Kreuzfahrt oder doch nicht?

Sie hatten die erste Nacht auf dem Kreuzfahrtschiff hinter sich. Und Mark versuchte, sich an den gestrigen Tag zu erinnern. Was zum Geier war gestern, warum bin ich so fertig mit der Welt? Mark lag im monströsen Bett in seiner Kabine und schaute sich langsam um. Wo bin ich überhaupt und warum tut mein Rücken so weh? Langsam kamen die Erinnerungen wieder. Mosaikartig setzten sich die Einzelbilder in seinem Kopf wieder zusammen. Die Kapelle, wie sie wunderschön erstrahlte und plötzlich wieder zusammenfiel. Eine Fratze erschien vor seinem inneren Auge und Mark stöhnte auf. Dieses elende Monster, das Vivian so gequält hat. Schlagartig saß Mark in seinem Bett und blickte sich suchend um. "Sieht aus wie eine Schiffskabine" murmelte er vor sich hin, als er das Bullauge entdeckte. Er sah sich weiter um und langsam, ganz langsam tropfte seine Erinnerung in sein Bewusstsein. Höllische Schmerzen am Rücken brannten wieder auf. Dann eine Weile Nichts und auf einmal eine wohltuende Stille, die von einer wunderschönen Frau mit einem betörenden Lächeln beendet wurde.
Bastet! Unwillkürlich begann Mark verzückt zu lächeln und seine Schmerzen waren wieder vergessen.
Plötzlich klopfte es vom Nebenraum und seine Tür flog auf, noch bevor er "Herein" rufen konnte.
In der Tür stand Carlos und Vivian stand auf Zehenspitzen hinter ihm und versuchte, einen Blick auf Mark zu erhaschen.
Carlos lachte schallend los: "Sag mal du schläfst noch?" Vivian stimmte lachend ein: "Du hast doch gerade erst einen 12 Stunden Schlaf hinter dir! Wieso schläfst du schon wieder?" platzte es aus ihr raus. Mark schaute die Beiden verdutzt an "Was?" stieß er etwas schrill hervor. "Wo sind wir überhaupt?"
Carlos schaute erschrocken zu Vivian und diese schüttelte langsam den Kopf und sah erst zu Mark, dann zu Carlos und wieder zurück zu Mark.
"Ich fass es nicht" stammelte Carlos. "Was ist los, Mark?" fragte nun auch Vivian, indem sie sich an Carlos vorbei in die Kabine drängelte. "Wir waren bei Frühstück, alle zusammen und dann hat uns Bastet auf Weltreise geschickt" Sie sah auf die Uhr: "Das war vor 2 Stunden!"
Mark schrak zusammen. Was war hier los? Wieso konnte er sich nicht daran erinnern? Hilfesuchend blickte er zu Carlos und Vivian.
Carlos nickte verstehend und fragte ihn: "Was ist das letzte an was du dich erinnerst?" Mark dachte angestrengt nach. Aber da war nur ein schwarzes Loch ... Mark stöhnte auf, drückte den Rücken durch und versuchte, sich das Schlafanzugoberteil vom Rücken zu halten.
"Schwarzes Loch ... Schmerzen" stöhnte er auf. Vivian wurde bleich und schwankte zum nächstbesten Stuhl. Carlos riss die Augen auf und half seinem Cousin, das Oberteil auszuziehen. Mitten in der Bewegung hielt er inne. "Beim Himmel!" flüsterte er. "Was ist da, warum tut mein Rücken so weh?" vernahm er von Mark. "Nichts weiter, du wirst dich verlegen haben" murmelte Carlos zurück und deutete Vivian an, mit nach zusehen. Vivian schielte um Carlos herum und schlug die Hand vor den Mund, bevor ihr ein Aufschrei entkam.
Marks Rücken war von roten Striemen gezeichnet, welche immer wieder rot aufleuchteten als würde ein eigener Puls ihnen Leben einhauchen. Sie waren an den Rändern schon fast ins lila verfärbt und immer wenn Mark aufstöhnte, blinkten sie gelblich auf. Es sah fast aus, als würden sie immer wieder von Neuem aufgeheizt.
"Kühlen soll da helfen" stammelte Vivian und stob los, um Kühlakkus zu holen.
