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​Nightshade – Die Festung der Schatten

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Summary

​Ein verbotenes Siegel. Ein unerbittlicher Lord. Ein Band, das alles zerstören könnte. ​Ein Unfall im Museum verändert Aurelias Leben von einer Sekunde auf die andere: Ein tiefschwarzes, uraltes Siegel verschmilzt mit ihrem Körper. ​Malakai, der unnahbare Herrscher der Schattenwelt, fackelt nicht lange. Er spürt die Sterbliche auf und sperrt sie in seinem Penthouse ein, um sich zurückzuholen, was rechtmäßig seiner Familie gehört. ​Doch das Artefakt bindet die beiden auf eine zutiefst gefährliche Weise aneinander. Plötzlich gerät Aurelia ins Visier tödlicher Mächte. Um zu überleben, muss sie sich auf ein düsteres Spiel mit dem Schattenlord einlassen – einem Mann, der für sein Imperium über Leichen geht.

Status
Complete
Chapters
47
Rating
n/a
Age Rating
18+

Der Staub der Jahrhunderte

Aurelia

Der schrille Ton des Weckers schnitt pünktlich um sechs Uhr durch die Stille meines Schlafzimmers. Ich tastete mit geschlossenen Augen über den Nachttisch, bis meine Finger das vibrierende Smartphone fanden und den Ton verstummen ließen.

Einen Moment lang rührte ich mich nicht. Ich starrte an die noch dunkle Zimmerdecke und lauschte auf das leise Summen der Stadt draußen vor meinem Fenster. Es war ein ganz normaler Freitagmorgen. Der Beginn eines absolut vertrauten Tagesablaufs.

Ich schlug die Decke zurück, spürte die kühle Morgenluft auf der Haut und ging ins Badezimmer. Als das kalte Wasser mein Gesicht traf, wich die Müdigkeit endgültig zurück. Ich blickte in den Spiegel, griff nach der Bürste und steckte mein langes Haar routiniert am Hinterkopf fest. Bei der Arbeit im Labor durfte mir nichts in die Augen fallen.

Auch meine Kleidung wählte ich nach rein praktischen Aspekten aus: eine dunkle, hochgeschlossene Bluse und eine schlichte schwarze Hose. Wer den ganzen Tag mit jahrhundertealtem Staub, Chemikalien und empfindlichen Pigmenten arbeitete, verzichtete freiwillig auf helle Farben.

In der Küche drückte ich den Startknopf der Kaffeemaschine. Das vertraute Gluckern erfüllte den Raum, während der herbe Duft sich langsam ausbreitete. Ich nahm die heiße Tasse in beide Hände und lehnte mich gegen die Küchenzeile. Mit dem Daumen entsperrte ich mein Telefon, um den Tag im Kopf durchzugehen. Mein Kalender zeigte keine freien Lücken. Nach der wöchentlichen Teambesprechung am Vormittag wartete der anstrengende Teil des Tages auf mich: Ich musste eine private Nachlass-Schenkung sichten und katalogisieren. Das bedeutete meistens stundenlanges Sortieren von verstaubten Alltagsgegenständen und mühsamen Papierkram.

Ein kurzes Aufblinken auf dem Display vertrieb jedoch meine aufkommende Unlust. In unserer privaten Chatgruppe leuchtete eine neue Nachricht auf. Elena hatte mitten in der Nacht das Foto einer bunt beleuchteten Cocktailkarte geschickt, gefolgt von einer kurzen, zustimmenden Antwort von Maja. Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Der Mädelsabend stand fest. Wir hatten uns vorgenommen, einen neuen, exklusiven Club in der Innenstadt auszuprobieren. Diese Aussicht war der perfekte Lichtblick für den bevorstehenden Arbeitstag. Nach den langen Stunden im Keller des Museums würde es guttun, die Musik zu spüren und den Kopf komplett freizubekommen.

