Die Auserwählte des Kriegsgottes 🔞🔥

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Zusammenfassung

Seit Jahren träumt Lina von ihm. Ein Liebhaber, dessen Gesicht sie nie sieht, dessen Narben sie aber blind ertasten kann. An ihrem 25. Geburtstag werden die Träume erschreckend lebendig – sie wacht auf, einsam und von einem brennenden Verlangen erfüllt. Auf der Suche nach Material für ihre Abschlussarbeit wandert Lina auf den Black Peak Mountain und stößt auf einen verborgenen Tempel. Doch was sie dort findet, sind keine Ruinen. Da ist er. Kaelen. Ein gefallener Kriegsgott. Greifbar. Körperlich. Hungrig. Er behauptet, sie sei die Reinkarnation seiner Ehefrau, verbunden durch einen Blutpakt vor 700 Jahren. Ihr Geburtsmal gleicht der verfluchten Narbe auf seiner Brust. Doch Kaelen ist kein bloßes Geisterwesen aus der Vergangenheit – er ist ein Gott ohne Anhänger, und nur eine einzige Sache verankert ihn noch in der Welt der Sterblichen: sie. Hineingerissen in eine moderne Welt, die er nicht begreift, klammert sich Kaelen mit einer Intensität an Lina, die zugleich beängstigend und berauschend ist. Er weiß zwar nicht, was ein Smartphone ist, aber er weiß genau, wie er ihren Körper ruinieren muss. Sanft im Licht, ein Biest zwischen den Laken und besitzergreifend in jedem Raum. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht begraben. Jemand hat Lina in diesen Tempel gelockt. Jemand hat seit 700 Jahren auf ihre Rückkehr gewartet. Und als ein uralter Feind mit derselben Klinge auftaucht, die ihr früheres Ich getötet hat, erkennt Lina, dass die tödlichsten Wunden nicht die sind, an die man sich erinnert – sondern die, deren man sich nie versieht. Während der Himmel sich darauf vorbereitet, ihn zurückzufordern, und alte Feinde den Kreis schließen, steht Lina vor einer unmöglichen Wahl: ihn gehen lassen und zusehen, wie er verblasst, oder ihn für immer an sich binden – durch ein Band aus Fleisch, Blut und Seele. **Die Auserwählte des Kriegsgottes** ist ein High-Heat Reincarnation Romance-Roman mit einem besitzergreifenden gefallenen Gott, einer Heldin, die weiß, wie sie starb, aber nicht, wer sie tötete, und einer Liebe, die sieben Jahrhunderte lang darauf gewartet hat, wieder in Flammen aufzugehen. *Warnung: Enthält explizite Intimität, göttliche Besessenheit, uralte Fehden und einen Helden, der sie mit seinen Händen und seinem Mund anbetet.*

Genre:
Romance
Autor:
Zara Knox
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
31
Rating
5.0 4 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Die fünfundzwanzigste Nacht

Der Traum

Halt.

Der Befehl hallte durch die Marmorkammer, doch der Körper hinter ihr gehorchte nicht.

Linas Handflächen drückten gegen kalten Stein – ein Altar, begriff sie vage, dessen gemeißelte Kanten sich in ihre Haut schnitten. Ihr Rücken bog sich durch, als schwielige Hände ihre Hüften packten und sie bei jedem vernichtenden Stoß nach hinten rissen. Das nasse Klatschen von Fleisch auf Fleisch erfüllte den riesigen Raum, obszön und hallend.

Sie konnte sein Gesicht nicht sehen. Nur ihn spüren.

Ahh –

Das Geräusch entfuhr ihrer Kehle, bevor sie es verhindern konnte. Ihre Knie schürften über Seidenkissen, ihre Wirbelsäule krümmte sich in einem tiefen Bogen und ihre Finger krallten sich nutzlos in den glatten Stein. Bronzene Armreifen klimperten an ihren Handgelenken – wann waren die aufgetaucht? – und Weihrauch waberte dick durch die Luft, Sandelholz und etwas Dunkleres, etwas, das ihren Kopf benebelte.

