

Ich mache mir wirklich Sorgen um Shae und den kleinen Milo. Der Herzog sucht ständig nach einem Grund, um meinen Vater zu schikanieren. Er will Milo aus seinem Versteck locken, um ihn wegzubringen. Milo wird irgendwann ein großer, starker Mann sein. Seine Ohren und Zähne werden bald ausgewachsen sein. Wir müssen ihn um jeden Preis schützen, sonst wollen ihn die Dorfbewohner tot sehen.

Männliche Ferals werden ohne Zögern getötet. Sie gelten als zu mächtig und gefährlich für unsere Straßen. Dass ihre Frauen gegen ihren Willen als Dienerinnen gehalten werden, gefällt mir ganz und gar nicht.

Lucifer: Ich sollte zum Herzog gehen. Er wartet sicher schon auf mich.

Lucifer wurde der Knappe des Herzogs, als mein Vater Shae als Dienerin aufnahm. Ihre Sicherheit ist nur durch diese widerwillige Abmachung zwischen meinem Vater und dem Herzog garantiert.

Nathaniel: Du solltest ihm sagen, er kann sich seinen Dienst als Knappe sonst wohin stecken. Komm lieber zurück in den Laden – wir brauchen deine jungen Augen hier.

Anastasia: Vater, bitte! Du weißt genau, dass sie dir die Zunge herausschneiden, wenn du schlecht über den Herzog redest.

Nathaniel: Ich weiß... Es tut mir leid. Mein Zorn ist kurz mit mir durchgegangen. Geh nur... Geh zurück zum Herzog und verärgere ihn nicht. Um unser aller Willen... Und wegen meines losen Mundwerks.

Anastasia: Ich sollte auch zurück zu meinem Häuschen gehen. Ich möchte nicht hier sein, wenn der Herzog kommt.

Nathaniel: Wenn er nicht dieser verdammte Herzog wäre, hätte ich ihn schon längst mit eigenen Händen erwürgt!

Anastasia: Papa!

Shae: Master Ashwood! Sie dürfen sich nicht so aufregen. Das ist nicht gut für Ihr Herz.

Nathaniel: Nein... Du hast ja recht, Shae.

Shae: Kommen Sie... setzen Sie sich. Ich mache Ihnen einen Tee.

Lucifer: Bitte kümmere dich gut um ihn, Shae.

Shae: Natürlich, junger Master Ashwood.

Shae führte meinen Vater in das Hinterzimmer des Ladens. Ich blieb allein mit Violette und Lucifer zurück. Lucifer seufzte und sah mich an. Ich drückte sanft seine Hand.

Anastasia: Es wird alles gut werden, Luci. Du wirst sehen.

Lucifer: Ich weiß... Ich muss jetzt los. Der Herzog erwartet mich.

Anastasia: Komm, ich begleite dich ein Stück.

Violette: Passt auf euch auf, ihr beiden.

Lucifer: Das werden wir. Danke, Miss Graves.

Wir verbeugten uns beide vor Violette und verließen den Laden. Draußen auf der belebten Hauptstraße rieb ich tröstend Lucifers Arm und lächelte ihn an.

Anastasia: Ich bin so stolz auf dich, Lucifer.

Lucifer: Warum das denn?

Anastasia: Weil du den Herzog so geduldig erträgst. Das tust du für Shae und Milo.

Lucifer: Es ist es wert, wenn sie dadurch sicher sind.

Anastasia: Du bist ein wunderbarer junger Mann geworden, Luci. Mutter wäre stolz auf dich.

Hadrian: KNAPPE!

Erschrocken fuhr Lucifer herum. Der Herzog marschierte über das Kopfsteinpflaster auf uns zu. Sein stechender Blick wurde weicher, als er bemerkte, dass ich neben Lucifer stand.

Hadrian: Ah – Miss Ashwood.

Ich hob meine Röcke und machte einen tiefen Knicks vor dem Herzog.

Anastasia: Eure Königliche Hoheit...

