Was für ein Mate du doch bist

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Zusammenfassung

Marvel ist die Tochter des Betas des Crescent Moon Packs. Sie hatte ein großartiges Leben, feierte mit ihren Freunden und genoss ihre Unabhängigkeit. Als ihr zwanzigster Geburtstag vor der Tür stand, wusste sie, dass sie ihren Mate finden würde. Doch er schien kein Mitglied ihres Rudels zu sein. Zumindest dachte sie das... Enzo ist der nächste Alpha des Crescent Moon Packs und soll die Führung übernehmen, sobald er seine Mate gefunden hat und sesshaft geworden ist. Das Problem ist, dass er für all das einfach noch nicht bereit ist. Als er also eines Nachts in den Wolf's Den stolpert, ist er bestürzt, die Anwesenheit seiner Mate zu entdecken. Er entscheidet sich dazu, sich zu verstecken, anstatt sie sofort zu akzeptieren. Was werden die Konsequenzen seines Handelns sein?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
47
Rating
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Altersfreigabe
18+

Crescent Falls

Willkommen in Crescent Falls. Die Einwohnerzahl liegt bei etwa tausend Seelen. Es ist ein ruhiges, verschlafenes Nest. Es gibt nur eine Hauptstraße mit ein paar Läden und einigen einheimischen Betrieben. Der Rest des Ortes besteht aus Wohnhäusern für die Bürger. Das einzige andere Gebäude, das auffällt, ist das prachtvolle alte Herrenhaus. Es steht mitten im einzigen Park der Stadt. Das ist das Haus des Bürgermeisters – zumindest würde man das jedem Menschen so erzählen.

Wir nennen es das Rudelhaus. Hier wohnen der Alpha und seine Familie, zusammen mit der Familie des Betas. Ganz genau: Crescent Falls war wie jede andere Kleinstadt in Nordamerika, bis auf einen gewaltigen Unterschied. Crescent Falls ist in Wahrheit das Territorium des Crescent-Moon-Rudel. Was für Menschen nur ein winziges Dorf ist, das kaum der Rede wert scheint, ist für uns die Heimat eines der größten Werwolfrudel der Welt.

Niemand muss sich hier jedoch fürchten. Unser Rudel ist so groß geworden, weil unsere Anführer gütig sind, nicht wegen ihrer Grausamkeit. Wir halten uns von Menschen so gut es geht fern. Wir sind lieber unter uns, statt mit der Gesellschaft zu interagieren. Wir verlassen Crescent Falls nicht oft. Und niemand kommt her, außer man hat hier geschäftlich zu tun – was selten vorkommt.

Wer ich bin, fragst du dich? Nun, ich bin Marvel. Marvel Hala, um genau zu sein. Ich bin das einzige Kind des aktuellen Betas Jonas Hala und seiner Gefährtin, meiner Mutter Shirin. Das bedeutet, dass ich zusammen mit dem Alpha und seiner Familie im Rudelhaus lebe. Es ist wichtig, dass der Beta für seinen Alpha immer erreichbar ist. Aus diesem Grund teilen sich die zwei Familien das Herrenhaus und wohnen jeweils am entgegengesetzten Ende.

Der Rest des Hauses steht leer. So ist genug Platz für Gäste des Rudels oder für Mitglieder, die gerade eine Pechsträhne haben. Die einzigen anderen festen Bewohner sind der künftige Beta und seine Gefährtin. Das ist zufällig eine meiner besten Freundinnen, Aida.

Als Aida vor ein paar Monaten herausfand, dass der künftige Beta Tyrus ihr Gefährte ist, war ich außer mir vor Freude. Nicht nur, weil ich mich für meine Freundin freute, sondern weil wir so zusammenleben konnten. Zumindest, bis ich meinen eigenen Gefährten finde. Sobald das passiert, muss ich aus dem Rudelhaus ausziehen und zu ihm ziehen.

Aida und ich haben es genossen, in den letzten Monaten zusammenzuwohnen. Unsere andere beste Freundin, Kiara, hat meistens in meinem Zimmer übernachtet, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlt. Doch leider scheint diese Zeit nun zu Ende zu gehen. Heute ist mein zwanzigster Geburtstag. Das ist der Tag, an dem meine Wölfin endlich ihren Gefährten erkennen kann – vorausgesetzt, er gehört zu unserem Rudel.