„Du nimmst mich so gut.“

Seine Stimme war Kies und Honig, auf eine Weise voller Resonanz, wie es keine menschliche Stimme sein sollte. Uralt. Die Worte waren kein Englisch, doch sie verstand sie vollkommen, als ob die Bedeutung ihre Ohren völlig umging und direkt in ihre Knochen sank.

Wa – was ist –

Sie wollte sprechen, doch ein weiterer Stoß raubte ihr den Atem. Tief. So unmöglich tief, dass sie ihn in ihrem Magen spüren konnte, in ihrer Kehle, in der pochenden Hitze zwischen ihren Beinen, die drohte, sie völlig zu entfesseln.

Seine Hand ballte sich in ihre Haare und zog ihren Kopf zurück. Die Dehnung ihres Halses legte die dünne Haut über ihrem Puls frei und sie spürte, wie er sich vorlehnte, spürte die Hitze seines Atems, die wie ein Geist über ihre Schulter strich.

„Sag meinen Namen.“

Deinen Namen – ich weiß nicht –

„Doch, das tust du.“ Ein Rollen seiner Hüften. Langsam, absichtlich, vernichtend. „Er steht auf deiner Seele geschrieben, kleine Ehefrau. Sag ihn.“

Das Wort stieg aus einer Tiefe auf, die weit unter der Erinnerung lag. Es entwich ihren Lippen ungebeten, ein gebrochenes Schluchzen aus Silben, die sie noch nie gehört und doch immer gekannt hatte:

Kaelen.

Er belohnte sie mit einem zustimmenden Knurren, das durch ihren ganzen Körper vibrierte. Sein Rhythmus änderte sich – härter jetzt, schneller, jeder Stoß trieb sie weiter auf den Altar, bis die steinerne Kante blaue Flecken in ihre Oberschenkel drückte. Das Geräusch war schmutzig: glitschig, nass, das obszöne Schmatzen ihres Körpers, das ihn immer wieder annahm.

Sie sollte beschämt sein. Sie sollte entsetzt sein. Stattdessen sammelte sich eine geschmolzene Hitze tief in ihrem Bauch, die sich mit jedem Stoß, jedem Grunzen, jedem geflüsterten Kosenamen in dieser verlorenen Sprache zusammenzog.

Seine Hand ließ ihre Haare los und glitt nach vorne. Schwielige Finger zeichneten die Wölbung ihrer Brust nach, bevor sie den empfindlichen Punkt fanden und ihn zwischen Daumen und Zeigefinger rollten. Das Vergnügen spitzte sich zu – scharf, elektrisierend – und sie drückte sich gegen ihn, verzweifelt nach mehr.

„Eifrig.“ Ein dunkles Kichern. „Sogar nach all dieser Zeit.“

All dieser Zeit? Ich verstehe nicht – ich habe noch nie –

„Schh.“ Seine Handfläche flachte gegen ihr Brustbein ab und drückte sie zurück gegen seine Brust. Der neue Winkel ließ ihn unmöglich tiefer eindringen und sie wimmerte bei der Dehnung, der Fülle. „Du wirst dich erinnern. Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du dich an alles erinnern.“

Seine andere Hand sank dorthin, wo ihre Körper verbunden waren. Eine einzelne Fingerspitze fand den geschwollenen Punkt an ihrem Höhepunkt und Lina zerbrach.

Kaelen –!

Der Orgasmus raste wie eine Welle aus weißem Feuer durch sie hindurch. Ihre Wände krampften sich um ihn, zuckten, zogen, und sie spürte, wie er ihr über den Abgrund folgte – ein kehliges Brüllen an ihrer Schulter, als er sich bis zum Anschlag in sie hineinbohrte und in ihr pulsierte. Hitze überflutete ihren Kern. Wieder. Wieder. Sie konnte jeden Stoß fühlen, konnte fühlen, wie ihr Körper ihn aufsog, gierig und verzweifelt und –

Seine Hand presste flach gegen ihre Brust. Über ihrem Herzen.

