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Der Graue Regenbogen

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Summary

"Nah, wie war das Leben so?" Louis Brown ist mit 15 Jahren schon verstorben und gelingt ins Jenseits. Doch er kann sich nicht erinnern, was er in seinem Leben erlebt hat. Verwirrt wohnt er in dieser Welt der Toten, bis er plötzlich von der Verwaltung rausgeschmissen wird. Treibend im Diesseits findet er neue Erkenntnisse und ein behindertes Mädchen, was ihn sehen kann... Eine wunderbare Geschichte zum Nachdenken und für Heilung. Das Cover wurde mithilfe von KI erstellt. Der Rest aber ist aus meinem Kopf entsprungen. Ich kann leider nicht zeichnen oder Grafik designen :(

Genre
Other
Author
Dulli_10
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Willkommen im Jenseits!

Prolog

Ich falle.

Ich falle und treffe auf den Grund.

Mein Nacken zerbirst und mein Kopf schmerzt explosionsartig.

Ich zersplittere wie ein fragiles Weinglas, Glückbringend.

Das Licht am Ende der näherkommenden Finsternis.

Verflixt, mein Geist schwindet.

Ist es vorbei, alles umsonst? Habe ich zu viel Zeit verschwendet?

Wahrscheinlich ist es eh egal.

Man kann eben nur versagen.

Ein Grinsen taucht auf.

„Nah, wie war das Leben?“

Ich spüre keine Schmerzen mehr.

Es war...


...

Kapitel 1: Willkommen im Jenseits!

Hallo. Anscheinend bin ich gestorben…

obwooohl, es fühlt sich eher wie eine Geburt an. Außer meinen Namen habe ich keinen Plan, was ich in meinem Leben getrieben habe. Du fragst dich sicherlich, woher ich weiß, dass ich tot bin oder was eine Geburt ist. Naja, ersteres kann ich ziemlich simpel beantworten: ich bin in so einem ominösen Raum aufgewacht, der mich an einem vintage-mäßigen Büro eines Mafiabosses erinnert und auf dem Ledersessel saß eine gruselige Frau im Anzug. Mit gruseliger Frau, meine ich wirklich gruselig, mit ihrem strengen Blick, ihren streng gleich schulterlangen Haaren, ihr perfekt waagerecht geschnittener Pony. Vor allem ihre Größe...

„Willkommen im Jenseits, wie lautet dein Name?“, begrüßt mich die Gruseltante, während ich benommen auf dem samtroten Rundteppich stehe. Wie aus dem Nichts tauchen in meinen Gedanken zwei Wörter in orangenen Lettern auf: Louis Brown. Die Wörter rieseln wie Sand ins nichts. Im Raum herrscht betretende Stille.Ich schaue mich um, hinter der Frau ist ein risieger Bücherregal voller Akten. Neben ihrem exquisiten dunkelholzigen Tisch mit goldener Tischlampe ragt ein riesiger goldener Globus, der im bescheidenen Licht trotzdem in Gänze strahlt. Die Decke wird von einem prächtigen Kronleuchter geschmückt. Der Boden, die Wände und die Decke ist mit Holz verkleidet. Es gibt hier keine Fenster.

Die Frau starrt mich genervt an: „Schau mal, vielen ging es so wie dir. Sie erwarten das Nichts oder ein Paradies oder die Wiedergeburt, oder bemerken gar nicht, dass sie tot sind. Also reißt dich zusammen und beantworte meine Fragen, damit ich noch andere hier einschleusen kann.“ Ich stottere ein wenig, tot? Das Jenseits? Das ist doch verrückt, heißt das, man verliert die Erinnerungen, wenn man stirbt? Das ist ja spannend...

