Die flüchtige Gefährtin des Alphas

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Zusammenfassung

Er wies sie vor dem gesamten Rudel zurück. Als sich die Gefährtenbindung in einem Flur einer Highschool in Wyoming manifestierte, glaubte Wren, das Schicksal habe sich endlich für sie entschieden. Doch Lucas Blackthorne – der rücksichtslose zukünftige Alpha, den jeder Wolf fürchtete und jedes Mädchen begehrte – demütigte sie, wies sie zurück und warnte sie, nie wiederzukommen. Also ging sie. Acht Jahre später hat sich Wren in Chicago ein neues Leben als Mordermittlerin aufgebaut, weit weg von der Rudelpolitik, alten Narben und dem Gefährten, der sie zerstört hat. Doch als ihr Bruder verschwindet und jemand beginnt, Jagd auf den Alpha ihres ehemaligen Rudels zu machen, ist sie gezwungen, an den einen Ort zurückzukehren, den sie nie wiedersehen wollte. Und zu dem Mann, der sie nie wirklich losgelassen hat. Lucas mag sie zwar zurückgewiesen haben, aber er hat sie nie vergessen. Nun ist die Bindung zwischen ihnen so brutal wie die Geheimnisse, die sie einholen, und während die Feinde immer enger kreisen, steckt Wren in der Falle – gefangen zwischen dem Gefährten, der ihr Herz brach, und der Gefahr, die sie beide bedroht. Denn diesmal lässt Lucas sie nicht laufen. Und diesmal wird er um die zweite Chance betteln müssen, die er niemals verdient hat.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
71
Rating
4.1 9 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Chapter 1

Das Erste, was Wren bemerkte, war der Geruch. Es war kein frisches Blut, aber es kam nah heran: rasiermesserscharfes Metall und Kupfer, das ihre Kehle hinunterlief und sich in ihrer Brust ausbreitete wie ein unwillkommener Parasit. Ihre Finger erstarrten auf dem eiskalten Einstellrad ihres Spinds. Der Flur um sie herum explodierte: Spinde klapperten wie Gewehrfeuer, Gelächter knackte wie brechende Knochen, Schuhe schrammten über den Boden. Jemand schrie panisch wegen fehlender Hausaufgaben, als wäre nichts anderes zerbrochen. Nichts davon drang zu ihr durch. Ihr Wolf – den ganzen Morgen über still – kauerte tief in ihr. Er war nicht rastlos, aber bereit. Jede Sehne bebte.

„Wren?“ Lilas Stimme durchschnitt den Lärm mit dringlicher Sanftheit und riss sie vom Abgrund zurück.

Ihre Hände zitterten so stark, dass sie die Zahlenkombination verfehlte. Das Rad drehte sich nutzlos. „Spürst du… das?“, brachte sie hervor. Ihre Stimme klang wie eine spröde Scherbe.

Lila runzelte die Stirn. „Was spüren?“ Sie beugte sich vor, ihr warmer Atem streifte Wrens Ohr.

Wren schluckte gegen das metallische Brennen an. Etwas schnürte ihr die Rippen zusammen. Nein, kein Schmerz, ein roher, gravitativer Sog. Dann detonierte eine sengende Welle hinter ihrem Brustbein und raubte ihr den Atem. Ihr Griff lockerte sich und sie taumelte gegen die Spindreihe.

Eine uralte Stimme flüsterte in ihrem Kopf: Mein. Es war kein Flüstern; es brannte sich wie ein Brandzeichen in ihren Schädel. Ihr Puls hämmerte, die Welt schaltete auf Hochtouren: Schweiß wurde rutschig auf ihrer Haut, jeder Geruch verstärkte sich – billiges Parfüm, feuchte Wolle, Industriereiniger, Frittierfett. Darunter lauerte etwas Kälteres und Dunkleres: männlich, wild, unersättlich.

Zuerst sah sie ihn nicht. Die Menge schien sich zu teilen wie ein Fluss, und aus dieser Lücke trat Lucas Blackthorne hervor. Breite Schultern, gehüllt in Schatten, dunkles Haar, das in ein Gesicht aus Granit fiel. Roman Mercer ging neben ihm und erzählte irgendeinen groben Witz, der in Gelächter explodierte, aber Lucas’ Lippen blieben fest. Seine Augen hoben sich – und trafen ihre.

Die Zeit zersplitterte. Ihr Herz hielt ruckartig an; ihre Ohren knackten unter der Stille. Gefährte. Das einzelne Wort fiel wie eine Bombe zwischen sie. Es schwelte nicht – es detonierte. Alles Licht vor ihren Augen blitzte weiß auf, die Luft wurde so knapp, dass ihre Lungen sich schmerzerfüllt anfühlten, ihr Herzschlag donnerte so laut, dass sie Angst hatte, es würde zerspringen. Sie konnte den Blick nicht von ihm abwenden, und er sah nicht weg.

In diesem schwebenden Moment sah sie es: die Anspannung in seinen Schultern, das leichte Aufflackern von Wolfsfell an seinem Hals, den rohen Hunger in seinen dunklen Augen. Dann versteifte er sich und sprach ein einziges Wort, das ihre Welt in zwei Stücke spaltete:

„Nein.“

Es durchschnitt den Flur wie eine gezogene Klinge. Stimmen verstummten. Köpfe ruckten herum. Die Luft kräuselte sich vor Schock und Faszination. Wrens Magen drehte sich um. Lucas machte einen bedächtigen Schritt auf sie zu – so nah, dass sie die feinen Bernsteinflecken in seiner Iris sehen konnte – und studierte sie, als wäre sie ein Problem, das es zu lösen galt. Ihre abgenutzten Stiefel, ihr verwaschener Pullover, der ausgefranste Ärmelsaum ihrer Jeans – katalogisiert, abgetan.