Ich nickte Lucifer zu. Er verbeugte sich respektvoll und hielt Hadrian den vorbereiteten Korb mit Lebensmitteln hin. Hadrian zog fragend eine Augenbraue hoch. Ich schenkte ihm ein höfliches Lächeln.

Anastasia: Ein Korb mit feinen hausgemachten Waren für Sie, Herr.

Hadrian: Von Ihnen selbst zubereitet?

Anastasia: Ja, Herr. Alles heute Morgen eigenhändig zubereitet und gebacken.

Hadrian nickte zustimmend und winkte ab. Lucifer trat sofort an Hadrians Seite und hielt den Blick gesenkt. Hadrian wandte sich wieder mir zu.

Hadrian: Sie sehen heute Morgen wirklich bezaubernd aus, Miss Ashwood.

Anastasia: Vielen Dank, Herr. Sie sind so stattlich wie eh und je...

Hadrian trat näher. Er nahm meine Hand und beugte sich hinunter, um meine Knöchel zu küssen. Dabei sah er mich sehnsüchtig an... Bei diesem Mann sträubt sich mir alles. Am liebsten würde ich ihm eine Ohrfeige verpassen, weil er mich ungefragt berührt. Aber er ist schließlich der Kronprinz...

Hadrian: Miss Ashwood, würden Sie mir die Ehre erweisen, mit mir zu frühstücken?

Anastasia: Ich – ich muss leider höflich ablehnen, Sire –

Hadrian: Höflich ablehnen?

Anastasia: Ich habe Geschäfte zu erledigen, Sire. Es ist äußerst dringend.

Hadrian: Welches Geschäft könnte bitteschön wichtiger sein?

Anastasia: Nun ja~

Nimeria: Master Hadrian, es ist sehr unhöflich, eine Dame zu bedrängen.

Ohne ein Wort zu sagen, wirbelte Hadrian herum. Er verpasste Nimeria, die von hinten an ihn herangetreten war, einen harten Schlag mit dem Handrücken ins Gesicht. Ihr Kopf flog zur Seite. Sie keuchte auf und hielt sich die Wange.

Nimeria: Ich – ich wollte keine Beleidigung aussprechen, mein Herr!

Hadrian: Schweig, Weibsbild – oder ich schlage dich noch einmal.

Nimeria ist das hochschwangere Feral-Dienstmädchen, an dem Hadrian vor etwa acht Monaten Gefallen gefunden hat. Woher er sie hat oder wem er sie weggenommen hat, ist unklar. Aber er weigert sich, sie freizulassen. Es gibt Gerüchte und Vermutungen, dass das Kind von Hadrian ist. Die Wahrheit kennt niemand. Es wäre jedoch nicht schwer zu glauben, dass Hadrian sie schamlos ausgenutzt hat. Ich hoffe nicht. Nimeria ist eine gute und sanfte Seele.

Anastasia: Es reicht jetzt, Sire.

Hadrians wütender Blick richtete sich wieder auf mich. Er trat vor und starrte auf mich herab. Er schien mich einen langen Moment lang zu mustern, bevor er sich wieder zu Lucifer umdrehte.

Hadrian: Komm, Knappe, wir müssen gehen.

Hadrian schritt an mir vorbei. Dabei rempelte er mich an der Schulter an, als wäre ich nur ein Gegenstand, der ihm im Weg stand. Sein Gefolge eilte ihm schnell hinterher, auch Lucifer und Nimeria.

Nachdem ich mich kurz beruhigt hatte, hob ich den Kopf. Ich machte mich auf den Weg zurück zur Hauptstraße. Dort atmete ich die frische Morgenluft ein und blickte mich auf der belebten Straße um.

Als ich meine morgendliche Runde beendet hatte, kehrte ich nach Hause zurück. Mein kleines Häuschen liegt versteckt im Wald. Es ist wohl eher ein kleiner Bauernhof als eine Hütte. Ich halte Tiere und baue Feldfrüchte an.

