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Ashes Of Light

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Summary

Elena hat überlebt. Aber sie ist nicht mehr dieselbe. Ihre Haut trägt Narben, die niemand sieht. Ihre Schreie sind stumm und ihre Nächte lang. Und Cole? Der Mann, der sie gerettet hat? Er steht vor den Trümmern eines Lebens, das ihn nie gefragt hat, ob er es überhaupt wollte. Verlorene Träume und eine Liebe, die ihn aufrecht hält, obwohl sie ihn selbst zerreißt. Doch während die beiden versuchen, in einer Welt zu atmen, die nicht mehr dieselbe ist, formt sich im Verborgenen eine neue Bedrohung. Masons Tod war kein Ende. Er war der Anfang. Ein Netz aus Rache, Loyalität und Dreck erhebt sich und mittendrin: Elena. Aber ist sie wirklich bereit, alles zu tun, um nicht wieder zu fallen? Denn wenn nicht, wird ihre Angst sie töten. Und sie wird daran untergehen.

Genre
Romance,Drama
Author
Lola
Status
2h ago
Chapters
11
Rating
n/a
Age Rating
18+

Die Stille zwischen uns

ELENA

„Können Sie mir sagen, was Sie in diesem Moment gefühlt haben?“

Die Stimme meines Therapeuten war fast schon vorsichtig, als müsste er aufpassen, mich nicht zu verschrecken. Ich saß da, auf diesem Stuhl mit der zu geraden Lehne, die viel zu fest war, als dass man sich wirklich anlehnen konnte. Meine Hände lagen ineinander verschlungen in meinem Schoß, die Fingernägel in die Haut gebohrt, damit ich etwas spürte.

Ich sah ihn nicht an. Ich sah auf den Boden. Auf den Rand des Teppichs, der sich ganz leicht kräuselte. Als wäre das der einzige Ort, an dem es sicher war.

Was ich gefühlt hatte?

Ich öffnete den Mund, aber kein Ton kam heraus. Nicht, weil ich nicht antworten wollte. Sondern weil es keine Worte für das gab, was in mir war. Nicht damals. Und nicht heute.

Ich schloss die Augen.

Und plötzlich war ich nicht mehr in diesem Raum.


Ich wusste noch, wie kalt es gewesen war.

Nicht nur die Dezembernacht. Sondern auch die Kälte in mir. Eine Kälte, die sich ausgebreitet hatte wie Frost auf Fensterscheiben.

Ich saß angeschnallt auf dem Beifahrersitz von Cole's Wagen, eingewickelt in seine Jacke, während der Motor gleichmäßig brummte. Meine Hände zitterten. Nicht, weil mir fröstelte, sondern weil mein Körper noch nicht begriffen hatte, dass ich frei war.

Frei. Was für ein Hohn.

Ich starrte auf meine Knie. Auf die blauen Flecken, die sich dort abzeichneten. Auf die Kratzer an meinen Handgelenken. Ich sah den Schmutz unter meinen Nägeln. Roch mein eigenes Blut.

Cole sagte kein Wort. Ich auch nicht. Aber ich spürte seinen Blick immer wieder an meiner Seite. Dieses feine Zittern in seiner Kieferpartie, wenn er mich ansah, als würde er sich selbst zurückhalten müssen, um nicht in tausend Stücke zu zerbrechen. Vielleicht war er genauso kaputt wie ich. Nur auf eine andere Art.

Als wir ankamen, half er mir aus dem Auto. Ich konnte kaum laufen. Mein Körper fühlte sich an, als wäre ich nicht mehr darin zu Hause. Als wäre ich nur ein Gast in meiner eigenen Haut.

Cole sagte nichts. Er stellte keine Fragen. Ließ keine Bemerkung fallen. Und zeigte auch kein falsches Mitleid.

Er ließ mich in seinem Bad zurück, stellte warmes Wasser an und legte ein Handtuch bereit. Dann schloss er leise die Tür hinter sich.

Ich stand minutenlang vor dem Spiegel und starrte mich an. Aber da war nichts. Kein Mensch. Nur Augen, die zu viel gesehen hatten. Die zu viel erlebt hatten.

