Chapter 1
Nummern
POV: Johnny
Mit einem Seufzen legte ich das nächste Buch auf den Stapel neben meinem Bett. Wieder ein mehr schlecht als rechter literarischer Inhalt, der nur wohlwollend “Belletristik” genannt werden konnte und bei mir unter “Hausfrauen Porno” lief. Zu viele Klischees; Augenrollen inklusive. Das Schlimme daran war, dass man damit nicht aufhören konnte. Es war wie ein Autounfall oder diese widerlichen Videos, bei denen Pickel ausgequetscht wurden. Man konnte nicht wegsehen. Faszinierend und abstoßend zugleich. Süchtig machend
Im realen Leben würde ich diesen Schnöseln wahrscheinlich keine Beachtung schenken. Besitz beanspruchende Alphas lasen sich mal ganz nett, aber die Wahrheit war eine andere. Ich wusste, wie es sich wirklich anfühlte, wenn jemand glaubte, du würdest ihm gehören. Einmal in meinem Leben reichte. Jetzt traf ich alle meine Entscheidungen selbst.
Niemand hatte jetzt noch Kontrolle über mich.
Gehören würde ich nur noch mir selbst.
Die letzten Entscheidungen waren vielleicht nicht alle clever gewesen, aber ich hatte sie selber getroffen. Für mich. Für mein selbstbestimmtes Leben. Leider auch für meinen sozialen und finanziellen Untergang, aber das war ein anderes Thema. Aber beschützen musste mich niemand mehr. Das konnte ich ganz alleine. Status und Geld boten keinen Schutz, soviel war klar.
Der Wecker klingelte und erinnerte mich an meine nahende Schicht im Diner. Ich schlüpfte in meine Jeans, knöpfte die Bluse zu und kämmte meine widerspenstigen Haare, sodass ich sie in einem Zopf festmachen konnte. Ein wenig Wimperntusche und schon war ich zufrieden mit mir.
Als ich die Tür zum Diner öffnete, strömte mir wohltuender Kaffeegeruch und Stimmengewirr entgegen.
“Hey Johnny!” Basti winkte mir zu. Er stand hinterm Tresen und füllte die Kaffeemaschine auf. Er hatte sich, seitdem ich hier vor einem halben Jahr anfing, zu einer Art Freund gemausert. Am Anfang hatte ich seine Sunnyboy-Allüren nur nervig und anstrengend gefunden. Jetzt wusste ich: er sagte, was ihm durch den Kopf ging und ein “Nein” konnte er auch als solches auffassen. Natürlich war er mit seinem guten Aussehen und seinen Lachgrübchen bei den Mädels heiß begehrt, aber er war nicht mein Typ.
Aber was war überhaupt mein Typ? Blond, charmant und gutaussehend anscheinend nicht.
“Hallo Basti”, sagte ich und umarmte ihn. Dann band ich mir meine Schürze um und schaute mich im Diner um.
Die Hälfte der Plätze war mit Kundschaft belegt. Genau richtig, für eine lustige und gleichzeitig entspannte Schicht.
Ich brachte fertige Milchshakes zu einer Gruppe, die nach einer Lerngruppe vom College aussah, füllte Kaffee bei einem gutaussehenden Mann im braunen Anzug nach und nahm die Bestellung einer Clique Jugendlicher auf, die häufig hier abhingen. Die Cat-calling Pfiffe von Tisch 7 ignorierte ich gekonnt.
Tagsüber kamen viele Studenten und Menschen, die ihre Mittagspause fernab ihres Arbeitsplatzes genießen wollten, nachmittags mehr Familien mit Kindern. Abends gab es viele Pärchen, oder solche, die es noch werden wollten, sowie Sportbegeisterte, die auf dem Weg zu einem Spiel waren. Letztere Kundschaft war die anstrengendste. Nicht selten glich ich meine Schichtplan-Wünsche an bevorstehende Sportspiele an, um den betrunkenen, zu lauten Idioten entkommen zu können.
Klar, mit einem Lächeln und Freundlichkeit konnte man bei betrunkenen Männern ein bisschen mehr Trinkgeld abgrasen, aber das war es mir nicht wert. Nein, das durften Sandy und Mia gerne übernehmen. Sie schienen dafür geradezu gemacht. Sie öffneten nicht selten noch einen Knopf ihrer Bluse und freuten sich danach über ihr Geld. Moderne Prostitution ohne sexuelle Handlung. Ohne mich!
