MAGNETISCHE ANZIEHUNG

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Zusammenfassung

Cho Se Ra hat nur ein einziges Ziel: das Leben ihrer an Leukämie erkrankten Nichte zu retten. Doch nachdem sie sich mit dem falschen Mann angelegt hat, nimmt ihr Leben eine gefährliche Wendung. Kim Jae Hyun ist mächtig, rücksichtslos … und nun ihr Chef. Sein Angebot ist simpel: Gehorche ihm sechs Monate lang – oder verliere alles. In einer Welt, die von Macht und Stolz regiert wird, wie lange kann sie überleben, ohne sich selbst zu verlieren?

Genre:
Romance
Autor:
lyssaria
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
57
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Kapitel 1

Der beißende Geruch von Desinfektionsmitteln lag in der Luft, vermischt mit dem metallischen Duft von Medikamenten. In dem geräumigen, aber erdrückenden Büro starrte Cho Se Ra den Arzt an, als hätten seine Worte jegliche Bedeutung verloren. Ihre Hände zitterten auf ihren Knien, fest geballt, und der Atem blieb ihr im Hals stecken.

— Wie bitte…?, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. Ihre Augen weiteten sich, als hätte man ihr gerade eine Ohrfeige verpasst.

Dr. Han, der hinter seinem perfekt aufgeräumten Schreibtisch saß, rückte mit einer Ernsthaftigkeit, die keinen Zweifel ließ, seine Brille zurecht.

— Chemotherapie.

Das Wort peitschte durch den Raum, kalt und scharf.

Se Ra schüttelte den Kopf, als wollte sie diese Wahrheit von sich weisen.

— Aber… sie ist doch erst sechs. Sechs Jahre alt! Wie soll sie eine so brutale Behandlung überstehen?

Ihre Stimme überschlug sich vor Empörung. Sie spürte, wie Tränen in ihre Augen stiegen, doch aus Stolz und purer Verzweiflung hielt sie sie zurück.

Der Arzt seufzte. Sein mitfühlender Blick ruhte auf ihr, doch er milderte seine Worte nicht ab.

— Wir selbst sind überrascht, dass die Krankheit so lange unentdeckt blieb. Aber jetzt… schreitet sie zu schnell voran. Es ist die einzige Option.

Eine Welle der Panik überrollte Se Ra. Sie schluckte schwer und ihre Finger krampften sich nervös in den Stoff ihres Rocks.

— Leukämie… wie ist das möglich? Sunny… wenn du nur noch hier wärst…

Der Name ihrer verstorbenen Schwester entwich ihr nur als Flüstern. Sie biss die Zähne zusammen, fest entschlossen, nicht einzubrechen.

— Es muss eine andere Lösung geben. Eine andere Behandlung. Irgendetwas!

Dr. Han blickte kurz auf die Krankenakte. Seine Stimme war bestimmt und ließ keinen Ausweg:

— Die Behandlung wird dem Standard entsprechen. Die staatliche Hilfe deckt nur die Palliativpflege ab. Um sie zu heilen… braucht es mehr. Und ihr Fall ist dringend. Sehr dringend.

Se Ra spürte, wie ihr Herz so fest gegen ihre Brust hämmerte, dass sie dachte, es würde zerspringen. Sie holte tief Luft, nahm ihren ganzen Mut zusammen und stellte die Frage, die sie am meisten fürchtete.

— Also… wie lange? Wie lange…

Der Arzt sah auf, seine Lippen öffneten sich ohne jedes Zögern.

— Höchstens vier bis fünf Monate.

Se Ras Welt brach zusammen. Ihre Schultern sackten nach unten, ihre Hände krallten sich in den Stuhl. Sie rang nach Luft, als wäre der Sauerstoff plötzlich verschwunden. Ihre Ohren rauschten und die Worte des Arztes hallten gnadenlos in ihrem Kopf wider.

Vier oder fünf Monate…

Ein Schleier legte sich über ihre Augen. Sie sah weder den Raum noch die kalten Wände oder den sterilen Schreibtisch. Nur diese Zahl hallte in ihrer Brust wie ein Urteilsspruch.

