Nightfall Bloodhunt

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Zusammenfassung

In einer Stadt, in der Vampire und Werwölfe einen brüchigen Frieden halten, jagen die Mischlings-Detektive Adrian und Marek einen Mörder, der beide Seiten gleichermaßen angreift. Während Reinrassige einander beschuldigen, häufen sich die Leichen – verbrannte Vampire, zerfetzte Werwölfe und verschwundene Mischlinge. Gemeinsam mit der Vampirin Valeria und dem Werwolf Henrik beginnen sie zu ermitteln, doch Misstrauen und alte Vorurteile drohen jede Zusammenarbeit zu zerstören. Als eine Zeugin von einem „Schatten“ berichtet, der weder Mensch noch bekannte Spezies ist, wird klar: Sie jagen etwas völlig Neues. Ein Gegner, der schneller, tödlicher – und ihnen immer einen Schritt voraus ist. Und der bereits begonnen hat, sie selbst ins Visier zu nehmen.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
7
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+
Das ist ein Beispiel

Kapitel 1 – Alte Wunden

Der Geruch des schweren Holzes lag in seiner Nase und erfüllte ihn mit Heimat. Genauso wie das sanfte Rascheln der Papiere und die Duftnote eines nassen Hundes, die schon seit Jahrzehnten an seiner Seite waren.

„Jetzt sind schon zehn Vampire, fünf Werwölfe getötet und zwanzig Mischlinge verschwunden. Wir haben immer noch keinen Anhaltspunkt.“ Der breitschultrige Kerl vor der Pinnwand schnaubte und schlug mit seiner Faust gegen das Korkbrett. „Die lachen uns doch mittlerweile alle aus! Wir haben bisher jeden Fall gelöst, Adrian! Warum kommen wir hier nicht weiter?“

Er deutete auf die Sammlung ihrer Hinweise, die auch Adrian erdrückten. Nur schwerfällig richtete er sich aus seinem Ledersessel am Schreibtisch auf. Auch hier war die ganze Tischplatte voller Notizen zu diesem Fall, der sie seit mehreren Monaten schon auf Trab hielt.

„Die lachen uns auch schon wegen etwas anderen aus, Marek.“ Er trat neben seinen Partner und begutachtete ebenfalls die vielen Notizen.

Werwölfe, die man mit Silber aufgeschlitzt hatte. Vampire, die von Sonnenlicht verbrannt wurden. Werire und Vamfer, die spurlos verschwunden waren. Artgenossen, die Adrian persönlich trafen. Noch nie hatte jemand Hand an Mischlinge gelegt. Sie standen unter persönlichen Schutz der Führer.

„Wieso? Weil wir uns Detektive nennen?“ Marek wandte sich zu ihm um. Seine breiten Schultern kamen nicht an die eines Werwolfes heran, aber waren muskulöser als es jeder Vampir oder Vamfer jemals sein könnte. Genauso wie die kantigen Gesichtszüge und der kräftige Kiefer, der hinter einem dunklen Vollbart versteckt war. Die silbernen Augen, die Adrian begegneten, kannte er besser als seine eigenen.

„Nein, weil wir Mischlinge sind.“ Er schüttelte den Kopf und musterte erneut die ganzen Bilder, die verbrannte Vampire und aufgeschlitzte Werwölfe zeigten. Mal zusammen. Mal alleine. Von den Mischlingen blieben meistens nur kleine Habseligkeiten zurück, wie eine Haarsträhne, ein Schuh oder eine Tasche. Mehr gab es nicht. Niemals und bis heute tauchte keine einzige Leiche auf.

„Du bewegst dich einfach in den falschen Kreisen.“ Marek winkte ab und verschränkte die Arme vor der Brust. Adrian musterte ihn in seinem Augenwinkel und schmunzelte. Die Fundorte der Leichen oder Gegenstände auf der Karte waren wirr verteilt. Er konzentrierte sich auf keinen Bereich, sondern überfiel die ganze Stadt. Sowohl den Vampir- als auch den Werwolfbereich. Nichts und niemand schien vor ihm sicher.

„Ich rede einfach mit meinem Gegenüber, anstatt vorschnelle Schlüsse zu ziehen und sie zu bedrohen.“ Er ließ sich amüsiert auf diese Diskussion ein, die sie fast täglich führten. Auch das Grinsen auf Mareks Lippen wurde breiter und er drehte sich zu Adrian um.

„So? Wollen wir mal wieder eine Rechnung machen, wie viele Fälle ich gelöst habe und wie viele du? Brauchst du es mal wieder schwarz auf weiß, billige Vampirkopie?“ Eine Beleidigung, die an Adrian abprallte. Ihn jedoch zum Umdrehen animierte, sodass die Beweise in den Hintergrund rutschten.

