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Faded Bond

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Summary

Ich wollte nie Teil ihrer Welt sein. Ich wollte nur mein normales Leben behalten. ​Doch eine einzige Nacht ändert alles und fesselt mich durch ein unbarmherziges Ritual an ihn. Einen Mann, den ich mit jeder Faser meines Seins abgrundtief hassen sollte – und es gegen den Sog dieser magischen Verbindung einfach nicht kann. ​Gefangen zwischen bitterem Widerstand und einer gefährlichen Anziehung ahne ich nicht, dass im Schatten der Vergangenheit ein düsteres Geheimnis lauert. Ein Geheimnis, das meine gesamte Welt in Schutt und Asche legen wird... ​ Romantasy | Forced Bond | Slow Burn Die Reise hat gerade erst begonnen – lies jetzt die ersten Kapitel!

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

KATEL 1

"Du hörst mir ja gar nicht richtig zu!“

Mias Stimme riss mich augenblicklich aus meinen Gedanken. Ich blinzelte und sah zu ihr hinüber. Sie paddelte mit den Füßen im Wasser, sodass kleine Wellen über ihre Knöchel schwappten. Eigentlich versuchte sie, ein ernstes Gesicht zu machen, aber ein verräterischer, zuckender Mundwinkel entlarvte sie sofort.

Ich senkte den Blick und starrte auf meine Füße, die ich tief im warmen Sand vergraben hatte. Mist. Mia redete bestimmt schon seit zehn Minuten, und ich hatte kein einziges Wort davon mitbekommen.

„Doch“, murmelte ich verlegen.

„Ach, echt?“ Sie zog amüsiert eine Augenbraue hoch. „Das bezweifle ich stark. Ist alles okay bei dir? Du bist heute so ruhig, Elara.“

Ich fixierte die einzelnen Sandkörner zwischen meinen Zehen, während sich meine Kehle unbarmherzig zuschnürte. Sie kannte mich einfach zu gut.

„Hey, erzähl schon. Was ist los?“ Sie stieß mich spielerisch mit der Schulter an.

„Ach, ich weiß es selbst nicht. Bin vermutlich einfach nur müde ...“ Ich zwang den Satz über meine Lippen und hoffte inständig, dass sie das Zittern darin nicht bemerkte.

„Es ist wegen morgen, oder?“ Mia seufzte schwer. „Ich verstehe echt nicht, warum deine Mutter dich ausgerechnet den ganzen Sommer zu deiner Tante schickt. Ich hatte so viele Pläne für uns beide.“

„Ja, ich weiß.“ Ich rang mir ein schwaches Lächeln ab und klammerte mich an meine Knie. „Ich könnte mir auch Besseres vorstellen. Aber so ist es nun mal. Ich habe keine Wahl, Mia.“

Der Kloß in meinem Hals schwoll so bitter an, dass mir fast der Atem wegblieb. Wenn sie nur ahnen würde, was ab morgen wirklich auf mich zukam. Es würde kein unbeschwerter Sommer mit Eisessen und Sonnenbädern werden. Mich erwartete eine völlig andere Welt – eine, aus der es kein Entkommen gab. Und Mia durfte absolut nichts davon wissen. Für sie musste ich die Elara bleiben, die ich immer gewesen war: ihre beste Freundin, deren Familie einfach nur ein bisschen eigenwillig war.

„Es tut mir leid“, sagte ich leise, und jedes einzelne Wort brannte vor Ehrlichkeit in meiner Brust.

Als ich sie ansah, versuchte ich, jedes noch so kleine Detail ihres Gesichts in meinem Gedächtnis abzuspeichern: die Sommersprossen auf ihrer Nasenspitze, das goldene Abendlicht auf ihrer Haut und dieses vertraute, warme Funkeln in ihren Augen.

Mia stöhnte theatralisch auf, doch dann blitzte wieder ihr typisch frecher Ausdruck auf. „Aber gut. Wenn du mich schon den ganzen Sommer alleine versauern lässt, dann erwarte ich, dass wir diesen letzten Abend wenigstens mit guter Laune verbringen. Also Kopf hoch, du Trauerkloß.“

„Weißt du was, Mia?“ Meine Stimme klang dünner, als mir lieb war. „Ich werde dich ganz schön vermissen.“

Mia schnaubte, aber ihr Grinsen wurde weicher, fast wehmütig. Sie musste bemerkt haben, wie fest sich meine Finger in den rauen Stoff meines Handtuchs krallten, denn sie rückte näher, bis sich unsere Schultern berührten. „Ach komm, Elara. Du bist ja nicht aus der Welt. Und ja, ich werde dich auch vermissen.“ Der freche Ton kehrte in ihre Stimme zurück, prallvoll mit spürbarer Wärme. „Du tust ja gerade so, als wäre es der Weltuntergang. Aber hey ...“

Ich hob langsam den Kopf.