Es ist friedlich hier, weit weg von den neugierigen Blicken des Dorfes oder des Herzogs. Er glaubt immer noch, dass ich bei meinem Vater im Dorf lebe. In Wahrheit darf ich diesen wunderbaren Ort mein Zuhause nennen.

Ich habe einen kleinen Stall, in dem ich mich um meinen Hengst Thunder kümmere. Dort erledige ich auch alle Reparaturen und Wartungsarbeiten, die auf dem Hof anfallen.

Dann gibt es meinen Garten. Dort wachsen Obst, Gemüse, Kräuter für meine Heilmittel und Salben – und natürlich Dinge zum Kochen.

Schließlich gibt es noch meine Werkstatt für Arbeiten, die nicht ins Haus passen. Dort lagere ich auch mein Werkzeug und meinen Künstlerbedarf. Ich komme hierher, um zu malen oder zu zeichnen, wenn mich die Lust packt.

Es ist alles, was ich brauche, und noch mehr. Alles an einem Ort – ein Ort nur für mich allein, den ich mein Zuhause nenne. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so zurückgezogen leben würde. Aber jetzt will ich nichts anderes mehr.

Ich atmete tief durch, als ich mein Häuschen betrat. Der köstliche Duft vom Backen am Morgen lag noch in der Luft. Es bereitet mir immer wieder Freude. Ich bin so froh, zu Hause zu sein.

Und weg vom Herzog.

Ich ging in mein kleines Arbeitszimmer. Ich setzte mich auf meinen Schreibtischstuhl und holte mein Tagebuch heraus. Ich notierte mir, dass Milos Ohren noch immer nicht spitz zulaufen.

Ferals gibt es schon seit Hunderten von Jahren. Die Berge sind ihr Zuhause. Wir Menschen haben ihren Frieden gestört, indem wir uns in der Umgebung niedergelassen haben. Und doch jagen und töten graisame Männer wie der Herzog so viele Ferals wie möglich. Sie machen Jagd auf jeden männlichen Feral, den sie finden. Ich mache mir Sorgen, was aus Milo werden soll.

Shae war immer gut zu unserer Familie. Und das, obwohl Menschen sie schon in jungen Jahren von ihrem Gefährten weggerissen haben. Sie war bereits mit Milo schwanger, als der Herzog sie bei einer seiner Feral-Jagden fand.

Die Jagdtrupps des Herzogs ziehen täglich in die Berge. Sie jagen die Ferals in ihrer eigenen Heimat. Er lässt jeden töten, der ihn allein durch seine Existenz beleidigt – vor allem die Männchen. Ich selbst habe nichts gegen das Volk der Ferals. Schon das Wort „Feral“ auszusprechen, tut weh. Sie sind nicht wild oder bestialisch. Sie werden einfach nur falsch verstanden. Und ich hoffe, sie eines Tages zu verstehen.

Ich nenne sie Ferals, weil ich es nicht anders kenne. Es ist das, was man mir beigebracht hat. Ich habe nie eine andere Bezeichnung für sie gehört. Inzwischen sage ich das Wort aus reiner Gewohnheit.

Meine freie Zeit verbringe ich nicht nur mit Backen und Ausflügen, sondern auch mit Forschung. Ich will mehr über die Ferals und ihre Kultur lernen. Ich wünsche mir eine stärkere Verbindung zwischen Menschen und Ferals. Ich hoffe, dass wir eines Tages friedlich als eine Gemeinschaft zusammenleben können. Vielleicht, wenn der Herzog und die Familie Dumont nicht mehr über uns und unsere Stadt herrschen. Aber das wird wohl nie passieren. Das Volk der Ferals verdient Frieden, genau wie wir Menschen. Sie verdienen diesen schlechten Ruf nicht. Allerdings muss ich zugeben, dass ich noch nie einen männlichen Feral mit eigenen Augen gesehen habe.