Ich zog mich langsam aus. Jede Bewegung schmerzte. Mein ganzer Körper brannte, als wäre er von innen heraus vergiftet worden. Ich stieg unter das Wasser. Und weinte nicht.

Ich konnte nicht weinen. Ich konnte nur stehen. Und zusehen, wie mein eigenes Blut durch den Abfluss rann. Wie viel von mir war in diesem Wasser? Und wie viel war noch übrig?

Irgendwann kam ich raus, wickelte mich in ein Handtuch und zog Cole's Shirt über, das viel zu groß war. Ich sah mich wieder an, dieses Mal länger. Und entdeckte eine Frau, die ich nicht kannte. Mit stumpfem Haar. Blasser Haut. Und einer gesplitterten Seele.

Cole hatte die Couch für mich vorbereitet, Decken bereitgelegt, ein Glas Wasser auf den Tisch gestellt. Als ich mich hinlegte, setzte er sich schweigend neben mich. Rauchte. Schaute aus dem Fenster. Und ließ mich einfach da sein.

In dieser Nacht schlief ich nicht. Ich lag da, reglos, und starrte an die Decke, während meine Gedanken mich auffraßen.

Ich war nicht mehr das Mädchen, das in dieses Auto gesetzt worden war. Ich war etwas anderes geworden. Etwas, das atmete, aber nicht lebte. Etwas, das überlebt hatte, aber nicht ganz.


„Elena?“

Die Stimme meines Therapeuten holte mich zurück. Ich öffnete die Augen und blinzelte. Und sah wieder den Raum. Das Licht. Den Teppich. Die gerade Lehne. Und seinen, wie ich es nannte, Klemmbrett-Blick, der mich nicht drängte, aber auch nicht aufgab.

Ich atmete aus.

„Ich erinnere mich nur daran, dass ich … leer war“, flüsterte ich. Meine Stimme war brüchig. Er nickte. „Und jetzt? Wie fühlen Sie sich jetzt, wenn Sie daran denken?“ Ich sah ihn an. Zum ersten Mal seit langer Zeit direkt. „Ich weiß es nicht“, flüsterte ich.

Mein Therapeut – Dr. Malick – nickte langsam. Er machte sich keine Notizen. Das mochte ich an ihm. Er ließ mir Raum, ohne mir das Gefühl zu geben, dass er mich aushorchte. Er erinnerte mich an einen stillen Fluss, in dem man sich spiegeln konnte, wenn man wollte. Oder auch nicht.

„Glauben Sie, dass Sie heute dieselbe Frau sind, die damals auf dem Parkplatz stand?“, fragte er.

Die Frage traf mich. Ich schluckte, spürte, wie sich mein Magen zusammenzog. Dieselbe Frau? Ich ließ den Blick an ihm vorbei auf den Rand seines Sessels wandern. Meine Finger umklammerten den Stoff meines Pullovers. Dieselbe? Nein. Aber besser? Auch nicht.

„Ich glaube, ich bin nur eine Hülle davon“, murmelte ich. „Manchmal fühle ich mich, als würde ich mich selbst beobachten. Als wäre da diese andere Elena, die Dinge tut. Lächelt. Antwortet. Lebt. Und ich sitze irgendwo dahinter und frage mich, ob es je wieder anders wird.“

Dr. Malick schwieg erneut einen Moment. Ich mochte dieses Schweigen. Es fühlte sich wie eine Einladung an.

„Und wenn Sie diese ‚andere Elena‘, die von damals, sehen könnten, was würden Sie ihr sagen?“ Ich zögerte. Die Frage war schwer. Nicht, weil ich keine Antwort hatte. Sondern, weil ich sie zu gut kannte. „Ich würde ihr sagen, dass sie stark war. Weil sie nicht aufgegeben hat. Weil sie überlebt hat, obwohl sie sterben wollte.“ Meine Stimme bebte, als ich weitersprach. „Und ich würde ihr sagen, dass ich sie nicht vergessen habe. Auch wenn ich heute anders bin.“

Es wurde still. Nur das gleichmäßige Ticken der Uhr an der Wand war zu hören. Ich spürte, wie sich meine Brust ein Stück weiter öffnete.

