DER EWIGE WINTER EINES VERDERBTEN GEISTES

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Zusammenfassung

Dieser Roman ist keine Dark Romance. Dies ist eine Grenzüberschreitung. Die meisten Geschichten in diesem Genre spielen mit den Schatten; Der ewige Winter eines verderbten Geistes lädt die Schatten ein, unter deine Haut zu kriechen. Ein tabubrechendes Dark-Fantasy-Werk, konzipiert für Leser, denen gängige Dark Fiction zu harmlos ist. Es ist ein viszeraler Abstieg in eine Welt, in der „Fäulnis“ nicht nur eine biologische Plage ist, sondern ein psychologisches Todesurteil. Königin Auroras Welt bricht zusammen, als sie ohne Armee in einem Königreich voller Frauen und Kinder zurückbleibt, während eine unaufhaltsame untote Horde nur noch Wochen entfernt ist. Doch Aurora ist nur ein Faden in einem Geflecht miteinander verwobener Schicksale, die die verschwimmenden Grenzen zwischen gesundem Menschenverstand und Gemetzel ausloten. Es ist grausam. Es ist schön. Und vollkommen kompromisslos.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
60
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Der Frostthron (Aurora)

Die Welt brannte, doch Kaiserin Aurora hatte sich nie lebendiger gefühlt.

Sie saß auf einem Thron aus Eis im Herzen eines Palastes, der eigentlich gar nicht existieren dürfte. Zackige Wände aus gefrorenem Eis ragten wie Zähne in einen Himmel voller Asche empor.

Ihr silberweißes Haar war zu kunstvollen Zöpfen geflochten. Ihre Haut war makellos, ihre vollen Lippen in einem sanften Rosaton geschminkt. Ihre fesselnden Augen leuchteten in einem Hellblau, das manchmal ins Graue umschlug.

Draußen, jenseits des Frostpalastes, schrie das Land auf. Wälder standen in Flammen, entzündet durch Drachenfeuer wie Streichhölzer. Die Flüsse kochten.

Die Luft flimmerte vor Hitze und war schwer vom Gestank verbrannten Fleisches und dem Fäulnisgeruch der Schlachtfelder. Die ganze Welt wurde durch Flammen gereinigt.

Aurora beobachtete das alles mit Augen, die so kalt und blau waren wie der Winter selbst.

Sie hatte gewonnen.

Fortuna war fort. Die Fäulnis war weg. Die Welt war eine vernarbte Wunde, blutig und roh, doch endlich rein.

Die Menschen unten, jene, die in Muntenia geblieben waren und den Hunger überlebt hatten, strömten auf die rußbedeckten Straßen. Ihre Gesichter wurden vom fernen Scheiterhaufen ihrer Feinde beleuchtet.

Sie sangen Lieder über sie.

„Kaiserin Aurora!“ riefen sie. „Die Retterin! Die Feuerbringerin!“

Sie war die erste Regentin in der Geschichte der Zeit, die sich für ihr Volk opferte, und nicht umgekehrt.

Die Barden schrieben bereits die Verse. „Das Epos der Eiskönigin“.

Dieser Gedanke hätte ihr eigentlich Freude bereiten sollen, oder Erleichterung, oder zumindest ein Stück weit Befriedigung. Stattdessen fühlte sie nur eine unendliche, hohle Leere.

Sie hatte das Unmögliche vollbracht. Sie hatte überlebt, als das Überleben selbst wie ein grausamer Witz schien. Sie hatte ein Königreich am Rande der Vernichtung verteidigt und zu einem Imperium geformt.

Königin Aurora war nun eine Kaiserin. Eine Eroberin. Eine Göttermörderin. Aber sie war auch eine Sklavin.

Die Ironie entging ihr nicht. Tatsächlich fand sie sie auf eine düstere Art zum Lachen.

Sie hatte sich selbst angeboten – ihren Körper und ihre Seele – an ein Monster, als Gegenleistung für Schutz. Und das Monster hatte geliefert. Oder genauer gesagt: Er hatte mehr geliefert als verlangt.

Er hatte jedes einzelne Versprechen gehalten, das er gegeben hatte.

Auroras Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, das keinerlei Wärme ausstrahlte. Ihre blassen, eleganten Finger mit den eisblauen Nägeln krallten sich in die Armlehnen ihres Throns.

Irgendwo in der Ferne stürzte ein Turm ein. Der Klang erreichte sie als tiefes, klagendes Stöhnen, wie das Todesröcheln eines großen Tieres, das seinen Wunden erlag.

Die untote Armee, die ihre Albträume so lange heimgesucht hatte, war fort. Verbrannt. Gereinigt.

Jeder verweste Leichnam, der auf Malaks Befehl hin auferstanden war, jeder pestkranke Soldat, der unter König Philips Banner marschiert war – sie alle waren jetzt Asche. Verweht auf Winden, die nach Schwefel stanken.

Malak, der Gott der Fäulnis selbst, war tot. Endlich tot. Nicht nur besiegt, nicht nur verbannt, sondern ausgelöscht.