Und dort, unter seiner Handfläche, brannte etwas.

Sie sah an sich herunter. Ein Muttermal, das sie ihr ganzes Leben lang getragen hatte – in der Form einer zerbrochenen Klinge, das sich über ihre linke Brust erstreckte –, leuchtete schwach golden durch ihre Haut. Passendes Licht flackerte von seiner Brust, von einer gezackten Narbe, die direkt über seinem Herzen eingekerbt war.

Was –

Das Licht wurde heller. Blendend. Die Tempelwände lösten sich in Strahlen auf, seine Arme um ihre Taille wurden zu Rauch und seine Stimme in ihrem Ohr wurde zu einem Echo –

„Finde mich.“

Die Folgen

Lina wachte mit einem Keuchen auf, ihr Rücken bog sich so heftig von der Matratze, dass sie beinahe aus dem Bett gefallen wäre.

Ihre Hand flog zu ihrer Brust. Die Haut über ihrem Muttermal war heiß bei Berührung, fast fiebrig, und als sie ihr Tanktop beiseite zog, um nachzusehen, war das Mal in einem wütenden Pink gerötet – dunkler, als sie es je gesehen hatte.

Nur ein Traum. Nur ein Traum. Nur ein –

Ihre Oberschenkel waren feucht.

Ihr Gesicht brannte. Sie presste die Augen fest zusammen und wollte das Phantomgefühl von Händen auf ihren Hüften, von Stein gegen ihre Handflächen und einer Stimme, die sie wie Samtketten umhüllte, vertreiben.

Es war nur ein Traum.

Die Uhr auf ihrem Nachttisch zeigte 0:00 Uhr an. Genau Mitternacht. Der erste Moment ihres fünfundzwanzigsten Geburtstags.

„Tolles Geschenk, Unterbewusstsein“, murmelte sie und schwang ihre Beine über die Bettkante. Ihr Körper schmerzte an Stellen, an denen er nicht schmerzen durfte – ihre Knie, ihre Handgelenke, das Fleisch ihrer Oberschenkel. Sie drückte einen Finger auf ihr Knie und zuckte bei der Empfindlichkeit zusammen. Als ob sie tatsächlich auf Stein gekniet hätte für –

Nein. Hör auf damit.

Sie versuchte, wieder einzuschlafen. Wälzte sich hin und her. Starre an die Decke. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, spürte sie Phantomhände auf ihren Hüften und hörte diese uralte Stimme in ihrem Ohr flüstern.

Um 5:47 Uhr gab sie auf.

Das kalte Wasser der Dusche half nicht. Wenn überhaupt, machte es die Dinge schlimmer – die Kälte, die ihre Brustwarzen aufstellte, der Wasserstrahl, der ihren Bauch hinunterlief, der unvermeidliche Weg ihrer Gedanken zurück zu bronzenen Händen und uralten Altären und einer Stimme, die kleine Ehefrau sagte wie ein Gebet und ein Anspruch zugleich.

Sie stellte das Wasser kälter. Ihr Muttermal pulsierte aus Protest.

Als sie schließlich in ein Handtuch gewickelt und zitternd herauskam, kroch das frühe Morgenlicht durch ihre Jalousien. Die Stimme ihrer Mitbewohnerin drang aus der Küche, begleitet vom Zischen von etwas in der Pfanne.

