Die widerspenstige Schönheit des Biests

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Zusammenfassung

Liam: Jedes Monster hat eine Schwäche. Für das Biest von Blackwood Castle war es kein Silber oder Sonnenlicht, sondern das schweigsame Mädchen in seinen Gemächern. Mira: Man sagt, man solle vorsichtig sein, wenn man Monster jagt, damit man nicht selbst zu einem wird. Niemand warnt einen davor, vorsichtig zu sein, wenn man sie liebt. Ich wurde an einen Mann verkauft, der zum Wolf wurde – ein Biest voller Gewalt und Verzweiflung. Ich hätte ihn fürchten sollen, doch unter seinem Fell sah ich den einsamen Jungen.

Genre:
Romance
Autor:
Ember Wilds
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
23
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Chapter 1 Mira

Die Nachtluft war eiskalt, als wir den Feldweg entlanggingen, der zu Blackwood castle führte. Mein Vater hielt meinen Arm in einem schmerzhaften, eisernen Griff. Er stolperte, während er mich hinter sich herzog, und ich musste mich fest hinstellen, damit wir nicht beide hinfielen. Ich hatte keine Ahnung, warum er mich mitten in der Nacht hierhergeschleppt hatte. Er murmelte immer wieder etwas von Teufeln, Dämonen und Schulden.

„Vater, was machen wir hier draußen?“, fragte ich erneut und stolperte, um mit seinem Tempo mitzuhalten.

Er antwortete nicht, sondern murmelte nur weiter vor sich hin und zog mich mit. Ich fröstelte, als der Wind auffrischte und mir die Haare ins Gesicht peitschte, und wir um eine Biegung des Weges kamen. Castle Blackwood tauchte vor uns auf – eine dunkle Silhouette, die wie ein monströser Riss gegen den Himmel ragte. Es war kein Schloss aus Märchen mit anmutigen Türmen und bunten Fahnen. Es war eine Festung aus gezacktem schwarzem Stein mit schmalen, beobachtenden Fenstern. Es sah nicht so aus, als wäre es erbaut worden; eher, als wäre es aus dem Mark der Erde herausgekratzt worden, wie ein bleibender Schorf auf der Landschaft. Die Luft um das Gebäude schien in einer tiefen, uralten Stille zu vibrieren, ein Druck, der auf meinen Trommelfellen lastete.

Die Steine im Innenhof waren glatt von einer hartnäckigen, frostigen Feuchtigkeit, die durch die dünnen Sohlen meiner Schuhe drang, als wir uns näherten. Der Griff meines Vaters an meinem Arm war die einzige Wärmequelle. Er zerrte mich vorwärts; meine kleine Tasche hielt er in seiner anderen Hand. Ich sah ihn nicht an. Mein Blick blieb auf dem höchsten Zinnenkranz haften, wo eine einzelne, schwarze Flagge schlaff in der Luft hing. Es gab kein Familienwappen, kein Zeichen der Abstammung, nur ein leerer Stofffetzen.

Die Finger meines Vaters bohrten sich fester in meinen Arm, als eine Gestalt aus dem Haupttor des Schlosses trat. Er war groß und in Dunkelheit gehüllt, sein Gesicht nur ein Schatten. Das musste Lord Blackwood sein. Es konnte niemand anderes sein. Er sah meinen Vater nicht an. Sein Blick, als er mich endlich traf, war jedoch auf mich gerichtet. Er war nicht lüstern oder grausam, aber er war unendlich viel schlimmer. Er war prüfend. Es war der Blick eines Mannes, der ein Werkzeug begutachtet, das er gerade kaufen will, und dabei dessen Gewicht, seine Ausgewogenheit und seinen Nutzen testet.

Mein Vater ließ endlich los, und der plötzliche Verlust seiner Wärme ließ mich zittern. Er gab mir einen groben Stoß nach vorn.

„Die Schuld ist beglichen“, sagte er, und seine Stimme klang vor Erleichterung schwer. „Sie ist von gutem Schlag, stark, aber ihre Hände sind weich. Sie wurde gut im... Anstand unterwiesen.“ Ich hatte gewusst, dass etwas im Gange war. Ich hatte das Schreien hinter den Wänden gehört, die Drohungen. Ich hatte meine kleine Tasche gepackt, als er es mir befohlen hatte, aber ich hätte nie erwartet, dass das mein Schicksal sein würde. Ich war eine Transaktion, eine Schuld, bezahlt mit Fleisch und Knochen.

