Das Ende von Sunday

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Zusammenfassung

Vor zehn Jahren hat er ihr das Herz gebrochen – jetzt muss er ihr das Leben retten. Cole Knox ist ein lautloser Auftragskiller. Unter dem Decknamen Cage Monroe arbeitet er für ein geheimes Regierungsteam und hat sich den Ruf eines skrupellosen Killers erarbeitet, dessen einziges Ziel es ist, Michael Maddox zu finden und zu verhaften. Als sich die Gelegenheit bietet, Michael bei einem exklusiven Retreat zu treffen, reist Cole an – und bekommt bei seiner Ankunft ein Geschenk für das Wochenende präsentiert: seine Jugendliebe Sunday. Eine grausame Fügung des Schicksals hat die beiden wieder zusammengeführt, und aus der eigentlich simplen Verhaftung wird ein Krieg zwischen Pflichtgefühl und Herzensangelegenheit. Cole und Sunday stehen nun vor einem tödlichen Wochenende, an dem nicht nur ihre Leben, sondern auch ihre Herzen auf dem Spiel stehen. Alte Wunden reißen auf und ihre Loyalität wird auf eine harte Probe gestellt – in dieser rasanten, packenden Romantic Suspense, die dich garantiert atemlos machen, zu Tränen rühren und laut auflachen lassen wird.

Genre:
Romance
Autor:
Kayla Kyng
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
19
Rating
5.0 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Chapter 1

FREITAGABEND

Ich habe vor Kurzem herausgefunden, dass man einen Mann mit einem Motorradhelm zu Tode prügeln kann.

Das ist nichts, was ich oft tun würde, da ich den Helm jetzt ersetzen muss. Aber es ist eine gute Waffe, wenn man in der Klemme steckt, und sie hat mir letzte Nacht das Leben gerettet. Es kommt häufiger vor, dass Männer versuchen, mich umzubringen, aber das Ungewöhnliche war: Der Mann, den ich getötet habe, sollte mir eine Einladung überbringen. Als er herausfand, wer ich bin, wollte er sein Glück versuchen. Es endete damit, dass mein Helm zerbrach und sein Gehirn an meinen Küchenschränken klebte.

Das war vor etwa sechs Stunden. Ich habe die Einladung angenommen, und jetzt fährt mich ein Fremder durch die dichten Wälder eines Ortes, den ich nicht kenne. Wir sind einen Teil der Strecke geflogen, ich hatte eine Kapuze über dem Kopf und Musik dröhnte in meinen Ohren. Schließlich wurde ich in dieses Auto geführt, und seit ich die Kapuze abgenommen habe, sehe ich nur ruhige Straßen und endlose Wälder.

Die meisten würden vor den Männern, die ich gleich treffen werde, erzittern. Aber genau dafür habe ich trainiert. Ich habe jahrelang verdeckt gearbeitet und noch länger alles geplant. Etwas so Banales wie Angst wird mich nicht aufhalten.

Das Auto hält vor einem rotbraunen Holztor, das von grauen Steinmauern flankiert wird. Orangefarbene Lichter an den Mauern durchdringen die Dunkelheit, und soweit ich sehen kann, sind nur die Bäume hoch genug, um diesen Ort zu überblicken.

Das Fenster summt, als ich es herunterfahre, und der intensive Geruch von Kiefern und Regen steigt mir in die Nase. Ich war noch nie ein Fan von Autos, und diese Fahrt lässt mich den Komfort meines Motorrads vermissen. Nichts ist erdender als das Grollen eines Motors unter mir und das Verschwimmen der Stadtlichter, wenn ich Geschwindigkeitsbegrenzungen hinter mir lasse, zu sehr verloren im Moment, als dass es mich kümmern würde.

„Fahr schneller und ich küsse dich, Cole.“

„Mach das Fenster hoch“, schnauzt der Fahrer und reißt mich aus der einzigen Erinnerung, die keinen Zorn in mir auslöst.

Ich schließe die Augen, atme tief ein und drehe das kleine Metallgerät in meiner Hand. Die Oberfläche ist zerkratzt und abgenutzt, es ist älter als ich, aber es funktioniert noch. Ich schnippe die Klappe auf, fahre mit dem Daumen über das Rädchen, und das Feuerzeug erwacht zum Leben. Die Flamme flackert und tanzt. Sie ist die einzige Bewegung im Auto, denn der Fahrer ist wie erstarrt.

Wir treffen uns im Rückspiegel, und seine Knöchel werden weiß, während er das Lenkrad umklammert. „Tut mir leid, ich wusste nicht …“ Das Tor schwingt lautlos auf, aber er bewegt das Auto keinen Zentimeter vorwärts. „Ich wusste nicht, dass du es bist.“

Ich sage nichts, und Sekunden später setzen wir uns in Bewegung.