„Lina? Bist du wach?“

Mayas Kopf erschien am Türrahmen, ihre dunklen Locken zu einem unordentlichen Knoten hochgesteckt. Ihr Ausdruck wurde besorgt, als sie Linas Gesicht sah. „Wow. Schlechte Nacht?“

„So in der Art.“ Lina brachte ein schwaches Lächeln zustande. „Nur ein Albtraum.“

„Miese Sache. An deinem Geburtstag?“ Maya überquerte den Raum und zog sie in eine einarmige Umarmung, wobei sie auf das Handtuch achtete. „Na ja, alles Gute zum Fünfundzwanzigsten jedenfalls. Ich habe Pfannkuchen gemacht. Sie sind nur leicht angebrannt.“

„Du bist eine Heilige.“

„Und vergiss das bloß nicht.“

Lina zog sich mechanisch an – ein ausgeblichener Uni-Hoodie, Jeans und ihre bequemsten Stiefel. Ihre Finger fanden ihr Skizzenbuch auf dem Nachttisch und sie blätterte geistesabwesend darin, auf der Suche nach etwas, das sie in der Realität erden würde.

Die Seiten schlugen bei einer Reihe von Zeichnungen auf, an die sie sich nicht erinnern konnte, sie gemacht zu haben.

Ihr stockte der Atem.

Dasselbe Bild, immer und immer wieder. Die Brust eines Mannes, breit und vernarbt, mit Graphit gezeichnet, mit einer Präzision, die an Besessenheit grenzte. Aber die Narbe –

Sie hatte dieselbe Form wie ihr Muttermal – eine zerbrochene Klinge, gezackt und unverkennbar.

Sie blätterte weiter zurück. Mehr Zeichnungen. Dieselbe Narbe, aus verschiedenen Blickwinkeln skizziert. Eine Tempelsäule. Ein Altar. Hände, die zu groß, zu stark wirkten, gewickelt um etwas, das sie nicht ganz sehen konnte.

Wann habe ich die gezeichnet?

Die Striche waren ihre eigenen – sie erkannte ihre eigene Schraffurtechnik, ihre eigene Tendenz, zu fest auf die Schatten zu drücken –, aber die Erinnerungen waren es nicht. Sie hätte sich daran erinnert, das gezeichnet zu haben. Hätte sich daran erinnert, wie die Narbe unter ihrem Stift zu leuchten schien, wie sich ihre Hand ohne ihre Erlaubnis bewegt hatte.

„Lina? Die Pfannkuchen werden kalt!“

„Komme schon“, rief sie, doch ihre Stimme war kaum ein Flüstern.

Sie schloss das Skizzenbuch und schob es in ihre Tasche.

Der Sog

Das Universitätslabor war zu dieser Stunde fast leer, das Summen der Leuchtstoffröhren war das einzige Geräusch auf dem Flur. Die Bürotür von Professor Aldridge stand einen Spalt breit offen, ein Streifen warmen Lichts fiel auf den Teppichboden.

„Komm rein, komm rein.“ Er blickte nicht von dem Aktenordner in seinen Händen auf, seine Brille saß auf der Nasenspitze. „Ich habe etwas für dich. Betrachte es als Geburtstagsgeschenk, wenn du so willst.“

Lina setzte sich auf den Stuhl gegenüber seinem Schreibtisch. „Professor, das hätten Sie nicht tun müssen –“

„Unsinn. Du bist die vielversprechendste Studentin, die ich seit zwanzig Jahren hatte. Wenn jemand einen ersten Blick darauf werfen sollte, dann du.“

Er schob den Ordner über den Schreibtisch. Das Etikett lautete: BLACK PEAK MOUNTAIN — AUSGRABUNGSDATEN (VORLÄUFIG).

Linas Muttermal pulsierte.

Sie ignorierte es.

„Ich habe noch nie von dieser Fundstelle gehört“, sagte sie und klappte den Ordner auf. Fotos, topografische Karten und Radiokarbondatierungsberichte. Ihre Augen überflogen die Daten, ohne sie zu verarbeiten.

„Neue Entdeckung. Wanderer haben letzten Monat einen Eingang gefunden. Die Datierung ist... ungewöhnlich.“ Aldridge lehnte sich in seinem Stuhl zurück und faltete die Finger. „Die Architektur stimmt mit vorrömischen keltischen Bauwerken überein, aber die Erhaltung ist bemerkenswert. Fast schon verdächtig.“

Verdächtig.