Er sagte nicht auf Wiedersehen. Er sah sich nicht um. Ich hörte seine Schritte, die sich hastig und feige über die nassen Steine entfernten, bis sie im Nebel verschluckt wurden. Ich war allein mit ihm. Ich hätte vor Angst erstarren müssen, ein zitterndes, weinendes Häufchen Elend. Aber als ich vor dem dunklen Lord und seinem schattenhaften Schloss stand – ein Mädchen, verkauft, um die Schulden eines anderen zu begleichen –, weinte ich nicht. Ich beobachtete nur die Stelle, an der mein Vater verschwunden war, und fühlte rein gar nichts. Die Gefühllosigkeit war ein Schutzschild, und ich klammerte mich daran. Es war alles, was mir geblieben war.

Der Klang meines Vaters, der sich entfernte, verhallte in der erdrückenden Stille und ließ mich völlig allein in dem riesigen, kalten Innenhof zurück. Das Einzige, was blieb, war der Mann vor mir. Ich drehte mich zu Lord Blackwood um, und er trat aus den Schatten in einen Lichtstrahl des Mondes, der den Innenhof erhellte. Er war ein Denkmal, gemeißelt aus Schatten und Eis. Seine Gestalt war unmöglich groß, mit einem kräftigen, muskulösen Körperbau, der sowohl von Adel als auch von roher körperlicher Kraft zeugte. Seine Schultern waren breit, sein Brustkorb massiv und seine Hände groß und schwielig. Sein Gesicht war eine Landschaft aus harten Kanten und einer unheimlichen Schönheit: eine starke Braue, eine gerade, aristokratische Nase und ein scharfes Kinn, das von Stoppeln überschattet war. Sein Haar war dicht, widerspenstig und hatte die Farbe eines Rabenflügels.

Doch seine Augen waren sein auffälligstes Merkmal: ein stechendes, blasses Blau, das den kalten, berechnenden Glanz eines Raubtiers barg. Er stand da, ohne eine einzige überflüssige Bewegung, und verströmte eine Aura absoluter Kontrolle. Er ließ seinen Blick über mich schweifen, vom Scheitel bis zu meinen feuchten Schuhen, und ich spürte ein erschreckendes Gefühl der Objektifizierung. Er sah kein einundzwanzigjähriges Mädchen, dessen Seele bereits an den Rändern ausfranste. Er begutachtete eine Anschaffung.

Ich sah ein Aufblitzen von Berechnung in diesen arktischen Tiefen. Es war die Art und Weise, wie ein Mann mit der Hand über einen polierten Tisch fahren würde, um ihn auf Unebenheiten zu prüfen, oder das Gewicht eines neuen Schwertes testete. Er notierte meine Haltung, die Qualität meines einfachen Kleides, meinen Gesundheitszustand. Ich war Inventar. Ein Möbelstück, das er gerade gekauft hatte, um es in einem Raum seiner Wahl aufzustellen – nützlich, bis ich zerbrach oder er meiner überdrüssig wurde. Die Gefühllosigkeit in meiner Brust verhärtete sich zu einem kalten, schweren Stein.

Die Stille dehnte sich aus, dick und erstickend. Ich wusste, dass ich eigentlich Angst oder vielleicht Scham hätte fühlen sollen, aber alles, was ich aufbringen konnte, war eine seltsame, distanzierte Neugier. Das war mein Herr. Das war der Mann, dem mein Leben gehörte. Er hielt mein Schicksal in seinen blassen, kalten Händen und sah mich mit weniger Interesse an als eine vorüberziehende Wolke.

Schließlich sprach er. Seine Stimme war ein tiefes Grollen, sanft und ohne jede Betonung, als würden Steine tief unter der Erde aneinanderreiben. Es war eine Stimme, die daran gewöhnt war, dass man ihr widerspruchslos gehorchte.

„Folge mir.“

Er wartete nicht auf eine Antwort. Er bot weder eine Hand an, noch machte er eine freundliche Geste. Er drehte sich einfach um, sein schwarzer Umhang wirbelte wie eine Rauchwolke um ihn herum, und er begann in Richtung des gähnenden Schlunds des Schlosseingangs zu gehen. Kein einziges Mal sah er zurück, um zu sehen, ob ich ihm folgte. Es war eine Annahme absoluter Autorität, ein Befehl, der keine Durchsetzung erforderte. Er wusste, dass ich folgen würde. Wo hätte ich auch hingehen sollen? Ich holte tief Luft, was sich anfühlte, als würde ich Eissplitter schlucken, sammelte die Reste meiner Würde und folgte ihm – ein Geist, der in den Bauch der Bestie eintrat.