„Das ist doch ein Witz“, sagte er. Seine Stimme war leise, giftig, schlimmer als ein Schrei. Romans Lachen schwoll an, eine grausame Hymne. Sie spürte, wie Hoffnung in ihrer Brust flackerte und dann starb.

Er ignorierte Lila. „Sie soll meine Gefährtin sein?“ Unglaube und Ekel vermischten sich in seinem Ton. Ein Raunen ging durch den Flur: Niemals... das ist sie...? Wren spürte jedes Flüstern wie einen Schlag. Lucas schloss den kurzen Abstand. Seine Hitze berührte sie, die Verbindung zwischen ihnen wand sich wie ein lebendiges Ding. „Das ist ein Fehler. Nein“, fügte er kalt und endgültig hinzu, „absolut nicht.“

Ihr Wolf zuckte zurück, verwundet. Lucas beugte sich vor, seine Augen bohrten sich in sie. „So etwas passiert nicht“, sagte er leise. Dann, noch leiser, nur für sie: „Ich weise diese Bindung zurück.“

Ein weißglühender Schmerz riss durch ihre Brust, ließ ihre Rippen splittern und verbrannte ihre Lungen. Sie sackte zusammen mit einem Geräusch, das irgendwo zwischen einem Keuchen und einem Schluchzen lag. Lila fing sie auf, bevor sie den Boden berührte. „Wren –“ Doch Wren konnte nichts hören, nichts denken, kaum noch existieren. Lucas stand über ihr, unbeteiligt wie Stein.

„Ich werde dich niemals beanspruchen“, verkündete er, ruhig und gefühllos. „Du bedeutest mir nichts.“ Hinter ihm schwoll das Gelächter an wie die Flut über Ertrinkenden. Ihre Sicht verschwamm, ihre Hände zitterten, sie klammerte sich an Lila wie an einen Rettungsanker.

„Falls du dir irgendwelche Fantasien darum aufgebaut hast“, sagte er mit einer Stimme wie in Seide gehüllter Stahl, „dann beende das jetzt.“ Wrens Knie gaben nach, doch sie zwang sich aufrecht zu stehen. Sein Blick schärfte sich zu einer Messerklinge. „Und falls du mir zu nahe kommst“, knurrte er, „und willst, was dir nicht gehört –“ Er machte eine Pause, als würde er den Moment genießen. „Dann bringe ich dich eigenhändig um. Und ich werde dafür sorgen, dass das Rudel zusieht.“

Dann legte sich Stille über alles – eine erstickende, dichte Stille. Das war sein finaler Schlag. Mit absoluter Sicherheit drehte er sich auf dem Absatz um und ging. Der Flur teilte sich für ihn wie sich neigendes Schilf. Roman folgte ihm, sein Lachen zog eine blutige Spur hinter sich her.

Wren starrte, bis Lucas verschwunden war. Erst dann verrieten sie ihre Beine. Sie sank zu Boden, Lila ließ sich neben ihr nieder. „Wren, bitte –“ Wren konnte nur ihre Bücher an die Brust pressen. Jeder Atemzug war eine Erinnerung an die Wunde in ihrem Inneren.

Um sie herum schwollen die Flüstereien wieder an: „Er hat sie zurückgewiesen… Seine Gefährtin? Im Ernst? Sie hätte es kommen sehen müssen…“ Jedes Wort bohrte sich wie eine Scherbe in sie.

Wren schloss die Augen und zwang sich zu atmen. Dann riss sie sie auf. Nein – nicht hier. Nicht so. Sie drückte sich nach oben, bis jede brennende Faser ihres Körpers schrie. „Hilf mir“, krächzte sie mit rauer Stimme. Lilas Augen weiteten sich, aber sie gehorchte.

Sie sammelten ihre verstreuten Bücher auf. Jedes Augenpaar im Flur bohrte sich in ihren Rücken wie ein Brandzeichen. Bis zum Mittagessen war die Stille schwerer als jeder Lärm: ein leerer Platz an ihrem Tisch, der Stuhl beiseite geschoben, niemand sah zu ihr herüber außer mit kurzen, ängstlichen Blicken. Lucas kehrte nicht zurück – seine Worte hatten die Arbeit für ihn erledigt.

Als die letzte Glocke läutete, trug Wren zwei grausame Wahrheiten mit sich: Zurückweisung verblasst nicht; sie gräbt sich ein und eitert. Und sie würde gehen. Nicht heute, nicht sofort – aber bald. Sie würde Lila mitnehmen, das Wenige, das von ihr übrig war, und verschwinden, dorthin, wo Lucas Blackthorne nur noch ein Name war.

Draußen biss der Wind aus Wyoming durch ihren Mantel, der graue Himmel erstreckte sich endlos. In der Ferne lauerten Lucas’ Trucks, die Räder drehten sich, sie warteten. Ihr Wolf wimmerte in ihrem Kopf, jämmerlich und roh. Wren ignorierte ihn. Ein Fuß fest auf den Boden gesetzt. Ein weiterer folgte – jeder Schritt ein Schwur. Er konnte sie vor dem Rudel brechen, sie unter Neonlicht demütigen, ihre Bindung in Stücke reißen – aber sie weigerte sich, einzubrechen. Sie hob das Kinn und marschierte weiter. Irgendwo unter dem Schmerz formte sich etwas Neues: keine Stärke – dafür war sie noch nicht bereit – aber Überlebenswille. Und das, entschied sie, würde reichen.