Der Blutmondpakt

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Zusammenfassung

Im dunklen Hunsrück droht ein uralter Waffenstillstand zwischen Vampiren und Werwölfen zu zerbrechen. Als das legendäre Artefakt – der Herzsplitter des ersten Unsterblichen – wieder auftaucht, geraten beide Seiten in Bewegung. Die Werwölfin Leona, eine starke, aber innerlich zerrissene Rudelanführerin mit einer gefährlichen Besonderheit, trifft auf den jahrhundertealten Vampir Adrian, der beginnt, die Regeln seiner eigenen Art zu hinterfragen. Aus Feinden werden widerwillige Verbündete, denn beide wissen: Wenn der Splitter aktiviert wird, könnte er ihre Welt für immer verändern – oder zerstören. Der Schlüssel zu allem ist jedoch ein Mensch: Elias, ein Historiker aus Trier, der ahnungslos ein Objekt gefunden hat, das längst hätte verschollen sein sollen. Während sich der Blutmond nähert und alte Kräfte erwachen, beginnt ein gefährliches Spiel aus Misstrauen, Macht und unausweichlicher Anziehung zwischen Leona und Adrian. Doch sie ahnen nicht die ganze Wahrheit. Als Elias den Herzsplitter zum ersten Mal in Händen hält, beginnt dieser plötzlich schneller zu pulsieren — und für einen kurzen Moment sieht er nicht mehr das Archiv um sich herum… …sondern eine brennende Ruine, einen blutroten Himmel — und zwei Gestalten, die Seite an Seite kämpfen… gegen etwas, das weder Vampir noch Werwolf ist. Als die Vision endet, ist er nicht mehr allein.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
7
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
16+

Das erste Erwachen

Der Wald roch nach Regen und altem Holz, nach Moos und etwas Dunklerem, das sich nicht benennen ließ.

Leona stand regungslos zwischen den dicht gedrängten Baumstämmen, die Hände zu Fäusten geballt, während sie den Kopf leicht anhob. Die Nacht lag schwer über dem Hunsrück, und dem kleinen Dorf Rapperath. Der Wind trug Stimmen mit sich – nicht menschliche Stimmen, sondern das ferne Heulen ihres Rudels.

Nicht heute, dachte sie. Heute Nacht ist anders. Und damit hatte sie Recht. Der Mond hing ungewöhnlich groß am Himmel. Noch nicht vollständig rot, aber bereits von einem unnatürlichen Schimmer durchzogen, als würde sich das Licht selbst blutig färben. Leonas Herz schlug schneller. Das bedeutete nichts Gutes.


Leona war nicht wie die anderen Werwölfe in ihrem oder anderen Rudel die sie kannte. Ihr dunkles Haar fiel ungebändigt über die Schultern, ihre Bewegungen waren geschmeidig, fast lautlos – selbst für eine Werwölfin. Doch was sie wirklich unterschied, war etwas, das sie sogar vor ihrem eigenen Rudel verbarg.

Sie konnte sich verwandeln. Nicht nur bei Vollmond. Nicht nur unter Zwang, sondern immer. Und genau deshalb hatte sie Angst vor sich selbst.

Als Anführerin musste sie Stärke zeigen, Kontrolle. Doch tief in ihr lebte etwas, das nicht kontrolliert werden wollte – etwas, das nach Blut und Freiheit verlangte.

Ein knackender Ast riss sie aus ihren Gedanken. Leona wirbelte herum. „Zeig dich“, sagte sie ruhig, aber ihre Muskeln spannten sich bereits an.


„Oh Leona ... Immer noch so impulsiv?“ Die Stimme kam aus dem Schatten – kühl, ruhig, fast amüsiert. Dann trat er hervor. Ein Mann in dunklem Mantel, das Gesicht halb im Mondlicht, halb im Dunkel verborgen. Seine Haltung war aufrecht, kontrolliert, jede Bewegung präzise. Adrian.

Leona spannte sich sichtbar an. „Du hast nichts hier verloren.“

Adrian lächelte leicht, ohne Wärme. „Das könnte ich auch sagen.“

Er war alt. Das sah man nicht an Falten – seine Haut war makellos –, sondern an der Art, wie er sich bewegte. Als würde Zeit für ihn eine andere Bedeutung haben. Und seine Augen… Sie wirkten, als hätten sie Jahrhunderte gesehen.

„Dein Rudel ist unruhig“, fuhr er fort. „Das Gleichgewicht gerät ins Wanken.“

„Sag mir etwas Neues.“

Ein Moment Stille stand zwischen den beiden, wie eine undurchdringbare Wand.

