Summer Strings The Guitarist by K.Ives at Inkitt
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Summer Strings - The Guitarist

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Summary

✿ Smalltown Rockstar Romance ✿ In Saltmere Cove kennt jeder jeden und jeder weiß, dass Kadia Delaney und Dexter Creech sich nicht ausstehen können. Was kaum jemand weiß: Hinter den bissigen Kommentaren und ihrem jahrelangen Kleinkrieg steckt eine Vergangenheit voller verletzter Gefühle, schlechter Entscheidungen und viel zu intensiven Nächten.  Damals war Dexter noch nicht der gefeierte Gitarrist einer Rockband, und Kadia hatte ihr Herz besser unter Kontrolle. Bis Dexter mit einer berühmten Schauspielerin in sämtlichen Schlagzeilen auftauchte. Aus einer Affäre wurde eine Brandspur. Dexter ist vieles: Gitarrist, Meister des trockenen Humors und Ausnahmetalent darin, Kadia in unter drei Sekunden in den Wahnsinn zu treiben. Nur eines ist er sicher nicht: der Mann, bei dem sie Schutz suchen würde. Kadia hat ihr Leben im Griff. Zumindest behauptet sie das. Zwischen Fahrradreifen, Touristen und den Bewohnern von Saltmere Cove bleibt kaum Zeit, sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen. Dass ihr Konto leer ist, ihr Vermieter endgültig das Verständnis verliert und sie plötzlich ohne Wohnung dasteht? Kleine Details. Doch durch ihre finanziellen Probleme bleibt ihr nur eine Möglichkeit: das Gästezimmer in Dexters Wohnung. Aber dann ist Dexter zurück und sie teilen sich Küche, Badezimmer und jede Menge unausgesprochene Dingen. Zwischen bissigen Wortgefechten, schlechtem Timing und Momenten, die viel zu echt sind, wird es immer schwerer, die geübte Distanz aufrechtzuerhalten. Denn manche Menschen bringt man nie ganz hinter sich. Und manchmal wohnen sie plötzlich im Gästezimmer. Der Sommer in Saltmere Cove war schon immer zu heiß für Regeln und zu eng für neue Grenzen. Und voller Momente, in denen ›wir hassen uns‹ sich sehr nach ›wir sollten das nicht tun‹ anfühlt. Diesmal fühlt der Sommer sich verdammt nach Versuchung an.

Genre
Romance
Author
K.Ives
Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1


Der Geruch von Kettenöl beruhigt mich genug, um meine Gedanken für ein paar Minuten in eine Richtung zu lenken, die berechenbar ist. Vor mir hängt ein Fahrrad kopfüber in der Halterung. Ich drehe das Hinterrad mit zwei Fingern und beobachte, wie die Felge leicht eiert. Drei Millimeter nach links. Nicht schwer, sondern korrigierbar. Das ist ein gutes Wort. Korrigierbar.

Ich greife nach dem Speichenschlüssel und ziehe die Spannung vorsichtig nach, während draußen die Möwen klingen, als würden sie einander beleidigen oder sich über die Menschen lustig machen, die glaubten, sie könnten an einem Ort wie diesem wirklich ankommen.

Das Meer kann ich von hier nicht sehen, aber ich höre es. Es schlägt in gleichmäßigen Intervallen gegen den Hafen, als wollte es mich daran erinnern, dass alles weiterläuft. Es ist Juni und in zwei Wochen beginnt die Hochsaison. Touristen werden mit roten Gesichtern und überteuerten Sonnenbrillen durch meine Tür kommen und fragen, ob ich noch ein Fahrrad für einen kleinen Küstentrip habe. Ich werde lächeln und nicken, dann werde ich Helme verteilen, abkassieren, putzen und den Laden schließen. Es wird aussehen, als hätte ich alles unter Kontrolle. Ich werde tun, als wäre es so. Erstaunlich, wie überzeugend man wirken kann, während man innerlich auseinanderfällt. Das Klopfen an der offenen Werkstatttür ist so vorsichtig, dass ich zuerst denke, es sei nur der Wind, der die Tür streichelt.

