Verletzliche Kanten

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Zusammenfassung

April Hayes ist es gewohnt, die sichere Wahl zu sein. John Callahan sieht sie an, als wolle er sie ruinieren. Der mürrische Bauunternehmer besteht nur aus rauen Händen, schlechter Laune und kaum gezügelter Wut – die Art von Mann, die eigentlich ein Warnschild tragen müsste. Doch je tiefer April in sein Leben eintaucht, desto unmöglicher wird es, sich von ihm fernzuhalten. Denn unter all seinen rauen Kanten hungert John nach etwas Echtem. Und April ist vielleicht leichtsinnig genug, um es ihm zu geben.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
39
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

John — Samstagabend, bei mir zu Hause

Als ich diesen verdammten Schuppen gekauft habe – verdammt, als ich dafür geblutet habe, als ich jeden Nagel selbst reingehämmert und mir an den splitternden Balken die Handflächen aufgerissen habe, weil ich dachte, genau das würde Liebe bedeuten –, da war ich dümmer als ein Sack voll Nüsse. Blind vor Liebe. Wie ein unerfahrener Junge, der keine Ahnung hatte, dass Liebe einen Scheiß wert ist, wenn jemand Hunger auf was Neues hat, was Glänzendes, so einen Protein-Shake-saufenden Wichser wie Mateo.

Zehn verdammte Jahre. Zehn Jahre Sägemehl und Glaswolle einatmen, die Zähne an kaputten Rohren und schiefen Scheißwänden ausbeißen, jede Spur von Schweiß, Blut und dem, was von meiner Seele übrig war, in einen Traum stecken, von dem ich dachte, wir würden ihn teilen. Jeden Samstag hämmern, jeden Sonntag schleifen, jeden verdammten Arbeitstag nach Feierabend wie eine Ratte auf dem Dachboden rumkriechen und den Mist neu verkabeln, weil Carol meinte, die Küche bräuchte „mehr Atmosphäre“. Salbeigrüne Wände – die Farbe von zerquetschten, verdammten Kräutern, die kein Mensch benutzt. Eine Frühstücksecke, in der die Sonne jeden Morgen ihren Kaffee „küssen“ konnte. Die freistehende Badewanne, über die sie geweint hat, als wäre es ein verdammter Schrein für verlorene Unschuld.

Und ich? Ich mochte diesen Vorort-Mist nicht mal. Ich mochte die manikürten Rasenflächen nicht oder diese verdammten HOA-Karens, die mein verficktes Gras mit dem Lineal gemessen haben. Aber ich habe die Zähne zusammengebissen, den Zorn runtergeschluckt und gedacht: Das ist es, was ein guter Mann tut. So sieht verfickte Liebe aus.

Und während ich da draußen meine Knöchel aufgeschürft habe und von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck lebte, nur um ihren Traum am Leben zu erhalten, war dieser schleimige Hundesohn Mateo tief in meinem Leben drin. Dieser Wichser, mit seinen Trailrunning-Schuhen und seinem Instagram-Lächeln, hat Carol in dem Bett durchgefickt, das ich gebaut habe. In dem Schlafzimmer, für dessen Trockenbau ich Blut geschwitzt habe.

Ich habe das verdammte Dach repariert, Flicken für Flicken, Dachschindeln verlegt, bis meine Hände unter Handschuhen bluteten, die nach Gummi und Reue stanken. Ich habe jede Wand gestrichen – nicht nur einmal, sondern jedes verdammte Mal, wenn ihre Laune wie eine verdammte Abrissbirne schwankte. „Vielleicht ein helleres Blau, Schatz.“ „Vielleicht versuchen wir mal Eierschalenweiß, Liebling.“ Als könnte der richtige Farbton das Loch füllen, das in ihrer Brust wuchs – und in meiner.

Ich konnte die Farbe immer noch riechen, wenn ich durch diese Flure lief. Ich konnte immer noch die Stellen sehen, an denen ich bis drei Uhr morgens gearbeitet hatte, wie ich Spachtelmasse aufgetragen und leise vor mich hin geflucht habe, während sie tief und fest auf der Matratze schlief, die ich ganz alleine die Treppe hochgeschleppt hatte. Wahrscheinlich hat sie von diesem scheißfressenden Mateo geträumt, der ihr Müll über Berge, Träume und den „Ruf der Wildnis“ direkt ins Ohr flüstert.