Ich trank den letzten Schluck Kaffee, spülte die Tasse ab und griff nach meiner Umhängetasche. Als ich die Wohnungstür hinter mir ins Schloss zog und die Stufen zum Ausgang hinunterging, lag die Straße noch in einer kühlen, grauen Morgendämmerung. Ich atmete die frische Luft ein, ohne zu ahnen, dass ich diesen vertrauten Weg heute zum letzten Mal ging.

Die Fahrt ins Museum verlief ereignislos. Ich beobachtete das vertraute Wechselspiel der Lichter im U-Bahn-Tunnel und dachte an das Treffen mit Elena und Maja. Die Vorfreude auf den Abend machte die anstehende Routine erträglich.

Das Museum für Altertümer lag noch still da, als ich den Personaleingang passierte. Ohne die täglichen Besucherströme wirkten die hohen Hallen mit den Marmorsäulen majestätisch und verlassen. Ich ging direkt in das Untergeschoss, wo sich die Restaurierungswerkstätten befanden. Hier roch es nach Lösungsmitteln, altem Papier und trockenem Staub. Dieser Ort war mein Revier. Ich schaltete die hellen Lampen ein, zog meinen Laborkittel über und bereitete meinen Arbeitsplatz vor.

Der Vormittag verging wie im Flug. Die wöchentliche Teambesprechung zog sich zwar in die Länge, da die Museumsleitung stundenlang über die Platzierung einer neuen Vitrine stritt, doch ich hielt mich im Hintergrund. Ich erledigte danach die restlichen Routineaufgaben und wartete auf den Nachmittag.

Punkt dreizehn Uhr lieferte der Hausmeister die angekündigte Nachlass-Schenkung ab. Drei schwere Kartons aus grauer Pappe standen nun auf meinem hölzernen Arbeitstisch. Sie stammten aus dem Nachlass eines verstorbenen Professors für Archäologie. Ich zog mir die dünnen Nitrilhandschuhe an, griff nach dem Skalpell und schnitt das Klebeband des ersten Kartons auf. Ein Schwall kalten, modrigen Geruchs schlug mir entgegen. Der Inhalt war genau das, was ich erwartet hatte. Ich fand vergilbte Notizbücher, alte Fachliteratur und einige unscheinbare Tonscherben, die grob in Plastiktüten verpackt waren. Stück für Stück nahm ich die Gegenstände heraus, reinigte sie mit einem feinen Pinsel und trug die Daten in den Computer ein. Es war eine monotone, beruhigende Arbeit, bei der ich die Zeit vergaß.

Erst als ich den dritten und letzten Karton erreichte, änderte sich mein Gefühl. Ganz unten, eingewickelt in ein vergilbtes, grobes Leinentuch, lag ein Gegenstand, der das Licht der Deckenlampen regelrecht zu schlucken schien. Ich entrollte den Stoff mit vorsichtigen Bewegungen. Zum Vorschein kam ein kreisrundes Artefakt, etwa so groß wie meine Handfläche. Es war tiefschwarz, unerwartet schwer und bestand aus einem Material, das ich nicht sofort zuordnen konnte. Es fühlte sich kälter an als gewöhnlicher Stein oder Metall. Die Oberfläche war mit feinen, verschlungenen Mustern überzogen, die sich zu einem komplexen Siegel formten. In der Mitte prangte eine scharfkantige Vertiefung.

Ich runzelte die Stirn. Das Objekt passte überhaupt nicht zu den restlichen Funden des Professors. Es strahlte eine düstere, fast magnetische Faszination aus. Ich schob die Lupenbrille auf meine Nase und beugte mich tief über den Tisch. Ein feiner, hartnäckiger Film aus jahrhundertealtem Schmutz saß in den tiefen Rillen des Musters. Ich griff nach einem feinen Schaber aus Metall, um das Siegel vorsichtig zu reinigen.

In dem Moment, als die Metallspitze die schwarze Oberfläche berührte, spürte ich ein plötzliches, heftiges Kribbeln in meinen Fingerspitzen. Ich zuckte zusammen. Ich wollte die Hand zurückziehen, doch meine Finger gehorchten mir nicht. Das Kribbeln verwandelte sich innerhalb von Millisekunden in ein brennendes Stechen. Es fühlte sich an, als würde Strom direkt durch meine Nervenbahnen schießen. Der Metallschaber entglitt meinen starren Fingern und klirrte laut auf der hölzernen Tischplatte.

