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Oh, Hilfe...
Ich weiß gar nicht, was ich hier mache. Es war mir zu voll, zu eng, zu laut, viel zu viele lachende Menschen.
Ich meine, ich hab mich wirklich gefreut, als ich die Einladung von Cedric und Hannah bekam, und die Hochzeit war grandios! Aber wieso bin ich nicht sofort nach der Trauung gegangen?
„Weil du höflich bist und man noch länger bleibt“, hörte ich meine innere Stimme.
Scheiß doch mal auf meine Höflichkeit!
Außerdem gibt es kostenloses Essen. Das ist eher ein Punkt, den ich befolgen würde. Ich überblickte die Menge auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen.
Es gab kaum was.
Emilio saß grimmig in einer Ecke, Cedric lachte laut… und Christian brachte andere Leute zum Lachen. Also wie zur Schulzeit...
Ich beobachtete Christian eine Weile, und das auch wie zur Schulzeit...
Ich bewunderte schon früher seine Art, Kontakte zu knüpfen, andere zu begeistern und im besten Fall alles einfach zu ignorieren, wenn er zu sehr nervte. Ich hätte auch gerne solche Fähigkeiten.
Da! Es wurde tatsächlich ein Platz in einer Ecke frei! Ein älteres Ehepaar machte Platz, und ich war wie vom Teufel besessen sofort auf dem Weg und war sehr froh, als ich mich setzen konnte.
Ich stöhnte wohlig auf und genoss das Gefühl, alleine für mich hier zu sitzen.
Ich hatte zwar kein Buch zur Hand, aber das störte mich wenig; das Beobachten der Leute reichte erstmal.
Gerade als ich nochmal genießerisch aufatmen wollte, rückte der Stuhl von meinem Tisch nach hinten.
„Ist hier noch frei?“, hörte ich.
Ich runzelte meine Stirn und sah hoch. Ich spürte, wie meine Augen sich weiteten, als ich in blaue Augen sah.
Blaue Augen, die ich auf Klassenfotos studierte, bis es Abend wurde.
Christian stand vor mir.
„Äh... Ja. Klar“, murmelte ich.
Und da setzte er sich: dunkelblondes Haar, ordentlich zur Seite gekämmt, blaue Augen, makelloses Gesicht, freies Mundwerk.
Christian saß vor mir, und ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte.
Er fummelte an den Blumen auf dem Tisch rum, riss aus Versehen einen Blütenkopf ab und seine Augen weiteten sich.
Er steckte die Blüte schnell in das Glas.
„Oh Gott, Hannah tötet mich. Sag bloß nicht!“
Ich schüttelte lachend den Kopf.
„Keine Sorge.“ Ich räusperte mich, und er blickte sich um. „Wer hätte auch gedacht, dass die so zerbrechlich sind?“
Wahrscheinlich jeder.
Es herrschte Stille, und ich sah den Trubel auf der Tanzfläche zu. Lizzy zog Emilio auf die Tanzfläche, der sich wehrte, aber keine Chance hatte.
„Ich wusste gar nicht, dass du mit Cedric Kontakt hast.“
Meine Stirn runzelte sich, als ich ihn ansah.
„Habe ich auch nicht gehabt.“
„Aber?“
„Ich war eine der Krankenschwestern, die sich um ihn kümmerte, als er im Koma war.“
Er blinzelte.
„Ich hab dich gar nicht gesehen.“
„Ich habe meistens spät oder Nachtdienst.“
„Dann hast du ja mit meinem Vater zu tun.“
„Ja.“
„Mein Beileid.“
Sein Vater war wirklich kein leichter Zeitgenosse.
Und dann sah er mich an, als wäre er vom Blitz getroffen.
„W-was?“
„Dann kennst du ja Cedrics bestes Stück!“
„Oh Gott, Christian!“ Meine Hand traf mein Gesicht, als ich sie gegen mein Gesicht klatschte.
„Das ist mein Job. Ich erinnere mich gar nicht daran.“
Seine Augen wurden schmal.
