Chapter 1
Sally
Dies ist meine Geschichte, mein Leben. Die Höhen und Tiefen einer dreißigjährigen Frau. Wenn du mir zuhörst oder besser gesagt: liest, dann kannst du dir vielleicht vorstellen, wie es ist, an meiner Stelle zu sein.
Vielleicht kannst du sehen und fühlen, was in meinem Leben passiert ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als jemanden zu lieben, ihm die Treue zu schwören und diesen Menschen über zehn Jahre lang zu lieben, nur um dann herauszufinden, dass alles eine Lüge war. Zehn Jahre Ehe – alles nur Fassade.
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Ich war auf dem Rückweg von einer Hochzeit, zu der Liz mich eingeladen hatte. Eigentlich wollte ich nicht hingehen, aber nach viel Überzeugungsarbeit von ihr hatte ich mich schließlich für die Feier fertig gemacht.
Ich beschloss, die Gelegenheit zu nutzen, um ein wenig Spaß zu haben. Da ich monatelang viel zu sehr mit der Arbeit beschäftigt war, war das die perfekte Chance, um mal wieder rauszukommen.
Wir kamen an der Kirche an, gerade als die Zeremonie beginnen sollte. Die Hochzeit war nicht prunkvoll, sondern eher schlicht gehalten.
Die Kirche lag am Stadtrand. Vielleicht waren sie ein bescheidenes Paar und wollten keine Show abziehen.
Es waren nicht viele Leute in der Kirche, aber ich hoffte, dass es beim Empfang wenigstens voll werden würde.
Die Zeremonie begann mit dem Einzug des Bräutigams. Ich machte mir nicht die Mühe, mich umzudrehen, um ihn mir anzusehen; er würde sich schließlich vorne hinstellen, und dann hätte ich einen perfekten Blick auf ihn.
Mein Handy gab einen Ton von sich und ich sah nach, welche Nachricht ich erhalten hatte. Sie war von meiner Assistentin; sie hatte endlich die Dokumente geschickt, um die ich sie gebeten hatte.
Ich hörte, wie Liz neben mir scharf die Luft einsog, als der Priester die Braut begrüßte. Ich schaltete mein Handy aus und sah auf. Ich warf einen kurzen Blick auf den Bräutigam, bevor ich mich zur Braut umdrehte.
Während mein Blick auf der Braut ruhte, musste ich unwillkürlich an den Bräutigam denken. Es war seltsam, aber sein Gesicht kam mir bekannt vor.
Mein Blick fiel wieder auf ihn, und mein ganzer Körper erstarrte. Mein System fuhr komplett herunter, als ich den Mann im schwarzen Smoking anstarrte, der breit lächelte, während die Braut den Gang auf ihn zuging.
Ich drehte mich zu Liz um und stieß einen zittrigen Atemzug aus.
Liz sah mich an, den gleichen Schock im Gesicht. Sie holte schnell die Einladungskarte hervor und ging sie noch einmal durch. Ich wartete gar nicht erst, bis sie fertig war; ich riss ihr die Karte aus der Hand und las sie selbst durch.
Dort stand in Druckbuchstaben sein Name … Francisco Ramon.
Ich war Sally Ramon, die rechtmäßige Ehefrau von Francisco Ramon. Ich konnte einfach nicht begreifen, warum der Bräutigam exakt wie mein Ehemann aussah, warum sie denselben Namen trugen und warum zur Hölle er noch einmal heiratete. Die Verwirrung stand mir sicher ins Gesicht geschrieben.
„Sally … ist das nicht dein Mann?“, fragte Liz und zeigte auf ihn. Genau in diesem Moment fielen seine Augen auf uns und wir sahen uns direkt an.
Mir entging nicht der schockierte Ausdruck in seinem Gesicht, aber im nächsten Augenblick war er wieder verschwunden. Er wandte sich von mir ab und blickte zu der Frau im weißen Brautkleid.
Ich spürte, wie sich mein Herz in meiner Brust krampfhaft zusammenzog und meine Augen feucht wurden. „Lass uns hier verschwinden“, hauchte ich und stand auf.
Die Braut ging auf Francisco zu, genau in meine Richtung.
Eigentlich sollte in diesem Moment nur die Braut dort stehen, während ein alter Mann sie zum Altar begleitete, aber hier war alles anders. Als ich an der Frau vorbeigehen wollte, stießen unsere Schultern aneinander. Ich warf ihr einen Blick zu und sah, wie sie mich hämisch angrinste.
Meine Hände zitterten und meine Beine fühlten sich so wackelig an. Ich fühlte mich schwach, so verdammt schwach, dass ich kaum atmen konnte. Mein Ehemann heiratete eine andere Frau und ich war ausgerechnet bei dieser Hochzeit.
Ich wusste, dass Liz sich wegen der Sache schuldig fühlte, aber ich war ihr dankbar. Wenn sie mich nicht gezwungen hätte, hierherzukommen, hätte ich nie herausgefunden, dass mein Mann mich betrogen hat und sogar noch einmal heiratete.
„Ich habe nicht einmal auf den Namen geachtet, mir ist der Name auf der Einladung gar nicht aufgefallen“, erklärte Liz.
Auf der Fahrt zurück zu meinem Haus habe ich nur geweint. Es war zu schwer zu begreifen. Ich hatte gehofft, er wäre vielleicht der Doppelgänger meines Mannes, aber der schockierte und schuldbewusste Blick in seinen Augen belehrte mich eines Besseren.
Ich konnte nicht beschreiben, wie ich mich fühlte. Wie sollte ich meinen Töchtern erklären, dass ihr Vater mich verlassen und uns für immer im Stich lassen würde?
Ich musste nicht lange darüber nachdenken, denn die Scheidung, die ich befürchtete, kam nicht. Stattdessen kam er in dieser Nacht mit der Frau nach Hause.
Ich hätte ihn zur Rede stellen sollen, ich hätte einen Wutanfall bekommen oder wahrscheinlich einen Streit anfangen sollen. Aber ich stand nur da und beobachtete vom Balkon aus, wie er auf unser Anwesen fuhr. Ich war zu schwach, um auch nur richtig zu atmen.
Da verstand ich, warum die Hochzeit so klein gehalten worden war. Er wollte keinen Skandal.
Ich rief noch am selben Abend meinen Vater an. Ich erklärte ihm alles, aber er sagte nur, ein Mann könne so viele Frauen haben, wie er wolle, solange es nicht verboten oder illegal sei.
Typisch!
Was hatte ich natürlich auch erwartet? Mein Vater war Nigerianer, also war es für ihn ganz normal, so viele Ehefrauen wie möglich zu haben. Meine Mutter war eine weiße Frau, aber sie ist vor einem Jahr verstorben.
Meine Mutter hatte Krebs. Der Arzt meinte, sie hätte noch Zeit, aber leider starb sie so plötzlich. Ich hatte den Tod meiner Mutter noch nicht verwunden, und jetzt versetzte mir Cisco einen weiteren Stich ins Herz.
Aufgrund meines gesellschaftlichen Status würde mein Ruf ruiniert sein, wenn herauskäme, dass mein Mann mich hinter meinem Rücken betrogen und eine andere geheiratet hatte.
Aber ich werde nicht aufgeben. Er hat unsere Eheversprechen gebrochen, also werde ich ihn fertigmachen.