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NOX

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Summary

Schattenherzschläge“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Ott ist nicht wählerisch und scheut keine schmutzige Arbeit. Ob allein oder gemeinsam mit seinem treuen jungen Hacker Floppy Disk – im wöchentlichen Rhythmus zeigt er, was in ihm steckt. Ob die kleinen Widrigkeiten des Alltags oder die Schicksale verzweifelter Menschen – Ott begegnet allen mit derselben Entschlossenheit. Denn Ott bleibt Ott.

Status
Complete
Chapters
1
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

NOX

[SESSION: N0X / FLOPPY_DISK]

[CHANNEL: #ghost-link // IRC BRIDGE ACTIVE]

[MODE: LOW-TRACE / HIGH-INTERFERENCE]

23:46:58 | N0X:

bist da

23:47:01 | N0X:

bro

23:47:03 | N0X:

pls respond

23:47:19 |

SYSTEM:[WARN] latency spike detected (RTT +241ms)[INFO] reroute active: onion node chain unstable[INFO] packet duplication detected (possible echo injection)

23:47:33 | FLOPPY_DISK:

depends

23:47:41 | N0X:

???

23:47:45 | FLOPPY_DISK:

depends != yes

23:47:52 | N0X:

kein spaß

23:47:58 | FLOPPY_DISK:

keine jokes hier

23:48:06 | N0X:

ernst

23:48:10 | FLOPPY_DISK:

define

23:48:19 |

SYSTEM BOT:user “N0X”status: emotional instability ↑recommendation: reduce verbosity / avoid threat framing

23:48:22 | N0X:

ok

23:48:31 | FLOPPY_DISK:

wer

23:48:38 | N0X:

RU

23:48:41 |

SYSTEM:[TRIGGER] keyword: “RU”[INFO] correlation scan: active conflict cluster detected[INFO] probability overlay: HIGH

23:48:55 | FLOPPY_DISK:

welche ebene

23:49:02 | N0X:

keine ebene

netz real

frankfurt route

waschsystem

23:49:14 | FLOPPY_DISK:

23:49:21 | FLOPPY_DISK:

du bist noch stabil?

23:49:28 | N0X:

kaum

23:49:31 | FLOPPY_DISK:

dann weniger tippen

23:49:40 | N0X:

geht nich

23:49:55 |

SYSTEM:[ALERT] device fingerprint drift detected[ALERT] sensor ping anomaly (micro / gyroscope)[INFO] no confirmed intrusion

23:50:03 | N0X:

die scannen mich

router

phone

briefkasten

alles pingt

23:50:12 | FLOPPY_DISK:

dein kopf baut pattern

briefkasten?

23:50:20 | N0X:

ist bestätigt

nich gefühlt

23:50:33 | FLOPPY_DISK:

gefährlichste kombination

23:50:41 | N0X:

3 tage kein schlaf

23:50:44 | FLOPPY_DISK:

merkt man

23:50:51 | N0X:

lol?

23:50:53 | FLOPPY_DISK:

kein lol zustand

23:51:07 |

SYSTEM BOT:

suggestion: terminate session

reason: stress threshold exceeded / external threat undefined

23:51:11 | N0X:

ich will nich verschwinden

23:51:20 | FLOPPY_DISK:

wirst du nich

23:51:25 | N0X:

woher weißt du das

23:51:31 | FLOPPY_DISK:

du schreibst noch

23:51:39 | N0X:

das ist keine garantie

23:51:44 | FLOPPY_DISK:

doch minimal ist real

23:52:03 | N0X:

bring europol psycho rein

23:52:07 | FLOPPY_DISK:

ott

23:52:09 | N0X:

23:52:11 | FLOPPY_DISK:

zu spät für nö

23:52:22 |

SYSTEM:[CRITICAL NOTE]entity “OTT” referenced in prior operational clusterclassification: EU BLACKOUT INCIDENT / FRANKFURT NODE EVENT (sealed)

