Prolog
Der Regen verwandelte die Welt in eine graue Wand aus Tränen. Ich wusste nicht mehr, wie lange ich schon rannte, aber meine Beine fühlten sich an wie Blei. Der schmale Feldweg war nur noch eine einzige, tiefe Matschrinne, in der ich bei jedem Schritt den Halt verlor. Verzweifelt klammerte ich mich an einen nassen, knorrigen Ast, der über den Weg ragte, um nicht im Schlamm zu versinken. Mein Atem ging stoßweise, und die Kälte kroch wie flüssiges Eis durch meine durchnässten Kleider.
Plötzlich wurde die Dunkelheit von zwei gleißenden Scheinwerfern zerrissen. Ein schwerer, schwarzer Geländewagen schob sich langsam und bedrohlich wie ein Panzer den Weg hinauf. Der Motor grollte tief in der Stille des Waldes. Das Fahrzeug hielt direkt neben mir, das grelle Licht spiegelte sich in den tiefen Pfützen.
Das elektrische Surren der Fensterscheibe auf der Fahrerseite war das einzige Geräusch neben dem unerbittlichen Prasseln des Regens. Das Fenster glitt nach unten und gab den Blick auf einen Mann frei, dessen bloße Präsenz den Raum zwischen uns zu elektrisieren schien. Er blieb im Wagen sitzen, das gedimmte Licht der Armaturen warf harte Schatten auf sein markantes, unbewegtes Gesicht. Seine eisgrauen Augen fixierten mich mit einer Intensität, die mich augenblicklich erstarren ließ.
„Steig ein,“, sagte er. Seine Stimme war tief und ruhig, doch sie besaß die Schärfe einer Klinge. Es war keine Frage, kein Hilfsangebot – es war ein Befehl.
Ich starrte ihn an, unfähig zu antworten. Die Kälte und der Schock hielten mich gefangen.
„Jetzt”, setzte er nach, und sein Blick bohrte sich in meinen, bis ich den Ast losließ.
Das war Drago. Der Kommandant der Festung, von dem man sagte, er habe kein Herz, sondern nur einen eisernen Willen. In diesem Moment war er der einzige Mensch, der zwischen mir und dem Abgrund stand. Ich zitterte, als ich die schwere Tür öffnete und auf den Beifahrersitz kletterte. Der Geruch von teurem Leder und kaltem Regen füllte meine Lungen, während er den Wagen wortlos wieder anfahren ließ.