„Ich denke, das ist ein sehr ehrlicher Anfang“, sagte Dr. Malick schließlich. Er lächelte nicht. Er wirkte auch nicht stolz. Aber er sah mich an, als würde er mich wirklich sehen.

Ich nickte stumpf.

„Dann lassen wir es für heute gut sein“, sagte er ruhig. Ich stand langsam auf. Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich streifte meine Jacke über und griff nach meiner Tasche.

„Danke“, murmelte ich, ohne ihn anzusehen. „Gern. Denken Sie an das, was Sie gesagt haben: Sie haben nie aufgegeben. Das ist Stärke. Behalten Sie das in Ihrem Kopf als Erinnerung.“ Ich nickte noch einmal, ehe ich zur Tür ging.

Draußen war es kalt. Die Sonne hatte sich hinter einer bleigrauen Decke verkrochen. Ich zog die Kapuze über den Kopf, schloss den Reißverschluss bis zum Kinn und trat hinaus.

Ich lief los, ohne Ziel, einfach nur, um mich zu bewegen. Um nicht sofort zurückzukehren in die Wohnung, die wir „Zuhause“ nannten. Mein Handy vibrierte. Es war Cole.

Bist du auf dem Heimweg? Soll ich etwas kochen? Oder lieber nicht?

Ich starrte auf die Nachricht. Die letzte Frage war typisch für ihn. In den vergangenen Wochen fragte er oft, ob er etwas „lieber nicht“ tun sollte. Als würde er durch jedes Wort, jeden Blick oder jede Bewegung potenziell etwas auslösen.

Ich tippte nur „Bin gleich da“, dann ließ ich das Handy in der Jackentasche verschwinden.

Cole war vorsichtig geworden. Zuvorkommend bis zur Selbstaufgabe. Und manchmal hasste ich ihn dafür. Nicht, weil er etwas falsch machte. Sondern weil er mir damit zeigte, dass ich nicht mehr dieselbe war. Dass wir nicht mehr dieselben waren.


Als ich die Wohnung betrat, lag der Geruch von frischem Basilikum in der Luft. Er hatte gekocht. Ich hörte, wie er in der Küche hantierte, aber er kam nicht sofort zu mir. Auch das war typisch geworden: Nähe, die sich wie ein Fragezeichen anfühlte.

Ich zog die Schuhe aus, schälte mich aus der Jacke und stellte sie sauber an ihren Platz. Fast zwanghaft. Kontrolle über die kleinen Dinge. Wenigstens das.

Cole trat schließlich aus der Küche. In der Hand einen Teller mit Pasta, darüber frisch geriebener Parmesan. Er sah gut aus. Müde, wie immer, aber gut. Und seine Augen suchten sofort meine.

„Hey“, sagte er leise. „Hey“, erwiderte ich und nahm ihm den Teller ab. „Therapie?“, fragte er, ohne direkt zu fragen. Ich nickte und setzte mich auf den Hocker an der Theke. Er stellte mir ein Glas Wasser hin, dann ließ er sich gegenüber nieder, nur mit seinem Kaffee. „Willst du erzählen?“, fragte er. Ich schüttelte den Kopf. „Okay“, murmelte er. Kein Vorwurf. Keine Enttäuschung. Nur Akzeptanz. Und genau die tat manchmal mehr weh als alles andere. Ich stocherte in der Pasta herum und spürte seinen Blick auf mir. Irgendwann fragte ich: „Wie war dein Tag?“ Ein Lächeln zuckte um seine Lippen. „Okay. Ruhig. Ich habe mit Jason telefoniert. Der will uns mal besuchen.“ Ich nickte, sagte aber nichts.

Stille.