Scheinwerfer säumen die Auffahrt und führen uns zu einem modernen Flachdachhaus auf einem Anwesen. Beton und Metall treffen in scharfen Linien aufeinander, verteilt auf drei riesige Gebäude, die durch Glasgänge verbunden sind. Warmes, oranges Licht strahlt aus dem Inneren und verleiht dem Anwesen ein einladendes Aussehen, ebenso wie der lächelnde Mann, der oben an der Auffahrt auf mich wartet.

Das Auto hält an, und ich steige aus, erleichtert, aus dem engen Raum heraus zu sein. Ich bin zu verdammt massig für den Rücksitz.

„Cage“, grinst Felton breit und schüttelt mir die Hand, als wir uns am Kofferraum treffen. Wie immer trägt er Trainingskleidung, als wäre er ständig bereit zu beweisen, wie viele Sit-ups er schafft. Er ist zweiunddreißig, so wie ich, und wir sind beide eins-neunzig groß, aber da enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Mein dunkles Haar ist kurz geschoren, seine kastanienbraunen Locken sind zurückgekämmt, und ein paar Strähnen fallen über stechend grüne Augen, die bei meinem Anblick vor echter Begeisterung leuchten. Ekel steigt in mir auf, weil ich dafür verantwortlich bin, dass dieser Mann etwas anderes als puren Schmerz empfindet.

Felton Maddox ist ein Stück Scheiße, aber meine Freundschaft mit ihm ist notwendig. Ich habe sechs Monate lang für die Maddox-Familie gearbeitet und mit meinem Bike Drogen und Geld transportiert. Ich war schnell, effizient, habe nie etwas abgezweigt und keine Fragen gestellt. Es dauerte also nicht lange, bis ich aufgestiegen bin und Felton gegenüberstand.

Beim ersten Treffen ließ ich meinen Helm auf und sagte kein Wort. Er war begeistert von der Vorstellung des gefährlichen, schweigsamen Bikers, der tief im Milieu steckt. Innerhalb weniger Wochen nannte er mich seinen besten Freund.

„Schön, dass du es geschafft hast. Tut mir leid wegen der Geheimniskrämerei, aber du verstehst, dass wir diskret sein müssen.“ Das tue ich, und ich hasse es, also nicke ich nur. „Ich brauche dein Handy. Nur bis das Wochenende vorbei ist.“ Ich hole es aus meiner Tasche, reiche es ihm, und Felton streicht über einen Aufkleber auf der Hülle, auf der meine Initialen gekritzelt sind, bevor er hineingeht. Ich folge ihm. „Du bist der Letzte, die Party ist schon in vollem Gange.“

Das Innere des Hauses ist genauso prachtvoll wie das Äußere. Glatte Steinböden, hohe Decken, goldene Leuchter und Kunst, von der die meisten nur träumen können, geschweige denn sie zu besitzen.

Ich folge Felton durch ein leeres Wohnzimmer in den Poolbereich. Ich zähle sechs „Made Men“, drei sitzen auf bequemen Gartenmöbeln und wiegen Kristallgläser mit bernsteinfarbener Flüssigkeit in den Händen. Jeder von ihnen hat seine eigene Security dabei, einer pro Mann, aber ihre Holster sind leer. Zweifellos wurden ihre Waffen konfisziert, bevor sie überhaupt in die Nähe des Gebäudes kamen, genau wie bei mir. Die anderen drei stehen an einer provisorischen Bar, und ich unterdrücke nur mit Mühe ein angewidertes Verziehen meines Mundes, als ich den einen Typen entdecke, der mich auf dem Kicker zu haben scheint.

Chip Fennington versucht wie immer, im Mittelpunkt zu stehen, und sein grobes Lachen lässt mich zusammenzucken. Er ist riesig, ballert sich garantiert voll, das blonde Haar ist abrasiert, aber der Bart ist dicht und fast lang genug zum Flechten. Er ist ein lebendiger Felsbrocken und hasst es, dass Felton mich so mag.

Das Problem ist: Er ist schlau. Er war von Anfang an misstrauisch, aber mein Hintergrund ist solide. Die Behörde, für die ich arbeite, ist staatlich, aber wir bewegen uns hart an der Grenze zur Legalität. Ich will gar nicht wissen, wie sie meine neue Identität Cage Monroe erschaffen haben. Alles, was zählt, ist, dass Typen wie Chip sie nicht entlarven können.

