PROLOGUE
„Hey, Mann. Bist du sicher, dass du mein Feuerzeug nicht gesehen hast?“
Jase folgt Evan mit den Augen und kichert in sich hinein. Er beobachtet, wie Evans lange Gestalt vornübergebeugt das Zelt zum zweiten Mal absucht. Er lässt den Deckel des vermissten Zippos auf- und zuschnappen, zündet seinen Joint an und inhaliert. „Nö. Guck vielleicht noch mal in deiner Tasche nach.“
Jases Geist beginnt in einen euphorischen Nebel abzudriften. Er nimmt einen weiteren langen Zug von seinem Joint und der süße Rauch entspannt seine Muskeln. Seine Gedanken werden langsamer, während er sich zurücklehnt und den dunklen Himmel bewundert. So verdammt leichtgläubig. So scheiß leichtgläubig.
„Bist du sicher? Ich bin mir absolut sicher, dass du es zuletzt hattest. Hast du es nicht gerade erst...“ Evan hält inne und starrt auf den brennenden Joint, der in Jases Mundwinkel hängt. „Verdammt!“, spuckt er aus, während er die Fäuste ballt. „Warum bist du eigentlich immer so ein komplettes Arschloch?“
Jase grinst vor sich hin und starrt weiter in die Sterne. Rauch quillt aus seinen Nasenlöchern, während er noch einen Zug nimmt.
„Im Ernst, Jase, du bist ein verdammter Wichser“, knurrt Evan. Er stapft rüber zum Feuer, wobei seine Stiefel im Schlamm stecken bleiben. Dann schnappt er sich das Feuerzeug aus Jases ausgestreckter Hand.
„Vielleicht liegt es daran, dass du so eine Pussy bist“, dehnt Jase die Worte. Er senkt den Kopf und bläst Evan den Rauch mitten ins Gesicht.
„Kannst du nicht mal für fünf Sekunden kein Mistkerl sein? Im Ernst, Jase, wir müssen hier draußen noch drei Nächte die Füße stillhalten, bis unser Kontakt uns hier rausholt. Ich fände es gut, wenn du das hier nicht auch noch vermasselst“, höhnt Evan und fährt sich mit der Hand durch sein dreckiges, verfilztes Haar.
Jase zieht seine rote Skijacke zu, als die Kälte der Nacht einsetzt. Er rollt mit den Augen, während ein träges Lächeln auf seinen rissigen Lippen erscheint. „Ev, Alter, ich schwör’s dir, es war nicht meine Schuld. Sie wollte es doch auch.“ Er streckt seine langen Beine aus. Bei der Erinnerung an jene Nacht wird sein Cock hart. Er seufzt: „Woher sollte ich wissen, dass sie schon vergeben war? Ich meine, sie hatte keine Markierung. Für mich war sie Freiwild, und VERDAMMT! Du hast sie doch gesehen, wie sie getanzt hat, diesen Körper. Fuck, ich hab nicht...“
Evan funkelt ihn wütend an und spottet: „Jase, du kannst nicht so dämlich sein. Hättest du dir nur eine Sekunde Zeit genommen, um an ihr zu riechen, hättest du gewusst, dass sie besetzt ist. Du lässt wie üblich nur deinen Schwanz denken. Jetzt hocken wir beide hier draußen fest und verstecken uns, bis wir endlich aus diesem verdammten Loch verschwinden können.“
Jase streicht mit einer schmutzigen Hand über seine Hose und nimmt noch einen Zug. Seine Kleidung stinkt allmählich vom langen Tragen. „Ev, Mann, selbst du wusstest nicht, wer sie ist. Ich meine, Scheiße! Wir hatten sie nicht mehr gesehen, seit sie ein Kind war. Woher sollte ich wissen, wer sie ist?“
„Vielleicht hättest du sie fragen sollen, bevor du versucht hast, deinen Schwanz in sie reinzustecken“, entgegnet Evan. Sein Gesicht ist voller Zorn, während er ins Feuer starrt.
„Ich habe sie gefragt. Es ist nicht meine Schuld, dass sie es nicht klargestellt hat. Und dich hat keiner gezwungen, mitzukommen“, stöhnt Jase. Er ist genervt von Evans ständigem Gejammer. Dessen Laune droht ernsthaft, seinen Rausch zu verderben.