Se Ra stand fast mechanisch auf, als hätte sich ihr Körper von ihrem Bewusstsein gelöst. Ihre Beine fühlten sich schwer an, ihre Schritte waren schleppend, doch sie schaffte es, den Raum zu verlassen, ohne zusammenzubrechen. Das Geräusch der hinter ihr zufallenden Tür klang wie ein endgültiges Urteil.

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Die Eingangshalle des Krankenhauses tat sich vor ihr auf, groß und geschäftig, erfüllt vom Lärm eiliger Schritte, wirren Stimmen und dem Rattern von Krankentragen. Der Geruch von Desinfektionsmittel hielt sich hartnäckig, vermischt mit dem Kaffeearoma eines nahegelegenen Automaten. Alles wirkte zu lebendig, zu normal, während ihre Welt gerade in Stücke gegangen war.

Sie bewegte sich wie ein Schatten, ihr Blick war in der Menge verloren. Sie stieß mit jemandem zusammen, doch ihre Reaktion war langsam und wie gelähmt.

— Oh… entschuldigen Sie, sagte sie, ohne den Blick zu heben.

Die Person war bereits im Strom der Menschen verschwunden und Se Ra ging weiter auf die Glastüren zu. Ihr Atem war flach, ihre Gedanken kreisten unaufhörlich: Vier oder fünf Monate… vier oder fünf Monate…

Draußen schlug ihr die frische Luft entgegen. Der Parkplatz erstreckte sich unter dem bleichen Sonnenlicht, gleichgültig gegenüber ihrem Leid. Autos fuhren vorbei, Motoren dröhnten, und doch hörte sie nichts. Jeder Schritt zu ihrem Auto erforderte übermenschliche Anstrengung.

Sie öffnete die Tür langsam, ließ sich auf den Fahrersitz fallen und lehnte den Kopf zurück. Ihre Hände zitterten zu stark, um den Schlüssel sofort ins Zündschloss zu stecken. Sie schloss die Augen, und die Tränen, die sie bisher zurückgehalten hatte, liefen ihr endlich über die Wangen.

— Wie ist das möglich…?, flüsterte sie mit brüchiger Stimme in der Stille des Autos.

Gegen ihren Willen kehrten ihre Gedanken sieben Jahre zurück:

Ein sanftes Licht fiel durch das Fenster und badete das Ultraschallzimmer in einer fast unwirklichen Klarheit. Sunny lag auf dem Bett und starrte mit einem strahlenden Lächeln auf den Bildschirm. Der Arzt konzentrierte sich und deutete mit einem freundlichen Lächeln auf das Bild.

— Da haben wir es, kündigte er leise an. Es ist ein kleines Mädchen.

Sunny drehte sofort den Kopf zu ihrer Schwester, ihre Augen glänzten vor Freudentränen.

— Se Ra… hast du das gehört? Ein Mädchen… Es ist wundervoll!

Se Ra drückte die Hand ihrer Schwester, ihr Herz schwoll vor Glück an.

— Ich bin so glücklich… Sunny, sie wird wunderschön sein.

Die beiden Schwestern brachen in nervöses, hoffnungsvolles Lachen aus.

Dann schweiften ihre Gedanken zu dem Tag ab, als die kleine Yoo Na Bi geboren wurde:

Sunnys Schrei durchschnitt die Luft. Im Kreißsaal war ihr Gesicht schweißüberströmt, ihre Finger gruben sich in Se Ras Hand, die sie keinen Moment losließ.

— Warum kommt sie nicht raus?!, schrie Sunny, am Rande der Erschöpfung.

Die Hebamme, unerbittlich, aber aufmunternd, antwortete mit fester Stimme:

— Weitermachen! Sie haben es gleich geschafft!

— Du schaffst das, Sunny!, rief Se Ra mit beklemmter Kehle. Ich bin hier, mach schon!

Endlich erklang der Schrei des Babys, schrill und kräftig. Die Hebamme hob das winzige, lebensfrohe Wesen hoch und legte es auf Sunnys Bauch.