Carlos sah ratlos zu Mark. "Komm erst mal duschen Großer" sagte er leise und half Mark beim Aufstehen.
Mark sah sich hilflos um und Carlos zeigte nach rechts "Da lang" führte er Mark in die Richtung von der Nasszelle.
Das Bad war für ein Schiff ziemlich geräumig, es hatte zwar nur ein winziges Bullauge, aber dafür eine mondäne Einrichtung.
Alles war in Marineblau gehalten mit Beige abgesetzt. An den Wänden war mittig eine beige Kachelreihe ringsum, welche eine goldene Krone in der Mitte jeder Kachel hatte. Die Armaturen waren selbstverständlich Gold, selbst die Kloschüssel war vergoldet. Die Dusche war schwarz abgegrenzt und hatte ebenfalls eine dunkle Glasfront. Beim Benutzen wurde diese jedoch milchig, so dass keiner hindurchsehen konnte. Doch Mark hatte für die Schönheit des Bades kein Auge, er ließ sich erschöpft auf den Hocker fallen, der vor der Dusche stand. So wird das nichts! Dachte sich Carlos. Er stellte das Wasser auf kalt und hielt einen Waschlappen darunter, bis dieser durchtränkt war. Dann wrang er ihn etwas aus und reichte ihn Mark. "Wasch dir wenigstens dein Gesicht, vielleicht wird es etwas besser."
Mark nickte kaum merklich und nahm Carlos den Waschlappen ab. Plötzlich stand Vivian in der Tür mit den Kühlakkus. Vorsichtig legte Sie den Ersten auf Marks Rücken.
"Ahhh" zischte er verhalten auf. Kurz darauf sah er Vivian dankbar an. "Mmmhhh, viel besser, danke dir, Schwesterherz".
Vivian sah ihm ungläubig ins Gesicht und dann auf Carlos. Sie deutete auf den Rücken und nahm kurz den Kühlakku etwas vom Rücken weg. Carlos stieß ein Laut der Verblüffung aus. "Hhhöhh?" Der Rücken war wieder völlig normal.
"Mark?" fragte er vorsichtig "Ja?!" erwiderte Mark, der auf einmal den Eindruck machten, als könne er Bäume ausreißen. Er stand auf, dabei fiel der Akku runter, drehte sich zu den Beiden um und fragte sie: "Warum zum Geier, seid ihr in meinem Bad?"
Die beiden sahen sich verständnislos an, Vivian hob den Kühlakku auf, ging an Carlos vorbei und nuschelte: "Das soll mal einer verstehen". Carlos, hingegen hob an: "Was ist los mit dir Junge?" Er streckte den Zeigefinger aus und fing an, vor Marks Gesicht damit zu fuchteln, als wäre er seine Großmutter und würde "Dudu" mit ihm machen.
"Wolltest du uns verarschen oder was? Hast‘ dir heimlich Schminke auf den Rücken gemacht und so getan als ob du keine Erinnerung mehr hast? Geht's noch?" Carlos wurde stinksauer und Mark sah ihn betroffen an. "Aber ich habe doch nichts gemacht? wieso steht ihr auf einmal in meinem Bad? Ich weiß nicht mal wie ich hergekommen bin?"
Mark kratzte sich am Kopf. Carlos schimpfte weiter, doch er hörte nicht mehr zu und machte eine abwehrende Handbewegung. Er grübelte. Wir waren beim Frühstück, dann hat uns Bastet aufs Schiff geschickt und auf einmal bin ich im Schlafanzug, im Bad?
Während er grübelte, wurde Carlos leise und sah Mark betroffen an. Dieser sah aus, als würde er angestrengt nachdenken. Er fuhr mit den Fingern in der Luft herum, als versuche er damit, den Gedanken eine bestimmte Richtung zu geben. Als er sah das Mark völlig verzweifelt mit dem Zeigefinger von der Suite auf sein Bett, dann ins Bad und anschließend auf seinen Schlafanzug zeigte, wurde ihm bewusst, dass Mark WIRKLICH nicht wusste, wie er in diese Situation kam.
Carlos hielt sich am Türrahmen fest. "Bastet?!" war das letzte, was er noch hervor bekam, bevor er ohnmächtig wurde.