Die Männchen werden oft getötet, bevor sie jemand aus dem Dorf zu Gesicht bekommt. Nur ihre geraubten Gefährtinnen kommen jemals in den Schutz von Feral Valley. Kein Mensch wagt sich in die Berge, außer in großen Gruppen oder als Jagdtrupp. Allein die Gerüchte und Geschichten reichen aus, um die Leute fernzuhalten.

Auch ich traue mich nicht zu weit weg, weil ich Angst vor dem habe, was dort draußen lauert. Es sind nicht die Männchen, vor denen ich mich fürchte. Es sind die Tiere: Riesenwölfe, Wildkatzen und Menschen, die zu Kannibalen geworden sind und den Verstand verloren haben. Feral Valley ist die Heimat vieler gefährlicher Kreaturen. Und vielleicht sind es die am wenigsten gefährlichen Wesen, die wir am meisten fürchten: menschliche Männer – nicht die Feral-Männer.

Nimeria: Mistress Ashwood?

Ein leises Klopfen an der Haustür riss mich aus meinen Gedanken. Ich strich mein Kleid glatt, stand auf und ging zurück in den Hauptraum, um die Tür zu öffnen.

Anastasia: N-Nimeria... Wie hast du mich gefunden?

Nimeria: Master Nathaniel hat mir gesagt, wo Sie wohnen. Bitte haben Sie keine Angst. Ich würde dem Herzog niemals von diesem Ort erzählen.

Anastasia: Würde er dich für solche Geheimnisse nicht bestrafen?

Nimeria: Vielleicht. Aber das ist ein Risiko, das ich gerne eingehe.

Anastasia: Schon gut. Was kann ich für dich tun?

Nimeria: Ich... Ich habe Angst um mein Kind, Mistress.

Anastasia: Um dein Kind? Was ist denn los? Komm erst mal rein.

Ich trat beiseite und bat sie herein. Sie folgte der Einladung, neigte respektvoll den Kopf und hielt dabei schützend ihren großen Babybauch.

Nimeria: Ich habe sie schon so lange nicht mehr gespürt, Mistress.

Anastasia: Setz dich ins Wohnzimmer. Wir schauen uns das mal an, hm?

Ich versuchte, ihr ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, während ich die Tür hinter ihr schloss. Dabei warf ich einen prüfenden Blick in den Wald. Ich hoffte, dass ihr niemand gefolgt war. Besonders nicht der Herzog.

Nimeria: Es tut mir leid, dass ich Sie so störe, Mistress. Ich wusste nicht, an wen ich mich sonst wenden sollte.

Anastasia: Nein, das ist schon in Ordnung. Ich weiß, dass die Dorfärzte niemanden behandeln, der von den Ferals abstammt. Es ist alles gut, wir sehen nach, ob das Baby gesund ist.

Ich ging ins Wohnzimmer zu Nimeria. Sie hatte sich auf dem Sofa niedergelassen und streichelte nervös ihren Bauch. Ich kramte in den Schränken und Schubladen. Mit einem triumphierenden Lächeln holte ich mein Stethoskop hervor. Ich zog mir einen Hocker ans Sofa und setzte mich vor Nimeria. Sie lehnte sich zurück, und ich rutschte ein Stück näher.

Anastasia: Darf ich?

Nimeria: Natürlich, Mistress.

Vorsichtig schob ich den Saum von Nimerias Kleid hoch und raffte es unter ihrer Brust zusammen. So lag ihr Bauch frei. Ich tastete ihn ab, um die Lage des Babys zu prüfen.

Die Lage schien gut zu sein. Also setzte ich den Trichter des Stethoskops auf ihren Bauch. Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht, beugte mich vor und horchte. Sofort hörte ich das leise, gesunde Pochen eines kleinen Herzschlags, direkt neben Nimerias Herzschlag. Ein Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus. Ich nahm das Stethoskop ab, grinste Nimeria an und zog ihr Kleid wieder nach unten.

Anastasia: Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Es scheint, als würde sie im Moment nur ein bisschen schlafen.

