Prolog
Das grelle, unbarmherzige Blaulicht der Einsatzwagen schnitt in rhythmischen, eisigen Blitzen durch die nasskalte Londoner Nacht. Es färbte den nassen Asphalt vor dem Eclipse in ein unheimliches, pulsierendes Dunkelblau. Um mich herum herrschte pures Chaos. Stimmen schrien durcheinander, Funkgeräte rauschten verzerrt, und das ferne, schrille Heulen von Sirenen schien die Luft förmlich zu zerschneiden. Doch für mich war alles stumm. Jedes Geräusch drang nur wie durch eine dicke Schicht Watte an mein Ohr.
Ich starrte auf meine Hände. Sie zitterten so heftig, dass ich sie kaum stillhalten konnte. Die Haut war klebrig, dunkel und warm. Es war sein Blut. Es klebte in den Rissen meiner Knöchel, unter meinen Fingernägeln und hatte den Saum meines Kleides unwiderruflich ruiniert.
Atmen. Du musst einfach nur atmen, hämmerte es in meinem Kopf, aber meine Lungen fühlten sich an wie zugeschnürt.
Nur wenige Meter von mir entfernt bogen sich die Sanitäter über den massiven Körper, der dort regungslos auf dem harten Boden lag. Er wirkte so seltsam ungeschützt, so völlig entgegen seiner Natur. Dieser Mann, der sonst wie eine unbezwingbare Festung vor mir stand, der mit einem einzigen, finsteren Blick ganze Räume zum Schweigen bringen konnte, war plötzlich ganz still. Seine Augen waren geschlossen, das Gesicht aschfahl im flackernden Licht der Scheinwerfer.
Eine Hand legte sich fest auf meine Schulter, versuchte mich sanft, aber bestimmt wegzuziehen, doch ich rührte mich keinen Millimeter. Ich konnte den Blick nicht von ihm abwenden. In dieser Sekunde begriff ich, wie haarscharf die Linie zwischen absolutem Glück und dem tiefsten Abgrund wirklich war. Alles, was wir uns aufgebaut hatten, jede geschriebene Zeile unserer gemeinsamen Zukunft, hing an einem einzigen, seidenen Faden.
Ich wusste in diesem Moment noch nicht, wie schwer der Weg werden würde, der vor uns lag. Ich wusste nicht, wie viel Kraft es uns kosten würde, die Trümmer dieser Nacht wieder zusammenzusetzen, oder wie sehr der Frust und der Stolz uns in den kommenden Monaten an unsere Grenzen treiben würden. Ich wusste nur eines: Ich würde nicht zulassen, dass er geht. Ich würde diesen sturen Bastard mit allem, was ich hatte, ins Leben zurück prügeln. Selbst wenn ich dafür die ganze Welt einreißen musste.
Die Türen des Krankenwagens schlugen mit einem dumpfen, endgültigen Knall zu, und die Reifen baten kurz auf dem nassen Untergrund auf, bevor das Fahrzeug in der Dunkelheit verschwand. Und ich blieb zurück, mit seinem Blut auf der Haut und einer brennenden Gewissheit im Herzen: Ab heute würde nichts mehr so sein, wie es einmal war.




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