Wölfe haben während des Aufwachsens viele wichtige Etappen. Mit zehn Jahren lernen wir den Mindlink des Rudels zu nutzen. Damit können wir im Notfall in unseren Köpfen mit dem Alpha, der Luna und unseren Eltern kommunizieren. Das ist extrem praktisch, wenn wir unsere Wolfsgestalt annehmen, da wir dann nicht normal sprechen können.

Mit dreizehn erleben wir bei Vollmond die ersten kleinen Veränderungen. Unsere Gefühle werden intensiver und unsere Wolfssinne schärfer. Auch der Körper verändert sich: Die Schnauze wird länger und wir bekommen tödliche Krallen.

Mit fünfzehn verwandeln wir uns schließlich zum ersten Mal komplett in Wölfe. Das geht allerdings nur bei Vollmond. Also können wir uns nur eine Woche im Monat verwandeln.

Das ändert sich mit achtzehn. Ab dann können wir die Verwandlung kontrollieren. Wir werden zum Wolf, wann immer wir wollen, egal zu welcher Tageszeit oder Mondphase. Unser Körper ist nicht mehr auf die Führung der Mondgöttin angewiesen, um zu zeigen, wer wir wirklich sind.

So wichtig der achtzehnte Geburtstag auch war – der bedeutendste Tag ist der zwanzigste. Dann schenkt uns die Mondgöttin die Fähigkeit, unseren Gefährten zu spüren. Er ist die andere Hälfte unserer Seele. Die Göttin wählt ihn persönlich für uns aus, basierend auf unseren Bedürfnissen und Stärken.

Als Tochter eines Betas wurde von mir erwartet, dass ich einen starken Wolf mit hohem Rang finde. Solche Dinge waren mir aber egal. Ich wollte einen Gefährten, weil ich jemanden wollte, der mich bedingungslos liebt. Es war mir gleich, ob er ein Alpha oder ein Omega ist, solange wir uns gegenseitig lieben.

Das bringt uns zu meiner aktuellen Zwickmühle …



„Alles Gute zum Geburtstag!!!“

Meine Gedanken wurden unsanft durch das Kreischen meiner zwei liebsten Wölfinnen unterbrochen. Aida und Kiara stürmten durch meine Zimmertür und sprangen auf mein Bett. Ich stöhnte genervt, konnte mir ein Lächeln aber nicht verkneifen. Wir lachten alle zusammen, während sie über mich herfielen.

„Und, Marvel? Jetzt, wo du offiziell zwanzig bist, fühlst du dich irgendwie anders?“, fragte Kiara, nachdem wir uns beruhigt hatten.

Kiara war die Letzte aus unserer Gruppe, die zwanzig wurde. Aida hatte ihren Zwanzigsten vor ein paar Monaten gefeiert und dabei erfahren, dass Beta Tyrus ihr Gefährte ist. Kiara hatte noch ein wenig Zeit. Ich war mir aber nicht sicher, ob sie es überhaupt eilig hatte. Kiara genoss ihre Unabhängigkeit und ich glaube, sie hatte Angst, dass ein Gefährte sie nur einschränken würde.

Ich war mir bei der ganzen Sache selbst unsicher. Einerseits hatte ich wie jede andere Wölfin schon als kleines Mädchen davon geträumt, meinen Gefährten zu finden. Ich hatte auch gesehen, wie glücklich Aida mit Tyrus war. Ihr gemeinsames Leben wirkte perfekt. In unserem Rudel gab es viele Beispiele für diese unvergleichliche Liebe.

Andererseits musste ich zugeben, dass ein kleiner Teil von mir so dachte wie Kiara. Ich war eine unabhängige Wölfin und hatte eigene Träume und Ziele. Was, wenn mein künftiger Gefährte mich nicht so unterstützte, wie ich es hoffte? Außerdem war ich seit meiner Welpenzeit als Kriegerin ausgebildet worden. Ich hatte oft erlebt, dass Kriegerinnen ihren Gefährten trafen und danach nie wieder zum Training kamen. Ihre Gefährten wollten nicht, dass sie sich im Kampf in Gefahr brachten. Das verstand ich bis zu einem gewissen Punkt. Aber ich war die Tochter eines Betas. Ich war keine schwache Wölfin. Ich würde nicht tatenlos zusehen, wenn mein Rudel bedroht wird, egal was mein Gefährte davon hielt.

Ich zuckte auf Kiaras Frage hin nur mit den Schultern. Ich glaubte nicht, dass ich mich anders fühlte. Meinen Gefährten hatte ich jedenfalls noch nicht gespürt. Alles war wie immer. Ich nahm an, dass es so bleiben würde, bis mein Gefährte und ich uns gegenseitig entdeckten.

