Mein geliebter Voyeur

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Summary

Er ist der Mann im Garten gegenüber, der mich nachts beobachtet. Der Fremde, der im Dunkeln darauf warte, bis ich ans Fenster trete und mich ihm zeige. Der Unbekannte, der mir subtile Botschaften in Form von Blumen hinterlässt, und dem ich mehr von mir zeige, als ich dürfte. Ist er nur ein romantischer Blumenkavalier? Oder ist er ein berechnender Voyeur, der genau weiß, was er tut? Der mich wissentlich an meine Grenzen bringt, weil die Scham und der Nervenkitzel mich mehr erregen, als ich zugeben möchte? Ein prickelndes Spiel, dem ich mich bei Nacht ergebe, und von dem ich nicht weiß, wie es enden wird.

Status
10h ago
Chapters
7
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Wie immer hat er auch dieses Mal gewartet, damit ich ihn nicht sehe. Ist im Schutz der Dunkelheit herüber geschlichen zu meinem Fenster, und hat seine heutige Botschaft für mich platziert.

So groß der Drang in mir auch war, mich hinter dem Vorhang zu verstecken und ihn dabei zu beobachten, so wie er es bei mir tut, so sehr habe ich ihm auch dieses Mal wieder widerstanden. Habe mich stattdessen unter die Dusche begeben, mich heimlich selbst berührt und mir in Gedanken ausgemalt, was er mir heute für eine Blume hinterlassen wird. - Welche Botschaft. Und auch, was und wie viel ich ihm heute von mir zeigen möchte. Ich bemühe mich inzwischen nicht mehr darum, meinen Körper zu bedecken, wenn ich mit meiner abendlichen Dusche fertig bin. Trockne mich lediglich etwas ab und schlendere nackt, so wie Gott mich schuf, in meine Küche. Ich achte nicht mehr darauf, das Licht im Flur zu löschen, dass man mich draußen nicht mehr sehen kann. 

Und dass er da draußen irgendwo ist, weiß ich. Ich kann seine Augen auch heute regelrecht auf meinem Körper spüren. Meine sogar, seinen Zigarettenrauch durch das geschlossene Fenster riechen zu können. Ich schlendere hinüber zum Fenster und lasse meinen Blick beiläufig in die Richtung wandern, in der ich ihn erahne. Dabei umspielt ein schmunzeln meine Lippen. Ich sehe das glimmen seiner Zigarette. Doch dieses Mal nicht an seinem üblichen Platz. Er bewegt sich. Wandert entlang seines Gartenzauns, während mir die rote Glut seiner Zigarette sagt, dass sein Blick meinem Fenster zugewandt ist. Etwas, dass meine Erregung ins unermessliche steigern lässt. Instinktiv fasse ich mir an meine Brust und umkreise mit den Fingerspitzen meine Brustwarze. Durch die Dusche und den plötzlichen Temperaturwechsel ist sie noch immer fest und geschwollen. Jede noch so sachte Berührung treibt gefühlt abertausende von flirrenden Blitzen durch meinen Körper. Dabei starre ich gezielt in seine Richtung und kneife die Augen zusammen, bis ich seine Silhouette im Dunkeln erkennen kann. Nun hält er inne. Scheint zu warten, was ich tue. Ich minimiere das letzte verbliebene Stück Abstand zu meinem Küchenfenster und öffne es. Ein Schwall an warmer Sommerluft bläst mir entgegen und jagt eine wohlige Gänsehaut über meinen Körper. Ich fasse hinaus auf das Fensterbrett, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

Die Glut im Dunkeln erlischt und leuchtet wieder auf, erlischt erneut. Instinktiv passe ich mit seinem Atem an, während er dem Genuss seiner Zigarette frönt, und befeuchte mir instinktiv mit der Zunge meine Lippen.

Endlich bekommen meine Finger etwas zu fassen: Ein leicht holziger Stamm, gesäumt von weichen, noch warmen Blättern, weil sie die Wärme des Tages noch immer in sich gespeichert hat.

Ich nehme sein Geschenk an mich, schließe das Fenster und drehe ihm meine Kehrseite zu. Präsentiere ihm, wie schon einige Male zuvor, meine nackte Haut und versuche zu erkennen, welche Blume er mir heute hat zukommen lassen.

Doch im Vergleich zu seinen vorherigen Geschenken, erkenne ich diese nicht, was mich etwas irritiert. Sie besteht aus lauter kleinen, gelben Kugeln, die mich etwas an Weintrauben erinnern. Und doch sind sie so fragil, dass ich befürchte, die Blüte könnte zerfallen, wenn ich sie zu fest drücke.

Welche Botschaft steckt dahinter?