Diese Mittwoch Abendschicht sollte frei von dieser Kategorie Gästen sein. Kein Spiel, ganz normaler Alltag, gemischte Kundschaft.
Mit einem Klingeln öffnete sich die Tür und weitere Gäste traten ein. Eine Schar junger Frauen. Es wurde gekichert, gequietscht und gelacht. Ich knuffte Basti mit dem Ellbogen in die Seite: “Und? Junggesellinnenabschied oder ich-komm-über-meinen-Kerl-hinweg-Mädelstreff?”
Basti tippte sich übertrieben nachdenklich auf sein glatt rasiertes Kinn.
"Junggesellinnenabschied, die gleich noch Bowlen gehen, bevor sie die Limo abholt zum Feiern”
“Mit den Nägeln? In den Cocktailkleider? Auf keinen Fall! Ich sage Junggesellinnenabschied, die alle einen Milchshake trinken, in den Club gehen und dann ihre Wahl des Getränks bereuen! Ich sage; die Braut wird dich heute noch anflirten!”
Ich hielt Basti wie immer meine Hand hin, um die Wette abzuschließen. Er schlug siegessicher ein.
Nachdem alle mit lautem Quietschen und Kichern ihre Plätze eingenommen hatten, lief ich zu ihnen hinüber. Warum mussten Frauen in Grüppchen immer diese übertriebenen Geräusche von sich geben, die einem fast die Trommelfelle wegsprengten? Ich nahm ihre Bestellung auf und wedelte zufrieden mit dem Bestellzettel vor Bastis Nase, als ich wieder hinterm Tresen war. “6 Milchshakes, Badammmmzz”
“Das ist nicht einmal die Hälfte deiner Prophezeiung, fast alle mögen unsere Milchshakes hier!” Basti schmollte.
“Ich mach die Shakes, du bringst sie hin", sagte ich grinsend. Basti wuschelte sich noch einmal die blonden Locken zurecht und bereitete das Tablett.
Wieder verkündete das Klingeln der Tür neue Gäste. Zu meinem Unmut waren es nur Männer. Viele groß gewachsene, muskulöse Männer, solche, die ich sonst nur im Gym traf, die gafften und flirteten oder sehr peinlich vor mir posierten. Damit hörten sie für gewöhnlich erst auf, wenn ich anfing, ernsthafte Gewichte zu stemmen. Diese hier waren anscheinend sehr vertraut miteinander. Es wurde gelacht und sich gegenseitig auf die Schultern geklopft. Die Stimmung war ausgelassen. Mal sehen, ob es ein Macho-Desaster werden würde.
“Ich komm gleich!” rief ich ihnen zu. Quietschen und Kichern am Damentisch. Erst dachte ich, dass Basti wieder seinen Charme spielen ließ und die Damen bezirzte, aber dann war klar, dass die Damen das Eintreten der Muskelmänner vertonten.
Ich eilte zur Herrenrunde und zählte dabei schon durch, wie viele es waren. Mannometer, so viele große Männer, die Bären glichen, hatte ich hier noch nie auf einem Haufen gesehen.
"Hey", sagte ich freundlich und schaute die freien Tische durch. Zu wenig Platz hier. Diese Menge würde nur ins Hinterzimmer passen.
"Hey", antwortete einer dieser Bären mit dunkelbraunem Haar, das nass und in Strähnchen auf seine Stirn fiel.
"Wir sind hier mehr zufällig reingestolpert." Seine Stimme war rau und fast entschuldigend.
"Wir haben hinten noch einen Raum. Bleibt es bei 21?” Mehrere der Bären hatten zugehört und schauten sich verdutzt an. Einer zählte selber nach und nickte dann anerkennend. Ja, Wahnsinn, ich konnte zählen.
Ich deutete ihnen, mir zu folgen, machte Licht im Hinterzimmer an und fluchte kurz. Der Raum war nicht wieder vorbereitet worden. Sandy und Mia hatten lediglich die Stühle hochgestellt und durchgewischt.
Ich nahm je zwei Stühle, drehte sie um und schob sie an die Tische. Die lange Tafel reichte momentan nur für 12 Personen, sodass ich einen weiteren Tisch ranschieben wollte.
“Warte, das können wir machen!” raunte einer der Gruppe.
“Danke, das schaff ich auch!”
“Das bezweifelt niemand, Lady, aber wir dürfen unsere Hilfe doch sicher anbieten!” Mehr brummendes, zustimmendes Gemurmel.