Verdammt noch mal. Ich habe sie verdammt geliebt. Und sie hat die Version von mir geliebt, die sie sich in ihrem leeren, verkackten Kopf zusammengebastelt hat. Den Handwerker. Den Geldbeutel. Die feste Hand, die sie halten konnte, wenn das Abenteuer kalt und langweilig wurde.

Und jetzt? Jetzt sehe ich diese Wände – diese verdammten Wände, die mehr über mich wissen als jede lebende Seele – und alles, was ich sehe, ist Verrat, der in jeden Ständer genagelt ist, in jede Diele eingezogen, der durch jeden Riss stumme Anschuldigungen schreit.

Ich habe die Matratze verbrannt.

Ja.

Habe das Miststück direkt im Garten angezündet, als wäre es mir noch Blut und Lohn schuldig. Peter und Graham kamen mitten drin vorbei – mit Bier in der Hand, ohne Fragen zu stellen. Sie standen einfach nur bei mir und sahen zu, wie alles in einer Flamme aus billigem Polyester und gebrochenen Versprechen aufging, ließen mich trinken, fluchen und schreien, bis ich heiser war, während die Nachbarn aus ihren Fenstern glotzten wie die neugierigen Wichser, die sie sind.

War mir egal. Sollen sie doch glotzen.

Sollen sie verdammt noch mal zusehen.

Das Haus hat danach noch eine Woche nach Rauch gestunken. Tut es immer noch manchmal, wenn es regnet. Es zieht in den Trockenbau, in die verdammten Lüftungsschlitze. Ich könnte den ganzen Laden bis auf die Grundmauern abreißen und würde es immer noch riechen – diesen Gestank von etwas Verrottetem, den ich nicht mal mit Gewalt rausschrubben konnte.

Jetzt schlafe ich im Gästezimmer – dieser kalten kleinen Eckbox, die ich früher „Scheißkammer“ genannt habe, vollgestopft mit Trödel und kaputten Möbeln.

Habe eine alte Matratze von Kleinanzeigen für fünfzig Dollar geholt und sie auf den Boden geworfen. Nicht mal die Mühe mit einem Rahmen gemacht. Was soll der verfickte Sinn?

Ich setze garantiert keinen Fuß mehr in dieses Hauptschlafzimmer. Nicht, wenn ich nicht halb betrunken bin, schwankend und lallend, mit geballten Fäusten bei dem Gedanken an das, was hinter dieser Tür auf mich wartet – die Art von brutalem Kampf, den man nur gegen sich selbst verlieren kann. Die Art von Kampf, bei dem man auf den Trockenbau einschlägt, bis die Knöchel aufplatzen, und es trotzdem nicht genug blutet, um die Bilder im Kopf zu ertränken.

Ich kann da verdammt noch mal nicht hinsehen.

Ich kann dieses große Eichenbett nicht ansehen – das Ding, das ich mit meinen eigenen zwei verdammten Händen gebaut habe, drei Nächte lang schleifen, beizen und über Splitter fluchen, als wäre es ein Liebesbrief, in Blut gemeißelt – ohne mir vorzustellen, wie ihr verdammter Kopf gegen das Kopfteil knallt, wie sie sich auf die Lippe beißt, die Augen verdreht und für einen anderen stöhnt, während ich zweitausend verdammte Meilen weit weg in einem Motel 6 war, kalte Tankstellen-Sandwiches gegessen und Verträge gestapelt habe, nur damit ich ihr jeden sinnlosen, verdammten Traum erfüllen konnte, den sie jemals im Schlaf gemurmelt hat.

Ich kann nicht mal einen Blick auf die Schlafzimmertür werfen, ohne dass sich mein Kiefer so fest zusammenbeißt, dass es klingt wie Kies, der im Schädel zermahlen wird. Wenn ich vorbeigehe, ist es, als würden die Wände selbst erzittern und flüstern, als würden sie heiße kleine Atemzüge ihres Verrats ausstoßen. Der Trockenbau biegt sich, die Luft summt davon – die feuchten, klatschenden Geräusche, wie sie von diesem Fitnessstudio-Vollpfosten durchgefickt wird, der nach Sprühbräune und Axe-Bodyspray stank. Flüstern. Lachen. Das tiefe, klebrige Kichern einer Hure, die vergessen hat, wessen verdammter Name auf dem Hypothekenvertrag steht.

