Die Rückkehr des Assets

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Zusammenfassung

**TEASER: DIE RÜCKKEHR DES ASSETS** Sie hat keinen Namen. Sie hat eine Nummer. Sie hat keine Seele. Sie hat ein Protokoll. **Siebzehn** wuchs in der Dunkelheit auf, geschmiedet durch das Krokodil-Programm zur perfekten Waffe – leer, gehorsam und tödlich. Sie hat keine Vergangenheit, keine Erinnerungen und keine Angst. **Agent Damien Thorne** ist ein Mann am Abgrund, verfolgt vom Tod seines Partners und getrieben von einem Verlangen nach Rache. Als er die verantwortliche Auftragsmörderin gefangen nimmt, ist er fest entschlossen, sie zu brechen – sie den Schmerz spüren zu lassen, den sie verursacht hat. **Warnung:** Enthält explizite Gewaltdarstellungen, explizite sexuelle Inhalte und Themen der Traumabewältigung. Wir empfehlen das Lesen auf eigene Verantwortung.

Genre:
Romance
Autor:
Labano
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
25
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Chapter 1


KAPITEL 1: Der Geist

Damien Thorne hatte schon früher Mörder verhört.

Kartell-Vollstrecker. Auftragskiller. Terror-Agenten, die so fest an ihre Sache glaubten, dass sie lächelnd in den Tod gingen.

Niemand von ihnen hatte ihm jemals Angst eingejagt.

Bis zu ihr.

Das Leuchtstofflicht über ihnen flackerte.

Nicht so sehr, dass es ausginge. Aber genug, um es zu bemerken.

Ein tiefes, elektrisches Summen erfüllte den Raum – stetig, nervtötend, unmöglich zu ignorieren. Es warf verzerrte Schatten auf den Stahltisch zwischen ihnen und pulsierte ganz leicht außerhalb des Taktes mit der Realität.

Drei Wochen.

Derselbe Raum. Derselbe Stuhl. Dieselbe Stille.

Dasselbe Mädchen.

Sie saß genau dort, wo sie immer saß.

Den Rücken gerade. Die Hände flach auf dem Tisch. Die Knöchel sauber ausgerichtet.

Ihre Atmung war so flach, dass man sie kaum bemerkte.

Perfekte Selbstbeherrschung.

Wären da nicht ihre Augen gewesen, hätte Damien sie für tot gehalten.

Grau.

Nicht kalt. Nicht wütend.

Einfach nur … leer.

„Die Subjektperson reagiert weiterhin nicht“, sagte Damien in das Aufnahmegerät, seine Stimme war rau. „Tag einundzwanzig.“

Er schaltete es aus.

Zu fest.

Das Geräusch peitschte durch den Raum.

Sie reagierte nicht.

Drei Wochen.

Drei Wochen mit jeder Methode, die das Bureau erlaubte – und einigen, die es nicht tat.

Sie hatten ihr Freiheit angeboten.

Eine neue Identität. Ein neues Land. Ein sauberer Neuanfang.

Nichts.

Sie hatten ihr gedroht.

Black Sites. Einzelhaft. Endgültiges Verschwinden.

Nichts.

Sie hatten ihr Umfeld zerstört.

Lichtentzug. Schlafzyklen. Isolation.

Nichts.

Nicht, weil sie sich widersetzte.

Sondern weil sie sich auf nichts einließ.

Es war, als würde man ein System verhören, das keine Eingaben erkannte.

Damien lehnte sich vor und drückte die Unterarme auf den kalten Stahltisch.

„Du glaubst, sie kommen, um dich zu holen“, sagte er leise.

Keine Antwort.

„Du glaubst, das hier ist nur vorübergehend.“

Nichts.

„Du glaubst, du bist immer noch Teil von etwas.“

Ihr Blick blieb starr an einem Punkt knapp neben seiner Schulter haften.

Sie wich ihm nicht aus.

Sie ignorierte ihn nicht.

Sie nahm ihn einfach … überhaupt nicht wahr.

Damien atmete langsam aus.

„Sie kommen nicht“, sagte er. „Du bist ein loser Faden.“

Stille.