“Anbieten dürft ihr vieles, aber ich werde dafür hier bezahlt!” Noch bevor ich den Satz zu Ende gesprochen hatte, bereute ich meine Wortwahl. Was eine Steilvorlage für dumme Sprüche.
Stattdessen… nix.
Nur zwei der Bären, die gemeinsam den letzten Tisch ranschoben und sich dann auch hinsetzten.
Okay,das ist eine nette Überraschung. Hatte ich es hier etwa mit echten Gentlemen zu tun?
“Ich bin Johnny, nicht Lady! Was kann ich euch bringen?” Sagte ich, als alle Platz genommen hatten. Zu meiner Verwunderung bestellten sie keine alkoholischen Getränke, sondern Softdrinks und jede Menge Burger und Beilagen.
Ich zuckte verwundert mit den Schultern, als ich an den Tresen trat.
“Alles gut? Bist du sicher, dass du die Horde im Hinterzimmer bedienen willst? Soll ich mitkommen oder sie übernehmen? Sind sie horny Bastarde?”
Ich lachte über Bastis Sorge und Beschützerinstinkt. Er war immer bemüht, die netten Singles von mir abzubekommen, war sich aber nicht zu scheu, unangenehme Gäste von mir zu übernehmen.
“Alles gut. Die Jungs sind bisher höflich! Und ihrer Bestellung nach zu urteilen, muss ich auch keine betrunkenen Flirtversuche erwarten!” Ich zeigte ihm die Bestellung und fing an die Getränke zu zapfen. “Wie lief es mit der Junggesellinnengruppe?”
Basti stöhnte auf und kramte einen Zettel aus seiner Jeans. Eine Nummer stand darauf.
“Wow, hab ich gewonnen?”
“Leider nein! Der Zettel ist nicht für mich, sondern für einen der Bären!” Er deutete mit dem Kopf gen Hinterzimmer. “Moseby”.
“Du siehst so verknautscht aus! Wie siegessicher du gewesen sein musstest, und dann..” ich lachte. “geht der Zettel an einen der Bären!”
Ich wischte mir mit dem Ärmel eine Träne weg.
“Johnny” rief mich Basti zurück und legte mir die Nummer aufs Tablett.
“Okay, Jungs, wenn ihr jetzt alle eure Drinks habt, hab ich noch eine etwas andere Anfrage!” Ein paar der Muskelberge verspannten und ich glaubte, ein Augenrollen aus dem Augenwinkel zu sehen.
“Is okay, kein Problem", sagte Braunbär. Er zwinkerte mir mit seinen dunkelbraunen Augen zu. Dann stand er auf, kam auf mich zu und legte seinen Arm um meine Schulter. Sein maskuliner Geruch umhüllte mich und sein Körper strahlte Wärme ab.
“Uargh…Was genau machst du?” fragte ich und wandte mich aus seiner Berührung.
“Äh,... ein Foto?” Fragte er verdutzt.
“Ich steh nicht für Fotos bereit und ich wüsste auch nicht, warum wir ein Foto machen sollten!”
Die anderen Bären brachen in Gelächter aus und die Verlegenheit von diesem riesigen Kerl neben mir war zu spüren. Seine braunen Augen huschten über mich, bevor er verschämt zu Boden sah. Er kratzte sich den Nacken, wich zurück und stammelte vor sich hin.
"Ja, weil,... weil du doch eine Anfrage hattest und… ich… dachte…”
“Ja genau", fiel ich ihm ins Wort.
"Ich hab hier eine Nummer von einer Kathy, die hier darauf gelauert hat, einen gewissen ‘Moseby’ mit ihrer Nummer zu beglücken. Wer ist der Glückliche?"
Ein lautes Klopfen auf den Rücken eines in einen Hoodie gekleideten Typen mit schwarzen, kurzen Haaren wurde von Pfeifen und weiterem Gelächter gefolgt.
“Man, wie machst du das, wir wollten einmal an einem geheimen Ort ohne Puckbunnys", raunte einer.
“Mein Ruf eilt mir voraus, dem Ruf folgen die Puckbunnys!” Feixte Moseby und breitete seine Arme aus. Dann nahm er den Zettel von mir und fragte halblaut: “Lohnt sich Kathy?”
Er war nicht nur groß und von beeindruckender Statur, sondern auch äußerst gutaussehend. Die grünen Augen und die schwarzen kurzen Haare wurden von wohlgeformten Lippen und einer harten Kieferpartie ergänzt.