23:52:33 | N0X:

der killt mich eher

23:52:39 | FLOPPY_DISK:

oder er beendet den zustand

23:52:47 | N0X:

der ist keine person

23:52:52 | FLOPPY_DISK:

korrekt

23:52:55 | N0X:

was dann

23:52:59 | FLOPPY_DISK:

abschlusssystem

23:53:10 | N0X:

bro das ist krank

23:53:22 | FLOPPY_DISK:

ist es

23:53:41 | N0X:

hat der gefühle

23:53:45 | FLOPPY_DISK:

irrelevante variable

23:53:52 | N0X:

das ist keine antwort

23:53:57 | FLOPPY_DISK:

doch für ihn schon

23:54:10 |

SYSTEM BOT:anomaly: emotional mirroring detectednote: FLOPPY_DISK interaction resembles external enforcement pattern

23:54:18 | N0X:

warum haben alle angst vor ihm

23:54:23 | FLOPPY_DISK:

weil er keine escalation kennt nur termination

23:54:35 | N0X:

das ist schlimmer als sterben

23:54:41 | FLOPPY_DISK:

manchmal ja

23:55:12 | N0X:

ich werde beobachtet

23:55:18 | FLOPPY_DISK:

nich sicher

23:55:23 | N0X:

doch ich sehe delays

ghost packets echo loops

23:55:31 | FLOPPY_DISK:

oder du jagst sie selbst

23:55:44 | N0X:

ich bin nich irre

23:55:49 | FLOPPY_DISK:

hab ich nich gesagt

23:56:10 | N0X:

ich sterbe hier

23:56:12 |

SYSTEM:[READ CONFIRMED]

23:56:15 | FLOPPY_DISK:

23:56:21 | N0X:

hör auf das zu sagen

23:56:29 | FLOPPY_DISK:

du hast mich kontaktiert

routing ist damit offen

23:57:02 | N0X:

du holst ihn

23:57:06 | FLOPPY_DISK:

ja

23:57:11 | N0X:

ich geh in knast

23:57:15 | FLOPPY_DISK

knast ist end point nicht end zustand

23:57:27 | N0X:

du klingst wie er

23:57:33 | FLOPPY_DISK:

zu viel exposure

23:57:41 | N0X:

ist er mensch

23:57:44 | FLOPPY_DISK:

funktionseinheit

23:57:58 | N0X:

das ist schlimmer

23:58:22 | N0X:

was sag ich ihm

23:58:30 | FLOPPY_DISK:

nich spielen

nich erklären

nich optimieren

23:58:45 | N0X:

hilft nich

23:58:52 | FLOPPY_DISK:

doch überleben

23:59:21 | N0X:

warum ist er so gefürchtet

23:59:28 | FLOPPY_DISK:

weil er keine frage offen lässt

23:59:41 | N0X:

das klingt wie propaganda

23:59:47 | FLOPPY_DISK:

alles ist propaganda

nur outcomes sind real

00:00:11 | N0X:

wer bin ich für ihn

00:00:15 | FLOPPY_DISK:

unknown node

00:00:22 | N0X:

beruhigend

00:00:27 | FLOPPY_DISK:

nich beruhigend präzise

00:01:03 | N0X:

wenn ich mich stelle lebe ich?

00:01:09 | FLOPPY_DISK:

wahrscheinlichkeit steigt

00:01:14 | N0X:

das ist krank als antwort

00:01:21 | FLOPPY_DISK:

ist keine antwort

statistik

00:01:44 | N0X:

ok mach

00:01:49 | FLOPPY_DISK:

verstanden

00:02:11 |

SYSTEM:[CONNECTION SHIFT DETECTED][ROUTE CHANGED: UNKNOWN THIRD PARTY NODE ACTIVE]

00:02:18 | N0X:

was passiert

00:02:22 | FLOPPY_DISK:

nich mehr

nur ich

00:02:31 | N0X:

???