»Falls Sie wegen eines platten Reifens hier sind, muss ich Sie enttäuschen. Kostenlose Luft gibt es erst wieder, wenn ich selbst welche habe«, sage ich, ohne aufzusehen. Als keine Antwort kommt, hebe ich den Blick. In der Tür steht mein Vermieter Alan. Er hält seinen Strohhut mit beiden Händen fest und knetet unruhig die Krempe. Alan sieht immer ein bisschen so aus, als würde er sich für Dinge entschuldigen, die gar nicht seine Schuld sind. Heute sieht er aus, als würde er sich wünschen, unsichtbar zu sein. »Hey Alan, dann geht es wohl nicht um Reifen, was?«, sage ich und lächle leicht.

Aber Alan lächelt nicht, was bei ihm definitiv kein gutes Zeichen ist. Er lächelt immer, weil er denkt, die Menschen halten ihn sonst für griesgrämig. So wie mich. Er hat es zwar nie gesagt, aber ich sehe seinen Blick, wenn ich bin, wie ich nun einmal bin. Ich lege den Speichenschlüssel weg und wische mir die Hände an einem Lappen ab, der längst mehr Öl als Stoff ist.

»Ich fürchte, diesmal geht es nicht um Reifen«, sagt er, dann schluckt er. Noch ein schlechtes Zeichen. Natürlich nicht. Wäre auch zu einfach.

Ich lehne mich leicht gegen die Werkbank und verschränke die Arme darauf. »Wie viele Monate?«, frage ich. Er legt den Hut beiseite und kommt einen Schritt näher. Seine Stirn ist unruhig verzogen.

»Wie bitte?« Ich seufze und puste mir eine Strähne aus der Stirn.

»Wie viele Monate hast du geübt, mir das zu sagen?«, führe ich aus.

Alans Wangen nehmen einen leichten Rosaton an und er schaut kurz auf den Boden. »Seit April«, nuschelt er.

Ich kann das Heben meiner Augenbrauen nicht unterdrücken, trotzdem nicke ich möglichst ungerührt. Alan hat mir zwei Monate Aufschub gewährt. Zwei Monate Freundlichkeit, Verständnis und Geduld. Zwei Monate, in denen ich jeden Brief ignoriert habe, der in meinem Briefkasten lag, weil ungeöffnete Umschläge technisch gesehen keine Probleme sind. Zahlen ändern sich nicht, nur weil man sie ansieht.

Seit Weihnachten habe ich keine Miete mehr bezahlt. Sechs Monate. Ein halbes Jahr. Verflucht. Menschen können erstaunlich lange so tun, als wäre ein Abgrund nur ein Schatten. »Du kündigst mir die Wohnung«, sage ich. Alan nickt, obwohl ich keine Frage gestellt habe. Und sein Nicken tut weh, obwohl ich damit früher oder später gerechnet habe. Es wirkt viel zu klein, für den Umschwung in meinem Leben. Ein nervtötendes Piepsen quetscht sich in meinen Gehörgang. Ansonsten spüre ich nichts. Zumindest noch nicht. Das passiert mir ziemlich häufig, weil mein Kopf schneller als mein Herz ist. Er katalogisiert, und ordnet ein. Erst später erlaubt er dem Rest, hinterherzukommen. »Wann muss ich raus?«, frage ich schwach.

Alan schnappt sich seinen Hut wieder und knetet die Krempe zu Tode. Es wäre witzig, wenn er mich nicht gerade auf die Straße setzen würde. »In zwei Wochen«, murmelt er. Mit der Stimme eines Menschen, der hofft, dass sein Bedauern das Problem kleiner macht. Tut sie nicht.

»Alles klar.«

»Kadia, ich -«

Hastig hebe ich die Hand und schüttle den Kopf. »Bitte nicht, Alan. Keine mitleidigen Zwischenbemerkungen. Ich habe heute mit meinem Steuerberater gesprochen. Mehr emotionale Belastung passt nicht mehr in den Kalender.«

Diesmal lächelt Alan tatsächlich kurz, aber es wirkt traurig. Menschen mögen es, wenn man ihnen ihre Schuld leichter macht. »Es tut mir trotzdem leid, Kadia.«

»Ja, ich weiß«, erwidere ich. Und das tue ich wirklich. Alan ist kein schlechter Mensch. Er ist ein Mensch mit eigenen Rechnungen. Einer kranken Schwester und einem Haus, das ständig repariert werden muss. Die meisten Menschen sind selten grausam. Meistens nur erschöpft.

