Giovanni De Rege: Gefährliches Begehren

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Zusammenfassung

MAFIA ROMANCE ║ Giovanni De Rege ist in Neapel ebenso respektiert wie gefürchtet. Da man ihn meist in seiner Rolle als Capo erlebt, wirkt er auf viele kalt und berechnend. Abgesehen von wenigen Ausnahmen interessiert er sich kaum für seine Mitmenschen. Isabella Donati ist eine süße, unschuldige Achtzehnjährige, die im Spirituosengeschäft ihrer Eltern arbeitet. Dort kreuzen sich ihre Wege mit Giovanni – ohne zu ahnen, dass dies ihr Leben für immer verändern würde. Sie gehörte ihm. Er gehörte ihr. * * * Copyright © 2018 Serafina Remondo Alle Rechte vorbehalten.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
47
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Neapel, Italien

Giovanni parkte in der Einfahrt der De Rege Villa und stieg aus dem Wagen. Er kam gerade von einem Geschäftsabschluss und wollte den Tag einfach nur beenden. Als er auf die Haustür zuging, sah er seinen jüngeren Bruder Raffaele am Telefon. Raffaele lächelte und winkte ihm zu. Er antwortete nur mit einem knappen Nicken und öffnete die Eingangstür der Villa.

Sein Bruder hatte jedoch andere Pläne. Raffaele beendete sein Gespräch und packte ihn an der Schulter.

„Ich bin gekränkt. Ich habe dich monatelang nicht gesehen und du willst nicht mal kurz mit mir reden?“ Raffaele grinste und hielt sich die rechte Hand aufs Herz.

„Ich habe dich letzte Woche gesehen“, sagte Giovanni trocken. „Und nein. Ich bin müde.“

„Na ja, du siehst aber nicht müde aus“, murmelte Raffaele. Giovanni strafte ihn dafür mit einem bösen Blick.

Eine schrille Stimme ließ die beiden Brüder den Kopf drehen. Ihre Mutter stand mit überraschtem Gesicht im Türrahmen.

„Ach du meine Güte! Wenn ich gewusst hätte, dass du zu Besuch kommst, hätte ich etwas vorbereitet“, sagte Celia zu Giovanni.

Giovannis Mutter wurde von allen geliebt. Sie schaffte es immer, dass man sich bei ihr zu Hause willkommen fühlte. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie ein kleines italienisches Restaurant in der Stadt.

Fast jeder in der Familie hatte irgendwann einmal dort gearbeitet. Das war Familientradition. Meistens halfen die Jüngeren im Service aus. Vor acht Jahren musste auch Giovanni im Restaurant arbeiten, aber das hielt nicht lange an. Obwohl er damals erst siebzehn war, fühlten sich viele Gäste von seiner Art eingeschüchtert. Das war nicht gut fürs Geschäft.

Die Unterwelt passte besser zu einem Mann wie Giovanni. In dieser brutalen Welt blühte er richtig auf.

„Mach dir keine Gedanken. Ich habe ja keinem gesagt, dass ich wieder nach Hause komme“, sagte Giovanni zu seiner Mutter.

Der einzige Grund für Giovannis Rückkehr in die De Rege Villa war die bevorstehende Hochzeit.

„Und warum stehst du noch hier rum, junger Mann? Ich habe dir vor Stunden gesagt, dass du Wein im Laden der Donatis kaufen sollst!“ Celia sah Raffaele streng an. Sie schlug ihm leicht mit der Zeitung in ihrer Hand auf den Arm.

„Schon gut, schon gut! Ich gehe ja schon“, sagte Raffaele. Er rieb sich den Arm, als würde es wehtun.

„Warum gehst du nicht mit ihm, Giovanni? Nur für den Fall, dass er den falschen Wein bringt“, bat ihn seine Mutter süßholzraspelnd. Es war allerdings keine echte Frage. Es war eher ein Befehl.

„Den üblichen?“, fragte Giovanni, und seine Mutter nickte.

Nachdem ihre Mutter außer Sichtweite war, machten sich die beiden Brüder auf den Weg in die Stadt. Das Auto brauchten sie nicht. Der Laden der Donatis war nur zehn Minuten zu Fuß entfernt. Die Sonne ging langsam unter und die Straßenlaternen vertrieben die Dunkelheit.