Ich lasse mir meine Unsicherheit nicht anmerken, während ich lasziv zu einem meiner Küchenstühle schlendere. Ich weiß, dass er es gerne sieht, wenn ich mich rittlings darauf setze. Ihm meinen Arsch präsentiere und meine Beine dabei einladend weit auseinander spreize. Dumm nur, dass das einzige, dass meine rosigen Lippen in diesem Moment zu sehen bekommt, die Rücklehne des Stuhls ist. Aber ich weiß, dass auch das meinen stummen Beobachter fast in den Wahnsinn treibt. Die gelbe Blüte liegt vor mir auf dem Tisch und ich lehne mich lässig auf die Rückenlehne. Unauffällig zücke ich mein Handy, mache ein Foto meines Geschenkes und starte die Bildersuche: Es ist eine gelbe Akazie.

Ich habe noch nie davon gehört, geschweige denn, diese Art von Blume hier irgendwo gesehen. Aber wie immer, wenn er mir eine Botschaft sendet, weiß ich, was er von mir erwartet.

Vor mir auf dem Tisch liegt die Antwort: Verborgen hinter einem bereits abgegriffenen, fleckigen Einband und gedruckt auf dicken, vergilbten Seiten: Flora Symbolica.

Inzwischen weiß ich mehr über das Buch, das er mir hat zukommen lassen. Meine Ausgabe ist vermutlich aus den siebziger Jahren. Doch das Original ist schon weit über zweihundert Jahre alt. Das Viktorianische Zeitalter war die Hochzeit der Floriographie gewesen. Jede Blume hatte ihre eigene Bedeutung. Man überbrachte sich wortlose Botschaften. So wie er es tat, während er mich nachts beobachtete und mit meiner unterdrückten Lust spielte.

Schließlich erhebe ich mich. Dabei nehme ich das Buch zur Hand, drehe mich dem Fenster zu und schaue hinaus in die Dunkelheit der Nacht.

Während mein Blick kurz die Glut seiner Zigarette ersucht, die nun weiter hinten und auf seinem gewohnten Platz ist, blättere ich zum alphabetischen Register und suche nach der gelben Akazie. Tatsächlich gibt es einen Eintrag dazu, den ich rasch nachschlage.

Die Botschaft, die diese Blume übermittelt, jagt mir eine erneute Gänsehaut über den Körper. Ich zucke innerlich zusammen. Ob nun aus Angst oder Vorfreude, kann ich nicht definieren. Innere Euphorie mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass das, was ich im Begriff bin, zu tun, auch gefährlich sein kann.

Ich blicke wieder hinüber auf die andere Straßenseite und dann zurück auf meinen Zeigefinger, der die Botschaft markiert: Ich bitte um ein Treffen.

Unsicherheit überkommt mich.

Ich kenne diesen Mann nicht. Ich weiß lediglich, wie er aussieht. Doch wie er spricht oder riecht, weiß ich nicht. Ich weiß noch nicht einmal, was er von mir denkt, wenn ich ihm gestatte, mich nachts in meinen intimsten Momenten zu beobachten. Doch ich weiß, wie prickelnd es sich anfühlt, wenn sein Blick auf meinem nackten Körper liegt. Ich weiß, wie mein Körper reagiert, wenn ich bemerke, dass er mich von seinem Garten und im Schutze der dunklen Nacht aus beobachtet und sich vermutlich dabei selbst anfasst.

Ich habe jeden heimlichen Moment mit ihm bisher genossen. Und jetzt stehe ich da und hadere mit mir und meiner Vernunft.

Es ist ein Unterschied, einem Fremden etwas nur zu zeigen. Ob nun nackte Haut oder etwas viel intimeres, das man als Singlefrau in einsamen Nächten so macht. Oder ob man ihm plötzlich mehr gestattet. Ihm erlaubt, nicht nur Zuschauer zu sein, sondern selbst Teil des Spiels zu werden.

Meine inneres Sehnen danach, was er mit mir tun würde, wenn er mir gegenüber stünde, gewinnt schließlich überhand. Ich lege das Buch beiseite und suche nach seiner Silhouette. Doch die Glut seiner Zigarette ist bereits erloschen. Aber ich weiß, dass er noch auf seinem Platz sitzt und lauert. Dabei spüre ich etwas in meinem Unterleib zu zucken. Ein dumpfes, stetiges und sich unverschämt gut anfühlendes Gefühl, das mich unsäglich erregt.

Meine Finger wandern an meinen Mund. Lasziv befeuchte ich sie mit meiner Zunge und führe sie hinab an meine empfindsamste Stelle, während ich weiterhin auf Stelle hinüber starre, von der ich weiß, dass er sich dort befindet und mich ebenso beobachtet.

Ob Voyeur oder Blumenkavalier, sei dahingestellt. Heute Nacht möchte ich mehr, als nur die Frau sein, die er beobachtet…