Ich greife wieder nach dem Speichenschlüssel. Klick, dann noch ein Klick. Alan ist noch da, als ich den Kopf leicht hebe. »Du könntest zurück nach Hause«, versucht er vorsichtig, und ich lache ein Lachen voller Bitterkeit.

»Zu wem?« Zuhause, wo und was immer das sein mag, wartet niemand auf mich. Nicht meine Mutter, mit der ich seit Jahren nicht gesprochen habe. Nicht mein Bruder, der beschlossen hat, dass Schweigen einfacher ist, als ständig gegen mich anzugehen. »Ich finde schon eine Lösung, Alan«, füge ich hinzu und lächle ihn an. Ich bin gut im Lügen, solange es um mich selbst geht. Er atmet tief durch und reibt sich über die Stirn, dann zieht er einen weißen Umschlag aus seiner hinteren Hosentasche und legt ihn neben mir ab. Papier hat die unangenehme Fähigkeit, Dinge real zu machen.

»Mach’s gut, Kadia«, murmelt er, dann geht er. Seine Schritte entfernen sich langsam und die Tür klappt hinter ihm ins Schloss. Ich starre auf den Umschlag und anschließend auf das Fahrrad. Das Öl unter meinen Fingernägeln bemerke ich kaum, als ich auf meine Hände blicke. Da sind zu viele schwarze Linien und unsichtbare Spuren von Dingen, die ich nie reparieren konnte. Kopfschüttelnd drehe ich das Hinterrad und es läuft vollkommen gerade. »Wenigstens einer von uns«, murmele ich in die Stille vom Laden. Plötzlich kommt alles gleichzeitig. Nicht wie eine Welle, denn Wellen sind ehrlich. Man sieht sie kommen, kann sie rauschen hören.

Doch dieser Augenblick ist anders, er fühlt sich an, als würden alle Dinge, die ich seit Monaten in mir festhalte, gleichzeitig ihr Gewicht verdoppeln. Die unbezahlten Rechnungen und schlaflosen Nächte. Die Anrufe meiner Mutter, die ich nie zurückgerufen habe, und die Nachricht meines Bruders, die ich seit acht Wochen nicht geöffnet habe. Und plötzlich ist da das Dauergrinsen von Dexter, dann kommt die Wut. Und dann der Grund, warum ich seitdem nichts mehr richtig zusammenhalten kann. Meine Hände zittern. Eine Träne fällt auf die Werkbank, dann noch eine. Im nächsten Moment höre ich auf, so zu tun, als wäre ich aus härterem Material gemacht als alles um mich herum. Ich weine leise, mit gesenktem Kopf, ölverschmierten Fingern und dem hässlichen Zittern, das den ganzen Körper übernimmt. Ich lasse zu, dass es wehtut. Dass alles wehtut, bis ich kaum noch sitzen kann.

Stunden später, vibriert mein Handy unter einem Stapel Rechnungen und einer halb auseinandergebauten Fahrradlampe. Ich ignoriere es. Es vibriert erneut. Menschen, die mich kennen, wissen normalerweise, dass man mich nicht öfter anruft, wenn ich nicht drangehe. Aber Menschen, die mich wirklich lieben, ignorieren diese Regel konsequent. Mit dem Handrücken wische ich mir über das Gesicht und ziehe das Handy hervor.

Montreal.

Ich räuspere mich, drücke auf Annehmen und lehne mich gegen die Werkbank. »Wenn du mich für ein emotionales Gespräch anrufst, muss ich dich leider enttäuschen. Ich bin erst morgen wieder gesellschaftsfähig, Montreal.«

»Perfekt. Dann passt du hervorragend zu mir. Ich bin nämlich kurz davor, mein Architekturmodell aus dem Fenster zu werfen«, sagt Clementine sofort. Ihre Stimme klingt hektisch und dramatisch genug, dass ich ein bisschen ruhiger werde. Clementine ist wie ein menschlicher Kurzschluss. Laut, sortiert und seltsam beruhigend.

Ich schließe die Augen für einen Moment. »Was ist es diesmal? Professoren mit Minderwertigkeitskomplexen? Oder hat Rick versucht, dir beim Basteln zu helfen?«

Ein empörtes Geräusch knistert durch den Lautsprecher. »Er wollte hilfreich sein.« Sie kichert und ich höre ein Rascheln.