„Nein, aber ich war MIT dir zusammen, und jetzt stecken wir beide bis zum Hals in der Scheiße.“ Evan zündet sich eine Kippe an und kratzt sich im Gesicht. Stirnrunzelnd sagt er: „Ich geh mal pissen. Versuch, nichts anderes zu verkacken, während ich weg bin.“
„Was auch immer, Mann“, seufzt Jase erneut. Er sieht zu, wie Evan im umliegenden Wald verschwindet, der voll mit Blaufichten und Weymouth-Kiefern steht. Er dreht sich wieder zu den Flammen, greift nach einem Stock und stochert in der Glut. Er versucht, mehr Wärme aus ihrem kleinen Lagerfeuer herauszuholen.
Seine Gedanken driften zurück zu jener Nacht, ihrem Körper, ihren stürmischen Augen. Er denkt daran, wie sie sich unter ihm angefühlt hat, als sie sich wand. Er stöhnt auf.
Zwei Wochen ist dieser Fehler jetzt her, und seitdem halten sie sich versteckt. Das Mädchen sollte eigentlich nicht verletzt werden. Es war nur als kleiner Spaß gedacht. Aber jetzt sitzen sie hier fest und verstecken sich vor denen, bis sie ihren Transport treffen und endlich Land gewinnen können.
Ein einziger falscher Schritt könnte der Ranch ihren Standort verraten. Das wäre schlecht. Verdammt schlecht.
Jase nimmt eine Dose aus der Kühlbox und öffnet ein weiteres Bier. Er nimmt einen großen Schluck und die leicht warme Flüssigkeit beruhigt seinen Hals. Ihre Vorräte sind aufgebraucht, um Essen und Trinken kühl zu halten. Jetzt müssen sie mit dem klarkommen, was die Natur hergibt. Er schaut auf seine Uhr und bemerkt, dass Ev schon seit zehn Minuten weg ist. So lange sollte das Pissen eigentlich nicht dauern. Es sollte nicht so lange dauern.
Jase steht auf, streckt sich und richtet mit der Hand seinen halbsteifen Cock. Er grunzt, bevor er in dieselbe Richtung losläuft. Seine Stiefel bleiben im Schlamm stecken. Jase rutscht auf dem nassen Boden aus und flucht, während er sich wieder aufrichtet.
„Ev, wie lange dauert das Pissen eigentlich? Spielst du an dir rum oder was?“ Er ruft laut, um nicht noch weiter rausgehen zu müssen und Evan aus Versehen beim Wi hsen zu erwischen. Als er ein Stöhnen hört, zögert Jase. Er reckt den Hals und spitzt die Ohren.
„Im Ernst, Ev, du holst dir hoffentlich nicht gerade einen runter.“ Er geht noch ein paar Schritte. In der Ferne sieht er eine Bewegung, während ein weiteres Stöhnen durch die Nacht schallt. Er schleicht näher und schaut nach unten. Er sieht Evan, der über den Boden kriecht. Sein Mund steht offen, dunkle Flüssigkeit quillt heraus. Über ihm auf seinem Rücken hockt eine gewaltige, dunkle Gestalt.
„Jase!“, keucht Evan. Noch mehr Flüssigkeit läuft aus seinem Mund, während er spricht: „Lauf!“
SCHEISSE, SCHEISSE, sie haben uns gefunden! Sein Herz hämmert wild in der Brust und die Angst tötet seinen Rausch sofort ab. Jase rennt los, zurück zum Zelt, wo er seine Waffe weiß. FUCK! Nicht genug Zeit zum Shiften. Er bricht durch das Unterholz und erreicht ihr kleines Lager. Jase läuft so schnell ihn seine Beine tragen.
Erleichterung überflutet ihn, als er nur noch einen Fuß von dem grün-grauen Stoff entfernt ist, der im Feuerschein leuchtet. Er stoppt an der Zeltklappe und greift nach dem Reißverschluss. Plötzlich explodiert Schmerz in ihm. Ein stechendes Gefühl durchbohrt sein Fleisch. Der Schock lässt seinen Körper erstarren. Jase schluckt schwer und versucht zu atmen. Er öffnet den Mund, doch Blut sprudelt aus seiner Kehle hoch. Vor Schmerz verschwimmt ihm die Sicht. Er blickt an sich herab und sieht seine Jacke. Der Stoff ist zerrissen. Eine rote Hand mit spitzen Krallen kommt aus seiner Brust heraus – genau dort, wo sein Herz sein sollte.
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„Ist es erledigt?“
Er führt das Telefon zum Mund und antwortet: „Es ist erledigt!“
„Saubermachen?“
„Morgen.“