Geschmiedet im Sternenlicht

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Zusammenfassung

Seto fürchtet das Feuer nicht. Er versteht es. Hitze, Druck, Zeit – in der richtigen Balance lässt sich alles formen. Stahl. Gold. Sogar ein Name, der in Erinnerung bleibt. Genau darauf konzentriert er sich. Auf seinen Laden. Sein Handwerk. Das ruhige, beständige Leben, das er sich mit eigenen Händen aufbaut. Denn Kontrolle ist alles. Und Gefühle? Sie haben Gewicht. Eine Art von Gewicht, das bleibt. Das einen nicht mehr loslässt, sobald es sich einmal festgesetzt hat. Seto hat kein Interesse daran, so etwas mit sich herumzutragen. Dann kommt ein Kunde zur Tür herein. Was eigentlich simpel sein sollte … ist es nicht. Sie bleiben länger, als sie sollten. Sprechen leiser, als es nötig wäre. Sehen ihn an, als würden sie nicht nur das Werkstück sehen – sondern den, der es erschaffen hat. Und Stück für Stück gerät das sorgfältige Gleichgewicht, das er sich aufgebaut hat, ins Wanken. Denn das hier ist kein Feuer, das er kontrollieren kann. Das hier ist nichts, was er einfach formen und beiseitelegen kann. Das hier ist etwas, das bleibt. Und je näher es kommt, desto mehr muss Seto sich entscheiden – Ob er bereit ist, dieses Gewicht zu tragen … oder ob er gehen soll, bevor es sich für immer festsetzt. Die Romane der Raven Born Saga sind in sich abgeschlossene, miteinander verbundene Geschichten, die jeweils einem anderen Mitglied der Ravenborn-Familie folgen. Jede Geschichte kann für sich allein gelesen werden – dies ist Setos Geschichte.

Genre:
Fantasy/Romance
Autor:
Lynn
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
51
Rating
4.5 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prolog

Ich atme ein, bevor ich die Augen öffne.

Langsam. Gemessen. Beherrscht.

Der Morgen ist schon da und wartet.

Vogelgezwitscher webt sich in die Luft – scharfe Rufe, tiefe Triller, das Rascheln von Flügeln, die von Zweig zu Zweig flattern. Über mir flüstern Blätter, bewegt von einer Brise, die die Kühle des frühen Lichts mit sich bringt. Der Wald ist nicht laut, aber auch nicht still. Er summt. Lebendig. Wach.

Feuchte Erde drückt gegen meinen Rücken, kühl und fest. Moospolster unter meinen Schultern fühlen sich fast absichtlich weich an. Der Duft ist schwer – feuchte Erde, zerdrücktes Grün, Rinde, die gerade so weit von der aufgehenden Sonne erwärmt wurde, dass sie etwas leicht Süßliches verströmt.

Ich lasse es auf mich wirken.

Ein.

Aus.

Die Welt drängt mich nicht.

Ich dränge sie nicht.

Für einen Moment bleibe ich so – aufgehoben in diesem stillen Raum, in dem niemand etwas von mir erwartet. Keine Hände, die nach mir greifen. Keine Stimmen, die fragen. Keine Last, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe.

Nur Atem.

Dann öffne ich die Augen.

Blau.

Klar. Beständig. Zielgerichtet.

Das Licht filtert durch das Blätterdach über mir und bricht sich in goldenen Flecken in meinem Blickfeld. Ich betrachte es zuerst. Lasse es scharf werden. Lasse die Welt zu meinen Bedingungen in den Fokus rücken.

Eine weiße Haarsträhne fällt mir ins Gesicht und fängt das Licht nur allzu leicht ein – hell, fast spiegelnd vor dem schattigen Grün um mich herum. Sie gehört hier nicht her. Nicht wirklich.

Ich auch nicht.

Ich bewege mich nicht, um sie wegzustreichen.

Hier ist niemand, der es bemerken würde.

Stattdessen rücke ich zurecht, drücke meine Handflächen in die Erde und richte mich auf. Die Bewegung ist fließend, kontrolliert. Jeder Handgriff sitzt genau dort, wo er sein muss.

Keine verschwendete Anstrengung.

Aufstehen fällt mir leicht.

Das war schon immer so.

Ich kreise einmal langsam mit den Schultern und spüre, wie sich die stille Spannung unter meiner Haut legt. Kein Unbehagen. Keine Anspannung. Nur Bewusstsein. Eine Erinnerung daran, wo ich bin. Was ich bin.

Die Brise regt sich erneut und streift mich, während ich einen Schritt nach vorn mache. Blätter streifen leicht meine Arme. Ein Zweig verfängt sich kurz in meinem Haar, bevor er wieder abgleitet. Der Wald hält mich fest, als wollte er mich nur ein kleines bisschen länger bei sich behalten.