„Mein Name ist Louis Brown“, seltsamerweise sage ich das, als sei die Situation gar nicht seltsam. Ich denke, mein Notfall-Modus hat sich gerade aktiviert. Der taucht bei überwiegenden Stress auf und dann reagiere ich so neutral wie möglich. Woher weiß ich das eigentlich? „Wie bin ich hierher gekommen?“ Die Frau seufzt gereizt, ihre Stressfalten vertiefen sich: „Du bist schon sehr jung gestorben, Louis... und das hasse ich an euch jungen Leuten, ihr seit so dämlich und überlebt die Welt nicht und ich muss das ausbaden!“ Ich will ihr noch fragen, wie ich gestorben bin, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es nicht hier angemessen ist. Vielleicht wird was schlimmes passieren, wenn ich das tue. Die Frau dreht sich um und sucht in den Akten bis sie eine braune Akte rechts in der Mitte des Bücherregal herausholt.

„Gut, Louis Brown also, gestorben heute am 20. Mai 20XX. Männlich, 15 Jahre alt. Du hast ein höheres Trauer Level, also wurdest du geliebt. Bekanntheitsgrad null, keine direkte Bezugsperson im Jenseits. Ach wie schade!“ Ich kann es nicht sehen, aber sie rollt bestimmt die Augen. Ich bin also 15 Jahre alt... Schon so früh gestorben... Ist die Jugend nicht die Blütezeit des Lebens? Ach, verdammt! „Was geschieht mit mir?“, frage ich vorsichtig. Die Frau erwiderte: „Ganz einfach. Du wirst einer Wohngemeinschaft zugeteilt! Dann bleibst du dort bis ans aller Ende. Bestimmt wird es langweilig für dich, aber du bist ja auch jung gestorben, Pech gehabt.“ Sie zuckt mit den Schultern und ist sichtlich gereizt. Habe ich irgendetwas falsches getan außer tot zu sein? Wobei... nicht auf sein Leben aufzupassen ist schon nicht so gut. Die Frau geht auf das riesige Globus zu. Der Globus bildet aber nicht die Erde ab, sondern eine ganz eigene Welt. Was ist nochmal die Erde?

„PERSONAL! Findet eine passende Wohngemeinschaft für einen geliebten Jugendlichen ohne Bezugsperson! Aber Dalli!“, sie kreischt durch den Raum, aber es passiert erstmal nichts. Bis plötzlich eine Stelle auf dem Globus rot leuchtet. „Jaaa Miss Springer“, eine Stimme hallt durch den Raum, „Ist eine mickrige Wohngemeinschaft angemessen? Sie ist relativ abgeschieden, aber ruhig und...“ „Frag ihm selbst! Es ist nicht mein Job!“, Miss Springer, oder wie sie auch heißt, schafft es, trotz fehlender Zuwendung zu mir, noch gereizter auszusehen. Sie hat anscheinend keine Lust auf diesen Job. Sie dreht sich langsam im Kreis. Das hin- und herblettern der braunen Akte macht mich nervös. Die Stimme, sofern sie es kann, wendet sich mir zu und flüstert: „Hey, Sie ehemaliger Jungspund! Sagen Sie Ja und kooperieren Sie einfach. Ich will nicht, dass Miss Springer mir noch weitere Strafjahre verhängt. Bitte, tu es einfach!“ Sein Ton ist sehr flehend. Sie muss ja wirklich schlimm sein, wie eine Arbeitstyrannin, die moderne Sklaverei im Bürosetting betreibt. „Ich kann Sie hören! Wie dumm kann man als alter Geist nur sein!“, kreischt Miss Springer. Sie kann einen wirklich Angst machen. Ich kooperiere zugunsten der Stimme. Ich will ja nicht, dass jemand wegen mir unnötigerweise leiden muss. Ich sage schnell: „Ja! Für mich ist so etwas in Ordnung! Ich bin ziemlich offen, was das wohnen angeht, also wirklich!“ Ich merke gerade, dass ich ihren kompletten Namen noch nicht kenne. Kann ich sie einfach danach fragen? In mir braut sich ein unnatürliches Interesse, ihren Namen herauszufinden. Was soll schon passieren, ich bin ja schon tot. Also kann ich nichts verlieren. „Wie ist eigentlich Ihr Name?“