„Egal, wie weit weg deine Tante wohnt“, sie stupste mir sanft mit dem Finger gegen die Stirn, „und egal, wie sehr deine Familie dich diesen Sommer einspannt – du wirst mich nicht los. Wenn du im Herbst zurück bist, holen wir alles nach. Ich schleife dich in jede verdammte Bar dieser Stadt. Verstanden?“

Ein erstickendes Gefühl breitete sich in mir aus, aber ich schluckte es hinunter, zwang ein schiefes Lächeln auf mein Gesicht und nickte. „Abgemacht.“

„Na also, geht doch.“ Mia ließ sich rücklings in den Sand fallen und breitete die Arme aus.

Ich sah auf sie hinab, während die Sonne langsam hinter den dunklen Baumkronen auf der anderen Seeseite versank und das ruhige Wasser in ein tiefes, beinahe unwirkliches Gold tauchte.

„Mia?“, fragte ich leise in die Dämmerung hinein.

„Hm?“

„Danke. Für alles.“

Für einen kurzen Moment öffnete sie die Augen, sah mich intensiv an und lächelte. „Immer.“

Danach schwiegen wir. Es war kein unangenehmes Schweigen, sondern diese tiefe, unerschütterliche Vertrautheit, die man nur mit Menschen teilt, die einen schon das ganze Leben begleiten. Wir saßen einfach nebeneinander, während die Dunkelheit die letzten Lichtreste vom Himmel verschluckte. Das träge Plätschern des Sees und das gelegentliche Zirpen der Grillen legten sich wie eine schützende Decke um uns. Schweigend teilten wir uns den Rest der inzwischen kalten Pommes, als wäre jede verbleibende Minute eine kostbare Währung, die wir unbedingt strecken mussten.

Doch irgendwann war die Nacht endgültig da.

Wir packten unsere Sachen zusammen und liefen schweigend über den kühler werdenden Sand zum Ausgang des Strandbads. Kurz vor dem Tor blieb Mia plötzlich stehen, trat ohne ein Wort auf mich zu und zog mich fest in ihre Arme. Es war eine dieser Umarmungen, die keine Erklärungen brauchten. Sie hielt mich einen Moment länger fest als gewöhnlich, ihre Hand strich tröstend über meinen Rücken, bevor sie sich mit einem leisen Seufzen von mir löste.

„Schreib mir sofort, wenn du angekommen bist, ja?“ Sie versuchte, ihren besorgten Unterton mit einem schiefen Grinsen zu überspielen. „Ich muss schließlich wissen, ob ich dich nicht doch spontan aus diesem Kaff retten muss.“

Obwohl mir das Herz bei dem Gedanken fast zersprang, musste ich unwillkürlich lachen. „Ich werde es versuchen. Versprochen.“

„Und wehe, du vergisst mich da drüben zwischen deinen ganzen Verwandten!“ Sie trat einen Schritt zurück und schüttelte ihr Handtuch aus. Im fahlen Licht der entfernten Kiosklampe wirbelte der abgeschüttelte Sand wie eine kleine, dunkle Wolke durch die Luft und tanzte im Lichtkegel. Ein letztes Mal blitzte das typische Mia-Grinsen auf.

Ich hob die Hand zum Abschied. „Bis bald.“

„Bis bald, Drama-Queen.“

Ich drehte mich um und ging bis zum Tor, wo ich unwillkürlich noch einmal innehiert, um über die Schulter zurückzublicken. Mia, die einen so riesigen Teil meines Lebens ausgemacht hatte, verschwand langsam im Halbdunkel des Weges. In meiner Brust krampfte sich alles zusammen, weil ich verdammt noch mal nicht wusste, ob es überhaupt ein nächstes Mal geben würde. Der Gedanke traf mich so unerwartet, dass mir für einen Moment die Luft wegblieb.

Schließlich stieg ich auf mein Fahrrad und trat langsam in die Pedale. Der Schotter knirschte rhythmisch unter den Reifen, während die warme Abendluft den vertrauten Duft von frisch gemähtem Gras, Sonnencreme und einem leisen Hauch von Grillrauch herübertrug. Ich fuhr durch die vertrauten Straßen meines Heimatortes, vorbei an Häusern, die im warmen, goldenen Schein der Straßenlaternen lagen. Aus offenen Fenstern drangen gedämpfte Stimmen, das Klirren von Geschirr und leise Musik. Alles wirkte so friedlich. So unerträglich normal.