Aber ich gehöre nicht zu ihm.

Nicht so.

Nicht mehr.

Der Waldrand öffnet sich vor mir und das Dorf kommt in Sicht.

Dort hat der Morgen gerade erst begonnen.

Dünne Rauchfahnen kräuseln sich träge aus ein paar Schornsteinen, blass vor dem sanften Licht. Irgendwo auf der Straße knarrt ein Wagen, die Räder drehen sich langsam, unbeeilt. Eine Tür öffnet sich. Schließt sich. Stimmen, fern und leise, kaum mehr als ein Hauch.

Alles bewegt sich, als hätte es Zeit.

Gut.

Ich eile auch nicht.

Mein Laden steht dort, wo er immer steht – klein, beständig, genau so, wie er sein muss. Das Holz ist gerade so weit abgenutzt, dass es Gebrauch zeigt, nicht Vernachlässigung. Die Schaufenster fangen das Morgenlicht sauber ein und spiegeln gerade genug, um zu verbergen, was sich im Inneren befindet, es sei denn, jemand möchte es sehen.

Zielgerichtet.

Alles daran ist es.

Ich trete an die Tür und halte inne – nicht lange, gerade so, dass ich den Wechsel spüren kann.

Draußen.

Drinnen.

Dann drücke ich sie auf.

Die Glocke klingt.

Sanft. Klar. Rein.

Ich lausche.

Einmal.

Zweimal.

Ich greife nach oben und justiere den kleinen Mechanismus mit vorsichtigen Fingern – nur eine leichte Drehung, eine dezente Korrektur, bis der Klang genau dort ist, wo er sein soll. Bemerkbar, ohne aufdringlich zu sein. Präsent, ohne Aufmerksamkeit zu fordern.

Richtig.

Der Laden begrüßt mich mit Stille.

Regale säumen die Wände, ordentlich, ohne dass es erzwungen wirkt. Klingen ruhen in stillen Reihen, poliert, ausbalanciert. Kleinere Stücke liegen dort, wo das Licht sie finden kann – Ringe, Ketten, Anhänger –, jedes mit Absicht platziert, jedes erst fertiggestellt, als es sich vollkommen anfühlte.

Hier wird nichts überstürzt.

Hier ist nichts unachtsam.

Der Geruch von Metall liegt in der Luft, sauber und scharf, überlagert von Öl und etwas Wärmerem, das aus dem hinteren Teil herüberweht – die Schmiede. Sie liegt hinter dem Hauptraum, gerade weit genug entfernt, um die Hitze einzudämmen, aber nah genug, dass sie immer da ist. Wartend.

Immer wartend.

Ein zweiter Durchgang führt zur Seite – eine Treppe, schlicht und sauber, die nach oben in die Stille meines Wohnbereichs führt. Privat. Unberührt.

Mein.

Ich trete ganz ein und lasse die Tür hinter mir ins Schloss fallen. Die Glocke gibt ein letztes leises Klingeln von sich, bevor sie in der Stille versinkt.

Gut.

Ich kreise langsam mit dem Nacken und spüre das leise Knacken entlang meiner Wirbelsäule. Dann hebe ich meine Arme über den Kopf, verschränke die Finger und strecke mich – lang, kontrolliert, so lange gehalten, bis ich spüre, wie sich die Spannung aufbaut und wieder löst.

Eine Reihe leiser Knackgeräusche folgt, als ich sie wieder senke.

Besser.

Bereit.

Ich greife nach dem Schild, das neben der Tür hängt.

Drehe es um.

Geöffnet.

Einfach.

Ich verweile nicht dabei.

Stattdessen gehe ich hinter den Tresen und lasse mich mit geübter Leichtigkeit auf den Stuhl sinken. Meine Hand ruht leicht auf dem Holz, die Finger trommeln einmal, bevor sie wieder still werden.

Mein Blick wandert zur Tür.

Und bleibt dort.

Draußen erwacht das Dorf weiter. Gestalten ziehen an den Fenstern vorbei – verschwommene Umrisse, sich bewegende Schatten. Manche werfen einen Blick hinein. Die meisten nicht.

Das ist in Ordnung.

Ich bin nicht für die meisten hier.

Ich warte.

Nicht untätig. Nicht ruhelos.

Einfach nur… bereit.

Irgendwann kommen Abenteurer vorbei. Das tun sie immer.

Klingen werden stumpf. Rüstungen versagen. Versprechen brauchen Symbole. Macht braucht eine Form.

Sie kommen, wenn sie etwas brauchen.

Und wenn sie das tun –

Werde ich hier sein.

Die Tür beobachten.

Warten, um zu sehen, wer hereinkommt.