Ich habe die Böden geschrubbt, bis meine Knöchel wie überreifes Obst aufgeplatzt sind. Geschrubbt, bis das Wasser die Farbe von Rost hatte, und trotzdem ging der Gestank nicht weg. Immer noch klebte ihr Geist wie Schimmel an den Fugen der verdammten Dielen.

Ich habe jeden Zentimeter Wand überstrichen, den sie jemals berührt hat, habe Grundierung und Farbe so dick wie Melasse aufgetragen, bis meine Arme schlappmachten. Jeden fettigen kleinen Fingerabdruck überdeckt, jeden Schmierfleck ihres Lebens, den ich erreichen konnte, aber das Haus riecht immer noch nach ihr. Fühlt sich immer noch an wie ein Friedhof für Narren.

Habe jeden letzten Scheiß zusammengepackt, den sie zurückgelassen hat – die hässlichen Yogamatten, die nach altem Schweiß und gebrochenen Versprechen stanken, die angeschlagenen „Live Laugh Love“-Tassen, die selbst beim Kauf schon wie ein Witz waren, die Wanderbroschüren, mit denen sie so tat, als würde sie sich für „Abenteuer“ interessieren, während sie innerlich verrottete – hab all den Müll in Kisten gestopft und bei der Wohlfahrt abgeladen, wie den erbärmlichen Dreck, der es schon immer war.

Hat gar nichts gebracht, verdammt noch mal.

Ihr Geist ist immer noch hier.

Ich höre immer noch das Klack-Klack ihrer dämlichen Absätze nachts im Flur, dieses scharfe, falsche kleine Stakkato, das so kokett und verspielt klingen sollte, damals, als ich zu verdammt blind war, um den Todesmarsch zu sehen, der es in Wahrheit war.

Ich höre immer noch ihr falsches Gekicher am Telefon, wie sie so tat, als würde sie mich vermissen, als würde sie sich kümmern, während ihre Muschi noch feucht vom Schwanz eines anderen war.

Ich rieche immer noch diese billige Vanillelotion, die wie eine Leiche, die hinter dem Trockenbau verrottet, aus den Schrankwänden blutet. Süß und ranzig zugleich. Egal wie oft ich neu streiche, egal wie viele verdammte Kerzen ich anzünde, es sickert durch. Will nicht sterben. Haut verdammt noch mal nicht ab.

Man kann nicht auf Fäulnis neu aufbauen.

Man kann keine frischen Balken auf ein gesprungenes Fundament legen.

Man kann niemanden verdammt noch mal lieben, der schon nach dem nächsten Schwanz sucht, während man sich da draußen den verdammten Rücken bricht, nur um ihr die ganze verdammte Welt zu Füßen zu legen.

Und Herr im Himmel, ich habe sie trotzdem geliebt.

Geliebt wie ein blinder, tollwütiger Köter, der nicht merkt, dass er aufhören sollte, zum Stiefel zurückzukriechen, der ihn gegen die Rippen tritt.

Geliebt wie irgendein dämliches, verkacktes Märchenprinzen-Arschloch, das dachte, wenn er sich nur mehr anstrengt, wenn er nur mehr gibt, dann hört sie auf, an ihm vorbeizusehen, als wäre er unsichtbar.

Habe sie so hart geliebt, dass es mich ausgehöhlt hat, mir das verdammte Mark aus den Knochen gesaugt hat, und ich stand nur da und grinste wie ein Idiot, während sie ihre Seele einpackte und sie so einem billigen Höhlenmenschen mit Bizeps und einem halb garen Motivationsspruch auf den Rippen überreichte.

Das einzig Gute – falls man das überhaupt so nennen kann – war der Moment, als die Lüge endlich aufriss und sich über meinen verdammten Boden ergoss. Als ich sie und Mateo beim Durchficken auf den Laken erwischte, die ich gekauft hatte, in dem Bett, das ich gebaut hatte, in dem verdammten Zimmer, für das ich geblutet hatte.