00:02:37 | FLOPPY_DISK:

protokoll hat sich geändert

00:02:44 | N0X:

FLOPPY??

00:02:48 | FLOPPY_DISK:

hör zu keine weiteren inputs ohne trigger

00:03:02 | N0X:

alter was ist das

00:03:11 |

SYSTEM:[SESSION TERMINATED BY PEER][END OF LINE]


Nox starrt auf den Bildschirm. Zum ersten Mal seit drei Tagen ist es nicht mehr die Angst, die seinen Puls bestimmt.

Es ist Hoffnung. Eine gefährliche Hoffnung.

Denn wenn Floppy tatsächlich den Psycho ins Spiel bringt, wird sich in den nächsten Stunden etwas verändern.

Nox hat, ähnlich wie Floppy, eine harte und grausame Kindheit erlebt. Während Floppy in die Hände von Kinderschändern und Menschenhändlern gerät, wächst Nox an der Seite seiner Mutter mitten in der Unterwelt auf – zwischen Drogen, kriminellen Organisationen und den dunklen Gassen des Frankfurter Bahnhofsviertels. Dort nimmt sich der Boss des Viertels Nox an und schützt ihn.

Seine Mutter stirbt inzwischen an den Folgen ihrer HIV-Erkrankung.

Genau dieser Schutz wird Nox nun zum Verhängnis. Sein Boss schuldet den Russen einen Gefallen. Um die Schuld zu begleichen, bietet er Nox als Bezahlung an.

Niemand beherrscht die Geldwäsche im Darknet besser als Nox. Für die russische Mafia wirkt er wie ein Geschenk des Himmels.

Ein deutscher Hacker mit seinen Fähigkeiten ist für sie um ein Vielfaches wertvoller als jeder gewöhnliche Spezialist. Damit scheint sein Schicksal besiegelt.

Dennoch fühlt sich Nox nicht verraten.

Der Boss hat seiner Mutter bis zu ihrem letzten Atemzug geholfen. Er übernimmt sogar sämtliche Kosten ihres Hospizaufenthalts.

Für Nox wiegt diese Loyalität schwerer als jede Erklärung.

Nox wächst mit einer tiefen Abneigung gegen Polizei und Behörden auf. Er lebt, atmet und denkt gegen jede Form staatlicher Autorität.

Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet er seinen einzigen wirklichen Freund Floppy Disk auf Ott aufmerksam macht.

Ihre Freundschaft bedeutet beiden alles.

Loyalität bis in den Tod.

Damals ist Floppy erst elf Jahre alt. Er will sämtliche Täter selbst hacken. Alle Männer, die Kinder missbrauchen, handeln oder zerstören. Mächtige Menschen mit Geld, Einfluss und Verbindungen.

Nox, drei Jahre älter und bereits deutlich abgeklärter, überzeugt ihn jedoch vom Gegenteil.

„Wenn du sie nur hackst, sperren sie ein paar Server und machen weiter. Wenn Ott sie jagt, verschwindet ihr ganzes System.“

Ohne Ott wäre Floppy vermutlich nur ein weiterer Darknet-Hacker geblieben. Jetzt ist Nox selbst am Ende.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat er echte Angst. Seit drei Tagen versteckt er sich. Sein Boss wirkt dabei erstaunlich ruhig. Fast zu ruhig.

Nox weiß genau, weshalb.

Wenn er sich weigert, zu den Russen überzulaufen, übernehmen sie das gesamte Bahnhofsviertel. Sie bringen genau jene Brutalität und Barbarei mit, für die sie in der Unterwelt berüchtigt sind.

Doch beinahe ebenso groß wie seine Angst vor den Russen ist der Gedanke, mit Europol zusammenzuarbeiten.

Als Informant.

Nox ist überzeugt, dass Ott keine Ausreden akzeptiert. Er glaubt, dass der Psycho ihn sofort ins Gefängnis bringt, wenn er auch nur den Eindruck gewinnt, Nox habe Menschen wissentlich geschützt oder Straftaten gedeckt.