Nimeria: Sind Sie sicher, Mistress?

Anastasia: Ganz sicher. Dein Termin muss bald sein. Hat der Herzog schon erwähnt, ob du bei der Geburt versorgt wirst?

Nimeria: Da ich sicher bin, dass es ein Mädchen wird, sagt er, ich dürfe sie behalten.

Anastasia: Gut. Das ist immerhin etwas.

Nimeria: Das ist es, Mistress.

Als Nimeria sich wieder aufsetzte, wurde ich neugierig. Zuerst wollte ich nichts sagen, um sie nicht mit persönlichen Fragen zu bedrängen. Aber ich musste es einfach wissen.

Anastasia: Nimeria... Bitte verzeih mir die neugierige Frage. Aber ist dieses Kind... vom Herzog?

Nimeria: Gott bewahre, nein. Nein! Dieser Engel ist die einzige Erinnerung, die mir von meinem Theoden geblieben ist.

Anastasia: Theoden... War er dein Gefährte?

Nimeria: Ja. Das war er. Er wurde getötet, kurz nachdem ich vor neun Monaten erfahren hatte, dass ich ein Kind erwarte.

Anastasia: Das tut mir schrecklich leid für dich.

Nimeria: Es ist schon in Ordnung, Mistress. Er hat sein Leben tapfer gelassen, wie ein wahrer Krieger.

Anastasia: Nun, ich bin froh, dass er dir dieses neue Leben geschenkt hat. Und ich freue mich umso mehr, dir sagen zu können, dass dieses kleine Wunder vollkommen gesund ist.

Nimeria: Danke, Mistress. Es ist selten, so viel Mitgefühl von Menschen zu erfahren. Ihre Familie besteht wirklich aus wunderbaren Menschen.

Anastasia: Freundlichkeit kostet nichts. Es tut mir in der Seele weh, dass manche Leute glauben, sie dürften dich schlechter behandeln als mich.

Nimeria: Sie sind wie ein Diamant im Dreck – ich glaube, so sagt man bei Ihnen, oder?

Anastasia: Ja. So ungefähr. Danke, Nimeria, das bedeutet mir viel.

Nimeria: Wissen Sie... Die Zöpfe in Ihrem Haar stehen Ihnen ausgezeichnet, Mistress.

Anastasia: Wirklich?

Nimeria: Ja. Für mein Volk ist ein Zopf ein Zeichen von Mut. Jeder Zopf steht für einen Strang der Seele. Er zeigt die Verbindung zu den Elementen. Die eigene Natur, vereint mit Mutter Natur selbst.

Anastasia: Ich... das wusste ich gar nicht.

Nimeria: Ich glaube, Ihre Zöpfe stehen für Ihre Güte und Ihren Mut. Sie haben keine Angst davor, Ihr Herz sprechen zu lassen.

Anastasia: Du drückst das so wunderschön aus, Nimeria.

Nimeria: Meine Mutter hat mir die Sprache Ihres Volkes beigebracht. Sie hoffte, dass ich sie eines Tages nutzen könnte, um eine Brücke zu bauen.

Anastasia: Genau so eine Verbindung wünsche ich mir auch.

Nimeria: Eines Tages... Eines Tages werden wir zusammenstehen. Dann gibt es keinen Krieg und kein Blutvergießen mehr.

Anastasia: Ich hoffe es sehr. Für dich und für deine Tochter.

Nimeria griff nach meiner Hand, die in meinem Schoß lag. Sie drückte sie sanft und sah mich mit einem freundlichen Lächeln an.

Nimeria: Selbst wenn sich nichts ändert... Sie geben mir den Glauben an die Menschheit zurück.

Hadrian: NIMERIA?!

Nimeria und ich schreckten vor Schreck zusammen. Unsere Mienen verwandelten sich sofort in nackte Panik, als Lord Hadrians Stimme von draußen zwischen den Bäumen herüberschallte.

Nimeria: Oh nein – der Herzog!

Fortsetzung folgt...