Kapitel 1: Noah
„Ich finde immer noch, dass wir ihn ins Krankenhaus hätten bringen sollen“, sagte eine sanfte, fremde Stimme über mir. Ich kämpfte mich mühsam ins Bewusstsein zurück. Ich versuchte, irgendeinen Teil meines Körpers zu bewegen oder wenigstens die Augen zu öffnen. Ein stechender, pochender Schmerz schoss durch meinen Kopf. Ich erstarrte und biss die Zähne zusammen, um den Schmerz unter Kontrolle zu bringen. Sogar das Anspannen der Kiefer tat weh. Ich fragte mich, was zum Teufel mit mir passiert war.
„Ich weiß, Liv, aber er brauchte sofort Hilfe. Ich bin mir sicher, dass er gestorben wäre, wenn wir auf einen Krankenwagen gewartet hätten.“
Die zweite Stimme war tief, offensichtlich die eines Mannes. Ich erkannte keine der beiden Stimmen. Ich lag vollkommen still da, wo auch immer ich war, und versuchte zu begreifen, was hier vorging.
„Ja, ich verstehe. Er sieht zumindest schon besser aus. Gott sei Dank weißt du, was du tust.“
„Das kannst du laut sagen“, murmelte der Mann. Ich hörte, wie sie sich redend entfernten. Das war meine Chance herauszufinden, in welcher Lage ich steckte. Gedanklich ging ich meine Verletzungen durch. Zu meinem Schock waren es verdammt viele.
Ich versuchte, meine Füße zu bewegen. Dabei merkte ich, dass ich keine Schuhe oder Socken trug, als sie an einer Decke rieben. Ich bewegte meine Beine. Als mein rechtes Knie schmerzhaft pochte, unterdrückte ich ein lautes Stöhnen. Ich spürte, dass es geschient und verbunden war. Obwohl ich mich fragte, was passiert war, machte ich weiter. Ich versuchte mich ein wenig zu strecken. Ein Stich in meinen linken Rippen ließ mich die Luft anhalten. Kurz darauf breitete sich ein Ziehen in meinem Rücken und den Schultern aus, das bis in die Arme ausstrahlte.
Mein Kopf pochte immer noch. Ich hob die Hände, um ihn zu halten, und fühlte einen weiteren Verband um meine Augen. Ich fühlte mich, als wäre ich von zwei Dutzend Lastwagen überrollt worden. Ein gequältes Stöhnen entwich mir. Ich gab mein Bestes, um mich in dem zugegeben bequemen Bett aufzusetzen.
„Halt, ganz ruhig!“ Die Stimme des Mannes von vorhin dröhnte durch den Raum. Ich zuckte bei der Lautstärke zusammen. „Scheiße, tut mir leid. Du hast mich erschreckt. Ich dachte nicht, dass du schon wach bist, wenn ich zurückkomme.“
Große, warme Hände packten meine Schultern. Mit sanftem, aber bestimmtem Druck drückten sie mich zurück ins Bett. Ich gab einen protestierenden Laut von sich und fing an zu kämpfen. Aber meine Kraft war bei weitem nicht mehr das, was sie einmal war. Wegen meiner Verletzungen war der Kampf schnell vorbei.
„Mason, was zum Teufel!“ Etwas klapperte auf einer Kommode oder einem Schreibtisch. Dann hörte ich das Rascheln von Kleidung, als die Frau von vorhin an mein Bett eilte. Ich versuchte mich zu erinnern, wie der Mann sie genannt hatte.
„Ganz ruhig, Olivia.“ Liv. Eine Abkürzung für Olivia. Das war es. „Er wollte aus dem Bett aufstehen.“
„Oh.“ Ihre Stimme war jetzt ruhig. Dieser plötzliche Wechsel brachte mich aus irgendeinem Grund fast zum Lachen.
„Wo… bin ich?“ Meine Stimme war kaum wiederzuerkennen. Sie klang brüchig und krächzend, wie ich es noch nie erlebt hatte. Nicht einmal, als ich so krank war, dass ich dachte, ich müsste sterben.
„Wir sind in einer Hütte in den Bergen.“ Mason sprach sanft und nahm die Hände von meinen Schultern. „Versuch, dich nicht zu viel zu bewegen. Ich will nicht, dass deine Nähte aufreißen oder du dich noch mehr verletzt.“
Ich nickte leicht. Das schien ihm zu reichen, um wegzutreten. Ein Gefühl von Wärme verließ mich und ich wunderte mich, warum mich das störte. Ich schüttelte das Gefühl ab und drehte den Kopf in die Richtung ihrer Stimmen. Ich räusperte mich und sprach erneut.
„Was zum Fick ist eigentlich mit mir passiert?“