Das tiefschwarze Artefakt begann sich zu verändern. Die feinen, verschlungenen Muster schienen plötzlich zu pulsieren, als würde eine dunkle Flüssigkeit durch die Rillen fließen. Ein eisiger Hauch breitete sich im Raum aus, obwohl die Heizung in der Werkstatt lief. Ich wollte nach Hilfe rufen, doch meine Kehle war wie zugeschnürt. Die Luft in meinen Lungen fühlte sich plötzlich tonnenschwer an.

Ein lautloser, dunkler Impuls brach aus der Mitte des Siegels hervor. Die Energie traf mich direkt in die Handfläche. Der Schmerz war absolut – eine Welle aus flüssigem Eis und Feuer jagte meinen Arm hinauf und raubte mir das Sehvermögen. Ich stolperte rückwärts. Mein Stuhl kippte um und krachte scheppernd auf den Linoleumboden. Ich presste die linke Hand auf mein rechtes Handgelenk und sank auf die Knie. Mein Atem ging stoßweise, kalter Schweiß trat mir auf die Stirn.

Über mir begannen die Lampen wild zu flackern. Das Summen der Elektrizität schwoll zu einem unangenehmen Dröhnen an. Doch das, was ich durch den Schleier meiner Tränen sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren: Die Schatten in den Ecken der Werkstatt lagen nicht mehr flach an den Wänden. Sie schienen sich in die Länge zu ziehen, wurden plastisch und bewegten sich unnatürlich, als würden sie sich vom Untergrund lösen.

Ich schloss die Augen und presste die Stirn gegen den kühlen Boden. Ich konzentrierte mich nur auf das rasende Schlagen meines Herzens und wartete darauf, dass das Fieber in meinem Arm nachließ.

Als das Pochen im Kopf endlich abebbte, war das Summen verschwunden. Das Licht brannte wieder ruhig und tauchte die Werkstatt in das gewohnte, sterile Weiß. Die Schatten an den Wänden waren wieder starr. Zitternd erhob ich mich und stützte mich am Rand des Arbeitstisches ab. Ich hob die rechte Hand und starrte auf meine Handfläche. Da war nichts. Keine Brandblase, keine Wunde, keine Spur von Schmutz. Meine Haut sah völlig makellos aus. Doch tief unter der Oberfläche spürte ich ein unnatürliches, heißes Pochen, das exakt im Takt meines Herzens schlug.

Ich blickte auf den Tisch, um nach dem Artefakt zu greifen, doch der Platz auf dem Leinentuch war leer. Das schwarze Siegel war spurlos verschwunden. Nur der umgekippte Stuhl auf dem Boden bewies, dass ich mir das alles nicht eingebildet hatte.

Ich atmete tief durch und versuchte, meine zitternden Hände zu beruhigen. Ich musste mir einreden, dass der Stress der letzten Wochen oder ein plötzlicher Kreislaufkollaps schuld an dieser Halluzination waren. Für heute war es genug. Ich dokumentierte die bisherigen Funde im System, sparte den Vorfall mit dem Siegel jedoch bewusst aus. Niemand im Museum durfte glauben, ich würde den Verstand verlieren.

Nach dem Abschließen der Werkstatt verließ ich das Gebäude fast fluchtartig. Die kühle Nachmittagsluft auf den Straßen tat gut und half mir, das heiße Pochen in meiner Handfläche zu ignorieren.

