Gefangen vom Drachenkönig

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Zusammenfassung

Alina wurde dazu erzogen, eine perfekte Prinzessin zu sein. Zu gehorchen. Zu dienen. Zu heiraten, wen man ihr vorschrieb. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Am Vorabend ihrer arrangierten Zukunft ändert ein einziger Moment alles. Ein Schrei. Ein Schatten am Himmel. Ein Paar Augen, das auf dem Schlachtfeld ihr Blick begegnet und sie nicht mehr loslässt. Der Drachenkönig. Kael hat stets mit Kontrolle, Distanz und absoluter Macht geherrscht. Menschen bedeuten ihm nichts. Sie sind schwach, zerbrechlich und unter seiner Würde. Bis er sie traf. Bis das Band entstand. Nun fordert jeder seiner Instinkte nur eines. Nähe. Doch den Vertrag zu brechen bedeutet Krieg, und sie zu beanspruchen könnte sie beide vernichten.

Genre:
Fantasy
Autor:
KatelynWall
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
43
Rating
5.0 3 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

✨ Prolog — Der Vertrag des Feuers

📖 Taken by the Dragon King

✨ Prolog — Der Vertrag des Feuers

Der Krieg endete in Asche.

Nicht mit einem Sieg oder Frieden, sondern mit Stille. Es war jene Stille, die nach einer Zerstörung eintritt, die zu groß ist, um sie in Worte zu fassen. Sie hing noch lange nach dem Erlöschen der Flammen über dem Land, verwoben mit dem Boden, getragen vom Wind. Wälder, einst voller Leben, standen schwarz und hohl da. Ihre Stämme waren zu verkohlten Spitzen geworden, die in einen Himmel ragten, der schon zu viel gesehen hatte. Steinerne Städte lagen in Trümmern. Ihre Mauern waren durch Hitze und Gewalt geborsten, die von keinem Menschenhand stammen konnte. Selbst Jahrzehnte später gab es Orte, an denen nichts mehr wuchs. Es schien, als würde die Erde selbst sich daran erinnern, was ihr angetan worden war.

Es gab Felder, auf denen der Boden unter der Oberfläche noch immer schwelte. Ein unvorsichtiger Schritt konnte dort einen Hauch von Hitze freisetzen. Flüsse hatten ihre Läufe verändert, abgelenkt durch die Zerstörung, und gruben sich neue Wege durch das gebrochene Land. Ganze Dörfer waren so vollständig verschwunden, dass nur ihre Namen blieben. Man sprach sie nur mit leiser Stimme aus, als Warnung statt als Erinnerung. Kindern wurde beigebracht, sich nicht zu weit von der Sicherheit der wiederaufgebauten Straßen zu entfernen. Nicht wegen Bestien oder Banditen, sondern weil man dem Land selbst nicht mehr trauen konnte.

Die Menschen erzählten die Geschichte auf eine Weise.

Die Drachen erzählten sie auf eine andere.

An den menschlichen Höfen erinnerte man sich an den Krieg als einen Kampf ums Überleben. Es war ein verzweifelter Widerstand gegen Kreaturen, die zu mächtig für Vernunft und zu zerstörerisch für ein friedliches Zusammenleben waren. Gemälde zeigten riesige geflügelte Schatten, die vom Himmel herabstiegen. Feuer regnete auf hilflose Städte herab und hinterließ nichts als Ruinen. Man schrieb Lieder über Tapferkeit und Aufopferung, über Könige, die standhaft blieben, und Armeen, die gegen eine unmögliche Übermacht kämpften.

Bei den Drachen war die Erzählung kühler.

Sie sprachen von Provokation und Übergriffen. Sie sprachen von Menschen, die zu weit in Gebiete vorgedrungen waren, die ihnen nicht gehörten. Sie erinnerten sich an gebrochene Abmachungen, gestohlene Relikte und ein langsames Bröckeln von Grenzen, die einst geachtet worden waren. Für sie hatte der Krieg nicht mit einem einzigen Moment des Feuers begonnen, sondern mit einem langen, stetigen Zerfall des Vertrauens.

Die Wahrheit lag, wie so oft, irgendwo dazwischen.

Doch in einem Punkt waren sich beide Seiten stets einig: Der Krieg hatte sie beinahe alle vernichtet.

Also wurde eine Trennung geschaffen. Es war keine Trennung durch Mauern oder bewachte Tore, sondern etwas weitaus Dauerhafteres. Sie war aus Angst geboren, durch Gesetze gestärkt und mit einer Magie gebunden, die so alt war, dass keine Seite sie vollständig verstand. Von den zerklüfteten Gipfeln des Nordens bis zu den schattigen Wäldern des Südens hielt die Grenze stand. Es hieß, wer sich ihr näherte, könne den Wandel spüren, noch bevor er ihn sah. Es war eine subtile Veränderung in der Luft, ein Druck, der sich wie eine Warnung auf die Haut legte.

Die Menschen blieben in ihren Königreichen und bauten auf, was verloren gegangen war. Stein für Stein errichteten sie ihre Städte neu, wenn auch nie mehr so prächtig wie einst. Die Drachen kehrten in die Länder zurück, die ihnen seit jeher gehört hatten. Sie zogen sich in Berge und verborgene Täler zurück, und ihre Anwesenheit war eher zu spüren, als dass man sie sah. Manchmal konnte man ihre Schatten aus der Ferne am Himmel sehen – riesig und flüchtig – als Erinnerung daran, dass sie nicht vollständig verschwunden waren.