Tränen überfluteten die Wangen der jungen Mutter.

— Sie ist… so klein… aber perfekt.

Se Ra war überwältigt und wischte sich eine Träne von der Wange.

— Sie ist wunderschön, Sunny… wunderschön.

ZURÜCK IN DER GEGENWART

Se Ra öffnete ruckartig die Augen, die Tränen verschwommen ihr die Sicht. Ihre Hände umklammerten das Lenkrad, als hinge ihr Leben davon ab.

— Sunny… wenn du nur noch hier wärst… Was soll ich nur tun? Wie soll ich sie retten?

Ein Schluchzen entfuhr ihr. Sie atmete tief durch, wischte sich mit zitternder Hand über die Wangen und startete schließlich den Motor.

Der Motor heulte auf. Sie legte den Rückwärtsgang ein, die Augen voller Tränen, ohne nach hinten zu schauen. Ein dumpfer Aufprall ließ sie zusammenfahren: Sie war gegen ein vorbeifahrendes Auto geknallt.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus: Nur das nicht.

Der Aufprall hallte noch immer in ihren Ohren nach. Se Ra atmete tief durch, bevor sie die Autotür aufstieß. Ihre Turnschuhe klackerten auf dem Asphalt, als sie ausstieg, ihr Gesicht vor Wut verzerrt.

— Sag mal… bist du blind oder was?!, schrie sie und ging auf den Fahrer des anderen Wagens zu. Siehst du nicht, dass ich ausparken wollte?

Der Mann, der vor ihr ausstieg, war alles andere als ein gewöhnlicher rücksichtsloser Fahrer. Kaum über dreißig, tadellos gepflegt, sein Anzug maßgeschneidert, das Haar perfekt sitzend. Er wirkte verlegen, fast unbeholfen, verlor aber nicht die Fassung.

— Gnädige Frau, sagte er ruhig, es tut mir leid… aber Sie sind in mein Fahrzeug gefahren.

Se Ras Augen blitzten. Sie warf einen Blick auf die Delle: Die Karosserie ihres Wagens war eingedrückt, seine ebenfalls. Der Schmerz in ihrer Brust, der sich seit dem Arztbesuch angestaut hatte, entlud sich in Wut.

— Na und?!, fuhr sie ihn scharf an. Was soll ich jetzt machen? Dir mein Geld geben?

Der Mann wollte etwas erwidern, doch hinter ihm öffnete sich eine Autotür. Eine Gestalt stieg langsam aus, als wäre es ein König, der sich herabließ, seinen Thron zu verlassen.

Se Ra erstarrte.

Er war groß, elegant und trug einen unverschämt teuren Anzug. Jede Geste strahlte Selbstvertrauen und Arroganz aus. Seine feinen, aber harten Gesichtszüge verrieten, dass er es gewohnt war, immer das letzte Wort zu haben. Seine Hände glitten ganz natürlich in die Hosentaschen, als fürchtete er nichts und niemanden.

— Kim Jae Hyun. Vierunddreißig Jahre alt. Banker, Geschäftsmann, einflussreicher Milliardär. —

Sie kannte ihn überhaupt nicht und ließ sich daher von seinem Auftreten nicht einschüchtern.

Ihr abfälliger Ton durchschnitt die Luft wie eine Klinge:

— Noch so jemand, der nicht fahren kann.

Die Ungerechtigkeit dieser Aussage brachte das Fass zum Überlaufen.

— Und was willst du jetzt?, spuckte Se Ra wütend hervor. Soll ich dir etwa meine Handynummer geben?

Einen kurzen Moment musterte sie ihn, sprachlos angesichts seiner imposanten Ausstrahlung. Doch ihre Wut kehrte mit neuer Heftigkeit zurück.

Woo Jin, der Assistent – denn es konnte bei seiner unterwürfigen Art nur ein Assistent sein – hob überrascht die Augenbrauen über die Dreistigkeit dieser Frau, die es wagte, seinen Chef so direkt anzugehen.