Zu Hause angekommen, ließ ich die Badewanne volllaufen. Das heiße Wasser entspannte meine Muskeln, doch die Unruhe in meinem Inneren blieb. Als ich vor dem Kleiderschrank stand, dachte ich nicht mehr an meine übliche Zurückhaltung. Ich wählte ein elegantes, figurbetontes Kleid aus schwarzer Seide, das mir bis zu den Knien reichte. Ich schminkte meine Lippen dunkel und ließ mein langes Haar offen über die Schultern fallen. Im Spiegel wirkte ich verändert. Meine eisblauen Augen wirkten tiefer, fast fiebrig, was ich auf das Adrenalin des Nachmittags schob

Das Treffen mit Elena und Maja vor dem neuen Club verlief in einer Wolke aus Lachen und herzlichen Umarmungen. Meine Freundinnen sahen umwerfend aus und redeten aufgeregt durcheinander. Sie schwärmten von dem exklusiven Ort, von dem man sich in der Stadt erzählte, dass nur ausgewählte Gäste Einlass erhielten. Ich genoss die vertrauten Stimmen. Ich klammerte mich an die Normalität meiner Freundinnen, um die Erinnerung an den Museumskeller zu verdrängen.

Gemeinsam traten wir an die schwere, tiefschwarze Eingangstür des Clubs, vor der ein gut gebauter Türsteher den Einlass kontrollierte. Als ich an ihm vorbeiging, spürte ich plötzlich, wie das unnatürliche Pochen in meiner Handfläche explosionsartig anstieg. Es war kein Schmerz, sondern eine intensive, ziehende Resonanz.

Die Tür öffnete sich, und die schwere Luft des Clubs schlug uns entgegen. Das Licht im Inneren war dämmrig, dominiert von tiefen Rottönen und langen, unnatürlich wirkenden Schatten. Elena und Maja zogen mich sofort tiefer in die tanzende Menge. Die Bässe vibrierten so stark, dass ich das Wummern im eigenen Brustkorb spürte, doch ich konnte mich nicht auf die Musik konzentrieren. Das brennende Pochen in meiner rechten Handfläche wurde im Minutentakt heißer. Ich umklammerte mein Cocktailglas fest, um das Zittern meiner Finger zu verbergen, während mein Blick unruhig durch den Raum wanderte. Irgendetwas stimmte mit diesem Ort nicht. Die Schatten an den Wänden schienen sich im Takt der Musik zu wiegen, unabhängig von den Lichtern.

Plötzlich veränderte sich die Atmosphäre im Club schlagartig. Die Temperatur im Raum fiel spürbar ab. Die laute Musik trat für einen Moment in den Hintergrund, überlagert von einer drückenden, schweren Präsenz. Die tanzende Menge teilte sich wie von selbst, als ein Mann die Stufen aus dem VIP-Bereich hinunterstieg. Seine Ausstrahlung war absolut. Er trug ein dunkles Sakko, die Hände lässig in den Taschen, doch sein Blick glitt eiskalt über die Anwesenden. Die Dunkelheit im Raum schien sich förmlich um seine Stiefel zu schmiegen, während er sich vorwärts bewegte.

Ich spürte seinen Blick, noch bevor ich ihn sah. Es fühlte sich an wie ein physischer Schlag, der mir die Luft raubte. Ich wandte den Kopf und sah direkt in die rauchgrauen Augen des Fremden. In diesem Moment schlug das Schattensiegel in meiner Hand heftig aus. Ein stechender Schmerz jagte durch meinen Arm. Das Cocktailglas entglitt meinen Fingern und zerschellte klirrend auf dem Boden.

Der Fremde stoppte mitten in der Bewegung. Seine Augen verengten sich gefährlich, als sein Blick auf mir fixiert blieb. Mit langsamen, raubtierhaften Schritten steuerte er direkt auf mich zu. Elena und Maja bemerkten die herannahende Gestalt und wichen instinktiv zurück. Die reine Gefahr, die von ihm ausging, schnürte mir die Kehle zu. Die Luft zwischen uns schien zu brennen, als er direkt vor mir stehen blieb. Seine schiere Größe überragte mich vollkommen, und die Schatten um uns herum verdichteten sich zu einer blickdichten Wand. Er kapselte mich von der restlichen Welt ab.

„Du hast etwas, das mir gehört“, sagte er mit einer tiefen, rauen Stimme, die nur für mich bestimmt war. Seine Hand schoss vor und umfasste mein rechtes Handgelenk mit einem unerbittlichen, besitzergreifenden Griff.

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