Kapitel 6
Balthasar besuchte seine Mutter gerne, meistens kam er für mehrere Wochen her, wozu er seinen Urlaub benutzte, aber dieses mal hatte er überraschend einige Tage frei bekommen und da er eh in der nähe gewesen war, hatte er kurz vorbei schauen wollen. Eigentlich hatte er damit gerechnet, das er sich hier nur mit seinen Brüdern herum ärgern würde, das jetzt war eine willkommene Abwechslung. Auch wenn er nicht wusste, das die Kleine hier zu suchen hatte. Das würde er schon noch früh genug heraus finden. Gerade gefiel es ihm einfach zu gut, wie sie sich nicht im geringsten von seinen Brüdern beeindrucken lies und sich völlig entspannt gab.
Hätte er gewusst, das es mit den Dorfbewohner wieder ärger hab, hätte er sich noch ein paar Tage länger Zeit genommen, aber daran ließ sich erst mal nichts ändern.
„Das sind mehrere Sprachen. Man soll es ja auch gar nicht lesen!“, murmelte sie in ihre Arme.
„Welcher Wissenschaftler möchte nicht gelesen werden?“, er konnte es nicht lassen und blätterte, zum gefühlt tausendsten mal, durch das Notizbuch.
„Jeder!“, murrte sie, noch immer an ihre Arme gewandt, „Vor allem nicht Notizen, die noch nicht vollendet sind!“
„Oh, du bist eine Wissenschaftlerin?“, seine Mutter klang hoch erfreut, „ Wie schön! Endlich mal ein Mädchen das was im Kopf hat!“
„Das behauptet sie zumindest. So sicher bin ich mir da noch nicht.“, bemerkte Balthasar, über den oberen Rand des Buches hinweg.
Ein knurren und ein paar Worte in einer ihm fremden Sprache waren ihre Antwort darauf.
„Es wird langsam spät, wie wäre es, wenn du heute hier übernachtest? Dann könntet ihr morgen früh in die Stadt fahren, wenn es noch nicht so heiß ist.“, wechselte seine Mutter plötzlich das Thema.
Damit hatte sie nicht nur ihn überrascht, sondern auch Elias, seinen jüngeren Bruder. Es passte zu seiner Mutter, das sie zu jeder Zeit bekannte einlud, sie liebte es für möglichst viele Gäste zu kochen, aber das sie bei einer fast Fremden so forsch vorging, was doch etwas neues. Das machte ihn dann doch ein wenig Nervös. Er war es sich gewöhnt, das seine Mutter versuchte ihn zu verkuppeln, aber das jetzt war ein neues Stadium.
Jetzt hob auch Keona den Kopf wieder von ihren Armen und sah leicht überfordert erst zu seiner Mutter und dann zu ihm rüber. Er zuckte leicht mit den Schultern, nickte aber gleichzeitig.
„Ähm, ja...“, sie leckte sich mit der Zungenspitze über die Unterlippe, was Elias zu seine missfallen sehr genau beobachtete, „Warum eigentlich nicht. Ich hab eh in der Gegend zu tun...“
„Wissenschaftliche Untersuchungen?“, fragte Balthasar zuckersüß.
Würden Blicke töten können, hätte ihrer ihn zumindest sehr über verbrannt, aber es geschah nichts weiter und er erwiderte ihn mit einem breiten lächeln.
„Um genau zu sein, ja.“, sie richtete sich ein wenig gerader auf und rümpfte die Nase, „Ich bin hier, um die Verbreitung der lokalen Höllenhund-Population zu untersuchen. Dazu hätte ich auch ein paar Fragen, wenn es ihnen nichts ausmacht, Ma´am.“
„Nenn mich doch bitte Mary.“, sie streckte ihre Hand über den Tisch aus und tätschelte ihre Hand.
„Höllenhunde?“, Balthasar lehnte sich ein wenig auf seinem Stuhl nach hinten.
„Wenn du willst, kann ich dir später ein paar Plätze zeigen, von wo aus man sie gut sehen kann.“, Elias zwinkerte und änderte seine Haltung ein wenig, so das ihm sein sehr weit aufgeknöpftes Holzfällerhemd ein wenig weiter über die Brust aufklaffte, „Hier draußen kann man wundervoll die Sterne betrachten! Wir könnten uns eine Decke mitnehmen, es uns irgendwo gemütlich machen... ich hab sicher auch noch eine Flasche Wein irgendwo.“
In dem Moment hätte nicht viel gefehlt und Balthasar hätte sich auf seinen Bruder gestürzt.
Es wäre nicht das erste mal das sie sich prügelten, aber dieses mal würde er nicht aufhören, wenn er ihn zu Boden gerungen hätte. Dieses mal würde er ihm Manieren beibringen.
„Hmm...“, Keona lächelte diesen kleinen Wurm auch noch an und leckte sich erneut die Lippen, „Ich glaube ich bin nicht dein Typ. Ich bevorzuge Whiskey.“
„Ich mag dieses Mädchen!“, seine Mutter lachte laut auf und klatschte wieder in die Hände.
„Glaub mir, mit mir nachts im Wald ist trinken das letzte woran du denkst!“, sein Bruder beugte sich ein wenig nach vorne, so dass das Hemd noch weiter aufklaffte und man einen guten Blick auf seine Brust hatte.
„Weil... ich weglaufe?“, sie neigte den Kopf fragend zu Seite.
Balthasar lachte laut auf und schüttelte den Kopf, „Las es, Elias! Sie ist dir weit überlegen!“
„Sie wird schon noch merken, was besser ist!“, Elias schnaubte, dann erhob er sich und ging in Richtung Wohnzimmer aus der Küche.
„Also, Schätzchen, ich mache dir ein Bett fertig, danach mache ich uns Abendessen!“, Seine Mutter erhob sich und verschwand ebenfalls, mit einem sehr breiten grinsen im Gesicht.
„Auf was habe ich mich da eingelassen?“, seufzte sie und rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht.
„Auf das beste Abendessen, das du im Umkreis von tausend Mailen finden kannst.“, antwortete er ihr, jetzt wo alle seine Brüder verschwunden waren um einiges Entspannter, „Vielleicht auch mehr. Aber mach dich darauf gefasst, das sie dich füttern wird. Sie ist der Meinung, das man bei Frauen keine Knochen sehen sollte.“
„Bekomme ich mein Notizbuch zurück?“, sie warf ihm einen missmutigen Blick zu.
„Nein. Aber wir können uns auf die Hintere Veranda setzen und über Höllenhunde reden, wenn du willst.“, er schlug das vor allem deswegen vor, weil es da nur zwei Stühle gab.
„Ja. Warum nicht?“, sie erhob sich seufzend und warf einen Blick zur Verandatür, „Was würde passieren, wenn ich jetzt los renne?“
„Du würdest ein gutes Abendessen verpassen.“, er zuckte mit den Schultern, „Du kannst gehen, wann immer die willst. Dieses mal bist du keine Gefangene. Was mich übriges an etwas erinnert... Was ist mit der Kette passiert?“
„Hey, du kannst einem Mädchen nicht schmuck umlegen, und ihn dann zurück verlangen! Das dürfen nur Juweliere!“, lachend ging sie zur Tür rüber.
„Dann könnten wir ja auf den Jungen zu sprechen kommen.“, er zuckte desinteressiert mit den Schultern, sah aber sehr wohl wie sie zusammenzuckte.