Oder schlimmer.

In den Geschichten des Darknets heißt es, Ott könne einem mit seinem berüchtigten Schlagring den Schädel zertrümmern, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Nox weiß nicht, ob diese Geschichten stimmen. Er weiß nur, dass niemand darüber lacht.

Und ja – die Geschichte mit dem Briefkasten stimmt tatsächlich.

Er kennt Geschichten von Menschen, die lediglich ihren Briefkasten öffnen und wenige Minuten später mit schweren Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus landen.

Die Russen. Sie hinterlassen Botschaften, die niemand missversteht.

Während Nox noch immer auf den Bildschirm starrt, ahnt er nicht, dass irgendwo ein Mann in einer roten Lederjacke gerade den letzten Schluck seines schwarzen Kaffees trinkt, ruhig aufsteht und beginnt, Fragen zu stellen.

Fragen, auf die irgendwann Taten folgen.

Und Nox weiß aus den Geschichten des Darknets nur eines: Vor Ott haben nicht die Ehrlichen Angst, sondern diejenigen, die glauben, lange genug davongekommen zu sein.


Natalie sitzt im Bett und beobachtet ihn.

Geweckt hat sie der Schweiß. In den letzten Nächten, die sie miteinander verbringen, geschieht es immer wieder. Plötzlich beginnt Ott, innerhalb eines einzigen Augenblicks so stark zu schwitzen, dass das Bett vollständig durchnässt ist – ebenso wie sie selbst.

Es wirkt, als hätte jemand einen Wasserhahn geöffnet und würde die gesamte Flüssigkeit aus seinem Körper ablassen.

Natalie und Ott sind noch nicht lange zusammen, aber lange genug, um zu wissen, dass der Mann neben ihr nicht ohne Grund unter diesen Schweißausbrüchen leidet.

Sie weiß, wie hart und emotional beinahe monolithisch er ist. Ebenso ist ihr klar, dass Albträume dahinterstecken müssen. Was sie jedoch nicht versteht, ist die Art, wie sie sich bei ihm zeigen.

Er schreit nicht im Schlaf. Er zuckt nicht. Er zittert nicht. Selbst seine Atmung verändert sich kaum. Am Anfang glaubt sie sogar, er sei im Schlaf gestorben. So flach atmet er, dass sich sein Brustkorb kaum sichtbar hebt und senkt. Und das nach einer unvergesslichen Nacht voller Körperkontakt.

Natalie, die aus Amsterdam stammt, besucht ihn jedes Mal in seinem Loft, wenn er wieder in der Stadt ist.

Sie stellt ihm keine einzige Frage.

Nicht, weil sie kein Interesse hätte, sondern weil sie längst verstanden hat, dass Ott nur dann spricht, wenn er will. Alles andere würde er als Drängen empfinden.

Otts Körper ist für Natalie eine Obsession.

Sie ist fasziniert von den Narben, die seinen Körper von den Füßen bis zur Stirn bedecken. Jede einzelne erzählt eine Geschichte, auch wenn Ott keine davon preisgibt.

Sie haben ein gemeinsames Ritual entwickelt, von dem Ott nie gedacht hätte, dass er sich einmal darauf freuen oder es sogar vermissen würde, wenn er irgendwo in Europa unterwegs ist.

Er legt sich einfach ins Bett.

Natalie sagt ihm, ob er sich auf den Rücken oder auf den Bauch legen soll. Anschließend beginnt sie, mit den Fingerspitzen behutsam jede einzelne Narbe nachzuzeichnen. Keine wird ausgelassen.

Ihre Berührungen sind so sanft und warm, dass Ott spürt, wie sich etwas in ihm löst. Die Anspannung, die Härte und die ständige Alarmbereitschaft, die ihn am Leben halten, treten für kurze Zeit in den Hintergrund.

