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Sherry Bennet rückte ihre Bluse zurecht und schritt erhobenen Hauptes in den Raum. Dann ließ sie sich auf dem einzig freien Platz an der Bar nieder. Diskret holte sie ein Blatt Papier und einen Stift aus ihrer Handtasche. Es war an der Zeit, ihre entschlossenste Seite zu zeigen. Ein Zurück gab es jetzt nicht mehr.
„Justin, ich sitze am anderen Ende der Bar. Ich muss dich sprechen, um dir ein geschäftliches Angebot zu machen. Ich hielt es für das Beste, dich nicht offen anzusprechen, wenn man bedenkt, wie es zwischen dir und meinem Bruder steht. Schreib mir, wenn du interessiert bist. Sherry.“
Sie fügte ihre Telefonnummer hinzu und gab dem Barkeeper ein Zeichen. Sie lehnte sich vor, in der Hoffnung, dass die Männer links und rechts von ihr nichts hörten.
„Ich möchte, dass du das dem Herrn in der Ecke gibst. Dem Großen im grauen Anzug. Schwarze Haare.“
Den Teil mit seinem lächerlich kantigen Kiefer und dem perfekten Dreitagebart ließ sie weg. Auch von seiner übermenschlichen Sexyness und seinem makellosen, gebräunten Teint erwähnte sie nichts.
Der Barkeeper zog eine Augenbraue hoch und blickte auf den Zettel. Mein Gott. Sherry schob einen Zehn-Dollar-Schein über den Tresen.
Der Barkeeper ließ das Geld verschwinden. „Geht klar.“
„Und einen Dirty Martini, wenn du dazu kommst. Drei Oliven.“ Ein wenig flüssiger Mut kam genau richtig. Sie kratzte sich am Kopf und versuchte, unauffällig zu wirken, während sie Justin beobachtete. Er fuhr sich durch das Haar, als er den Zettel vom Barkeeper entgegennahm. Sie erhaschte einen Blick auf seine tiefbraunen Augen. Es war nicht schwer, sich daran zu erinnern, wie sie leuchteten, wenn er lächelte, aber sie bezweifelte, dass ihre Nachricht eine solche Reaktion hervorrufen würde.
Er runzelte die Stirn, während er las. Was dachte er wohl? Dass sie verrückt war? Jetzt, wo er über ein Privatvermögen von mehr als einer Milliarde verfügte, im Bereich Venture Capital unglaublich erfolgreich war und an der Spitze stand, wirkte es irgendwie kindisch, einen Zettel geschickt zu haben. Und sie hatte damals bei ihrem Kuss tatsächlich gehofft, es würde gut ausgehen.
Justin schüttelte den Kopf und faltete das Papier zusammen. Er tippte etwas in sein Handy.
Wie konnte sie nur vergessen haben, wie bezaubernd seine Hände waren? Wie der Rest von ihm waren sie groß und männlich. Sie wirkten so ... fähig. Leider beschränkte sich ihr körperlicher Kontakt zu seinen Händen auf das eine Mal, als eine davon auf ihrem unteren Rücken und die andere auf ihrer Schulter lag, kurz bevor er ihr den Spruch verpasste, der sie jahrelang verfolgt hatte.
„Ich kann nicht, Sherry. Meine Freundschaft mit Adam bedeutet mir zu viel. Außerdem bist du kaum erwachsen. Und ich bin zu alt für dich. Versteh mich nicht falsch, ich bin geschmeichelt. Du bist eine tolle junge Frau. Und außerdem ... die meisten Männer jagen eben lieber selbst. Vielleicht solltest du darüber mal nachdenken. Männer mögen sanfte, feminine Frauen. Weich, zurückhaltend. Ich schätze, das ist das ganze Höhlenmensch-Ding. Du bist wunderschön, Sherry. Du musst dir nicht so viel Mühe geben ...“
Es hatte Unmengen an Selbstreflexion erfordert, über ihn hinwegzukommen, und allein seine Anwesenheit im selben Raum brachte alles zurück – wie eine Flut, der man nicht entkommen konnte. Während ihr Kopf voll von geschäftlichen Überlegungen war, drifteten ihre Gedanken immer wieder in die Vergangenheit ab – jedes Lächeln, jedes Lachen und jeder Blick, den sie geteilt hatten, verfolgte sie noch immer. Verdammt. Sie war sich so sicher gewesen, dass sie darüber hinweg war.