Plötzlich hatte ich wieder Mias Gesicht vor Augen. Ihr Lachen, die pure Begeisterung, mit der sie mir erst kurz zuvor von ihrem Schwarm erzählt hatte, und all ihre Pläne für die kommenden Wochen. Morgen würde sie aufwachen und einfach einen weiteren, unbeschwerten Sommertag erleben – während meine Welt aus den Angeln gehoben wurde.

Ein dumpfer Druck legte sich auf meine Brust, bis mir das Atmen so schwerfiel, dass ich die Bremsen anzog und am dunklen Straßenrand anhielt. Für einen Moment blieb ich einfach auf dem Sattel sitzen und versuchte, die krampfartigen Atemzüge unter Kontrolle zu bringen. Ich lehnte die Stirn gegen das kühle, Metall meines Lenkers, während eine brennende Hitze in mir aufstieg. Die Tränen ließen sich nicht mehr aufhalten; sie bahnten sich unweigerlich ihren Weg über meine Wangen.

Verdammt. Wieso musste ausgerechnet ich morgen diesen elendigen Tribut zahlen? Ich wollte das nicht. Ich wollte nicht, dass ab morgen jemand Fremdes über mein Leben, mein Herz und meine Zukunft bestimmte. Ich wollte verdammt noch mal einfach mein Leben behalten. Aber mir war klar, dass dieser Wunsch in wenigen Stunden völlig bedeutungslos sein würde. Ab morgen würden andere entscheiden, wer ich war und wem ich gehörte.

Bei diesem Gedanken stellte sich jedes einzelne Härchen auf meinen Armen auf, als ein eiskalter Schauer über meine Haut kroch. Ich richtete mich mühsam wieder auf und stieß den Atem aus, um das Zittern in meiner Brust zu vertreiben. Über mir funkelten die ersten Sterne am nachtblauen Himmel. Plötzlich verspürte ich den drängenden Wunsch, jedes Detail dieses Augenblicks in mein Gedächtnis einzubrennen – den Geruch der Nacht, das Kühlen des Metalls, das Flackern der Laternen –, als könnte ich diese Erinnerungen wie einen Schutzschild mit an den Ort nehmen, an dem der Rest meines Lebens stattfinden sollte.

Schließlich setzte ich mich wieder in Bewegung. Während der Fahrtwind die nassen Spuren auf meinen Wangen trocknete, steuerte ich auf unser Haus zu. Wenig später stieg ich die schmale Treppe hinauf und schloss die Tür zu meinem Zimmer leise hinter mir.

Mein Blick wanderte durch den vertrauten Raum, in dem ich meine gesamte Kindheit verbracht hatte. Da war mein vom Morgen noch zerwühltes Bett, aus dem die Decke halb herunterhing. Auf dem Schreibtisch stapelten sich Lernzettel, Bücher und ein Chaos aus losen Notizen, das mir plötzlich so unendlich belanglos vorkam. An der Wand hingen alte Fotos, eingerahmt von einer Lichterkette, die den Raum in ein warmes, gemütliches Licht tauchte. Mia und ich lachend auf dem Jahrmarkt. Ein Sommerurlaub am Meer. Geburtstage. Momente aus einem Leben, das sich jetzt schon anfühlte, als würde es einer Fremden gehören.

Vor dem Spiegel blieb ich stehen. Müde Augen blickten mir entgegen. Meine Haare waren vom Fahrtwind zerzaust, einzelne braune Strähnen mit den hellblonden Akzenten fielen mir in die Stirn. Ich sah aus wie immer. Und doch fühlte ich mich wie eine Gefangene in meiner eigenen Haut. Was würde morgen aus mir werden? Würde von der Elara, die hier im Spiegel stand, überhaupt etwas übrig bleiben?

Langsam ließ ich mich auf die Matratze sinken. Draußen war es inzwischen vollkommen dunkel geworden. Die Müdigkeit kroch schwer und unerbittlich durch meinen Körper, aber ich wehrte mich gegen sie. Ich zog die Knie fest an die Brust und starrte in die Dunkelheit. Ich wollte nicht einschlafen. Ich wollte diesen letzten Tag nicht loslassen. Denn ich wusste genau: Wenn ich die Augen das nächste Mal öffnete, würde mein Leben nicht länger mir gehören.

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