Riley
Wrong Floor, Right Guy
Eine Romcom aus Brooklyn, New York
Kapitel 1 — Riley
Es gibt Momente im Leben, in denen man innerlich weiß, dass der Tag schiefgehen wird. Dieser nagende, leise Gedanke irgendwo zwischen dem ersten Schluck Kaffee und dem Griff nach den Autoschlüsseln. Ein Gefühl, das man ignoriert, weil man Optimistin ist. Weil man an frische Anfänge glaubt. Weil man sich eingeredet hat, dass dieser Samstag anders wird.
Ich bin diese Optimistin.
Ich war es jedenfalls bis vor etwa zwanzig Minuten.
„Miss Evans?” Danny, der Typ von Brooklyn Best Movers, steht in der Tür des Lasters und kratzt sich unterm Basecap. „Wir haben ein Problem.”
„Was für ein Problem?” Ich halte Mochi fest an meine Brust gedrückt, meine siamesische Katze, sechs Jahre alt, schlechte Laune seit mindestens fünf davon, und schaue an der Fassade des Brownstones hoch. Vierte Etage. Mein neues Zuhause. Vier Stockwerke voller frischer Anfänge.
Danny zeigt stumm Richtung Eingang.
Ich schaue.
Und dann verstehe ich das Problem.
Im Eingang, genau da, wo normalerweise Menschen reingehen und rauskommen, steckt eine Couch. Nicht irgendeine Couch. Ein riesiges, dunkelgraues L-förmiges Monster, das sich zwischen Türrahmen und Treppengeländer verkeilt hat wie ein zu großes Puzzle-Teil, das jemand mit Gewalt in die falsche Lücke gezwängt hat.
Und um diese Couch herum stehen vier Männer in blauen T-Shirts mit dem Logo Cole & Co. Moving und diskutieren lautstark auf Englisch, Spanisch und einem dritten, von mir nicht identifizierbaren Idiom darüber, wer schuld ist.
„Wessen Couch ist das?” frage ich.
Danny seufzt. „Nicht unsere.”
Mochi macht ein Geräusch, das ich nur als ich hab’s dir gesagt interpretieren kann.
Es stellt sich heraus, dass heute nicht nur ich in den vierten Stock einziehe.
Apartment 4A, direkt gegenüber meinem 4B, bezieht zur selben Zeit ein gewisser J. Monroe. Das weiß ich, weil sein Name auf einem Karton steht, der im Treppenhaus liegt, direkt unter dem schiefen Wandregal, das offensichtlich auch Cole & Co. gehört und aus noch unbekannten Gründen ebenfalls dort deponiert wurde.
Die Logistik dieser Situation erschließt sich mir nicht vollständig, aber das Ergebnis ist klar: Das Treppenhaus ist blockiert. Nicht ein bisschen blockiert. Vollständig, rücksichtslos, katastrophal blockiert.
Mein Sofa steht noch auf dem Bürgersteig. Seine Couch klebt im Eingang. Und irgendwo da drin ist mein Karton mit dem Geschirr meiner Großmutter. Der fragil-beschriftete.
„Können wir die Couch nicht einfach...” ich deute auf das Ungetüm „...irgendwie drehen?”
„Haben wir probiert,” sagt einer der blauen T-Shirt-Männer.
„Und?”
Er zeigt auf einen frischen Kratzer im Türrahmen. Ich beschließe, keine weiteren Fragen zu stellen.
Ich habe die Hausverwaltung zweimal angerufen. Einmal kam die Mailbox. Beim zweiten Mal auch. Ich habe eine Nachricht hinterlassen, die ich im Nachhinein als engagiert bezeichnen würde und die Danny als „das war aber direkt” kommentiert hat.
Es regnet jetzt.
Nicht stark, nur dieses fiese, nieselige New Yorker Nieselregen-Ding, das nicht schlimm genug ist, um den Regenschirm aufzumachen, aber nass genug, damit die Umzugskartons draußen langsam traurig aussehen.
Ich stehe unter dem kleinen Vordach des Brownstones, Mochi unter dem Arm, und versuche, einen Plan zu entwickeln. Ich bin gut in Plänen. Normalerweise. Heute fehlt mir etwas der nötige Abstand, weil ein fremder Mensch namens Monroe mein Leben in Trümmer gelegt hat, bevor ich ihn überhaupt kennengelernt habe.