Meine Schritte hallten hohl und einsam auf den Steinplatten wider. Die große Halle war eine Höhle aus Kälte und Schatten. Sie war riesiger, als ich es mir hätte vorstellen können – ein Raum so groß, dass er das schwache Licht zu verschlucken schien, das durch die schmutzigen, hohen Bogenfenster fiel. Mein Atem bildete kleine Wolken in der eisigen Luft, wie ein kleiner, weißer Geist, der sofort in der Düsternis verschwand. Gewaltige Wandteppiche, deren Farben zu Rost- und Grautönen verblasst waren, hingen wie Leichentücher an den Steinwänden und zeigten Szenen uralter Schlachten und Jagden, die sich eher wie Warnungen als wie Dekoration anfühlten.

Ein langer, schwerer Tisch aus dunklem, splitterigem Holz stand in der Mitte des Raumes, umgeben von Stühlen, die wie skelettartige Wächter wirkten, die alle auf einen massiven, leeren Kamin ausgerichtet waren, groß genug, um einen ganzen Ochsen zu braten. Die ganze Halle roch nach Staub, Unbenutztheit und dem schwachen, metallischen Geruch von altem Blut.

Er hielt nicht inne, seine Schritte waren lang und zielgerichtet, sein schwarzer Umhang ein fließender Schatten gegen den grauen Stein. Er führte mich am stillen Tisch vorbei auf eine kleine, schmucklose Tür zu, die in einer Nische nahe der Feuerstelle verborgen war. Er blieb davor stehen, den Rücken noch immer zu mir gewandt, und mit einem kurzen Ruck seines Handgelenks deutete er darauf. Die Geste war sparsam, ohne jede Wärme oder Hilfsbereitschaft.

„Das ist deines“, stellte er fest, seine Stimme so flach und kalt wie die Steine unter meinen Füßen. „Wandere nicht umher.“ Der Befehl hing in der Luft, absolut und endgültig. Er erklärte nichts, sagte mir nicht, wo ich Essen finden konnte oder was meine Aufgaben wären. Er drehte sich einfach um und ging weg, ohne ein Wort oder einen Blick zurück. Seine Stiefel machten kein Geräusch auf dem Stein, als wäre er selbst ein Geschöpf aus Schatten. Er verschwand durch eine schwere Eichentür am anderen Ende der Halle.

Ich stand für einen langen Moment wie angewurzelt da, während die Luft um mich herum kälter wurde. Dann übernahm mein praktischer Verstand die Führung – der Teil von mir, der durch das Überleben der Vernachlässigung meines Vaters abgehärtet war. Ich wandte mich der Tür zu, auf die er gedeutet hatte. Sie war klein und aus schlichtem, unbehandeltem Holz; der Eisenriegel fühlte sich eiskalt in meiner Handfläche an. Ich drückte sie auf und trat ein.

Der Raum war kaum mehr als eine Kammer. Steinwände, kalt und feucht, stiegen zu einer Decke aus grob behauenen Balken auf. Ein einziges hohes Fenster, vergittert mit dickem Eisen, ließ einen Streifen des erbärmlichen grauen Lichts herein, das Staubkörner beleuchtete, die in der Luft tanzten. In der Ecke lag eine Strohmatratze, klumpig und dünn, bedeckt von einer groben, fadenscheinigen Decke, die nur die Illusion von Wärme bot. Da war sonst nichts. Kein Stuhl, kein Tisch, kein Waschbecken. Nur Stein und Stroh.

Ich ging in die Mitte des kleinen Raumes, meine Schuhe scharrten leise auf dem Boden. Das war es also. Das war jetzt meine Welt, gemessen an der Breite und Länge dieser vier Steinwände. Ein bitteres, humorloses Lächeln umspielte meine Lippen. Es hatte den Anschein, als hätte mein Vater mich aus einem Käfig in einen anderen verkauft, nur dass dieser hier prächtiger und kälter war.

Ich sah zum hohen Fenster hinauf, zu dem Stückchen Himmel, das ich sehen konnte. Ich sah auf die klumpige Matratze, die mein Bett sein würde. Ich spürte, wie die Kälte in meine Knochen kroch. Ich würde nicht zerbrechen. Ich würde nicht weinen. Ich würde nicht zulassen, dass dieser Mann oder dieser Ort den letzten Funken Willen auslöschte, den ich besaß. Ich würde ausharren. Ich würde mich anpassen. Ich würde überleben. Ich musste.