„Komm schon! Jede Frau würde sich an Cedrics Ringelschwänzchen erinnern wollen!“
„Nein, kein Interesse, danke.“
„Ist sein Charme völlig unfähig bei dir?“
Ich nickte: „Absolut.“
Er dachte kurz nach: „Stimmt! Du warst auch nicht in einem der Cedric-Fanclubs in der Schule.“
„Gott bewahre, nein.“
„Bist du lesbisch?!“
„W-was?!“
„Die meisten Frauen fahren voll auf ihn ab. Ich will nicht wissen, wie viele Frauen hier Hannah gerade verfluchen!“
„Ich jedenfalls nicht. Ich habe... einen anderen Typ Mann.“
Meine Güte, Christian konnte jeden wie ein Reporter. Ein ziemlich penetranter Reporter.
Ich sah mich um, sah zu dem Brautpaar hoch. Cedric fütterte seine Hannah gerade mit einer Erdbeere. Sie wollte nicht, musste aber bei dem Versuch, den er tat, lachen.
„Anderen Typ?“, hörte ich Christian wieder.
„Bist du vergeben?“
„Was? Ich? Nein?“ Ich sah ihn verwundert an.
„Warum so verwundert? Du tust gerade so, als hätte niemand Interesse an dir.“
Ich lachte auf.
Interesse an mir.
Ich war viel zu ruhig für die meisten, ich verschwand in der Masse, und außerdem war ich sehr dünn, was die meisten dann doch nicht bevorzugten. Meine Haut war weiß, weil ich ungern rausgehe, meine Brille schlug zusätzlich alle in die Flucht. Immerhin hatte ich lange, schwarze und schöne Haare.
„Also, nein, ich habe niemanden, und ich bezweifle auch, dass irgendjemand Interesse hat.“
„Kriege ich deine Nummer?“
„W-was?“
„Ja, was denn? Du bist alleine, ich bin alleine. Wir sehen beide wahnsinnig gut aus!“
„Hast du Fieber, Christian?“
„Also, außer dass ich heute keine Medikamente genommen habe, ist alles prima.“
„Du machst Kopfschmerzen.“
„Hör ich öfter. Also...“
Er nahm sich eine Serviette und zwackte einem Kellner einen Kugelschreiber ab. Er kritzelte und schob die Serviette zu mir.
„Da ist meine Nummer, wenn du mal was Aufregendes brauchst.“
Meine Augen wurden groß, was er bemerkte.
„Also! Oh Gott! Nein! So war das nicht gemeint!“, rief er.
Ich wurde knallrot und konnte fast mit der Beleuchtung der Halle mithalten.
„Ich hoffe, Christian nimmt dich nicht zu sehr in die Mangel“, hörte ich Cedric hinter mir.
„Oh Bruder! Ich bin brav!“, rief er, und ich sah zu Cedric hoch.
„Quatsch, das geht schon. Mir macht das nichts aus.“
Cedric sah mich an, als sei ich ein Wunder.
„Okay, wir haben es kapiert, ich bin ein nerviges Monster!“, motzte Christian. Cedric lachte, und ich sah ihn an, allerdings zeigte Christians Blick noch etwas anderes als ein gespielt motziges Kind.
Für einen Moment habe ich Verletzlichkeit gesehen, ich runzelte die Stirn.
Das Ganze verschwand aber ganz schnell, als er mich ansah und sich über den Tisch beugte. „Du musst mich mal eben anrufen, damit ich deine Nummer habe, Liebelein.“
Oh... Da war ja was.
Meine kleine Tasche machte Knack, als ich sie öffnete.
Ich hasse Taschen.
Dann wählte ich die Nummer von Christian und hörte „Baby Shark“.
Cedric stöhnte lachend und schüttelte den Kopf.
„Du... hast Baby Shark als Klingelton?“
Christian lachte laut. „Natürlich! Wenn ich da nicht sofort ans Handy gehe, weiß ich auch nicht!“
Er tippte auf seinem Handy. „So eingespeichert!“ Dann stand er auf und streckte sich, sein Hemd rutschte hoch, meine Augen weiteten sich.
Wie unangenehm!
Er drehte sich um und grinste.
„Und gefällt dir das?“, zwinkerte er mir zu, musste aber lachen.
Oh Hilfe! Loch, tu dich auf.
„Naja, ich geh noch zwei Hühner vom Buffet vernichten! Wir sehen uns, Nia!“
Dass er sich überhaupt an mich erinnern könnte...
Ich sah ihm verdutzt hinterher.









😂😂Hört sich gut an und liest sich noch besser 😉