„Um zu sehen, dass wir gleich auf sind? Keiner von uns ist besser. Fertig. Wir arbeiten gut zusammen. Aber hier scheitern wir und wir brauchen langsam Ergebnisse. Es ist also jetzt keine Zeit für deinen Schwanzvergleich.“ Mit verschränkten Armen wandte er sich wieder von seinem Freund ab und starrte weiter auf die Hinweise. „Wenn wir jetzt mal die Mischlinge weglassen – wer weiß, ob sie überhaupt eine Rolle spielen. Sind aktuell die Vampire, das wohl am meisten geschädigte Volk von uns allen. Vielleicht sollten wir mal ein paar Fragen an die Herrschaften richten.“

„Fragen?“ Marek lachte neben ihm auf. „Vampire können nur eines. Sich verpissen, wenn es ernst wird. Es wundert mich, dass so viele getötet werden. Normalerweise sind sie Experten in Sachen Weglaufen. Da hat bestimmt keiner irgendetwas gesehen. Sie waren mit Laufen beschäftigt.“

Adrian fuhr sich über das Gesicht und schüttelte den Kopf. „Der Hass auf deinen Vater ist hier gerade Fehl am Platz. Lass es stecken, okay? Wir brauchen Ergebnisse und müssen endlich einen Schritt weiterkommen. Die Leichen türmen sich zu hoch, verstehst du das nicht?“

„Doch, ich versteh‘ es“, zischte Marek und baute sich höher auf. Er überragte Adrian, wie so oft davor. Der einschüchterne Effekt blieb schon seit Jahren aus. Er wusste, dass sein Kumpel ihm niemals schaden würde. Zu oft hatten sie einander schon das Leben gerettet.

Dieses Zimmer war voller Geschichten, Bilder und Karten, aber keine konnte ihnen helfen, zu verstehen, was hier geschah. Die Regale, die an den Wänden entlang liefen, waren vollgestopft mit Informationen, die Adrian jetzt nicht weiterhalfen. Die Antwort fanden sie nicht mehr in diesen vier Wänden. Hier war nur eine Bestandsaufnahme, doch keine Lösung.

„Es ist sinnlos.“ Er schüttelte den Kopf und wandte sich von der Wand ab. Mit zwei Schritten trat er in die Mitte des Raumes und sog erneut den ihm so vertrauten Geruch ein. Er mochte den verbesserten Geruchssinn, den ihn sein Vater vererbt hatte. Immer wieder erdete er ihn. Auch jetzt nahm er ihm den Druck von der Brust und hüllte ihn sanft ein.

„Sinnlos? Was willst du damit sagen? Gibst du auf? Hey, Stopp! Aufgeben ist eindeutig keine Option.“ Marek stürzte neben ihn und umfasste seinen Arm fest. Seine Hand quetschte seinen Oberarm ein und schnitt scharf in sein Fleisch.

„Wer hat hier irgendwas von Aufgeben gesagt? Ich sehe nur ein, dass wir mit dem Anstarren der Bilder nicht weiterkommen. Wir sind am Ende unseres Lateins und brauchen eine neue Sichtweise.“ Er schüttelte den harten Griff ab und trat einen Schritt von Marek weg. Ihre Blicke trafen sich und Mareks Verwirrung irritierte Adrian für den Bruchteil einer Sekunde. „Wir sollten zu den Vampiren gehen. Ihr analytisches Denken könnte uns helfen, neue Hinweise zu entdecken.“

Mareks Knurren erfüllte den Raum. „Warum nur zu den Vampiren? Wir können genauso gut die Werwölfe fragen!“

„Wenn uns die Vampire nicht weiterhelfen. Ja. Ich habe die Werwölfe nie ausgeschlossen.“ Adrian massierte sich die Nasenwurzel und schluckte die weiteren bösen Wörter herunter. Diese Diskussion führte zu nichts. Hatte es noch nie und wird es auch nie. Er wünschte sich nur, dass Marek endlich seinen Frieden damit schloss.

„Gut“, brummte der dunkle Werir vor ihm. Die lange, schwarze Mähne fiel über seine Schultern, die in einem weißen Tanktop steckten, das seine gebräunte Haut perfekt betonte. Er war das komplette Gegenteil von Adrian, der schmal und bleich war.

„Dann ist das endlich geklärt? Wir gehen zu Azraels Sitz?“ Das angewiderte Zucken von Mareks Lippen ignorierte Adrian. Er wandte sich lieber dem langen Mantel zu, der neben der Tür der Detektei hing, und warf ihm Marek zu. „Zieh ihn lieber an. Wer weiß, wie lange wir unterwegs sind.“

Marek fing ihn auf und warf ihn sich um die Schultern. „Du schuldest mir danach ein Bier oder am besten einen Tag in der Therme, damit ich mir diesen widerlichen Gestank abwaschen kann.“

„Mit mir hältst du es auch aus.“ Adrian schmunzelte und hielt seinem Freund die Tür auf. Dieser lief mit erhobenem Haupt durch sie hindurch und würdigte Adrian nur einen Seitenblick.

„Du bist kein vollwertiger Vampir. Du riechst zwar nach Tod, aber ... man kann es ertragen.“ Er schnaubte und entlockte Adrian ein Lachen.

„Als wäre der Gestank nach nassem Hund besser.“

„Viel besser. So viel besser.“

Adrian ließ die Diskussion fallen, als er das Zittern in Mareks Worten bemerkte und lief nur neben ihm den schmalen Gang entlang, der sie von ihrem Büro wegführte. Hinein in eine Stadt, deren Schatten Schrecken beherbergten, die die Welt schon längst vergessen hatte ...

~*~

Wem vertraut ihr mehr – Adrian oder Marek? Was steckt hinter den verschwundenen Mischlingen? War der Schritt zu den Vampiren richtig?

Danke fürs Lesen und willkommen in der Dunkelheit. 🖤

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