Stunden später lässt Natalie ihre Hände ruhen und bleibt einfach bei ihm. Zum ersten Mal seit langer Zeit muss Ott seine Schmerzen nicht mehr verdrängen. Er braucht keine sechshundert Milligramm Ibuprofen mehr, um sich einzureden, dass auch er nicht verletzlich ist.

Für einen kurzen Moment darf er einfach nur anders empfinden.

Am Ende weiß Ott oft selbst nicht, wann aus der Anspannung Ruhe geworden ist.

Jedes Mal muss er weder analysieren noch kontrollieren. Bei Natalie gelingt ihm etwas, das ihm sonst unmöglich erscheint: loszulassen.

Sie ist das Beste, was ihm seit vielen Jahren passiert ist. Dass sie ihn damals auf einer Rave-Party in Amsterdam angesprochen hat, erscheint ihm bis heute wie ein Zufall, an den er eigentlich nicht glauben möchte.

Doch sobald Menschen wie Ott ihre instinktive Schutzweste ablegen, warten bereits die Geister der Vergangenheit auf sie.Sie brauchen keine Einladung. Sie brauchen keine Erlaubnis. Sie sind einfach da.


Plötzlich kippt die Erinnerung.

Ott hängt kopfüber. Eiskaltes Wasser läuft ununterbrochen über seinen Körper und rinnt ihm ins Gesicht.Es ist kälter als alles, was er je erlebt hat.

Er befindet sich in einer Folterkammer der CIA.

Der Agent, der die Vernehmung überwacht, ist sichtlich genervt und wirkt nach achtundvierzig Stunden ununterbrochener Tortur fast erschöpfter als sein Gefangener.

Ott schreit nicht.

Ott spricht nicht.

Ott bettelt nicht.

Sein Kopf ist dunkelrot angelaufen. Er spürt, wie sich das Blut in seinem Schädel staut. Jeder Atemzug brennt. Jeder weitere Tropfen scheint seinen Körper ein Stück weiter an die Grenze des Erträglichen zu treiben.

Die Folter zeigt Wirkung. Sein Körper zittert unkontrolliert. Er kann es nicht verhindern. Das nahezu gefrierende Wasser entzieht ihm langsam jede Wärme, während die Spezialisten die Temperatur bewusst so wählen, dass sie maximale Schmerzen verursacht, ohne den Körper in einen Schockzustand zu versetzen.

Die Männer beobachten jede Reaktion mit professioneller Gleichgültigkeit. Das Wasser stürzt aus der Decke, läuft über die verrosteten Stahlketten, an denen Ott kopfüber hängt, über seinen Körper und sammelt sich schließlich auf dem Betonboden. Seine Haltung zwingt ihn dazu, jede einzelne Sekunde dieser Qual zu ertragen.

Für sie ist es ein Verfahren.

Für Ott ist es die Hölle.


Mit Natalie spricht er nie darüber. Sie fragt auch nicht. Sie wartet, bis er vollständig zu sich kommt. Danach duschen sie gemeinsam und wechseln schweigend die Bettwäsche. Es ist zu einem stillen Ritual geworden, das keiner von beiden erklären muss.

„Rede.“

Das Wort fällt so plötzlich, dass Ott sich im selben Augenblick kerzengerade im Bett aufsetzt. Innerhalb eines Herzschlags ist er hellwach und vollkommen einsatzbereit.

Natalie erschrickt so sehr, dass sie beinahe aus dem Bett fällt. Ott greift nach ihrer Schulter, hält sie instinktiv fest und konzentriert sich gleichzeitig auf die Stimme in seinem Ohr.

„Er ist derjenige, der mich damals gewarnt und den Schutz durch den Frankfurter Boss organisiert hat“, ertönt Floppys Stimme.

„Ist sein Leben in Gefahr?“, fragt Ott.

„Für ihn schon.“

„Wo?“

„Frankfurt.“

„Ott?“

„Rede.“

„Er ist auch derjenige, der mich damals zu dir gebracht hat. Er hat mir mehr als einmal das Leben gerettet.“

Ott schweigt einen Moment.

