Unter seinem Schutz

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Zusammenfassung

Als Sophie mitten in der Nacht mit blutiger Lippe, Tränen in den Augen und gebrochenem Herzen vor der Tür ihres Bruders steht, bleibt ihr nur ein Wunsch: endlich nicht mehr allein zu sein. Tyler nimmt sie ohne Fragen bei sich auf. Doch was Sophie nicht erwartet hat, ist Valentin. Tyler’s bester Freund. Gefährlich ruhig. Dominant. Beschützend. Und absolut tabu. Während Sophie versucht, den Schatten ihrer toxischen Vergangenheit zu entkommen, wird ausgerechnet Valentin zu ihrem sichersten Ort. Mit jeder Berührung, jedem Blick und jeder unausgesprochenen Grenze wächst zwischen ihnen etwas, das niemals hätte entstehen dürfen. Denn Valentin weiß: Sie ist die Schwester seines besten Freundes. Und Sophie weiß: Ein Mann wie er könnte sie retten… …oder endgültig zerstören. Zwischen Angst, Heilung und verbotener Nähe beginnt ein Kampf gegen Gefühle, die stärker sind als jede Regel. Doch manche Wege zurück führen direkt dorthin, wo das Herz am gefährlichsten schlägt.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
5
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Der Weg zurück

Die Nacht war still.

Zu still.

Sophie wusste nicht mehr, wie lange sie schon unterwegs war.

Nicht wie viele Straßen sie passiert hatte. Nicht, wie oft sie mit zitternden Händen die Tränen aus dem Gesicht gewischt hatte, nur damit neue folgten.

Alles tat weh.

Ihre Lippe brannte. Ihr Handgelenk pochte. Ihr Herz fühlte sich an, als würde es jeden Moment endgültig auseinanderbrechen.

Vor Tyler's Haustür blieb sie stehen. Das warme Licht hinter den Fenstern wirkte fremd. Fast unwirklich. Wie ein Leben, dass nicht mehr ihres war.

Lange war sie nicht mehr bei ihrem Bruder. Für einen Moment schaffte sie es nicht, zu klingeln. Denn sobald Tyler die Tür öffnete, würde alles real werden.

Mit bebenden Fingern hob sie schließlich die Hand und drückte.

Einmal. Kurz darauf noch einmal.

Durch die Tür waren Männerstimmen zuhören und lautes lachen.

Dann öffnete sich die Tür. Für einen kurzen Moment war es ruhig.

Ihr Bruder stand wie angewurzelt in der Tür und blinzelte mehrfach, als würde er nicht glauben, wen er da gerade sieht.

"Sophie?"

Seine Stimme veränderte sich sofort.

Von entspannt zu alarmiert.

„Scheiße…“

Sein Blick fiel auf ihre aufgeplatzte Lippe.

Die Tränen. Die roten Spuren an ihrem Hals.

„Was zur Hölle ist passiert?“

Sophie konnte nicht antworten. Weil sie, sobald sie ihn sah, einfach zerbrach.

„Ty…“

Mehr kam nicht. Nur ein leises, gebrochenes Schluchzen, bevor ihr Bruder sie sofort in seine Arme zog.

„Hey. Hey… du bist hier. Alles gut. Ich hab dich.“

Doch nichts war gut. Hinter Tyler wurde es still. Unnatürlich still.

Und dann spürte Sophie ihn.

Valentin.

Tyler’s bester Freund trat langsam näher.

Groß. Ruhig. Gefährlich kontrolliert. Sein Blick glitt über ihr Gesicht — die Verletzungen, die Tränen, die Angst.

Und etwas Dunkles flackerte in seinen Augen auf.

Nicht Mitleid. Wut. Kalte, tödliche Wut.

„Wer war das?“

Seine Stimme war ruhig.

Zu ruhig.

Sophie sah nicht einmal richtig zu ihm auf.

Schüttelte nur schwach den Kopf.

