Prolog
Prolog
Das Feuer war bereits am Erlöschen, als ihr klar wurde, dass sie nicht allein war.
Zuerst war es nicht offensichtlich. Die Hütte schien die Stille festzuhalten und so weit zu dehnen, dass jedes Knarren wie eingebildet wirkte. Lynn stand direkt hinter der Tür. An den Rändern ihres Mantels klebte noch Schnee. Ihr Atem ging flach und ungleichmäßig, während er in die kalte Luft stieg. Draußen heulte der Sturm ungeduldig, als wäre er beleidigt über ihre kurze Flucht.
Das Feuer hätte stärker brennen sollen.
Das war der erste Gedanke.
Jemand war erst vor Kurzem hier gewesen – nah genug, dass die Glut unter der Asche noch schwach leuchtete, eigensinnig und lebendig. Nicht verlassen. Nicht vergessen.
Gepflegt.
Ihre Finger krallten sich um den Riemen ihrer Tasche, und das Zögern fesselte sie an den Boden. Jeder Instinkt sagte ihr, dass sie gehen sollte – zurück in den Sturm, um der Gefahr zu vertrauen, die sie kannte, anstatt derjenigen, die ihr fremd war.
Doch der Wind drückte heftig gegen die Tür hinter ihr und ließ sie wie eine Warnung im Rahmen klappern.
Oder wie ein Stoß.
„Lass es.“
Die Stimme kam aus dem Schatten.
Tief. Beherrscht. Nicht laut – aber scharf genug, um ihre Gedanken glatt zu durchtrennen.
Lynn erstarrte.
Er trat langsam vor, gerade so weit, dass das Feuerlicht die Kante seines Gesichts beleuchtete. Er wirkte nicht bedrohlich im offensichtlichen Sinne – keine erhobenen Hände, keine plötzlichen Bewegungen –, aber er hatte eine bestimmte Art an sich. Still. Abwägend. Als hätte er bereits etwas über sie entschieden.
Cole Parker.
Obwohl sie seinen Namen noch nicht kannte, spürte sie ihn in der Luft zwischen ihnen – dieses Gewicht eines Mannes, der gelernt hatte, immer mit dem Schlimmsten zu rechnen.
„Der Sturm wird dich in Minuten begraben“, sagte er mit gleichmäßiger, fast distanzierter Stimme. „Du schaffst keine zehn Schritte.“
Keine Sorge. Keine Freundlichkeit.
Nur eine Tatsache.
Lynn schluckte und zwang ihre Stimme zur Ruhe. „Ich hatte nicht vor zu bleiben.“
Ein kurzes Aufflackern huschte über seinen Gesichtsausdruck – flüchtig, nicht zu deuten. Nicht ganz Unglaube. Nicht ganz Belustigung.
„Dann planst du falsch.“
Das Feuer knackte leise zwischen ihnen, ein zerbrechliches, eigensinniges Geräusch.
Keiner von beiden bewegte sich näher.
Keiner von beiden ging.
Draußen drückte der Sturm stärker gegen die Wände der Hütte und schloss sie mit einer stillen, unvermeidlichen Endgültigkeit ein.
Und irgendwo unter der Spannung – tief vergraben, fast unerkennbar – lag der leise Anklang von etwas anderem.
Nicht Vertrauen.
Noch nicht.
Aber der Anfang von etwas, das keiner von beiden hatte finden wollen.
Oder überleben.