Dann trat Adrian einen Schritt näher und sagte leise, als ob er wollte, dass nicht einmal der Wald seine Worte hören konnte „Der Herzsplitter ist wieder aufgetaucht.“

Leona erstarrte.


Der Herzsplitter war kein Mythos. Nicht für sie. Eine Legende, die älter war als jedes Rudel, älter als jede Vampirlinie. Ein Fragment… des ersten Wesens. Der Ursprung aller Flüche.

„Das ist unmöglich“, sagte Leona leise.

„Und doch ist es wahr.“ Adrian beobachtete sie genau – zu genau. Als würde er jede kleinste Regung in ihr lesen. „Ein Mensch hat ihn gefunden.“

Leonas Blick wurde scharf. „Dann ist der Mensch tot.“

„Nein.“ Ein kurzes Lächeln huschte über Adrians Lippen. „Noch nicht.“


Zur selben Zeit, einige Kilometer entfernt, stand Elias im Halbdunkel eines alten Archivs in Trier. Staub tanzte in der Luft, während er vorsichtig eine brüchige Seite umblätterte. Er hatte schon viel zu oft von dem "Morbacher Monster" und dem "Rapperather Werwolf" gehört und nach langer Suche, fand er im Archiv tatsächlich Hinweise darauf in Verbindung mit einem Stein. Er liest die Zeilen schon zum wiederholten Mal und schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf.

„…wenn der Blutmond wiederkehrt, wird das Herz erneut schlagen…“ Elias runzelte die Stirn. Er war Historiker, spezialisiert auf regionale Mythen. Normalerweise glaubte er nicht an das, was er las. Denn Mythen sind mit solchem Hintergrund Geschichten, die Menschen in frühen Jahrhunderten erfunden haben, weil sie selber ängstlich waren oder ihre Kinder daran hindern wollten Dinge zu tun, die verboten waren. Frei nach dem Motto "geh nicht in den Wald"

Aber dieses Mal … Dieses Mal fühlte es sich anders an. Neben ihm lag ein kleines, unscheinbares Objekt. Ein dunkler, splitterartiger Stein. Kaum größer als ein Fingerglied. Und doch pulsierte er ganz leicht. Fast wie ein Herzschlag.

Elias zog scharf die Luft ein. „Was zum…“ In diesem Moment flackerte das Licht. Und draußen begann irgendwo ein Wolf zu heulen.


Gleichzeitig im Wald, drehte sich Leona langsam von Adrian weg.„Dann gibt es nichts zu besprechen.“

„Doch“, sagte er ruhig.

Sie blieb stehen.

„Wenn der Splitter aktiviert wird, endet alles. Für euch … und für uns.“

Leona presste die Lippen zusammen. „Was willst du?“

Adrian trat näher, bis nur noch wenige Schritte zwischen ihnen lagen. „Ein Bündnis.“

Wieder diese unheimliche Stille zwischen ihnen. Die Worte hingen schwer in der Luft.

Leona lachte trocken. „Zwischen Vampiren und Werwölfen? Das ist ein Witz.“

„Nein“, sagte Adrian leise. „Es ist unsere einzige Chance.“


Ein Windstoß fuhr durch die Bäume. Für einen Moment standen sie sich einfach gegenüber – zwei Feinde, geboren aus demselben Fluch.

Leona musterte ihn. Etwas an ihm war anders. Nicht nur die Kontrolle. Nicht nur die Ruhe. Da waren … Zweifel. Und vielleicht … Mehr.

„Wenn du mich verrätst—“

„Wirst du mich töten“, beendete Adrian ruhig den Satz. Ein schwaches Lächeln lag in seinem Blick. „Ich hätte nichts anderes erwartet. Aber Du weißt ... ich bin schon tot.“

Leona zögerte. Nur einen Augenblick. Dann nickte sie knapp. „Also gut.“ Ein Bündnis. Gegen alles, was sie je gelernt hatte zu hassen.

Hoch über ihnen begann sich der Mond weiter zu verfärben. Dunkler. Roter. Lebendiger.

Und irgendwo, weit entfernt, hielt Elias den Splitter in den Händen – ohne zu wissen, dass zwei uralte Wesen bereits auf dem Weg zu ihm waren und dass sein Schicksal untrennbar mit ihrem verbunden war.


Leonas Rudel nannte sich die Nachtläufer – kein großes Rudel, aber eines, das für Disziplin und Loyalität bekannt war. Anders als viele andere lebten sie nicht nur von Instinkt, sondern folgten klaren Strukturen.