„Okay,” sage ich laut, zu niemandem Bestimmtem. „Wir können das lösen.”
„Bezweifle ich ehrlich gesagt gerade stark.”
Ich drehe mich um.
Er lehnt an der Außenwand des Brownstones, genau neben dem Eingang, die Arme verschränkt, eine Kaffeetasse in der Hand, woher auch immer die kommt, und betrachtet das Szenario mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen ich bin genervt und ich bin tief, tief erschöpft liegt.
Er ist groß. Dunkle Haare, leicht zerzaust, als wäre er heute früh aufgestanden und hätte vergessen, sich darum zu kümmern. Graugrüne Augen, die mich gerade mit einer Ruhe anschauen, die ich in dieser Situation vollkommen unangebracht finde. Schwarzer Pullover. Jeans. Ein Gesicht, das grundsätzlich entschieden hat, keine Meinung zu zeigen.
„J. Monroe?” frage ich.
„Jake,” sagt er. Und dann, mit einem kurzen Blick auf Mochi: „Ihre Katze sitzt auf meinem Umzugswagen.”
Ich schaue. Tatsächlich: Mochi, die ich ganz sicher vor drei Minuten noch im Arm gehalten habe, sitzt auf der Ladekante von Cole & Co.’s LKW und leckt sich die Pfote.
Ich habe keine Ahnung, wann das passiert ist.
„Sie heißt Mochi,” sage ich, weil mir nichts Besseres einfällt.
„Interessant.” Er klingt nicht interessiert.
„Und die Couch ist Ihre?”
„War meine,” sagt er. „Jetzt ist sie ein architektonisches Problem.”
Ich starre ihn an. Er starrt zurück. Irgendwo hinter uns diskutieren acht Männer von zwei verschiedenen Umzugsfirmen auf mindestens drei Sprachen über Schuldfragen, und der Regen wird ein kleines bisschen stärker, und mein Karton mit dem Familiengeschirr saugt sich langsam voll.
„Wissen Sie was,” sage ich, und ich höre selbst, dass mein Tonfall die Grenze zwischen freundlich und nicht mehr ganz so freundlich überschritten hat, „das hier ist eigentlich Ihr Problem. Wenn Ihre Couch...”
„Wenn Ihr Umzugsteam pünktlich gewesen wäre,” sagt er, ruhig, fast gelangweilt, „hätten wir uns den Eingang zeitlich aufteilen können. Das war der Plan.”
„Es gibt einen Plan?”
„Gab einen Plan.” Er trinkt einen Schluck Kaffee. „Er hat heute Morgen um neun Uhr dreiunddreißig aufgehört zu existieren.”
Ich öffne den Mund. Schließe ihn wieder.
Er hat nicht unrecht. Brooklyn Best Movers war dreiunddreißig Minuten zu spät. Ich hatte dreiunddreißig Minuten im Auto gewartet und dabei diesen Podcast über Achtsamkeit gehört und mir gedacht, dass es ein Zeichen ist, dass der neue Lebensabschnitt entspannt beginnt.
Das war naiv.
„Trotzdem,” sage ich, weil ich nicht einfach nachgeben werde, „ist das eine Lösung, die wir gemeinsam finden müssen.”
Er hebt eine Augenbraue. Nur eine. Die linke.
„Gemeinsam,” wiederholt er.
„Sie und ich. Vierte Etage. Wir sind Nachbarn. Also ja...” ich deute auf das Chaos hinter uns „...gemeinsam.”
Eine lange Pause. Der Regen. Acht Männer, die jetzt über den besten Winkel zum Couch-Drehen diskutieren. Mochi, die beschlossen hat, sich auf dem fremden LKW häuslich einzurichten.
„Riley Evans,” sagt er schließlich, und ich registriere, dass er meinen Namen kennt, vermutlich von der Hausverwaltung.
„Jake Monroe,” sage ich zurück.
Er schaut mich an. Dann schaut er auf die Couch. Dann auf Mochi.
„Ich hole noch einen Kaffee,” sagt er. „Dann lösen wir das.”
Er dreht sich um und geht Richtung dem kleinen Deli zwei Häuser weiter, und ich stehe da und schaue ihm nach und denke, dass dieser Mann entweder sehr, sehr ruhig ist.
Oder sehr, sehr gut darin, sich nichts anmerken zu lassen.
Ich bin mir noch nicht sicher, was schlimmer ist.








