Kapitel 1
An der nächsten Haltestelle muss ich raus. Gespannt sehe ich aus dem Fenster, ob ich Fiona schon entdecken kann. Und tatsächlich fällt mir ihr roter Haarschopf direkt auf. Wie abgemacht wartet sie auf mich. Der Bus hält perfekt, sie steht gleich hinter der Tür. Etwas verkrampft steige ich aus, während sie mich breit und fröhlich anlächelt. “Hey Fiona”, begrüsse ich sie bewusst neutral.
“Hallo, mein kleiner Muffin”, grinst sie breit mit glitzernden Augen. Sie weiss genau, wie sehr ich es verabscheue, wenn sie mich so nennt. Dennoch tut sie es immer. Zumindest spiele ich das vor, wo es mich doch einfach demütigt und ich es mag, das aber nie offen zugeben würde.
“Du siehst umwerfend aus!“, mache ich ihr ein ehrliches Kompliment. Nicht nur, weil ich weiss, dass sie das für mich getan hat, sondern auch, weil es einfach stimmt. So etwas ist sonst weniger ihr Kleidungsstil.
“Danke”, lächelt sie fröhlich und dreht sich demonstrativ einmal im Kreis, um mir alles zu präsentieren. Der schwarze Lederrock flattert leicht und ihre Muskeln spielen mit der Anspannung unter den schwarzen Netzstrümpfen. Der rote Pulli ist ein schöner Kontrast zu ihren langen, orange-lockigen Haaren. Durch die Drehung rutscht ihre Kette unter dem Pulli hervor und meine Augen werden gross. Die filigrane Kette glitzert im Sonnenlicht, ebenso der polierte Schlüssel, der daran hängt. Sofort wird mir klar: mein Schlüssel. Sie trägt doch tatsächlich meinen Schlüssel. Ungläubig fixiere ich die Kette, wobei sich unwillkürlich etwas in meiner Hose regt.
Fertig mit ihrer Vorführung sieht sie mich grinsend an. Mein Blick ist ihr nicht entgangen. Abwartend hebt sie eine Augenbraue, als ob ich etwas vergessen hätte. Augenblicklich erinnere ich mich wieder und sehe mich unauffällig um. Der Bus ist bereits wieder los. Schluckend sehe ich ihr noch einmal in die Augen, die mir bestätigen, dass sie wartet. Schnell senke ich meinen Blick und neige meinen Kopf nach unten in eine Verbeugung, um ihr den Respekt zu zollen, den sie verdient.
Eine Hand an meinem Kinn löst sie die Position auf und sieht mich zufrieden an. Mein Blick fällt wieder auf die Kette und die Ehre muss mir ins Gesicht geschrieben stehen, denn sie zwinkert mir wissend zu. Keine Sekunde später hat sie die Arme offen und springt mich für eine herzliche Umarmung an.
“Ich habe dich vermisst, mein Kleiner”, flüstert sie mir wehmütig lächelnd zu, während ich die Umarmung erwidere. “Wie wäre es mit einem kleinen Spaziergang?“, fragt sie leise und löst sich wieder. Eine Antwort meinerseits bleibt aus, ist aber auch nicht nötig. Automatisch nimmt sie meine Hand und zieht mich mit. Wir sehen wie ein ganz normales Pärchen aus, aber keiner weiss, dass unsere verschränkten Hände weniger mit Liebe und mehr mit unserer Dom-Sub-Beziehung zu tun haben. Sie macht das öfter und es wirkt eher, als würde sie mich auf diese Art an die Leine nehmen.
Zielstrebig gibt sie die Richtung vor, bis wir vor einer schwarzen Tür halten. Ich war zu sehr in Gedanken, als dass ich irgendetwas vom Weg mitbekommen hätte. Sie öffnet sie mir und lässt mich zuerst eintreten, damit sie hinter mir wieder abschliessen kann.
Die Garderobe ist sehr schlicht eingerichtet, und ich vermute ein kleines Appartement dahinter.