Kael war Leonas rechte Hand, der Beta. Groß gewachsen, ruhig und mit einem Blick, der alles zu durchdringen schien. Er hinterfragte selten offen, aber er sah alles. Seine Loyalität galt Leona – doch sie war nicht blind. Kael bemerkte, dass sich in ihr etwas veränderte.

„Du vertraust ihm nicht wirklich“, hatte er einmal gesagt, nachdem er Adrians Geruch wahrgenommen hatte. Leona hatte nicht geantwortet. Das war Antwort genug gewesen.


Mira die Gamma, war das Herz des Rudels. Schnell, wachsam, instinktiv. Sie spürte Stimmungen, noch bevor sie ausgesprochen wurden.Für sie war das Bündnis mit einem Vampir ein Verrat an allem, wofür sie standen. „Das endet im Blut“, hatte sie gewarnt. Und vielleicht hatte sie recht.


Toren – der Delta und der Jüngste in der Führung, impulsiv und voller unkontrollierter Energie. Er bewunderte Leona fast blind und hasste Vampire aus tiefstem Instinkt. Für ihn war Adrian nicht mehr als eine Bedrohung. Und eines Tages, so schwor er sich, würde er es beweisen.


Doch das Rudel wusste nichts von Leonas größtem Geheimnis. Dass sie sich jederzeit verwandeln konnte. Dass sie nicht nur unter dem Mond ein Monster war.


Adrian gehörte zur Nachtfamilie von Valerius, einer der ältesten Vampirlinien Europas. Ihr Sitz: die Ruine Schmidtburg. Tief im Wald – älter als jedes Dorf in der Umgebung. Sie waren keine wilden Jäger, sie waren Strategen und sie glaubten an Ordnung.


Cassian – der Anführer und rechte Hand von Adrian. Kalt, berechnend, unerschütterlich. Sah Menschen als Ressourcen und Werwölfe als chaotische Bedrohung. Für ihn war der Herzsplitter kein Risiko. Er war ein Werkzeug.

„Macht gehört denen, die sie nutzen können“, hatte er Adrian gesagt. „Nicht denen, die sie fürchten.“


Als dritte Person in der Führung stand Seraphine an Adrians Seite – die Hüterin Alt. Und gefährlich auf eine stille Art.

Bewahrerin des Wissens und die Einzige, die die alte Wahrheit kannte. Sie beobachtete Adrian. Und sie wusste, dass er sich veränderte.


Adrians Vampirclan selbst ... elegant, grausam, diszipliniert. Sie bewegten sich unter Menschen, ohne entdeckt zu werden. Sie spielten mit Macht im Verborgenen.

Doch Adrians Zweifel machten ihn … anders. Zu menschlich. Zu gefährlich.


Der Wald lag still. Nur das leise Rascheln der Blätter im Wind durchbrach die Dunkelheit, während sich das fahle Licht des Mondes seinen Weg zwischen den hohen Kiefern bahnte. Es war eine dieser Nächte, in denen selbst die Tiere schwiegen – als hätten sie gespürt, dass etwas nicht stimmte.

Leona stand am Rand der alten Ruine, die Halbzeit zwischen Vergangenheit und Verfall. Das Mauerwerk war brüchig, überwuchert von Moos und rankenden Pflanzen, doch etwas an diesem Ort hatte überdauert. Etwas Uraltes.

Sie war früh gekommen. Absichtlich. Nicht, weil sie ihm vertraute, sondern weil sie es sich nicht leisten konnte, unvorbereitet zu sein. Ihr Blick glitt durch die Schatten zwischen den Bäumen. Ihr Körper war angespannt, jeder Muskel bereit, sofort zu reagieren. In ihrer Brust schlug ihr Herz ruhiger, als sie sich fühlte.

Dann spürte sie es. Nicht ein Geräusch. Keinen Geruch. Sondern… Präsenz. „Du bist spät.“

Seine Stimme war ruhig, fast beiläufig – doch sie hallte in der Stille nach, als hätte der Wald selbst darauf gewartet. Leona drehte sich langsam um.

Adrian stand nur wenige Schritte entfernt, halb aus dem Schatten herausgetreten. Der Mond zeichnete scharfe Konturen auf sein Gesicht, ließ seine Züge gleichzeitig weich und unnahbar wirken. Sein dunkler Mantel bewegte sich kaum im Wind, als wäre er ein Teil der Nacht selbst.

„Du bist ungeduldig“, erwiderte sie kühl.

Für einen Moment lag etwas wie ein Lächeln in seinen Augen. Kein echtes. Eher ein flüchtiger Anflug von… Interesse. Doch dann verschwand es wieder.