Justin steckte sein Handy in die Sakko-Tasche und trank sein Glas aus. Der Bildschirm von Sherrys Handy leuchtete auf. Ihr Puls hämmerte in ihrem Hals. Was würde er schreiben? Dass er nichts mit ihr oder ihrer Familie zu tun haben wollte? Dass sie froh sein konnte, dass er sie in der vollen Bar nicht bloßstellte? Sie schluckte schwer und las die Nachricht.
Penthouse-Suite. 15 Minuten.
Sherry vergaß zu atmen. Die Nachricht war so typisch für Justin. Direkt. Auf den Punkt. Gerade so einschüchternd, dass sie noch mehr an sich selbst zweifelte. Starke Männer schreckten sie normalerweise nicht ab. Sie arbeitete jeden Tag mit ihnen zusammen und konnte in jeder angespannten Geschäftssituation bestehen. Aber diese Männer übten nicht diesen Reiz auf sie aus, den Justin einst hatte. Diese Männer hatten nie ihr Herz in den Händen gehalten, und sie hatte sicher nicht jahrelang von einem von ihnen geträumt und dutzende herzzerreißende Briefe geschrieben, die sie nie abschicken würde.
Justin stand auf und verabschiedete sich von einem Mann, mit dem er gesprochen hatte. Mit der Anmut einer Katze bahnte er sich seinen Weg durch die überfüllte Bar, überragte mit seinen fast zwei Metern Größe fast jeden und grüßte die wenigen, die den Mut aufbrachten, den wohl formidabelsten und erfolgreichsten Tech-Venture-Capitalist aller Zeiten anzusprechen.
Ein Schauer lief Sherry über den Rücken, als er näher kam. Er strich an ihr vorbei, ohne ein Wort zu sagen, und hinterließ seinen schweren Duft. Fünfzehn Minuten. Sie musste sich zusammenreißen und darauf vorbereiten, mit dem einen Mann allein zu sein, für den sie einst alles getan hätte.
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Sherry Bennet. Ich werde verrückt. Justin Covington drückte den Knopf für den privaten Aufzug zu seiner Suite. Er war die letzten vier Jahre davon überzeugt gewesen, dass die gesamte Familie Bennet ihn verachtete – ein Gefühl, das er notgedrungen erwidert hatte.
Nach dem Zettel von Sherry wusste er nicht, was er denken sollte, was ihn beunruhigte. Er wusste sonst immer, was er denken sollte.
Wollte er sich mit der wunderschönen Sherry Bennet treffen, der jüngsten der drei Bennet-Geschwister, die mit einem unzuverlässigen Mistkerl als älterem Bruder gestraft war? Die Aussicht war zwar nicht ratsam, aber faszinierend. Er und Sherry waren früher Freunde gewesen. Na ja, nicht so eng, wie er einst mit ihrem Bruder Adam Bennet gewesen war, und an einem unvergesslichen Tag hatte sie ihm angeboten, etwas mehr als das zu sein.
Aber wollte er mit Sherry sprechen, einem Mitglied des BenTel-Vorstands? In diesem Punkt kam es darauf an, was sie besprechen wollte. Sein Plan, eine Übernahme von BenTel einzufädeln, würde nicht nur nach hinten losgehen, wenn Sherry davon erfuhr – er wäre erledigt. Die „War Chest“, eine geheime Investmentgruppe für Großanleger unter Justins Leitung, hatte den Kursverfall der BenTel-Aktie nach dem Tod von Sherry und Adams Vater, Robert Bennet, genau beobachtet. Das Unternehmen war verwundbar, solange Adam das Sagen hatte – er genoss bei weitem nicht das Vertrauen des Vorstands, das sein Vater gehabt hatte. BenTel war reif für eine Übernahme.
Konnte man ein so großes Unternehmen überhaupt übernehmen? Es wäre eine gewaltige Herausforderung, die ein riesiges Kapital und akribische Planung erforderte, aber genau das war die Art von Projekt, die die War Chest liebte. Ohne Risiko gab es keinen Lohn. Es gab Geld zu verdienen, und zwar jede Menge, denn ein so etabliertes Unternehmen würde sich letztendlich erholen. Adam als CEO abzusetzen und sich damit ein Stück Rache zu sichern, wäre nur genau das, was Adam verdiente.