Keine Seite überschritt die Grenze.

Keine Seite mischte sich ein.

Und vor allem: Es sollte keine Bindungen mehr geben.

Lange vor dem Krieg hatte es Geschichten gegeben. Man sprach leise über sie und gab sie von einer Generation an die nächste weiter, wie etwas Heiliges und Gefährliches. Es waren Erzählungen von einer Verbindung zwischen Drache und Mensch, die über ein Bündnis oder Macht hinausging. Etwas, das tiefer war als Loyalität oder Kontrolle. Ein Band aus Feuer und Seele, von dem es hieß, es sei vorherbestimmt, unzerbrechlich und unmöglich zu ignorieren.

Schon damals war es selten gewesen.

Wenn es geschah, änderte es alles.

Es gab Berichte von Menschen, die im Drachenfeuer unverbrannt blieben, und von Drachen, die sich vor keinem König beugten, aber vor einer einzigen Person in die Knie gingen. Manche Geschichten erzählten von geteilter Stärke, von Macht, die sich vereinte. Andere erzählten von Ruinen, von Ungleichgewicht und von Bindungen, die mehr verzehrten, als sie gaben.

Keine zwei Geschichten stimmten überein.

Aber alle endeten gleich.

In Feuer.

Das war schon vor dem Krieg gefürchtet worden.

Was folgte, machte aus dieser Angst ein Gesetz.

Manche behaupteten, diese Bindungen seien verdorben gewesen und hätten den Krieg erst ausgelöst, indem sie Feinde auf eine Weise verbanden, die keine Seite kontrollieren konnte. Andere glaubten, die Bindungen seien zum Sündenbock gemacht worden, um eine Zerstörung zu erklären, die weitaus komplexere Ursachen hatte. Die Wahrheit war unter Asche und Zeit begraben. Vielleicht spielte sie keine Rolle mehr.

Was zählte, war das, was blieb.

Als die Flammen erloschen waren, waren sich beide Seiten in einer Sache einig: Was auch immer diese Bindungen einst gewesen waren, sie durften nie wieder zugelassen werden.

Um den fragilen Frieden zu bewahren, wurde der Vertrag des Feuers geschmiedet.

Die Zeremonie war präzise und in ihrer Struktur unnachgiebig. Alle zwanzig Jahre trafen sich die beiden Welten unter strenger Beobachtung und fester Tradition an der Grenze. Ein neutraler Boden wurde gewählt, immer in Sichtweite der Grenze, aber niemals dahinter. Dort, unter offenem Himmel, fand der Austausch statt.

Die Menschen brachten Tribut. Keine einfachen Gaben, sondern Schätze, die mit Bedacht gewählt wurden. Jedes Stück sollte sowohl den Respekt als auch die Unterwerfung unter die Friedensbedingungen symbolisieren. Alte Relikte, seltene Metalle, Artefakte, die mit alter Magie erfüllt waren – Dinge, die man nicht einfach ersetzen konnte. Der Preis sollte spürbar sein.

Die Drachen kamen in Stille.

Sie verbeugten sich nicht.

Sie knieten nicht.

Sie nahmen an.

Und mit dieser Annahme wurde der Vertrag erneuert.

Kein Überschreiten. Kein Einmischen. Keine Bindungen.

Es gab keine gemeinsame Feier, keine Feste oder ausgetauschten Worte. In den menschlichen Königreichen wurde jedoch ein kleiner, sorgfältig geplanter Ball zu Ehren der Erneuerung abgehalten. Es war eher Tradition als Freude, eine leise Rückversicherung, dass der Frieden – so zerbrechlich er auch war – noch bestand.

Sobald der Tribut entgegengenommen wurde, kehrten die Drachen in ihre Lüfte zurück und die Menschen zogen sich in ihre Länder zurück. Die Distanz zwischen ihnen blieb so groß wie eh und je, bewahrt nicht durch Vertrauen, sondern durch die Erinnerung an das, was zuvor geschehen war.

Zwei Jahrhunderte lang hatte das Gleichgewicht gehalten. Es war unbehaglich und unvollkommen, aber ungebrochen. Generationen waren im Schatten dieses Friedens aufgewachsen, aufgewachsen mit Geschichten über Zerstörung und Überleben, über das, was verloren gegangen war und niemals wieder riskiert werden durfte. Die Grenze war zur Gewissheit geworden – etwas so Natürliches und Unhinterfragbares wie der Aufgang der Sonne.

Doch selbst Gewissheit kann erodieren.

Es gab Flüstern, erst leise, dann lauter in den Räumen, in denen Angst auf Neugier trifft. Geschichten über seltsame Vorkommnisse nahe der Grenze. Von Reisenden, die behaupteten, etwas zu spüren, das sie von jenseits der Grenze beobachtete. Von Hitze in der Luft, wo keine sein sollte. Die meisten taten es als Einbildung ab, als bleibende Echos einer Vergangenheit, die sich weigerte, vollständig zu verblassen.

Dennoch blieben die Geschichten bestehen.

Und irgendwo, tief unter den Schichten von Gesetz und Erinnerung, regte sich etwas Älteres.

Denn das Schicksal hatte sich noch nie von Gesetzen regieren lassen.

Und einige Bindungen waren, egal wie tief sie auch begraben lagen, niemals wirklich verschwunden.