„Mach dir keine Sorgen um ihn“, sagt Felton und stupst mir sanft in die Rippen. Ich brumme zur Antwort und stecke die Hände in die Taschen, als müsste ich mich zurückhalten, Chip nicht das Genick zu brechen. Ehrlich gesagt nervt es mich mehr, dass der eine Mann, den ich hier sehen wollte, nicht da ist. Ihn zu früh zu erwähnen, würde Verdacht erregen. „Jetzt, wo du da bist, kann ich dir dein Geschenk geben. Bist du bereit?“ Er zwinkert mir zu und klatscht in die Hände, um die Aufmerksamkeit der anderen zu bekommen. „Leute! Es ist Zeit, unseren Neuling einzuweihen.“

Amüsierte Laute und Jubel sind die Reaktion. Ich setze einen Gesichtsausdruck auf, der Neugier signalisiert – und kein Entsetzen über das, was Felton als Geschenk betrachtet.

Er hält sich die Hand vor den Mund. „Darcy, bring die Damen raus!“

Die Gäste fangen an zu jubeln, zu rufen und zu klatschen. Es ist eine Symphonie der Aufregung, aber ich verschränke nur die Arme, und schließlich erscheint Darcy.

Die eins-achtundsiebzig große Blondine sieht in ihrem smaragdgrünen Glitzerkleid atemberaubend aus. Ihr Haar ist gelockt, und ihr Lächeln mit den roten Lippen strahlt richtig, als sie an den offenen Terrassentüren steht. Sie ist Feltons Freundin, seit ich ihn kenne, und sie ist völlig durchgeknallt. Felton erzählte mir, er sei einmal aufgewacht und habe sie dabei erwischt, wie sie ihre Initialen in sein Bein ritzte. Er kicherte, als er es mir erzählte, und zeigte stolz die Narbe. Die beiden sind füreinander geschaffen.

„Seid ihr bereit, Jungs?“, fragt Darcy, und alle jubeln. Sie macht ein tadelndes Geräusch, hält sich die Hand ans Ohr und sagt: „Ich habe gefragt, ob ihr bereit seid!“ Juchzer und Gebrüll folgen, und sie lacht, bevor sie ihren verführerischen Blick auf mich richtet. „Lass uns deine Geschenke rausholen, Cagey Boy.“

Felton lässt Darcy nicht aus den Augen, während er sich zu mir beugt. „Sie ist verdammt fantastisch, oder?“

Es ist ihm egal, was ich denke, also antworte ich nicht. Darcy könnte Feltons Mutter die Kehle durchschneiden, und er wäre der Erste, der den Applaus anführen würde.

Nacheinander werden sieben Frauen mit Kapuzen auf die Terrasse geführt. Sie tragen ähnliche Kleider wie Darcy, jede in ihrer eigenen glitzernden Farbe. Sie stolpern in ihren Absätzen, und die Männer, die sie begleiten, halten sie fest, damit sie nicht fallen.

Eine von ihnen weint. Eine andere kann sich kaum auf den Beinen halten.

Es kostet mich jede Faser meines Seins, Felton nicht die Kehle herauszureißen.

Das ist so verdammt krank. So verdammt krank. Mir wird eine Frau gegeben, als wäre sie ein Willkommensgeschenk, und was noch schlimmer ist: Felton sieht begeistert für mich aus. Wie kann irgendjemand so etwas genießen?

Die Kapuzen der Frauen werden heruntergerissen.

Sieben Frauen. Alle sind offensichtlich zu Tode verängstigt, atmen schnell und blicken sich mit entsetzten Gesichtern um. Es sind zwei Rothaarige, drei Brünette, zwei Blondinen.

„Such dir eine aus, Cage“, sagt Felton und zieht vielsagend die Augenbrauen hoch.

Die anderen feuern mich an, und ich wünschte, ich hätte meine Waffe dabei, damit ich sie alle erledigen könnte.

Ich will ablehnen, aber meine Tarnung würde auffliegen. Also mache ich einen Schritt nach vorne und mustere die Frauen, als würde ich überlegen, wer meine Begleitung für das Wochenende sein soll.

Eine Bewegung hinter der Reihe der Frauen fällt mir auf: Ein blonder Pferdeschwanz wippt hin und her, als eine Kellnerin auftaucht. Sie trägt einen schwarzen Rock und ein weißes Hemd, und ich beobachte sie, wie sie sich bewegt.

Es ist, als würde sie sich in Zeitlupe bewegen; das kleine Lächeln auf ihrem Gesicht wirkt einstudiert und starr. Ihre blauen Augen huschen in meine Richtung, aber niemals direkt zu mir, und obwohl sie mindestens sechs Meter entfernt ist, weiß ich, dass sie nach Vanille-Duschgel riecht und dass sie ein Muttermal in Form eines Mondes auf dem rechten Schulterblatt hat.

Ein Muttermal, das ich tausendmal geküsst habe, als ich mich vor dreizehn Jahren in sie verliebt habe.

Mein Herz setzt aus, und ich blinzle schnell, als könnte ich meine Sicht klären und so ändern, wen ich da vor mir habe.

Meine Jugendliebe.

Meine erste Liebe.

Sunday Winters.