„Bitte… ich will einfach nicht allein sein.“

Tyler zog sie sofort hinein.

„Dann bist du das auch nicht.“

Valentin schloss wortlos die Tür hinter ihr. Das leise Klicken hallte durch den Raum. Fast wie ein Versprechen. Oder ein Urteil.

Tyler führte Sophie zur Couch, während Valentin in der Küche stand, die Hände zu Fäusten geballt, der Kiefer angespannt.

Tyler kniete sich vor sie.

„Sophie.“

Sie zitterte.

„Ich kann heute nicht darüber reden… bitte.“

Tyler presste die Lippen zusammen, rang sichtbar mit seiner Wut.

„Okay.“

Ein Wort.

Aber voller Gewalt, die nur mühsam unter Kontrolle blieb.

Valentin stellte wortlos ein Glas Wasser vor sie.

Seine Finger streiften ihre leicht, als sie es nahm.

Kurz.

Aber genug.

„Du bist hier sicher.“

Wieder dieser Ton.

Ruhig. Bestimmend. Unerschütterlich.

Und zum ersten Mal in dieser Nacht…

glaubte Sophie es.



Spät in der Nacht war Sophie schließlich auf dem Sofa eingeschlafen.

Erschöpft.

Leer.

Angelehnt an Tyler, der sich neben sie gesetzt hatte, damit sie nicht allein sein musste.

Sein Arm lag schützend um ihre Schultern, während ihr Atem inzwischen ruhiger ging.

Auf der anderen Seite des Sofas saß Valentin im Sessel.

Regungslos.

Die Ellbogen auf die Knie gestützt, den Blick irgendwo ins Leere gerichtet, als würde er versuchen, seine Gedanken nicht in etwas Gefährliches verwandeln zu lassen.

Die Stille im Raum war schwer.

„Valentin?“

Tyler’s Stimme war ruhig, gedämpft, um Sophie nicht zu wecken.

Keine Reaktion.

Nicht einmal ein Blinzeln.

„Valentin.“

Wieder nichts.

Tyler seufzte leise.

Da er sich nicht bewegen konnte, ohne Sophie von seiner Schulter rutschen zu lassen, griff er nach einem der Sofakissen und warf es quer durch den Raum.

Das Kissen traf Valentin seitlich am Arm.

„He— was zum…?“

Valentin hob endlich den Blick.

„Ich brauch ’ne Decke für die Kleine.“

Für einen Moment sagte Valentin nichts.

Sein Blick glitt zu Sophie.

Zu ihrem verweinten Gesicht.

Der verletzten Lippe.

Der Erschöpfung, die selbst im Schlaf noch sichtbar war.

Sein Kiefer spannte sich hart an.

Wortlos stand er auf.

Er verschwand im Schlafzimmer, kam kurze Zeit später mit einer Decke und einem zusätzlichen Kissen zurück.

Vorsichtig, beinahe überraschend sanft, legte er das Kissen unter Sophies Kopf und breitete die Decke über ihr aus.

Seine Finger zögerten einen winzigen Moment an ihrer Schulter.

Fast so, als müsste er sich beherrschen.

Dann richtete er sich wieder auf.

„Danke“, murmelte Tyler.

Valentin antwortete nicht sofort.

Sein Blick blieb auf Sophie liegen.

Dunkel. Nachdenklich. Gefährlich ruhig.

„Wer auch immer das war…“

Seine Stimme war kaum mehr als ein leises, kontrolliertes Raunen.

„…der wird bereuen, dass er sie angefasst hat.“

Tyler schwieg.

Weil er wusste: Valentin machte keine leeren Versprechen.

Die Wohnung wurde wieder still.

Nur das leise Ticken der Wanduhr und Sophies ruhiger Atem erfüllten den Raum.

Tyler strich seiner Schwester vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ich bring ihn um“, murmelte er so leise, dass es fast mehr Gedanke als Worte war.

Valentin lehnte sich gegen die Wand.

Die Arme vor der Brust verschränkt.