“Mein Sklave”, erhebt sie ihre Stimme streng. Sofort drehe ich mich zu ihr. Habe ich etwas falsch gemacht? “Nein, du hast nichts falsch gemacht”, lächelt sie versöhnlich. “Ich habe bloss beschlossen, dass du hier nur nackt herumlaufen darfst. Alles andere gehört sich nicht für einen Sklaven. Ausserdem wirst du dich danach hier hinknien und auf mich warten. Ich muss aufs Klo”, erklärt sie mir.
“Ja, Miss”, bestätige ich ihr gehorsam. Sie wartet noch einen Augenblick, bis ich den Befehl beginne umzusetzen. Leise verschwindet sie hinter einer der Türen. Brav setze ich meine Aufgabe fort und entledige mich meiner Kleidung. Allerdings kann ich nicht verhindern, dass meine Fantasie verrückt spielt und mich das Ganze bereits ziemlich erregt. So wundert es mich nicht, dass mein Schwanz leicht schmerzhaft gegen den Käfig drückt.
Ich muss auch nicht lange warten, da öffnet sich die Tür wieder. Doch ohne mich eines Blickes zu würdigen, geht sie an mir vorbei in den nächsten Raum, wo ich das Wohnzimmer vermute. Irgendetwas Metallisches kratzt über eine Oberfläche und dann kommt sie auch schon zurück. In ihrer Hand hält sie mein Halsband.
“Du hast bestimmt nichts dagegen, wenn ich dir das hier anziehe”, wedelt sie mit dem Halsband in ihrer Hand. Ich schüttle sanft den Kopf als Bestätigung. Gekonnt sitzt es mit wenigen Handgriffen eng um meinen Hals. Mit einem Finger überprüft sie noch einmal, dass es nicht zu eng anliegt und streicht mir dann belohnend über die Haare. “Das hast du gut gemacht. Eigentlich würde ich dich gerne vom Käfig befreien als Belohnung. Aber ich habe leider noch etwas damit vor, du musst dich also noch gedulden. Und ich sehe sowieso, dass es sich gerade lohnt, ihn noch etwas dranzulassen”, grinst sie verschmitzt.
Nickend nehme ich es zur Kenntnis, wobei ich spüre, wie erneut Blut in meinen Penis gepumpt wird vor Aufregung.
“Darf ich?“, stelle ich ihr eine Frage, woraufhin sie nickt. Sofort nehme ich meine Hände aus dem Schoss und streiche ehrfürchtig über das Halsband. Ich liebe dieses Gefühl einfach. Glücklich sehe ich wieder zu ihr hoch, wobei auch ihr Blick sehr zufrieden ist.
“Vertraust du mir blind?“, fragt sie mit einem geheimnisvollen Grinsen und ernstem Gesichtsausdruck.
Ich betrachte sie kurz, überlege, warum sie so etwas fragt. Sie kennt die Antwort doch eigentlich. Dennoch antworte ich mit: “Ja”. Das tue ich wirklich.
“Dann folge mir.” Sie nickt mit dem Kopf in Richtung der Tür, aus der sie das Halsband geholt hat.
Willig folge ich ihr. Tatsächlich stimmt meine Vermutung und dahinter ist ein kleines Wohnzimmer. Vor einer weiteren Tür hält sie inne und grinst mich versaut an.
Sie hält mir die Tür auf, damit ich eintreten kann. Eingehend betrachte ich den neuen Raum. Das Schlafzimmer, offensichtlich. Allerdings ist es nicht nur zum Schlafen ausgestattet. Nicht einmal auf den ersten Blick sieht das Bett normal aus, denn es ist von metallisch glänzenden Gitterstäben umgeben, die als Käfig unter dem Bett dienen. Aus massivem schwarzem Holz ist darüber ein Gerüst wie für ein Himmelbett angebracht. Der Unterschied ist nur, dass daran überall Ösen befestigt sind, ebenso wie um das ganze Bettgestell herum.