Kim Jae Hyun kniff leicht genervt die Augen zusammen, doch seine Stimme blieb ruhig.

— Nein. Ich möchte nur, dass Sie sich beruhigen… und für den Schaden aufkommen, den Sie gerade verursacht haben. Ich frage mich nur: Haben Sie überhaupt eine Versicherung?

Se Ras Augen weiteten sich, ihr Kiefer bebte, bevor ein ironisches Lachen aus ihr hervorbrach.

— Wahnsinn! Und er beleidigt mich auch noch!

Sie warf die Arme in den Himmel und lachte bitter auf.

— Wer hältst du dich eigentlich für? Gott höchstpersönlich? Denkst du, du stehst über allen anderen? Denkst du, du kannst so mit mir reden? Entschuldigung, aber… wer bist du eigentlich, dass du so mit mir sprichst?

Woo Jin trat vor, die Zähne zusammengebissen, seine Stimme klang wie ein Flehen:

— Gnädige Frau, bitte…

— Nein!, rief sie und drehte sich zu ihm um, das Gesicht gerötet. Es gibt kein „Bitte“, das hier zählt!

Sie wandte sich wieder Jae Hyun zu, ihre Augen funkelten vor Wut und unterdrückten Tränen.

— Ich sag dir, was du bist: ein arroganter, egoistischer und herzloser Kerl!

Ein kurzes Schweigen folgte. Woo Jin warf seinem Chef einen besorgten Blick zu, doch der verschränkte nur die Arme, fast amüsiert über ihre Dreistigkeit.

— Dir ist jeder egal, fuhr sie fort, ihre Stimme zitterte, war aber voller Zorn. Du denkst nur an dich und deine Interessen. Du bist das perfekte Beispiel für alles, was ich auf dieser Welt hasse!

Ein leichtes Lächeln umspielte Jae Hyuns Lippen. Sein Tonfall war so kalt wie abfällig.

— Ah… ich verstehe. Eine von den Personen, die glauben, die Welt drehe sich nur um sie. Nun, lassen Sie mich Ihnen sagen, damit liegen Sie völlig falsch.

— Wie kannst du es wagen?!, schrie Se Ra mit geballten Fäusten.

— Gnädige Frau… bitte…, wiederholte Woo Jin, zunehmend nervös.

Jae Hyun zuckte nicht mit der Wimper. Sein Blick blieb starr auf Se Ra gerichtet, als würde er ein faszinierendes Insekt studieren. Dann seufzte er.

— Ahn Woo Jin?

— Ja, Sir?, antwortete der Assistent, bereit für alles.

— Mein Termin rückt näher. Ich überlasse das Ihnen.

Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, machte Jae Hyun auf dem Absatz kehrt und ging auf das Klinikgebäude zu. Seine Schritte hallten bestimmt über den Asphalt.

— Was für ein unhöflicher Kerl!, rief Se Ra außer sich, doch ihre Stimme brach weg.

Einige Meter vor dem Eingang führte Jae Hyun diskret die Hand an sein Ohr. Ein winziges Headset blitzte kurz auf.

— Ich will wissen, wer sie ist, sagte er in leisem, aber befehlendem Ton.

— Sehr wohl, Sir, antwortete Woo Jin, der die gleiche Geste machte und sein Headset zurechtrückte.

Se Ra starrte derweil verzweifelt auf ihr verbeultes Auto.

— Ich werde ein Vermögen in der Werkstatt lassen müssen…

Woo Jin seufzte, seine Stimme war nun sanft.

— Gnädige Frau… bitte entschuldigen Sie meinen Chef. Er ist nicht immer sehr umgänglich.

Sie sah zu ihm auf, ihr Gesicht war vor Scham ganz starr. Ihre Unterlippe bebte, als sie antwortete:

— Es tut mir leid… ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist.

— Schon gut, erwiderte Woo Jin mitfühlend. Sie können jetzt fahren.

Sie nickte schweigend, stieg in ihr Auto und fuhr langsam los. Er tat es ihr gleich, und sein Blick folgte ihr mit einer Mischung aus Neugier und Mitleid.