Aber nicht die gute Art von Stille. Sondern die, in der alles, was man nicht ausspricht, lauter wird. Nach ein paar Minuten stand ich auf und stellte den Teller halb leer zurück auf die Theke. „Ich lege mich kurz hin.“ „Soll ich mitkommen?“ Ich blieb einen Moment stehen. Drehte mich nicht um. „Vielleicht später.“

Dann ging ich in unser Schlafzimmer, schloss die Tür und legte mich aufs Bett. Ich schloss die Augen und spürte, wie die Erinnerungen unter meiner Haut zu kribbeln begannen. Wie kleine Splitter, die sich nicht greifen ließen.

Er schlief oft auf der Couch in letzter Zeit. Aus Rücksicht, sagte er. Weil er mir Raum geben wollte. Ich hatte nie gesagt, dass ich das wollte. Aber ich hatte auch nie gesagt, dass ich es nicht wollte. Und das war das eigentliche Problem. Wir waren zusammen. Aber irgendwie nicht ganz. Nicht mehr. Noch nicht wieder. Oder vielleicht etwas dazwischen.

Ich zog mir die Decke über den Kopf und atmete in das dunkle Vakuum hinein. Cole war da. Ich war da. Aber was, wenn das nicht mehr reichte?

Er war leise, so wie immer in letzter Zeit. Er sprach nur dann, wenn er das Gefühl hatte, dass Worte mich nicht erschlagen würden. Seine Nähe war zurückhaltend geworden. Kein Drängen, kein Fragen. Er umarmte mich nicht mehr einfach so, sondern ließ mir Raum. Er kam nur dann näher, wenn ich es zuließ und selbst dann war er immer vorsichtig. Fast, als hätte er Angst, dass ein falscher Schritt mich zum Zusammenbruch bringen würde. Er wartete. Geduldig. Tag für Tag.

Und ich? Ich war feige. Ich lag unter dieser Decke, hielt mich selbst in den Armen, weil ich es nicht schaffte, mich von seinen halten zu lassen. Nicht, weil ich ihn nicht liebte. Gott, ich liebte ihn. Ich liebte ihn mehr, als ich irgendjemandem je gesagt hatte. Mehr, als ich mir selbst zugestehen konnte. Aber mein Herz war eine Ruine. Mein Körper ein Tatort. Meine Seele war ein Ort von Dingen, die zu grausam waren, um ausgesprochen zu werden.

Und er? Er war Licht. Verständnis. Geduld in Menschengestalt. Und genau das war das Problem. Weil ich alles sah, was er tat. Jede Sekunde, in der er sich selbst vergaß, um für mich da zu sein. Jedes Glas Wasser. Jedes leise „Ich bin hier“, wenn ich in der Nacht schreiend aufwachte. Und ich stieß ihn weg. Nicht grob. Nie mit Worten. Aber mit Schweigen. Mit Rückzug. Mit diesen Mauerwerken aus Schmerz, die ich zwischen uns hochgezogen hatte.

Ich konnte ihm nicht sagen, was Mason mit mir gemacht hatte. Nicht die Details. Weil ich wusste, dass er es nicht nur hören würde, er würde es fühlen. Es würde ihn zerfetzen. Und ich hatte schon zu viel zerstört.

Cole verdiente mehr. Mehr als eine Frau, die nachts aufwachte und dachte, sie ersticke. Mehr als eine, die sich selbst kaum noch spürte. Mehr als jemanden, der jedes Lächeln fälschte.

Ich war kaputt. Ich war ein zerbrochener Spiegel und wenn er sich zu oft in mir spiegelte, würde er sich nur schneiden. Und trotzdem blieb er. Und trotzdem liebte ich ihn. Und genau das machte alles nur noch schwerer.

Ich hörte seine Schritte vor der Tür. Dann wieder das Geräusch, wie er sich entfernte. Er hatte es sich abgewöhnt, einfach hereinzukommen. Er klopfte nicht mehr. Er wartete nur noch.

Ich hätte ihm danken sollen. Ihn rufen sollen. Aber ich lag da. Und dachte nur an das, was ich nicht sagen konnte.

Vielleicht liebte ich ihn gerade deshalb so sehr: Weil er blieb. Trotzdem.

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Strong Dialog

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