Lina blätterte zum nächsten Foto und spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich.

Eine Steingravur. Ein Krieger, überlebensgroß, in eine Tempelwand gemeißelt. Oberkörperfrei. Bemuskelte Arme über einer breiten Brust verschränkt.

Und dort, über seinem Herzen, eine Narbe in Form einer zerbrochenen Klinge.

Ihr Muttermal brannte.

„Das –“ Ihre Stimme überschlug sich. Sie räusperte sich. „Wo ist das?“

„Westlicher Zugang. Etwa drei Stunden Fahrt von der Stadt entfernt, dann eine Wanderung. Ich habe bereits einen Forschungsausweis organisiert, falls du interessiert bist.“ Aldridges Augen wurden scharf. „Es sei denn, du hast andere Geburtstagspläne?“

Pläne.

Sie hatte Pläne. Maya schmiss heute Abend eine Party. Es gab einen Kuchen im Kühlschrank, einen Stapel Geschenke auf dem Küchentisch und Freunde, die sich Sorgen machen würden, wenn sie verschwand.

Doch das Muttermal über ihrem Herzen pulsierte im Takt ihres Herzschlags, ein stetiger Trommelschlag aus finde ihn, finde ihn, finde ihn, der alles andere übertönte.

„Ich nehme ihn“, sagte sie. „Ich fahre heute noch.“

Der Aufstieg

Der Berg war still.

Keine Vögel. Keine Insekten. Nicht einmal das Rauschen des Windes in den Bäumen. Nur Linas Stiefel, die auf trockenem Laub knirschten, und das unregelmäßige Geräusch ihres eigenen Atems.

Das ist wahnsinnig.

Sie hatte Maya gesagt, sie brauche Einsamkeit. Einen Geburtstagsrückzug. Zeit zum Nachdenken. Die Lüge schmeckte wie Asche auf ihrer Zunge, aber Maya hatte sie geglaubt – sie fest umarmt, sie dazu gebracht, zu versprechen, alle paar Stunden eine Nachricht zu schreiben und nichts Rücksichtsloses zu tun.

Zu spät dafür.

Der Weg wurde steiler. Ihre Oberschenkel brannten, ihre Lungen schmerzten und ihr Muttermal war von einem dumpfen Pochen zu einer ständigen, sengenden Hitze geworden. Sie sollte umkehren. Sie sollte das Ganze abblasen, nach Hause gehen und so tun, als hätte sie die Fotos nie gesehen, nie die Träume geträumt, nie eine Stimme gehört, die sie in einer Sprache, die nicht existierte, kleine Ehefrau nannte.

Doch ihre Füße bewegten sich weiter.

Der Tempel erschien zwischen den Bäumen wie eine Fata Morgana.

Lina blieb stehen, ihr stockte der Atem. Er sollte nicht so aussehen. Die Fotos hatten Ruinen gezeigt – zerfallende Mauern, zertrümmerte Säulen, Jahrhunderte des Verfalls. Aber dieses Bauwerk war ganz. Intakt. Das Holz der Türen glänzte, als wäre es frisch geölt, und die Steinstufen zeigten keine Anzeichen von Verwitterung.

Unmöglich.

Der Duft traf sie zuerst. Sandelholz. Weihrauch. Derselbe berauschende Duft aus ihrem Traum.

Ihr Muttermal flammte auf.

Sie stieg die Stufen hinauf, ihre Beine zitterten. Die Türen ragten vor ihr auf, eingraviert mit Symbolen, die sie fast wiedererkannte – Worte, die am Rande ihrer Erinnerung schwebten, knapp außer Reichweite.

Ihre Hand drückte gegen das Holz. Es war warm.

Die Tür schwang auf lautlosen Scharnieren auf.

Die Begegnung

Das Innere war von hundert Kerzen beleuchtet, die einen Moment zuvor noch nicht da gewesen waren.