„Nur, wenn ich nicht zuerst dort bin.“

Tyler hob den Blick.

Für einen Moment trafen sich ihre Augen.

Und Tyler wusste sofort: Valentin meinte es ernst.

Nicht übertrieben.

Nicht aus Wut gesprochen.

Sondern mit einer Ruhe, die fast bedrohlicher war.

„Sie sagt nichts“, meinte Tyler angespannt.

„Noch nicht“, korrigierte Valentin.

Tyler fuhr sich erschöpft durchs Gesicht.

„Verdammt… ich hätte merken müssen, dass etwas nicht stimmt.“

„Mach dir keinen Scheiß deswegen.“

„Sie ist meine Schwester.“

„Eben.“

Valentin’s Stimme blieb ruhig.

„Und genau deshalb ist sie jetzt hier.“

Tyler schwieg.

Weil er wusste, dass Valentin recht hatte.

Sophie war hier.

In Sicherheit.

Zumindest vorerst.

Valentin ließ den Blick erneut über sie gleiten.

Die verletzte Lippe.

Die leichten Blutergüsse.

Die Art, wie sie selbst im Schlaf manchmal zusammenzuckte.

Etwas Dunkles zog sich in seiner Brust zusammen.

Er hatte Sophie immer gekannt.

Als Tyler’s kleine Schwester.

Als das Mädchen, das früher zu laut lachte.

Zu stur war.

Zu lebendig.

Doch die Frau, die heute Nacht vor dieser Tür gestanden hatte…

…sah aus, als hätte jemand versucht, genau dieses Licht aus ihr herauszubrechen.

Und dieser Gedanke machte ihn gefährlich.

„Ich bleib heute Nacht hier.“

Tyler runzelte die Stirn.

„Val—“

„Diskutier nicht.“

Der Tonfall ließ keinen Raum.

Tyler musterte ihn kurz, nickte dann langsam.

Denn tief in sich wusste er: Wenn jemand heute zwischen Sophie und die Hölle treten konnte…

…dann Valentin.


Irgendwann, Stunden später, begann Sophie unruhig zu werden.

Ein leises Wimmern.

Ihr Atem stockte.

„Nein…“

Tyler richtete sich sofort auf.

Doch bevor er reagieren konnte, war Valentin bereits da.

Er kniete sich vor sie.

„Sophie.“

Seine Stimme war tief. Ruhig. Kontrolliert.

„Hey. Wach auf.“

Ihre Augen öffneten sich panisch.

Atemlos. Verwirrt.

Und ohne nachzudenken, griff sie nach dem erstbesten Halt—

Nach ihm.

Ihre Finger krallten sich in sein Shirt.

Valentin erstarrte.

Für den Bruchteil einer Sekunde.

Dann legte sich seine Hand ruhig an ihren Hinterkopf.

„Du bist sicher.“

Zwei Worte.

Fest. Bestimmend.

Und Sophie glaubte ihm.

Sophie brauchte einige Sekunden, um zu begreifen, wo sie war.

Nicht dort.

Nicht in dieser Wohnung.

Nicht in seinen Händen.

Ihr Atem ging stoßweise.

Doch unter ihren Fingern spürte sie festen Stoff. Wärme. Stabilität.

Valentin.

Seine Hand lag ruhig an ihrem Hinterkopf, nicht drängend, nicht besitzergreifend — nur da.

Wie ein Anker.

„Atme.“

Seine Stimme war tief.

Ruhig.

Keine Hektik. Keine Panik.

Nur Kontrolle.

Sophie zwang sich, Luft zu holen.

Einmal.

Dann nochmal.

Langsam kehrte ihr Herzschlag aus dem Chaos zurück.

„Gut so“, murmelte Valentin.

Erst jetzt bemerkte Tyler, wie fest Sophie sich an Valentin klammerte.

Und erstaunlicherweise… störte es keinen von beiden.

„Alles okay“, sagte Tyler leise.

Sophie nickte schwach.