“Ich kann Kathy und die anderen quietschenden Ladys gerne hierüber einladen, empfehle aber Gehörschutz!” Gab ich mit einem Zwinkern zurück.
“Du bist funny!” sagte der Braunbär, der immer noch etwa verloren in meiner Nähe stand. Sein Blick blieb einen Moment zu lange an mir hängen.
Nicht unangenehm.
Nur… ungewohnt.
“Lass die bloß nicht hier rein!” rief ein anderer mit einem kanadischen Akzent.
“Okay.. Keine Fotos, keine Quitschen zu den Bären, wird erledigt!” Murmelte ich.
“Bären?” fragte Moseby.
“Oh fuck, das hab ich laut gesagt, richtig?”
Meine Ohren wurden heiß.
“Das war so nicht beabsichtigt. Aber da ihr alle so Muskelpakete seid, und ich mir Bestellungen immer am besten mit Spitznamen merken kann, seid ihr die Bären.”
Ich hielt mir die Hand vor die Stirn und wandte meinen Blick auf den Boden.
"Uund das war peinlich, Zeit zu gehen”.
Ich kassierte im Hauptraum die Clique der Jugendlichen ab, nahm die Bestellungen eines Dates auf (meine Wette war: online kennengelernt, aber er hat noch eine Frau) und brachte Cocktails zu den Quietschen.
“Ich hab die Nummer weiter gegeben” sagte ich, während ich die Gläser abräumte.
“Uuuuuuuh, Moseby ist soo sexy!”
Quietsch
“Aber ehrlich, MacHamish sieht in diesem Hoodie einfach zum anbeißen aus, hast du ihn beim letzten Spiel nicht gesehen?”
Queitsch und Kichern.
“Ich bleib bei Miller, ich möchte mich in seinen braunen Haaren festhalten, während er sich an mir vergnügt, ich hab gehört, seine Flexibilität zahlt sich aus!”
Noch mehr Quietschen und Geschnatter.
Jesus.
Jetzt war klar, warum die Cocktailkleider mit den tiefen Ausschnitten. Die Mädels waren auf der Pirsch. Auf Bärenjagd, quasi.
“Wo sind sie denn jetzt? Können wir da vorbeischauen?” fragte mich die Blondine mit dem vielen Make Up im Gesicht.
“Sie wollen nicht gestört werden, sorry!” Ich zuckte die Schultern.
Ihr Schmollmund wirkte noch künstlicher durch das satte Rot, was darauf geschmiert war. Dann nahm sie eine Unterlegserviette, beschrieb sie mit ihrer Nummer und drückte ihren Mund darauf.
Sie reichte mir die Serviette und zwei weitere machten es ihr nach.
“Okay… roter Schmollmund geht an wen?”
“An John Miller” Mehr Quietschen, mehr Augengeklimpern.
Mit einem Stöhnen öffnete ich die Tür zum Hinterzimmer, um die geleerten Teller ab zu räumen und diese peinlichen Ficknümmerchen abzugeben. Das sollte zumindest Trinkgeld geben.
“So, Jungs, ich mach das hier nur ungern, aber es haben sich weitere Nummern gesammelt. Hier ist ein pinker Lippenstift für Michael Holmes!”
Ich hob die erste Serviette und der Bär mit den halblangen blonden Wuschelhaaren stand unter Jubel auf, schüttelte dann aber nur den Kopf, nahm die Serviette und zerknüllte sie.
“Ooookay, kein Glück für die Dame im zu knappen Cocktailkleid, aus dem ihre Brüste fast herausfallen!”
Mehr Gejohle.
Bevor der Bär - sollte ich ihn Puh-Bär nennen?- sich wieder hinsetzte, wich er noch ein paar spielerischen Schlägen aus, die seinem Hinterkopf galten.
“Brauner Lipgloss für Simons?” Wieder hielt ich eine Serviette hoch. Diesmal stand unter den gebührenden Kommentaren ein etwas verwüsteter Bär mit geschwollenem Auge. War er in einen Kampf verwickelt? Ich hatte im Gym beim Boxen ähnliche Fletschaugen gesehen und kannte selber, wie unangenehm das war.
“Und last not least für John Miller, roter Lippenstift, der in echt nur noch plakativer ist!”. Mit einem Grinsen fixierte mich Braunbär und nahm die Serviette, ohne den Blick von mir abzulassen.