Miss Springer reagiert unerwarteter Weise ein bisschen überrascht. Diese Frage bekommt sie anscheinend ziemlich selten. Ist es eigentlich nicht normal wissen zu wollen, wer vor einem steht, besonders, wenn die Person bestimmt, was mit einem passieren wird? Miss Springer dreht sich um und schaut mir direkt in die Augen. Ihr Blick ist mit einem verkrampften Stirnrunzeln so intensiv, sodass ich leicht zurückschrecke. „Mein Name ist Amy Springer. Ich bin hier schon seit 80 Jahren im Dienst. Nomalerweise läuft es hier Ratzfatz, aber deine Umstände haben das alles unnötig kompliziert gemacht. Ach verdammt, das System muss dringend reformiert werden... So, jetzt bringen wir dich dort hin, wo du jetzt hingehörst!“ Ihre Mimik wird wie davor streng und gereizt. Sie setzt sich wieder auf ihren exquisiten breiten Ledersessel und verschränkt bosshaft ihre Arme. Als Amy mit ihren Händen zwei Mal in der Luft schnipst, öffnet sich die breite hölzerne Tür hinter mir und ein schwarzer Kugelschreiber schnellt hinein und fliegt zu Amys Handfläche.

„Viel Spaß beim tot sein!“, sie zeichnet mit ihrem Kugelschreiber in der Luft eine Formel oder ein Symbol. So genau weiß ich es nicht. Aus dem Stift versprühen bunte leuchtende Funken, die gar nicht zur Stimmung des Raumes passen. Besonders seltsam finde ich den Kontrast zur Magie und dem ernsten Gesicht von Amy. Ihr Herumgefuchtel dauert viel länger, als man es vom Bewirken von Magie aus den diversen Fantasy-Filmen erwartet. Auf dem roten Rundteppich unter meinen Füßen bilden sich erst kleine und wenige Funken, dann werden es immer mehr. Amy zieht weiterhin mit ihrem Kugelschreiber grelle Linien in der Luft, die auf der Stelle verschwinden. Es erinnert mich an einem betrunkenen Dirigenten. Was ist ein Dirigent nochmal? Schmerzen.

„Also…“, murmele ich. Das Licht aus dem Teppich beginnt mich zu blenden.

„Schweig! Konzentriere dich!“, zischt Amy, auf ihren Kugelschreiber fokussiert. Das Licht hat inzwischen mein gesamtes Sichtfeld eingenommen.

„Was?“, mein Bewusstsein wird schwächer. Ich höre ganz leise ihre Stimme bis sie in das grelle Weiß versiegen.

„Vergiss niemals… , sonst… es………“

Zu spät.

Stille.

Ich sehe nur weiß, kein Laut, keine Farben, keine Bewegungen, nichts außer weiß. Nicht einmal meine eigene Gestalt kann ich erkennen.

Nach einer unbestimmten Zeit der Ewigkeit werde ich gezogen und nach hinten auf schnellster Geschwindigkeit geschleudert. Aus dem weiß entstehen unendlich viele Farben. Ich gleite durch einen leuchtenden Tunnel. Um mich herum fliegen Sternschnuppen ähnliche Funkeln. Stimmen erklingen, Alte sowie auch Junge, Lachende und Heulende, Dunkle und Helle. Mit einem physischen Körper würde ich an dieses Klangchaos explodieren. Kreischen, Lachen, Schreie. „Falscher Weg“ „Halt‘ die Klappe!“ „Hey, das Kind muss nach Sektor—“ Es folgt wieder Stille, diesmal aber nur reine Dunkelheit. Ich drehe mich in alle Richtungen bis plötzlich etwas mein Bewusstsein wie eine Aluminiumdose zerdrückt. Bitte was?