»Das hat er schon mal gesagt, kurz bevor er eine Küche angezündet hat«, schnaube ich.

»Er hat aus Versehen Sekundenkleber auf dem Modell verteilt«, gibt sie schließlich zu.

Ich lasse den Kopf sinken und lache leise. Das erste echte Geräusch, seit Alan gegangen ist. »Natürlich hat er das.«

»Es wird noch schlimmer. Er wollte ein Herz daraus machen, damit ich nicht sauer werde«, fährt sie fort.

»Ich kotze.«

Clementine ignoriert mich gekonnt. »Es war süß.« Sie lacht wieder. Weil sie ihr Leben im Griff hat. Weil sie einen verdammten Schlagzeuggott dazu gebracht hat, sie zu vergöttern. Er betet die mehr an als sein Drumset, und das will bei Rick wirklich was heißen.

»Nein, Clementine. Nichts daran ist süß. Erwachsene Männer sollten keine Herzen aus Kleber machen. Das ist biologisch falsch.«

»Du bist manchmal echt verbittert.«

»Ich bin realistisch. Außerdem ist Rick Schlagzeuger. Die Wahrscheinlichkeit, dass in seinem Kopf dauerhaft funktionierende Gehirnzellen existieren, liegt unter fünf Prozent«, scherze ich. Sie lacht heiter und ich kann vor mir sehen, wie sie den Kopf über mich schüttelt.

Im Hintergrund höre ich dumpfes Poltern. Dann Ricks Stimme: »Das habe ich gehört, Kads.«

»Gut. Dann spare ich mir die Wiederholung. Erfolgserlebnisse sind wunderbar.«

Rick lacht und das Geräusch zieht etwas von der Schwere aus meiner Brust. Genug, damit ich wieder atmen kann, ohne das Gefühl zu haben, meine Rippen würden nachgeben. Er ist ein dummer Affe, aber ich liebe ihn.

»Wie läuft’s im Laden?«, fragt Clementine dann. Ich starre auf den weißen Umschlag neben mir. Auf meinen Namen in Alans krakeliger Schrift.

Dann zwinge ich meine Stimme in etwas Leichtes. Etwas, das nicht nach Zusammenbruch klingt. »Fantastisch«, sage ich. »Ich bin finanziell stabil, mental ausgeglichen und wahrscheinlich kurz davor, als Küstenunternehmerin des Jahres ausgezeichnet zu werden.«

»Also absolute Katastrophe«, stellt Rick fest. Seine Stimme ist verdächtig nahe.

»Korrekt«, erwidere ich. »Hast du mich etwa auf Lautsprecher, Montreal?«

»Du solltest dir abgewöhnen, sie so zu nennen, Kads. Sie zieht bald nach Saltmere«, murrt Rick.

»Man kriegt das Mädchen aus der Stadt«, pfeift Clementine. Ich höre Ricks böses Grunzen, ehe Clementine leise kichert. Ich könnte auflegen, weil glückliche Menschen mich nervös machen. Stattdessen drehe ich am Hinterrad. Es läuft ruhig und perfekt zentriert. Wenigstens etwas in diesem Raum hat einen Plan.

»Ihr seid widerlich verliebt«, murmele ich.

»Danke«, sagt Clementine fröhlich.

»Das war keine Bewunderung.«

»Doch, ein bisschen schon«, wirft Rick ein. Ich schnaube trocken.

»Rick, du hast ihr ein Schlagzeugsolo geschrieben, weil sie während einer Lernphase geweint hat«, kommentiere ich. Clementine lacht bitter und gibt einen Zustimmungslaut von sich.

»Das war romantisch«, verteidigt er sich.

»Das war akustische Belästigung.«

»Sie hat geweint, als ich’s gespielt hab.«

»Ja«, sage ich trocken. »Menschen tun das manchmal bei großem Lärm.« Clementine lacht laut auf und irgendwo im Hintergrund poltert wieder etwas.

»Oh mein Gott«, stöhnt sie. »Maverick, pass auf die Modelle auf.«

»Ich passe auf.« Es klingt exakt nach der Stimme eines Mannes, der gerade absolut nicht aufpasst. Ich lehne mich mit der Hüfte gegen die Werkbank und lasse den Blick durch den Laden gleiten. Alles sieht aus wie immer. Das ist das Gemeine an beschissenen Tagen. Die Welt hat nicht den Anstand, äußerlich mitzuziehen.