Und Graham – Graham war schon da, bevor die Tür hinter ihrem miesen Arsch überhaupt ins Schloss fiel.

Kein Zögern.

Keine Reden.

Nur dieser kalte, haifischäugige Wichser im Armani-Anzug, der sich bewegte wie ein Mann, der Blut im Wasser wittert.

Er hat die Scheidung wie eine Hinrichtung durchgezogen. Eiskalt. Chirurgisch. Verdammt schön.

Hat sichergestellt, dass sie nicht mal einen Splitter mitgenommen hat. Nicht das Haus. Nicht den Truck. Nicht einen verdammten Cent Unterhalt.

Unterschrieben, versiegelt, zugestellt – direkt in die Hölle.

Carol stand da in der Einfahrt, das Gesicht ein fleckiges, rotznasiges Elend, klammerte sich an ihre überteuerten Yogahosen und ihre zerbrochenen kleinen Träume, die in eine Reisetasche gestopft waren wie bei dem traurigsten Penner der Welt. Heulend. Schluchzend. Tat so, als sie das Opfer wäre, als hätte sie nicht selbst den Stift aus der Granate gezogen und gekichert, während die Splitter uns beide zerfetzten.

Ich konnte sie verdammt noch mal nicht mal ansehen.

Konnte das erbärmliche Wimmern in ihrer Stimme nicht ertragen, das Schluchzen, das mitleiderregende Keuchen, als könnte das die Teile wieder zusammenflicken, nachdem sie mit einer Kettensäge den verdammten Rahmen dessen zersägt hatte, was wir aufgebaut hatten.

Sie hat keine zweite Chance bekommen.

Sie hat keine Träne bekommen.

Sie hat einen Scheißdreck bekommen.

Graham hat dafür gesorgt, dass jeder verdammte Nagel, jeder Balken, jede Schindel, für die ich geschwitzt habe, mein blieb. Hat dafür gesorgt, dass das Einzige, was sie mitgenommen hat, Rückenschmerzen waren, weil sie ihre eigene Schuld bis an den Straßenrand schleppen musste.

Sie hatte noch Glück, dass ich nicht das ganze verdammte Haus hinter ihr angezündet habe, nur um sicherzugehen, dass sie nicht mal mehr einen Hauch von dem Leben mitkriegt, das sie verspielt hat.

Und ich?

Ich bin immer noch hier.

Atme immer noch die Asche ein.

Schlafe immer noch im Gästezimmer wie ein Geist, der nicht aufhören kann, seinen eigenen verdammten Körper zu heimsuchen.

Beiße immer noch die Zähne zusammen, jedes Mal, wenn der Wind die Schlafzimmertür quietschen lässt.

Wünschte immer noch, ich hätte alles verbrannt. Jeden letzten Mist.

Jetzt arbeite ich.

Arbeite wie ein verdammter Hund mit gebrochenem Rücken und einem Todeswunsch. Arbeite, bis die Blasen aufreißen und direkt durch die Handschuhe bluten, bis meine Knie knacken und die Welt sich in ein langes, mahlendes Knurren aus Trockenbaustaub und Hammerschlägen verwandelt. Meistens nur, um verdammt noch mal aus diesem Haus rauszukommen. Aus diesen Wänden, die flüstern und stöhnen und quietschen und verdammt noch mal atmen, wenn ich nicht hinschaue – als wären sie lebendig, als könnten sie sich erinnern, als würden sie mir dabei zusehen, wie ich innerlich verrotte und grinsen.

Ich wache jeden verdammten Morgen auf dieser Scheiß-Matratze auf, die ich für fünfzig Dollar und die Hälfte meiner Würde von Kleinanzeigen geholt habe. Riecht nach billigem Schaumstoff und zerbrochenen Ehen, einfach so auf die verzogenen Dielen geschmissen wie der letzte Nagel im Sarg von dem Witz, den das Leben angeblich mit mir treibt.

Kein Bettgestell.

Kein Nachttisch.

Keine Lampen.

Keine Bilder.

Keine verdammte Hoffnung.