Es steht mittig im Raum und auf der rechten Seite an der Wand ist ein Andreaskreuz angebracht. Auf der linken Seite stehen Möbel und verschiedene Schlaginstrumente sind ordentlich an der Wand aufgehängt.
Fiona beobachtet mich eingehend und lässt mir Zeit. Sie lehnt sich lässig an den Türrahmen und wartet geduldig ab.
Mein Blick gleitet weiter über die Dinge und bleibt an einem schwarz gepolsterten Toilettenring stehen. Skeptisch betrachte ich ihn mit schief gelegtem Kopf.
“Es gibt auch Dinge in diesem Raum, die wir nicht nutzen werden”, kommentiert sie lachend nach meinem Blick. “Schliesslich sind da auch Vorlieben vertreten, mit denen wir beide weniger anfangen können”, lächelt sie verständnisvoll.
Beruhigt lasse ich meinen Blick weiter im Raum umherschweifen, bis ich die Manschetten auf dem Bett entdecke. Vorbereitet liegen sie da und geben mir Aufschluss darüber, was noch kommen wird. Denn diesmal hat sie nicht einmal gefragt, wonach mir ist zum Spielen, sondern hat sich in Geheimnisse gehüllt, was ungewöhnlich ist.
Elegant stösst sie sich vom Rahmen ab, betätigt den Lichtschalter, der den Raum in gedämpftes gelbes Licht taucht und setzt sich auf das Fussende des Bettes. Sofort steigt mir ihr vertrauter Duft von Vanille und Holz in die Nase. Ohne ein Wort verschränkt sie die Beine, hebt leicht das Kinn und zeigt auf den Boden vor sich. “Du weisst, wo dein Platz ist. Hinknien.”
Wie ich die Überheblichkeit in ihrer Stimme liebe. Das bestätigt mir auch mein Schwanz kurz. Lächelnd gehe ich vor ihr auf die Knie. Aufmerksam betrachtet sie mich und hält meinem neugierigen Blick stand, bis ich es nicht mehr aushalte und ihn senke. Ungeduldig warte ich ab. Wann nimmt sie endlich die Manschetten?
Doch sie wartet einfach und schaut auf mich herab. Ich schiele leicht zu ihr hoch und bemerke, wie sich ihr Blick in Herablassung verändert. Mist, das schmerzt in meiner Mitte.
“Du Lüstling. Wir haben noch nicht einmal angefangen und dein Penis quillt schon überall aus dem Käfig raus.” Sie hebt ihr Bein leicht an und drückt mit der Spitze ihrer High Heels gegen den Käfig. Ihr Grinsen wird boshafter, sie weiss genau, wie demütigend das ist und wie sehr mich genau das anmacht. Die Macht, die sie über mich hat, knistert förmlich in der Luft. Sie schnappt sich eine Manschette und streckt ihre Hand aus, damit ich ihr meinen Arm gebe. Sanft umschliesst sie mein Handgelenk mit dem Leder und macht es fest, achtet aber darauf, dass meine Durchblutung nicht beeinträchtigt wird.
“Soll ich mich jetzt etwa für dich, Nichtsnutz, auch noch bücken?” Scharf dringen ihre Worte zu mir durch. Ich brauche einen Moment, bis ich verstehe. Ungeduldig wedelt sie mit den weiteren zwei Manschetten.
Zögernd stehe ich auf und reiche ihr meinen Fuss hoch. Zufrieden befestigt sie die Manschette daran. Dann war das wohl richtig. Fertig gehe ich zurück in meine Position.
Sie schaut mich noch einmal an und erhebt sich dann. Stellt sich vor die linke Wand, dort, wo die Schlaginstrumente aufgehängt sind. Aufmerksam beobachte ich, wie sie über die Instrumente streicht, eines herausnimmt und es in der Luft testet. Das wiederholt sie einige Male, bis sie zufrieden ist.