„Du weißt, was mit losen Fäden passiert.“

Dann –

„Meine Bezeichnung lautet Seventeen.“

Ihre Stimme durchschnitt den Raum.

Flach.

Präzise.

Falsch.

Damien bewegte sich nicht.

„Ich bin ein Asset“, fuhr sie fort. „Assets sind entbehrlich. Wenn eine Beendigung erforderlich ist, bin ich bereit.“

Sein Kiefer spannte sich an.

„Hör auf, das zu sagen.“

Keine Reaktion.

„Du bist kein Asset.“

Stille.

„Du bist ein Mensch.“

Das saß.

Langsam – ganz bewusst – drehte sie den Kopf.

Ihre Augen trafen seine.

Das erste Mal seit drei Tagen.

Etwas in seiner Brust verschob sich.

Keine Erleichterung.

Etwas Kälteres.

„Ich wurde im Crag aufgezogen“, sagte sie.

Keine Emotion. Kein Zögern.

„Einrichtung im Ural. Vierzig Kinder in meinem Jahrgang. Auswahlalter: fünf Jahre.“

Damiens Puls verlangsamte sich.

Er hatte Fragmente in der Akte gesehen.

Nicht genug, um es zu glauben.

Zu viel, um es zu ignorieren.

„Subjekte aus Waisenhäusern rekrutiert“, fuhr sie fort. „Oder aus ungeeigneten häuslichen Verhältnissen entfernt.“

Entfernt.

Das Wort klang völlig falsch.

„Identität gelöscht. Konditionierung eingeleitet.“

Eine Pause.

„Es gibt kein ‚Davor‘.“

Der Raum fühlte sich plötzlich kleiner an.

„Erinnerst du dich an gar nichts?“, fragte Damien. „Keine Familie? Keine Kindheit?“

„Hunger ist ein Werkzeug.“

Kein Blinzeln.

„Komfort erzeugt Schwäche.“

Keine Veränderung ihrer Atmung.

„Erinnerung ist eine Belastung.“

Damien starrte sie an.

Das hier war kein Trotz.

Das war keine Loyalität.

Das war Programmierung.

Er hatte versucht, sie zu brechen.

Aber Menschen brechen, weil sie etwas zu verlieren haben.

Angst. Bindung. Identität.

Druckmittel.

Sie besaß nichts davon.

Eine Erkenntnis sickerte in ihn ein.

Langsam. Schwer.

Das hier war kein Verhör.

Das war eine Autopsie.

Er griff in die Akte und holte das Foto hervor.

Er sah es nicht an.

Das musste er auch nicht.

Er schob es über den Tisch.

„Sieh hin.“

Sie tat es.

Ein einziger Blick.

Einschätzung.

Nichts weiter.

„Du hast ihn getötet.“

Ihr Blick wanderte zurück zu seinem.

„Ein Ziel wurde in Prag festgelegt. Die Missionsparameter wurden erfolgreich ausgeführt.“

Damien knallte die Hand auf den Tisch.

Der Schlag zerriss die Stille.

Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper.

„Er hatte eine Frau“, sagte Damien, und seine Stimme wurde fester. „Sie war schwanger.“

Nichts.

„Er hatte einen Namen.“

Stille.

„Er hatte ein Leben.“

Immer noch nichts.

Damien lehnte sich vor.

„Sein Name war Michael.“

Keine Reaktion.

„Er war mein Partner.“

Stille.

„Er war mein Bruder.“

Das Wort hing in der Luft.

Schwer.

Bedeutungsvoll.

Nutzlos.

Sie legte den Kopf schief.

Ein wenig nur.

Als würde sie ein fremdes Konzept verarbeiten.

„Er war ein Hindernis“, sagte sie.

Damien sprang so schnell auf, dass sein Stuhl hinter ihm umstürzte.

„Er war ein Mensch!“

Keine Reaktion.

„Warum spielt die Bezeichnung eine Rolle?“, fragte sie.

Das brachte etwas in ihm zum Zerbrechen.

„Weil er mein war!“, fuhr Damien sie an.

Die Worte klangen rau.

Unkontrolliert.

