Kapitel 1. Alessandro Costa
„Alessandro Costa!“, brüllte Luca über das sinnlose Geplapper hinweg und riss mich aus meinen Gedanken. „Wir müssen darüber reden.“
Er wusste eigentlich genau, dass er nicht so mit mir reden sollte. Als er seine Stimme sofort senkte, lockerte ich meine Fäuste. „Luca.“
„Tut mir leid“, entschuldigte er sich. „Aber du weißt, dass dein Vater will, dass die Sache geklärt wird. Für dich und Isabella.“
Wenn ich Luca nicht schon seit der Kindheit kennen würde, hätte ich ihn wahrscheinlich verdammt noch mal k. o. geschlagen. Aber da wir Freunde waren, ließ ich es durchgehen.
Dieses Mal noch.
„Luca, ich bin nicht hier, um darüber zu quatschen. Ich bin hier, um zu essen und zu trinken.“
„Ich weiß, aber dein Vater... er wird dich weiter nerven. Er hört nicht auf, bis der Deal steht.“
Luca hatte ausnahmsweise mal recht. Mein Vater war ein harter Hund, aber ein Familienmensch. Er liebte meine Mutter und meine Schwester abgöttisch und wollte nur das Beste für uns.
„Wir hätten in einen Stripclub gehen sollen“, platzte Dante heraus und grinste frech.
Dante war die Art von Typ, die man auf seiner Seite haben wollte. Er war der loyalste Freund, den man sich wünschen konnte. Nach der Sache mit meiner Ex-Schlampe, die mich betrogen hatte, brauchte ich loyale Menschen um mich herum. Er war die Person, der ich neben meiner eigenen Familie am meisten vertraute.
„Bitte was?“, erwiderte ich schnaubend. „Du und eine Stripperin ansehen? Wenn du deine Augen mal für fünf verdammte Minuten von meiner Schwester abwenden könntest, klar, dann hätten wir dahin gehen können.“
Dantes Wangen wurden sofort knallrot. Ich wusste, dass ich ihn eiskalt erwischt hatte. Er dachte wohl, ich hätte nicht bemerkt, wie er Isabella anglotzte. Sie hatte auch keinen blassen Schimmer. Er passte schon seit Jahren auf sie auf.
„Ich weiß gar nicht, wovon du redest, Alessandro.“
Ein Grinsen stahl sich auf meine Lippen und ich zog die Brauen hoch. „Einen Scheiß weißt du nicht.“
Dante stieß die Luft aus und fuhr sich mit einem Knurren übers Gesicht. „Weiß sie es?“
„Nö, ich glaube nicht.“
Man sah ihm die Erleichterung sofort an, als er sich in das weiche Leder-Sofa zurückfallen ließ. Er beschützte Isabella schon immer. Er kümmerte sich um sie, als wäre sie der wichtigste Mensch in seinem Leben. In gewisser Weise war sie das wohl auch. Ich wusste, dass er auf sie stand, aber er war einfach ein verdammter Feigling und traute sich nicht.
„Mist. Sie ist sowieso mit diesem Arschloch zusammen. Wie hieß der noch mal?“, fragte Luca.
„Salvatore“, antwortete ich und schluckte die Galle hinunter, die mir hochkam. Irgendwas an ihm passte mir nicht, aber Isabella sah das nicht so wie ich.
„Scheiß auf Salvatore“, spuckte Dante aus. „Wir sollten ihn umlegen.“ Man hörte den Neid in seiner Stimme und seine Augen blitzten vor Wut.
Ich lachte, um ihn ein bisschen zu beruhigen. „Du weißt genau, was Isabella mit dir machen würde, wenn sie das rausfindet.“
Dante zuckte mit den Schultern. „Dich würde sie auch umbringen.“
Ich schüttelte den Kopf und grinste. „Ich bin ihr Bruder, Mann. Niemals. Aber du? Keine Ahnung. Du bist ersetzbar.“
Mein Freund biss sich auf die Lippe. Meine Worte hatten wohl gesessen. „Ich brauche noch einen verdammten Drink.“ Er lehnte sich vor und gab dem Kellner ein Zeichen. „Whiskey. Doppelt.“
Wir bestellten noch ein paar Kurze dazu, als mein Blick plötzlich zur Tür wanderte. Mir stockte sofort der Atem, als diese unschuldig aussehende Göttin hereinkam.