„Mein Clan bewegt sich“, sagte er schließlich. Seine Stimme wurde ernster, schwerer. „Und sie tun das nicht ohne Grund.“

Leona verschränkte die Arme vor der Brust. „Dann solltest du besser hoffen, dass du schneller bist.“ „Wenn wir den Menschen nicht zuerst finden—Elias.“ Das Wort fiel scharf, wie ein Messer, das eine Grenze zog.

Adrian hob eine Augenbraue. „Du kennst seinen Namen?“

„Jetzt schon.“

Ein kurzer Moment der Stille entstand, dichter als alles zuvor. Als würden beide abwägen, wie viel sie preisgeben konnten. Dann trat Leona einen Schritt näher. Unbewusst. Ein Fehler. Sie blieb stehen, als ihr klar wurde, wie nah sie ihm gekommen war. Zu nah. Für Feinde.


Der Wind wurde stärker und strich kühl über ihre Haut. „Sag mir die Wahrheit“, sagte sie leise. Ihre Stimme war ruhiger geworden – doch genau darin lag die Gefahr. „Wenn du den Splitter hast… würdest du ihn benutzen?“

Adrian antwortete nicht sofort. Und genau das war das Erschreckende. Er, der sonst immer eine Antwort hatte. Immer Kontrolle. Jetzt nicht. Sein Blick glitt an ihr vorbei, irgendwo in die Ferne, als würde er etwas sehen, das längst vergangen war.

„Früher“, sagte er schließlich langsam, „hätte ich ohne zu zögern Ja gesagt.“

Leona beobachtete ihn genau. Zu genau. Sie wartete. „Und jetzt?“

Er sah sie wieder an. Direkt. Unnachgiebig. Und für einen Atemzug fiel jede Maske. „Jetzt weiß ich nicht mehr, ob Macht den Preis wert ist.“

Der Moment dehnte sich aus. Leona spürte, wie sich etwas in ihr verschob. Etwas, das sie nicht benennen konnte – und auch nicht wollte. Sie kannte Vampire. Sie kannte Grausamkeit, Arroganz, Kälte. Aber das hier … Das war etwas anderes. Seine Ehrlichkeit traf sie härter als jede Drohung. Gefährlicher als seine Zähne.


„Du bist nicht wie die anderen“, sagte sie schließlich leiser. Es war keine Schwäche. Es war eine Feststellung.

Adrian ließ ein leises, fast trockenes Lachen hören. „Das ist selten ein Kompliment.“

„Bei mir schon.“ Wieder dieser Blick. Intensiv. Zu lange und zu nah. Für einen Moment vergaß Leona alles um sich herum – den Wald, das Rudel, den bevorstehenden Krieg. Da war nur er. Und etwas, das zwischen ihnen stand. Unsichtbar. Aber unübersehbar.

Dann wich sie zurück. Abrupt. Als hätte sie sich verbrannt. Zu spät. Sie hatte es gespürt. Diese Verbindung. Diese stille, gefährliche Anziehung, die sie weder verstand noch kontrollieren konnte. Und genau das machte sie so bedrohlich.

„Wir konzentrieren uns auf den Auftrag“, sagte sie schärfer, als sie beabsichtigt hatte. Fast hastig. „Der Mensch. Der Splitter. Nichts anderes.“

Adrian neigte leicht den Kopf. „Natürlich.“ Doch seine Stimme verriet ihn. Die Worte waren korrekt. Die Wahrheit dahinter nicht.

Wieder Stille. Doch diesmal war sie anders. Geladen. Schwer. Unausgesprochen.

Leona wandte sich halb ab, doch sie konnte ihn immer noch spüren. Seine Präsenz lag wie ein Schatten auf ihr, unausweichlich. Und sie hasste es. Sie hasste, dass er sie durchschauen konnte, ohne dass sie ein Wort sagte. Hasste, dass ein Teil von ihr wissen wollte, was er jetzt dachte. Was er fühlte.

Und Adrian? Adrian rührte sich nicht. Er beobachtete sie. Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit… zweifelte er nicht an der Welt. Sondern an sich selbst. Denn was er da spürte… war nichts, was in seine Welt gehörte. Keine Strategie. Kein Kalkül. Sondern etwas, das er längst verloren geglaubt hatte. Etwas Menschliches.

Der Wind ließ nach. Der Wald wurde wieder still. Doch zwischen ihnen hatte sich etwas verändert. Etwas, das nichts mehr mit dem Splitter zu tun hatte und doch alles.