Linas Augen gewöhnten sich langsam an das goldene Leuchten, das Schatten auf die Steinwände warf. Wandteppiche, die sie nicht identifizieren können sollte, zeigten Schlachten, an die sie sich nicht erinnern sollte. Ein Thron stand an der hinteren Wand, leer, die hohe Rückenlehne mit dem Ebenbild eines ruhenden Kriegers geschnitzt.

Doch es war die Plattform in der Mitte des Raumes, die ihren Blick auf sich zog.

Es war ein Bett. Es war ein Altar. An diesem Ort, realisierte sie, gab es keinen Unterschied. Seidenkissen in tiefem Karmesinrot und Gold lagen auf der Oberfläche verstreut und die Luft darüber flimmerte vor Hitze – oder Magie, oder etwas, für das sie keinen Namen hatte.

Und dort, am Rand sitzend, sie beobachtend mit Augen, die im Kerzenschein schwach bernsteinfarben glühten –

Er.

Breite Schultern. Bronzene Haut. Dunkles Haar, das wild und zerzaust an seinem Kiefer vorbei fiel. Ein Gesicht, das aus Krieg und Anbetung geformt war, scharfe Winkel, volle Lippen und Augen, die das Gewicht von Jahrhunderten trugen.

Er war oberkörperfrei. Und dort, über seinem Herzen, leuchtete die Narbe wie ein Brandzeichen.

Linas Muttermal brannte als Antwort.

Die Tür schlug hinter ihr zu.

Sie wirbelte herum, ihr Herz hämmerte, doch das Holz hatte sich versiegelt – kein Griff, keine Scharniere, kein Ausweg. Als sie sich zurückdrehte, stand er auf.

Gott.

Er war groß. Weit größer, als ein Mensch sein sollte, sein Körper schwer mit Muskeln, die von Kampf sprachen, nicht von Sport. Seine weite Hose hing tief auf seinen Hüften, der Stoff war uralt im Design, aber in makellosem Zustand, als hätte er sie erst vor wenigen Augenblicken angezogen.

Seine Augen ließen sie nicht los.

„Du bist spät dran.“

Die Stimme war dieselbe. Kies und Honig. Ein Geräusch, das ihre Ohren umging und sich in ihren Knochen festsetzte.

Linas Mund öffnete sich. Schloss sich. Öffnete sich wieder. „Wer –“

Er machte einen Schritt auf sie zu. Einen Schritt. Zwei. Der Kerzenschein flackerte bei jeder Bewegung, die Schatten tanzten über seine Haut. „Du weißt, wer ich bin.“

„Ich nicht –“

„Du hast meinen Namen gerufen.“ Noch ein Schritt. Jetzt nah genug, dass sie die Details seiner Narbe sehen konnte, wie sie perfekt zu ihrer passte. „Im Traum. Du hast gerufen und ich habe geantwortet.“

„Das war ein Traum.“

„War es das?“ Seine Hand hob sich und schwebte knapp neben ihrem Gesicht, ohne sie zu berühren. Seine Finger zitterten – leicht, fast unmerklich, als ob er gegen den Drang ankämpfte, nach ihr zu greifen. „Warum erinnert sich dann deine Haut an meine Hände? Warum kennt dein Körper die Form meines Körpers?“

Lina atmete flach. „Ich kenne dich nicht.“

„Du kanntest mich, bevor diese Welt existierte.“ Seine Augen leuchteten heller, Bernstein vermischte sich mit Gold. „Du kanntest mich, bevor der Tod dich forderte, bevor ich fiel, bevor die Götter uns selbst auseinanderrissen. Und du wirst mich wieder kennen.“

Er machte den letzten Schritt.

Seine Hand fand ihr Gesicht. Seine Handfläche war warm, rau vor Schwielen, und als sein Daumen über ihren Wangenknochen strich, erzitterte ihr ganzer Körper.

„Wer bist du?“, flüsterte sie.

Seine Lippen krümmten sich. Nicht ganz ein Lächeln.

„Dein Ehemann.“