Nur vier dreckige Wände und ein Boden, der quietscht, wenn man zu fest atmet, eine durchhängende Matratzenplatte, die riecht, als hätte sie mal einem Penner gehört, der an seinem eigenen Erbrochenen erstickt ist. Jedes Mal, wenn mein Rücken knackt, wenn ich da rausrolle, erinnert es mich daran: Das ist kein Leben – das ist ein verdammtes Urteil. Zwanzig Jahre bis lebenslänglich für das Verbrechen, an jemanden geglaubt zu haben, der in mir nichts weiter als ein verdammtes Sprungbrett gesehen hat.

Ich esse, was immer ich zwischen den Jobs runterwürgen kann – Tankstellen-Sandwiches, eingewickelt in fettiges Plastik, fettige Drive-in-Burger, die nach Depression und Pappe schmecken. Die meiste Zeit bin ich zu faul, den Scheiß warm zu machen. Reiß die Packung einfach mit den Zähnen auf und schaufele das geschmacklose Zeug in mich rein, während meine Stiefel noch mit dem Dreck von jemand anderem verkrustet sind, während ich immer noch Sägemehl über den Boden von jemand anderem trete und den Traum von jemand anderem baue.

Und Bier.

Immer verdammt noch mal Bier.

Warmes, nach Pisse schmeckendes Billigbier, im Kühlschrank gestapelt in schlampigen Pyramiden wie ein erbärmlicher Altar der Selbstgeißelung. Sixpacks, Zwölferpacks, scheiß drauf, alles, was billig genug ist, um den Lärm für ein paar Stunden zu ersäufen. Gekauft in dem Kiosk an der Ecke, der nach Katzenpisse und kaputten Familien stinkt, geführt von einem Typen mit toten Augen, der mich nicht mal mehr nach dem Ausweis fragt, weil er weiß, dass ich nur mich selbst umbringe.

Hochstapeln. Aufknacken. Fühlen, wie der bittere Schlamm mir den Hals aufreißt.

Es dämpft den Scheiß nie genug.

Kommt nie auch nur in die Nähe.

Arbeiten.

Saufen.

Verdammt noch mal bewusstlos werden.

Aufwachen und alles noch mal von vorne, wie eine hirnlose Fleischpuppe, die vergessen hat, wie man irgendetwas anderes will.

Keine Pläne.

Keine verdammte Zukunft.

Niemand, der wartet.

Niemand, der nachschaut, ob ich zur Tür reinkomme oder ob ich auf irgendeinem einsamen Straßenstück in Matsch verwandelt werde und den Krähen zum Fraß übrig bleibe.

Nur ich.

Ich und die Geister all meiner schlechten Entscheidungen, die in meinem Kopf rasseln, knurren und kratzen, die ihre blutigen Fingernägel über die Wände meines Schädels ziehen, bis ich meine Stirn durch den Trockenbau rammen will, nur um etwas knacken zu hören, etwas zu hören, das bricht und nicht schon längst zerbrochen ist.

Und an den meisten Tagen?

An den meisten Tagen glaube ich, dass ich es verdammt noch mal verdiene.

Verdiene jeden schmerzhaften Atemzug, der nach Rost und Zigarettenqualm schmeckt.

Verdiene jeden kaputten Knöchel, jede gebrochene Rippe, jeden whisky-getränkten Blackout, bei dem ich aufwache und mich frage, ob vielleicht, nur vielleicht, heute die Nacht ist, in der mein Herz aufhört zu schlagen.

Verdiene es, weil nur ein blinder, hirntoter, stiefelleckender Volltrottel sich in eine Frau verliebt, die schon mit einem Fuß aus der Tür war.

Schon halb weg.

Schon halb auf den Knien für den nächsten miesen Hundesohn, der ein Lächeln und ein bisschen Muskelspiel draufhat.

Ich habe ihr ein verdammtes Königreich gebaut, und sie hat die Schlüssel dem ersten grinsenden Arschloch gegeben, das ihr „Abenteuer“ versprochen hat.

Und ich?

Ich bin geblieben.

Ich bin geblieben und verrottet.

Ich bin geblieben und habe ein Mausoleum aus Blut, Holz und Hoffnung gebaut, nur um wie eine Ratte in einem durchhängenden Bett zu schlafen und von einem Leben zu träumen, das es verdammt noch mal nie gegeben hat.