»Wie läuft eigentlich dein Abschlussprojekt?«, frage ich ausweichend. Clementine beginnt sofort zu reden. Über Küstenlinien, nachhaltige Materialien und Lichtkonzepte, die eine Professorin angeblich poetisch genannt hat. Ich verstehe ungefähr die Hälfte davon. Rick offensichtlich auch, und trotzdem hört er ihr zu, als würde sie gerade den Sinn des Lebens erklären.

Ab und zu wirft er nutzlose Kommentare ein wie: »Das sah schon vorher sexy aus.« Oder: »Sweetsun, du könntest auch einen Parkplatz designen und ich würde heulen.« Ich verdrehe die Augen so fest, dass es gesundheitlich bedenklich sein müsste.

»Ich möchte euch beide daran erinnern, dass ich theoretisch bewaffnet bin.«

»Womit?«, fragt Rick und lacht.

Ich blicke auf den Schraubenschlüssel neben mir. »Mit schlechter Laune und rostigem Metall.«

»Heiß«, pfeift Clementine. Dann entsteht kurz dieses warme Hintergrundrauschen zwischen ihnen. Kleine Geräusche. Ein halb unterdrücktes Lachen. Irgendwas fällt um. Wahrscheinlich Rick. Menschen merken oft nicht, wie laut Glück eigentlich ist, wenn sie mittendrin sind. Mein Blick fällt auf den weißen Umschlag und augenblicklich zieht es in meinem Bauch. Zwei Wochen. Ich könnte den Laden länger offenlassen oder das alte Rennrad verkaufen, das ich eigentlich behalten wollte. Vielleicht reicht es irgendwie für ein kleines Zimmer über einem Pub mit Schimmelproblemen und schlechter Elektrik. »Dia?«, fragt Clementine plötzlich.

»Hm?«

»Du bist still.«

Ich zwinge mich zurück in den Moment. »Ich höre nur eure widerliche Lovestory und versuche herauszufinden, wann genau ihr beide zu einem Nicholas-Sparks-Film geworden seid«, murre ich.

Rick lacht wieder und das Geräusch trifft mich jedes Mal etwas unvorbereitet. Er ist so anders, seitdem sie in seinem Leben ist und er es zugelassen hat. Aber ich liebe den neuen Rick.

»Du liebst uns.«

»Ich toleriere euch aus Gewohnheit.«

»Fast dasselbe«, meint Clementine schnaubend. Vielleicht hat sie recht. Denn selbst jetzt, mit einem Kopf voller Rechnungen und diesem Druck unter meinen Rippen, fühlt sich ihre Stimmen an wie etwas Verlässliches. Wie Licht unter einer Tür.

»Kadia«, sagt Rick plötzlich gedehnt. »Warum habe ich das Gefühl, dass du gerade irgendeinen Unsinn alleine mit dir ausmachst?«

»Weil du Schlagzeuger bist und ihr leider alle dieselbe Gehirnzelle teilt.«

»Autsch.«

»Außerdem«, füge ich hinzu und drehe das Hinterrad noch einmal an, »würde ich euch niemals die Stimmung ruinieren. Nicht jetzt, wo ihr offensichtlich kurz davor seid, gemeinsam Sonnenuntergänge zu malen, einander Herzchenkleber auf die Wangen drückt oder Gedichte füreinander schreibt.«

»Ter schreibt Gedichte, obwohl es wohl eher unser neuer Hit wird«, sagt Rick gedankenlos. Mein Herz sticht heftig. Dexter konnte schon immer Dinge sagen, die sich anhörten, als wären sie zufällig schön. Als würde ihm gar nicht auffallen, was seine Worte mit Menschen machen. Ich hasse, dass ich das noch weiß.

»Bitte sag mir, dass die Gedichte schlecht sind«, grolle ich.

Rick lacht wieder. »Leider nicht. Sie sind sogar verdammt gut, obwohl sie ziemlich bitter klingen, sobald man die Instrumente drunterklatscht.« Natürlich. Dexter Creech war schon immer unfair gut in allem, was andere Menschen ruiniert.

Chapters
1. Kapitel 1
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