„Wer zur Hölle ist das?“, hauchte ich ganz leise.
Dante und Luca drehten sich zum Eingang um und sahen mich dann wieder an.
„Verdammt, Alessandro. Die ist echt süß.“
Ich ignorierte Lucas Kommentar.
Ich konnte meine gierigen Augen nicht von dieser Schönheit abwenden. Verdammt, war sie hübsch. Wie sie sich gedankenverloren auf die Lippe biss und sich eine Strähne hinter das Ohr schob. Dieser leichte Schwung in ihren Hüften und die Kleidung, die ihren perfekten Körper betonte. Ich starrte auf ihre langen Beine. Mein Blick wanderte nach oben und ich fragte mich, wie sie unter dem kurzen Rock aussah. Ich stellte mir vor, wie mein Kopf zwischen ihren Schenkeln lag, während sie den Rücken durchbog und unter meiner flinken Zunge stöhnte. Ich wette, sie schmeckt verdammt süß.
„Alessandro!“, rief Luca. „Du starrst wie ein verdammter Perverser.“
Ich sah kurz zu meinem Freund. Als ich wieder zu dem Mädchen schauen wollte, war sie weg. „Mist. Ich wüsste gern, wer sie ist.“
„Warum quatscht du sie nicht einfach an?“, fragte Dante.
Ich lachte kurz auf. „Wenn du meiner Schwester endlich sagst, dass du sie heiß findest, darfst du mir Tipps geben.“
Ich hatte kein Problem damit, Frauen anzusprechen. Gar keins. Es war keine Angst, die mich bremste. Ich fragte mich nur, ob ich es wirklich wollte. Besonders nach der Sache mit Calista.
„Entschuldigung“, sagte eine zarte Stimme. „Ich würde gern Ihre Bestellung aufnehmen.“
Ich sah auf und mir blieb zum zweiten Mal die Luft weg. Die Haare der Göttin waren jetzt zu einem Dutt gebunden. Sie trug eine dunkle Brille, deren Bügel hinter ihren schönen Ohren verschwanden. Ich stellte mir plötzlich vor, wie es wäre, ihr schmutzige Dinge ins Ohr zu flüstern und wie ihr Körper bei meinen Worten beben würde.
Sie sah uns nacheinander an und lächelte süß. Ich merkte aber, wie nervös sie war, weil sie sich über die Lippen leckte und sich räusperte.
„Wir haben noch nicht in die Karte geschaut“, sagte Luca.
„Oh, das tut mir leid“, entschuldigte sie sich. „Soll ich Ihnen noch fünf Minuten geben?“
„Ich brauche keine fünf Minuten“, erwiderte ich. „Ich weiß genau, was ich will.“
Sie war es. Ich wollte sie.
„Ich nehme das Lendensteak mit Knoblauchbutter“, bestellte ich. Neeeein. Bloß keinen Knoblauch. „Warten Sie. Vergessen Sie das. Ich nehme das Steak mit Hummer.“
Sie notierte sich etwas in ihren Block. Ich sah ihre Augen hinter der Brille funkeln, bevor Dante und Luca ihre Wünsche äußerten.
„Okay. Es dauert nicht lange“, lächelte sie und sah uns drei an. „Ich glaube, Ihre Getränke sind gleich fertig.“
Ihre Wangen wurden rot. Ich fragte mich, warum sie so errötet war. Sie räusperte sich und lief zur Bar. Mein Blick klebte die ganze Zeit an ihrem prallen Arsch. Gott, stell dir vor, wie das auf mir auf und ab springt.