„Nur damit du es weißt: Mamma hat übertrieben. Sie hat mir vor einer Stunde gesagt, ich soll den Wein holen. Nicht vor Stunden“, sagte Raffaele. Sein Bruder brummte nur als Antwort. „Wie lief der Deal? Gut? Schlecht? Wahrscheinlich gut, sonst wärst du jetzt nicht hier. Irgendwelche Zwischenfälle? Ist irgendwas Unerwartetes passi–“

„Das ist weder die Zeit noch der Ort, um darüber zu reden, Raffaele.“

Giovanni zog die Tür auf. Eine Glocke läutete durch den kleinen Laden der Donatis. Der Boden war aus Holz und die Wände champagnerfarben gestrichen. Auf der einen Seite standen Regale voller Spirituosen, auf der anderen lagen Weinflaschen in Gestellen.

„Was für eine schöne Überraschung! Wie geht es euch beiden?“, fragte die Ladenbesitzerin Donatella die beiden Männer mit einem warmen Lächeln.

Die Familie Donati stand den De Reges schon immer nahe, obwohl letztere eine Mafia-Familie waren. Donatella Donati und Celia De Rege waren schließlich seit der Grundschule beste Freundinnen. Sie waren füreinander wie Schwestern.

„Mir geht es absolut fantasti–“

Giovanni fiel Raffaele ins Wort. Er sagte, dass alles bestens sei und fragte Donatella nach dem Üblichen. Raffaele neigte dazu, ohne Punkt und Komma zu reden. Giovanni wollte so schnell wie möglich nach Hause. Er war immer noch müde.

Wieder war ein Klingeln zu hören, diesmal kam es von einem Telefon.

„Isabella, kannst du den beiden helfen? Ich muss an dieses Gespräch gehen“, rief Donatella ihrer Tochter zu, die im hinteren Teil des Ladens war.

„Natürlich, Mamma“, sagte eine sanfte Stimme.

Giovanni bemerkte das Mädchen hinter der Theke. Isabella hatte glänzendes schwarzes Haar, grüne Augen, olivfarbene Haut und weiche rosa Lippen. Sie sah aus wie die Unschuld in Person. Er vermutete, dass sie ihr Herz auf der Zunge trug. Sie war das genaue Gegenteil von ihm.

Isabella war von dem gutaussehenden Mann vor ihr wie erschlagen. Sie wollte ihn anstarren, aber gleichzeitig wegsehen. Giovanni strahlte pure Autorität aus. Er schüchterte sie ein, gelinde gesagt. Sein nach hinten gegeltes schwarzes Haar und seine tiefblauen Augen verstärkten diesen Eindruck noch.

„Wie kann ich Ihnen helfen, Signore?“, fragte Isabella.

„Rotwein, bitte. Barbera.“ Raffaele lächelte, woraufhin Isabella nickte und ein kleines Lächeln erwiderte.

Sie stieg auf einen Hocker, um an den Barbera im obersten Regal zu kommen. Doch Giovanni kam ihr zuvor. Er schnappte sich die Flasche und reichte sie ihr. Isabella erschrak über seine plötzliche Nähe. Ihre Wimpern flatterten, bevor sie ein leises Dankeschön murmelte. Sie ging zurück zur Theke und verpackte den Rotwein in einem langen Karton mit dem Kronen-Logo des Ladens.

„Das macht dann 34,95 €, Signore.“

„Ach, sei nicht albern, Isabella! Die beiden müssen nichts bezahlen“, sagte Donatella und kam zur Theke. „Moment, trefft ihr euch nicht zum ersten Mal?“

Giovanni zog eine Augenbraue hoch. Er war sich unsicher, worauf Donatella hinauswollte.

„Stimmt, jetzt wo du es sagst“, sagte Raffaele. Er sah von Donatella zu seinem Bruder. „Isabella ist Donatellas Tochter.“

Giovanni hatte den Rest der Familie Donati bereits kennengelernt. Er wusste, dass sie eine Tochter hatten, war ihr aber nie persönlich begegnet. Er fragte sich kurz, wo sie die ganze Zeit gewesen war.

„Außerdem kannst du meinen Bruder einfach beim Namen nennen. Du musst nicht so höflich sein.“ Raffaele zwinkerte Isabella zu. „Stimmt doch, Giovanni?“ Er stieß Giovanni mit dem Ellbogen in die Seite.

Giovanni schlug den Arm seines kleinen Bruders weg. Isabella musste lächeln. Der Kontrast zwischen den beiden Brüdern war in ihren Augen amüsant. Der eine war eine Frohnatur, der andere todernst.

„Danke für den Rotwein, Donatella.“ Giovanni nahm den Karton und ging zur Tür.

„Grüß deine Mutter von mir!“, rief Donatella mit einem breiten Lächeln.

Giovanni drehte den Kopf und nickte Donatella zu. Sein Blick huschte ein letztes Mal zu Isabella, bevor er mit seinem Bruder den Laden verließ.