Er hatte das nicht sagen wollen.

Aber es war nun einmal raus.

„Du hast ihn genommen“, sagte er, nun leiser. „Bedeutet dir das gar nichts?“

Stille.

„Wenn ich fühle“, sagte sie, „kann ich nicht funktionieren.“

Ruhig. Klinisch.

„Wenn ich zögere, scheitert die Gruppe.“

Ein kurzer Moment.

„Ich existiere nicht.“

Noch einer.

„Die Gruppe existiert.“

Damien erstarrte.

Und in diesem Augenblick –

wich der Kampfgeist aus ihm.

Denn er verstand.

Sie war kein Monster.

Monster treffen Entscheidungen.

Monster genießen.

Monster nehmen sich etwas.

Das hier –

war etwas völlig anderes.

Das war es, was übrig blieb, wenn man einem Menschen die Wahl nahm.

Wenn die Identität ausgelöscht wurde.

Wenn ein Kind ausgehöhlt und zu einem Werkzeug umgebaut wurde.

Er betrachtete ihre Hände.

Klein.

Vernarbt.

Die Knöchel leicht gezeichnet.

Jahre der Konditionierung.

Jahre der Zerstörung.

Jahre, in denen sie … nützlich gemacht wurde.

Sie hatten sie nicht trainiert.

Sie hatten sie ausgelöscht.

Damien setzte sich langsam hin.

Der Raum fühlte sich jetzt schwerer an.

Stiller.

Anders.

Er konnte sie nicht brechen.

Denn sie war bereits zerbrochen.

„Bringt sie hier raus“, sagte er.

Die Tür summte und öffnete sich.

Zwei Wachen kamen herein.

Seventeen stand sofort auf.

Perfekter Gehorsam.

Kein Zögern.

Sie drehte sich zur Tür.

Dann hielt sie inne.

Und sah zurück.

„Die Person auf dem Foto“, sagte sie.

Damien sah auf.

Ein Funken Hoffnung flackerte auf.

Plötzlich.

Ungewollt.

„Ja?“

„War er Teil deiner Einheit?“

Damien schluckte.

„Ja.“

Ein kurzer Moment.

„Er war meine Einheit.“

Sie musterte ihn.

Einen Augenblick länger als zuvor.

Dann –

nickte sie.

„Eine Bindung zwischen Agenten bedeutet immer eine Schwachstelle“, sagte sie.

Ihr Blick hielt seinem stand.

„Für dich.“

Dann drehte sie sich um und ging hinaus.

Die Tür fiel ins Schloss.

Die Stille kehrte zurück.

Das Neonlicht summte über ihm.

Unverändert.

Gleichgültig.

Damien bewegte sich nicht.

Das Foto lag immer noch auf dem Tisch.

Michael lächelte immer noch.

Eingefroren in einem Moment, den es nicht mehr gab.

Er starrte darauf.

Länger, als er sollte.

Dann lehnte er sich zurück.

Schloss die Augen.

Er war hierhergekommen, um eine Killerin zu brechen.

Damit sie etwas fühlte.

Damit sie wieder ein Mensch wurde.

Stattdessen –

hatte er etwas Schlimmeres gefunden.

Etwas, mit dem man nicht reden konnte.

Das man nicht bestrafen konnte.

Das man nicht einmal mit menschlichen Begriffen verstehen konnte.

Und das Schlimmste daran?

Zum ersten Mal seit Prag –

dachte er nicht an Rache.

Er dachte an sie.

Daran, was man ihr angetan hatte.

Daran, was es bräuchte, um das rückgängig zu machen.

Falls das überhaupt möglich war.

Er öffnete langsam die Augen.

Ein Gedanke schlich sich ein.

Leise.

Hartnäckig.

Unerwünscht.

Er hatte sie nicht verhört.

Er hatte etwas abgemessen.

Eine Distanz.

Zwischen dem, was sie war –

und dem, was er zu werden begann.

Und zum ersten Mal –

kam ihm diese Distanz nicht mehr so groß vor, wie sie sollte.

Denn er war nicht das einzige Gespenst in diesem Raum.

Er wurde auch zu einem.

🔥