„Na ja, dein Geruch ist anders. Er ist stärker, fast so, als würde er jemanden herbeirufen. Genau wie damals bei Aida“, neckte Kiara mich.

„Entweder das, oder du musst ECHT mal unter die Dusche“, fügte Aida hinzu.

Ich starrte sie mit offenem Mund an und tat beleidigt. Aida und Kiara brachen beide in Gelächter aus.

„Hey, niemand hat euch gesagt, dass ihr in mein Zimmer kommen und zu mir ins Bett klettern sollt“, kicherte ich.

„Wir mussten deinen faulen Arsch doch wecken. Los jetzt! Wir wollen unsere Morgenrunde rennen.“

„Schon gut“, antwortete ich und streckte meine Glieder. „Ich zieh mir nur schnell eins von Enzos alten Shirts über.“

Ich entschied mich für etwas Altes und Weites. So musste ich mich nicht extra schick machen, nur um mich im Wald wieder auszuziehen. Es war völlig normal, dass Frauen hier nur in einem großen Shirt oder einem lockeren Kleid herumliefen. Genauso wie die Männer oft nur Shorts trugen.

„Wo wir gerade von Enzo sprechen …“, fing Kiara an zu sticheln. „Glaubst du, es gibt eine Chance, dass er dein Gefährte ist?“

„Wäre das nicht perfekt!“, quietschte Aida vor Begeisterung. „Dann wärst du die Luna und ich wäre dein Beta! Du müsstest nicht mal aus dem Rudelhaus ausziehen! Außerdem bist du schon EWIG in den Typen verknallt. Es würde einfach Sinn ergeben.“

Sie hatte nicht unrecht. Ich war in Enzo verknallt, seit ich denken konnte. Er war immerhin der hübscheste Mann, den ich je gesehen hatte, mit seinem kastanienbraunen Haar und den verführerischen grünen Augen. Sein Körper war so perfekt definiert, dass jeder griechische Gott neidisch geworden wäre. Nicht zu massig, aber auch nicht zu dünn. Zudem sollte er der nächste Alpha des Crescent-Moon-Rudels werden. Wenn er nicht so ein Frauenheld wäre, wäre er für jede Wölfin ein toller Fang.

„Ja, klar. Enzo weiß doch kaum, dass ich existiere. Wenn wir nicht im selben Haus wohnen würden, wüsste er wahrscheinlich nicht mal meinen Namen. Er nennt mich ja nie bei meinem Vornamen, sondern immer nur Hala.“

Als wir klein waren, standen Enzo und ich uns sehr nah. Es war leicht, beste Freunde zu sein, weil wir die einzigen Kinder waren, die fest im Rudelhaus wohnten. Es war üblich, dass Alphas und Betas nur einen Welpen hatten, da sie ihre Zeit dem gesamten Rudel widmen mussten. Sie zeugten einen Erben und hörten dann auf, während andere Familien im Rudel meist viel größer waren.

Als wir älter wurden, lebten Enzo und ich uns langsam auseinander. Er stand mehr auf Jungs-Sachen und ich mochte ab und zu typische Mädchen-Dinge. Dann, eines Tages und ohne Vorwarnung, verbrachten wir gar keine Zeit mehr zusammen. Er hörte auf, mich Marvel zu nennen, und benutzte nur noch meinen Nachnamen. Er würdigte mich kaum eines Blickes. Ich hatte keine Ahnung, was ich falsch gemacht hatte, dass er so abweisend wurde. Ich erfuhr den Grund nie, aber so leid es mir tat und so dumm es auch war: Egal wie kalt er zu mir war, meine Gefühle für ihn änderten sich nie. Ich wusste, dass es lächerlich war, und ich hasste mich selbst dafür, aber ich konnte nichts dagegen tun.

„Sie will doch sowieso nicht mit diesem Arschloch zusammen sein“, spottete Kiara, die meine Enttäuschung spürte, als ich an Enzo dachte. „Er ist SO von sich überzeugt. Er denkt echt, er wäre das Geschenk der Göttin an die Frauenwelt. Würgreiz!“

Ich kicherte über Kiara, während ich mich fertig machte. Aida rollte nur mit den Augen. Sie träumte immer noch davon, dass wir zusammen die beiden ranghöchsten Wölfinnen im Rudel sein würden. Träumen darf man ja wohl noch.

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Toller Charakter

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