Prolog
Verhängnisvolle Begegnung
Dieser Sturm riss mich in einen Strudel der Zeit und als Archäologin war das wahnsinnig faszinierend. Hätte ich gewusst, was passieren würde, als ich mal wieder zu lange in meinem Büro im Museum gearbeitet hatte und mich dann dieser unsägliche Sturm überrascht hatte, dann – ja dann! - ich hätte es immer wieder so gemacht.
Prolog
Lavenia
Ich stehe am Fenster und schaue in die stürmische Nacht hinaus. Ein feines lächeln um meine Lippen.
So hat alles begonnen.
Ein Sturm wie dieser, brachte mich zu ihm.
Ein Sturm wie dieser, zog mich tiefer in eine andere Welt.
In einem Sturm wie diesem entstand eine magische Anziehung, die nun schon ein ganzes Jahrhundert währt.
Nicht ein Tag war dabei, indem ich es jemals bereut hätte.
Früher habe ich mich buchstäblich durch die Vergangenheit gewühlt und akribisch alles Aufgezeichnet, was ich gefunden hatte und die Ergebnisse sorgfältig festgehalten.
Einige Erkenntnisse die daraus resultierten musste ich jedoch, mit seinem eintreten in mein Leben, revidieren.
Wie falsch ich manchmal lag, musste ich akzeptieren.
Für meinen Beruf waren Zeitzeugen nichts, auf das man zurückgreifen konnte...normalerweise...
Ich jedoch hatte das Glück, das ich es jetzt konnte.
Heute arbeite ich andersherum.
Ich schreibe alltägliche Dinge und Abläufe auf, damit die Nachwelt nicht erst Interpretieren muss, warum man welche Dinge und wie tat.
Innerlich musste ich lachen, denn ich würde gerne dabei sein, wenn jemand meine Memoiren fand und sich sicherlich fragen musste, warum jemand etwas so banales aufschrieb, wie die Benutzung eines Dosenöffners, mit detaillierten Zeichnungen zu eben jenem Gerät. Oder den wandel des Gerätes in den Zeitepochen, seid es Konservendosen gab und warum ein solches Gerät hinfällig wurde.
Ja das wäre sicherlich ein Spaß, das Gesicht dabei zu beobachten.
In der Spiegelung des Fensterglases, sah ich ihn, wie er mich liebevoll anlächelte, in einer kleinen Pause, die er sich von der Arbeit gönnte.
Ich lächelte zurück.
Wenn ich nicht so ein feines Gehör hätte, dann hätte ich ihn über den tosenden Sturm nicht gehört, aber so drangen seine Worte durch meine Ohren direkt in mein sehr langsam schlagendes Herz.
„Mein Herz.“ Die Worte waren schlicht, aber sie drückten alles aus, was er mir damit sagen konnte und ich antwortete mit: „Meine Seele.“
Er widmete sich lächelnd wieder seiner Aufgabe und ich hing weiter meinen Gedanken nach.
Morgen würden wir wieder alles zurück lassen müssen. Das erste Mal war für mich die Hölle gewesen. Alle zurückzulassen, die mir am Herzen lagen. Ich seufzte leise.
Es ist eine Kunst für sich die Menschen, mit denen man in Kontakt treten musste, nicht zu nah an sich heran zu lassen, damit sie keine Spuren auf dem eigenen Herzen hinterließen.
Immer wieder irgendwohin gehen, wo einen niemand kannte.
Immer wieder sich neu erfinden.
Mein Liebster hatte darin schon sehr viel Erfahrung und es war gut, das er diesen Part übernahm.
Ich musste mich nur darauf konzentrieren, das ich in der Öffentlichkeit versehentlich nicht auf meinen aktuellen Namen reagierte.
Was schwieriger ist, als man vielleicht denken mag. Grade am Anfang einer neuen Identität.
Ich setzte mich wieder an meinen Schreibtisch und ging meinen neuen Hintergrund noch ein mal durch, damit er auch wirklich sitzt, wenn ich ihn brauche.
Torsten
Draußen rauscht ein Unwetter über die Stadt, wie jenes, das mir meine Liebste gebracht hatte.
Versonnen sah ich zu ihr und streichelte die Katze, die auf meinem Schoß lag.
Spürte, wie ihre Babys sich in ihrem Bauch bewegten.
Nie hätte ich gedacht, das ich mal Katzen haben würde.
Meine Liebste züchtete sie, weil sie nicht auf ihre kleine Pelzfluse verzichten wollte. Seid dem hatten wir jede Menge Katzen, zumindest einstweilen, bis sie, sie verkaufte und von jedem Wurf behielt sie ein Kitten.
Das ließ mich lächeln.
Sie war in vielerlei Hinsicht noch so menschlich geblieben.
Das liebte ich an ihr.
Mein süßes, kleines Menschlein – ich nannte sie immer noch so, obwohl es nicht mehr stimmte - hatte mir wieder vieles gezeigt, was ich vergessen hatte.
Humor zum Beispiel.
Ich war viel zu ernst.
Ich betrachtete die Katze auf meinem Schoß, die träge gähnte und sich rekelte.
Mit dieser Katze hatte – nein nicht mit dieser, aber mit dem Vorfahr dieser Katze – hatte sie mich ganz schön hoch genommen...
Meine kleine Archäologin hatte schon alles zusammengepackt, damit es von einer Spedition abgeholt werden konnte und nur unsere Taschen waren es, die wir morgen mitnehmen würden.
Diese besondere Fellfluse würde mit uns reisen. Die anderen mussten sich gedulden und würden in die treuen Hände eines Katzensitters übergeben werden. Aber diese hier war hoch trächtig und mein Herz wollte sie nicht aus den Augen lassen.
Sie sah mich in der Spiegelung des Fensters und lächelte.
„Mein Herz.“ flüsterte ich und wusste, das sie es dennoch hören würde.
„Meine Seele.“ antwortete sie ebenso leise, bevor ich mich wieder meiner Aufgabe widmete und unsere Neuen Ausweise herstellte.