Der Kellner brachte uns die Drinks. Ich griff nach dem Whiskeyglas und führte es an die Lippen, während ich sie bei der Arbeit beobachtete. Sie stolperte ein paar Mal. Ich musste über ihre Unschuld lächeln. Mir fiel auch auf, dass nicht nur ich diese perfekte Frau anstarrte. Fast alle Männer im Laden beobachteten sie genauso intensiv wie ich. Obwohl sie mir nicht gehörte, spürte ich Wut in mir aufsteigen bei dem Gedanken, dass ein anderer Mann sie anfasste.
Als unser Essen fertig war, stellte sie die Teller auf ein Tablett und brachte es herüber. Kurz bevor sie unseren Tisch erreichte, stolperte die Kellnerin und alles fiel ihr aus den Händen auf den Boden.
„Oh Gott!“, murmelte sie.
Ich stand sofort auf, um ihr zu helfen. Aber der Besitzer des Ladens kam schon wütend angestürmt. „Schon wieder?“, brüllte er. „Warum zum Teufel habe ich dich überhaupt eingestellt?“
Sie sah zu Frankie auf. Ich hasste ihn jetzt schon dafür, wie er mit ihr redete. Ihre Stimme zitterte, als sie sich entschuldigte. „Es... es tut mir leid. Bitte. Es kommt nicht wieder vor.“
„Du bist es nicht wert“, spuckte Frankie aus. „Pack deine Sachen. Du bist gefeuert.“
Sie wirkte völlig am Boden zerstört und Tränen stiegen in ihre braunen Augen. Ich wollte das nicht länger mit ansehen. Ich streckte ihr die Hand hin und bemerkte ihr Namensschild an der rechten Brust.
Sia.
Sie zögerte kurz, dann berührte ihre weiche Haut meine Hand. Ich half ihr auf die Beine, aber sie wich meinem Blick aus. „Danke.“
Ich wandte mich an Frankie. „Mit dir rechne ich später ab.“
Frankie wusste genau, was das hieß. Er wusste, wer meine Familie war. Er schluckte schwer und haute ab. Er ließ mich mit der zitternden Sia allein.
Ich sah die Göttin vor mir an. Ihre Augen waren noch voller Tränen, aber sie starrte auf ihre Hand, die ich immer noch festhielt.
Sie zog sie schnell zurück und sagte mit brüchiger Stimme: „Es tut mir leid. Ich packe meine Sachen.“
Ganz vorsichtig hielt ich sie am Ellbogen fest und flüsterte: „Warte.“
Ihr warmer Körper war gefährlich nah an meinem. Es kostete mich jede Menge Selbstbeherrschung, sie nicht einfach für mich zu beanspruchen.
„Ja?“, hauchte sie, und es klang fast wie ein Gedicht.
„Komm und arbeite für mich.“
Sias sanfte Augen trafen meine und sie hielt kurz den Atem an. „Was?“
„Du bist gerade gefeuert worden. Du hast keinen Job mehr, oder? Komm und arbeite für mich.“
Ich wusste nicht, wie dringend sie einen Job brauchte. Aber ich wusste verdammt sicher, dass ich sie unbedingt in meiner Nähe haben wollte. Auf jede Weise, die sie zuließ.
„Ich weiß nicht. Was machen Sie denn beruflich?“
„Meine Familie besitzt eine Sicherheitsfirma. Bitte“, flehte ich sie an. „Lass mich das für dich tun.“
Ich griff nach hinten, holte mein Portemonnaie raus und gab ihr meine Visitenkarte.
„Elite Security?“ Sie sah mich wieder an. „Ich glaube, von denen habe ich schon mal gehört.“
„Das wundert mich nicht“, antwortete ich. „Also, was sagst du? Arbeitest du für mich?“
Ein langsames Nicken war alles, was ich brauchte, um mich zum Lächeln zu bringen.
Sie wusste es noch nicht, aber ich würde dieses Mädchen zu meinem Eigentum machen. Sia wird mir gehören.
ANMERKUNG DER AUTORIN.
Hallo, meine lieben Leser.
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt, diese Geschichte zu lesen. Ich würde mich freuen, wenn ihr nach jedem Kapitel abstimmen würdet. Das hilft uns Autoren ungemein.
Alles Liebe und danke für eure Unterstützung,
Lizzie Lioness