Aha.
Ich kam nicht umhin, seine jetzt getrockneten braunen Haare zu bemerken und in meinem Kopf hallten die Worte nach, wie man sich darin festhalten wolle. Absolut vorstellbar.
Sein Blick wanderte langsam von meinen Augen hinab zu meinen Lippen und dann wieder hoch.
“Kein Lippenstift von dir?”
“Kein Lippenstift, keine Nummer, kein Sex!” Ich hob die Achseln, konnte mich aber von seinen dunkelbraunen Augen nicht abwenden.
“Dude, stell dir vor, es gibt Frauen, die dich nicht kennen und dich nicht abschleppen wollen!” Gröhlte Simons "Nimm das Puckbunny und gib dich zufrieden!”
“Puckbunny?”
“Johnny, richtig?” fragte Braunbär, ohne auf meine Frage zu antworten.
Ich nickte.
“Du weißt wirklich nicht, wer wir sind?”
Ihr wisst wirklich nicht, wer ich bin, schoss es mir durch den Kopf.
“Das da vorne ist anscheinend Michael Holmes, der Grizzly heißt MacHamish, Fletschauge Simons und du, mein großer Braunbär, scheinst Miller zu heißen”
Weiteres Gelächter. Einer hielt sich den Bauch und wiederholte mehrfach “Grizzly” als er auf MacHamish zeigte.
“Braunbär?” fragte Miller und kratzte sich am Nacken.
“Ich gebe zu, nicht ganz kreativ, aber ja!”
“Lady, du bist witzig!” Moseby war aufgestanden und hatte den Arm um mich gelegt, so, als würden wir uns seit Jahren kennen und als wäre ich nicht nur seine Bedienung an diesem Mittwochabend. Es war keine flirty Berührung, sondern so, wie er auch mit seinen Jungs agierte.
“Johnny”, sagten Miller und ich gleichzeitig. Dabei machte er unweigerlich einen Schritt auf Moseby zu, der daraufhin den Arm wegnahm und Miller einen Blick zuwarf.
“Johnny”, betonte er: "Wie kann man hier wohnen und uns nicht erkennen? Herrlich!”
Er wischte sich Lachtränen aus den Augen.
“Ich habe keine Ahnung, sorry, hätte ich euch anders bedienen sollen, wie ein königlicher Diener? Majestätische Bären?”
Langsam wurde ich wütend.
“Oh nein, bloß nicht, Johnny!” Grizzly MacHamish war aufgestanden und stellte sich in unsere Runde.
“Es tut so gut, mal eine junge Frau zu treffen, die kein Puckbunny ist, die uns einfach mal ganz geradeaus behandelt”
“Mag mir jemand verraten, was Puck Bunnys sind?”
MacHamish grinste und zögerte mit seiner Antwort
“Das sind willige Frauen, die uns hinterherlaufen und uns erobern wollen. Sie lauern uns beim Stadion auf, in bekannten Kneipen, in denen wir nach Spielen feiern, manchmal verfolgen sie uns sogar bis in die Hotelbars!”
“Schick sie alle zu mir!” hörte ich ein Rufen von der anderen Seite der Tafel.
“Puckbunny, Stadion, Muskelberge…. ihr…. ihr spielt Eishockey?” Verdutzt blickte ich noch einmal durch den Raum. Tatsächlich gab es ein wiederkehrendes Logo eines Haies mit Hockeyschlägern auf Hoodies und Shirts.
Oh no! Eishockeyspieler.. da hätte ich auch drauf kommen können.
“Ding ding ding ding und hiiiiier fällt der Groschen bei der hübschen Lady in schwarz!” scherzte MacHamish mit seinem deutlichen Akzent.
“Johnny”, wiederholten Miller und ich noch einmal gleichzeitig.
“Oh fuck…” Moseby hielt vor lauter Kichern inne. “Johnny und John, herrlich!”
Ich rollte die Augen, nahm die Teller und verschwand in Richtung Küche.
Hockeyspieler.
Wie dumm war ich, dass ich Puckbunny nicht kannte? Warum genau waren sie hier?
Johnny, bisher sind sie nett, es wird auch nette Hockeyspieler geben. Nur weil sie sich auf dem Eis hauen, heißt das nicht, dass diese hier auch sonst gewalttätig sind. Oder dich bedrängen werden. Dafür hast du trainiert, du weißt dich jetzt zu wehren! Noch einmal passiert dir das nicht wieder!