Auch wenn nichts okay war.

Valentin zog seine Hand erst zurück, als er sicher war, dass sie nicht wieder auseinanderbrach.

„Albtraum?“

Sophie schluckte.

Ein kaum sichtbares Nicken.

Mehr brauchte es nicht.

Valentin verstand genug.

Sein Blick wurde dunkler.

Nicht wegen ihr.

Wegen der Person, die dafür verantwortlich war.

Tyler stand auf, um Wasser zu holen.

Für wenige Sekunden waren Sophie und Valentin allein.

Sie sah zu ihm auf.

Zum ersten Mal richtig.

Nicht nur Tyler’s besten Freund.

Sondern den Mann, der gerade wie eine verdammte Mauer zwischen ihr und ihren Ängsten stand.

„Danke“, flüsterte sie heiser.

Valentin hielt ihren Blick.

Zu lange.

Zu intensiv.

„Du musst mir nicht danken.“

Seine Stimme war gefährlich sanft.

„Nicht dafür.“

Sophie spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog.

Nicht Angst.

Etwas anderes.

Etwas, das sie gerade absolut nicht brauchen konnte.

„Hier.“

Tyler reichte ihr das Wasser.

„Morgen reden wir, okay? Nicht heute.“

Sophie nickte.

Dankbar.

Als Tyler das Licht dimmte und sich wieder neben sie setzte, blieb Valentin wach.

Die ganze Nacht.

Wie ein stiller Wächter.

Und während Sophie langsam wieder die Augen schloss, spürte sie seinen Blick.

Nicht aufdringlich. Nicht fordernd. Sondern beschützend. Gefährlich beschützend.

„Warte.“

Valentin’s Stimme stoppte sie, noch bevor Tyler antworten konnte.

Sophie hob leicht den Blick.

Valentin war bereits verschwunden, nur um wenige Sekunden später mit einem kleinen Erste-Hilfe-Kasten zurückzukehren.

Tyler runzelte die Stirn.

„Seit wann hab ich sowas überhaupt?“

„Seit ich letzte Woche deinen besoffenen Arm verarzten musste.“

Zum ersten Mal huschte trotz allem ein schwacher Anflug von Wärme durch die schwere Stimmung. Fast ein Hauch von Normalität.

Valentin kniete sich vor Sophie.

„Lass mich sehen.“

Sophie zögerte. Nicht aus Angst vor ihm. Sondern weil jede sanfte Geste sich gerade gefährlich anfühlte.

„Sophie.“

Wieder dieser Ton. Ruhig. Bestimmend. Keine Diskussion. Langsam hob sie ihr Gesicht. Valentin griff vorsichtig nach ihrem Kinn. Seine Finger waren warm. Fest. Kontrolliert. Und dennoch erstaunlich sanft.

„Das könnte brennen.“

„Schon okay.“

Die Desinfektion war unangenehm, doch Sophie verzog kaum das Gesicht. Vielleicht, weil der Schmerz an ihrer Lippe nichts gegen das Chaos in ihrem Inneren war. Valentin’s Blick blieb konzentriert. Hart. Als würde jede sichtbare Verletzung seine Selbstbeherrschung weiter auf die Probe stellen.

„Hat er das öfter gemacht?“

Die Frage traf härter als das Brennen. Sophies Atem stockte. Tyler spannte sich sofort an.

„Val—“

„Nein“, flüsterte Sophie schnell.

Ob es die Wahrheit war oder nur Schutz, wusste vermutlich niemand. Valentin sagte nichts mehr dazu. Doch die Spannung in seinem Kiefer sprach Bände. Nachdem er fertig war, ließ er seine Hand einen kurzen Moment länger an ihrem Gesicht ruhen. Nur einen Herzschlag. Dann zog er sich zurück.

„Jetzt besser.“

Sophie wusste nicht, was sie mehr verunsicherte.

Die Zärtlichkeit…

…oder die kontrollierte Gewalt, die darunter lauerte.