Seine Schreie hallten noch immer in ihrer Erinnerung wider, eine Sinfonie der Qual, die sie in stillen Momenten abspielte, wenn sie sich daran erinnern musste, dass selbst Götter sterben können.

Ihr zweiter Ehemann, der Einzige, der zählte, hatte dafür gesorgt.

Wie von ihren Gedanken herbeigerufen, spürte sie ihn, bevor sie ihn sah. Die Temperatur im Thronsaal sank um weitere zehn Grad.

Er materialisierte sich aus einer wirbelnden Säule aus Hunderten kreischender Raben – sein typischer Stil, aufzutauchen und zu verschwinden. Seine Gestalt war wie ein fleischgewordener Albtraum.

Frost breitete sich in geometrischen Mustern auf dem Boden aus, wunderschön und tödlich. Die Flammen jenseits der Palastmauern flackerten und wurden schwächer, als würde sogar das Feuer selbst in seiner Gegenwart zurückweichen.

Void.

Ihr König. Ihr General. Ihr Liebhaber. Ihre Verdammnis und ihr Heil, eingehüllt in die Rüstung eines Dunklen Ritters. Selbst jetzt, nach allem, was geschehen war, raubte er ihr immer noch den Atem.

„Es ist getan“, sagte Void. Seine Stimme klang wie das erste Brechen von Eis auf einem zugefrorenen See. Wunderschön und erschreckend.

Er blieb vor ihrem Thron stehen, überragte sie, und für einen Moment sagte keiner von beiden ein Wort.

Aurora legte den Kopf schief und musterte ihn. Auf seiner Rüstung klebte Blut, das bereits zu rostfarbenem Eis gefror. Er hatte getötet. Natürlich hatte er das.

„Alle?“ fragte sie, obwohl sie die Antwort bereits kannte.

„Ja.“ Eine Pause. „Die Fäulnis ist fort. Ausgebrannt. Der Drache hat sich darum gekümmert.“

Der Drache. Ja. Sie hatte fast vergessen, dass es ihn gab. Das Geschöpf, das seit tausend Jahren tot gewesen war … Nur war es gar nicht tot gewesen. Nicht wirklich. Nur … verstreut. Es hatte gewartet. Es war in dem unwahrscheinlichsten aller Gefäße erstarkt, bis der Moment gekommen war, in Feuer und Wut wiedergeboren zu werden.

„Und das Mädchen?“ fragte Aurora. „Juliet?“

„Frei.“ Etwas huschte über Voids Gesicht.

„Sie und der Bäcker sind aus der Hölle zurückgekehrt und werden ihr Happy End bekommen.“

Auroras Lächeln wurde breiter.

„Eine Liebe, die die Hölle auf Erden und dann die Hölle in der Hölle überlebt hat. Ist das nicht romantisch?“

„Ja.“

Void trat näher, und plötzlich war er direkt bei ihr. Er beugte sich über ihren Thron, seine bloße Anwesenheit nahm den gesamten Platz im Raum ein.

Eine Hand erreichte sie langsam und packte sie an der Kehle. Seine Finger waren so eiskalt, dass sie brannten, doch sie zuckte nicht zurück. Nicht mehr.

„Und du?“ fragte er, seine Stimme sank zu etwas fast Sanftem herab. „Hast du dein Happy End bekommen?“

Aurora starrte zu diesem wunderschönen Monster auf, das sie zerstört und neu erschaffen hatte. Sie dachte an ihren ersten Ehemann. Sie dachte an das Turnier und daran, wie sie sich dem stärksten Krieger als Preis angeboten hatte.

Sie dachte an den Moment, in dem Void gewonnen hatte. Als er sie mit diesen unergründlichen schwarzen Augen ansah, hatte sie gewusst, dass sie genau das gefunden hatte, wonach sie gesucht hatte.

Ihren Meister.

„Du hast mein Volk gerettet“, sagte sie schließlich. „Du hast mir ein Imperium gegeben.“ Sie hielt inne und ließ das Gewicht dieser Worte zwischen ihnen wirken.

„Bist du zufrieden?“ erwiderte Void stoisch.

„Unser Pakt lautete, dass du mein Königreich beschützt. Nun ist Malak tot, und mein Königreich hat nicht nur überlebt, sondern gesiegt. Also … wirst du mich jetzt verlassen?“

Für einen langen Moment sagte Void nichts. Seine Hand blieb an ihrer Kehle, seine Augen suchten ihre, und Aurora fühlte, wie ihr Herz hämmerte.

Das war die Frage, die sie schon so lange quälte. Würde er bleiben? Oder würde er zurück in sein gefrorenes Reich verschwinden und sie allein zurücklassen, um ein Imperium aus Asche zu regieren?

Schließlich verzogen sich Voids Lippen zu etwas, das bei einem weniger furchteinflößenden Wesen vielleicht ein Lächeln gewesen wäre.

„Dich verlassen?“ Er beugte sich hinunter, sein Atem fühlte sich eiskalt auf ihren Lippen an. Sein Griff festigte sich, gerade genug, um sie daran zu erinnern, wer die Macht besaß.

Wer schon immer die Macht besessen hatte ….