Deine Heimat

Eine leichte Brise streift, trotz fehlendem physischem Körper, mein Gesicht. Ich rieche einen intensiven Geruch von Kartoffelsuppe und Würstchen. Etwas unmögliches ist geschehen. Ich liege auf etwas Weichem, ich kann spüren. Seltsam… das Spürem fühlt sich normal an, so funktioniert Amnesia aber nicht! Genauso ist es mit dem Riechen. Ich konnte ja schon immer sehen, verstehe… mein Kopf schmerzt, das Denken fällt mir schwer. Ich öffne langsam die Augen. Auf mir liegt eine hässliche selbstgestrickte Wolldecke. Über mir flackert ein warmes Licht in einer verschimmelten Lampe. Meine Sicht ist verschwommen, in meinem Sichtfeld tanzen viele kleine schwarze Pünktchen, die verschwinden und wie Flöhe hin und her springen. Die Decke ist aus morschen Brettern. Mein Kopf dröhnt. Neben mir tickt eine riesige verstaubte Wanduhr.

Tick.

Tack.

Tick.

Ta-

„Ein Neuer ist hier erwacht!“ Eine junge männliche Stimme, die doch ziemlich tief ist. Ich rappele mich abrupt auf. Mit stark verschwommenem Blick starre ich an die morsche Wand. Direkt davor gesellt sich ein wahrscheinlich Siebzehnjähriger auf einem maroden ledernen Sessel. Er sieht mit seinen schwarzgefärbten zersausten Haaren, seinen dunklen Klamotten und seinen überdurchschnittlich großen Augenringen sehr finster aus. Wie... ach, ich habe jetzt nicht den Gehirnschmalz für unnötige Vergleiche... Der Jugendliche betrachtet aufmerksam ein olivgrünes Buch in seiner Hand, in dessen Seiten mehrere Messerklingen stecken... als Lesezeichen. Doch das bizzarste sind nicht die Messer, er hält das Buch auch noch falsch herum. Neugierig drehe ich meinen Kopf, um den Titel zu erfassen. In wunderschöner Kalligraphie, natürlich vergilbt, steht geschrieben: „Kosmische Kartoffeln für Energieerschaffung“

Ich bezweifele stark, dass er, trotz seines Alters, nicht lesen kann.

„OL! BIST DU TAUB, ODER WAS? WIR HABEN EINEN NEUEN!“, bei seiner plötzlichen massiven Lautstärke zucke ich zusammen. Eine schrille Stimme erwidert: „HALT'S MAUL! UND SCHREI' NICHT SO LAUT!“ Es folgen schnelle polternde Schritte. Eine zerbrechlich aussehende junge Frau stürmt von der hölzernen Tür rechts vom Jugendlichen herein. Sie hat ähnlich große Augenringe und hat einen riesigen rosanen Wollpulli an. Ihre natürlichen langen schwarzen Haaren können nicht verfilzter und verknoteter sein. Ihr längliches gestresstes Gesicht blickt erst den Jugendlichen zornig an, dann wendet sie es mit sanfterer Miene zu mir.

„Wie ist dein Name, Kind?“ Nach kurzer Zeit der Benommenheit antworte ich mit unsicherer Stimme. Ist das die Wohngemeinschaft?

„Louis Brown, wer...“ Meine Stimme versagt. Wie ist das möglich? Ich bin ja doch tot. Die Frau lächelt mich leicht an, was aber durch ihr erschöpftes Gesicht ein bisschen gruselig aussieht.

„Also, ich bin Olivia Kempus, aber alle hier nennen mich Ol. Der Idiot da“, sie zeigt auf den finsteren Jugendlichen, der seine Aufmerksamkeit wieder der Lektüre widmet, „Das ist Silas, er ist ein Emo, also erwarte von ihm nichts.“ Daraufhin rollt Olivia mit den Augen. Silas scheint sich nicht an dieser Aussage zu stören.

„Es gibt hier noch zwei Bewohner, aber sie gehen gerade in den Wald draußen spazieren.“ Sie schaut mich leicht traurig an.

„Willkommen in der räudigsten Wohngemeinschaft der Mittelklasse im Jenseits. Hier wirst du nichts neues lernen.“

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