„Das ändert nichts.“

„Er hat Angst vor dir. Und vor dem Knast.“

„Braucht er nicht mehr. Er hat dich gerettet. Jetzt rette ich ihn.“

Ott wirft einen Blick auf die Uhr. Es ist kurz nach halb zwei.

„Ich beeile mich. Gegen halb sechs, spätestens um sechs Uhr, bin ich in Frankfurt.“

„Während du fährst, bereite ich einen Treffpunkt für euch und ein Informationspaket für dich vor.“

„Mach das.“

„Ott?“

„Rede.“

„Danke, Digga.“

Zum ersten Mal klingt Floppys Stimme nicht ironisch, sondern ehrlich erleichtert.

„Unsere Regel.“

Die Verbindung bricht ab.

Ott hat Floppy einmal gebeten, ausschließlich über den verschlüsselten Kommunikationskanal seines kaum fingernagelgroßen Implantats hinter dem Ohr Kontakt aufzunehmen. Floppy hält sich fast immer daran. Nur wenn er glaubt, Ott brauche einen Moment Privatsphäre, schweigt er bewusst – obwohl Ott selbst selten daran denkt, dass er überhaupt so etwas wie Privatsphäre besitzt.

Natalie ist bereits in die Küche gegangen und bereitet Kaffee für sie beide zu. Sie weiß, dass sie heute nicht mehr gemeinsam duschen werden. Sie hat gelernt, Otts plötzliche Aufbrüche nicht zu hinterfragen. Trotzdem gelingt es ihr nie, die Faszination für diesen Mann vollständig zu verdrängen.

Natalie ist ein internationales Topmodel – eine Welt, die für Ott so weit entfernt ist wie der Mond. Zweimal hat er sie zu Modenschauen und den anschließenden After-Partys begleitet. Jedes Mal reagiert die Modewelt gleichermaßen fasziniert und verstört auf diesen Mann. Blass wie eine Leiche, in seiner mehrfach geflickten roten Lederjacke und mit einem Gesicht, das von unzähligen Narben durchzogen ist. Sein Körper erzählt Geschichten, die niemand hören möchte.


Um sechs Uhr parkt Ott seinen Wagen im Parkhaus unter dem Goetheplatz. Während der Fahrt hat er zunächst vor, Nox unauffällig zu treffen und sich alles in Ruhe erklären zu lassen. Doch Floppys Informationen und das Telefongespräch mit dem Boss verändern seinen Entschluss.

Während der Fahrt, mit jedem Kilometer, kehrt eine Erinnerung zurück. Er sieht Floppy wieder vor sich, wie damals mit elf Jahren. Klein, zerbrechlich, wütend, furchtlos und mit einem riesigen Datenpaket voller Namen, Beweise und Gesichter.

Der Junge verlangt keine Rache. Er verlangt nur, dass endlich jemand handelt.

Nox ist derjenige, der Floppy damals zu Ott führt.

Seit diesem Tag gilt für Ott eine einfache Regel: Wer Floppy schützt, steht unter seinem Schutz.

Ott hat seine Loyalität schon oft bewiesen – gegenüber Kollegen, Informanten und Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus. Doch Floppy nimmt einen Platz ein, den Ott selbst nicht erklären kann.

Der Junge hat sich einen Weg durch seine steinerne Fassade gebahnt und ist dort geblieben. Selbst Jahre später ändert sich daran nichts.

Die Entscheidung steht längst fest.

Nox wird geschützt.

Ott steigt die Treppe hinauf und orientiert sich kurz. Sein Blick fällt auf die Goethestraße. Dort begleitet Natalie vor einiger Zeit eine Modenschau eines französischen Luxushauses. Wenige Stunden später versinkt die gesamte Innenstadt im Chaos des plötzlichen Blackouts.

Bis heute weiß sie nicht, dass Floppy diesen Angriff mit Otts Unterstützung ausgelöst hat.

Ott überwindet die kurze Distanz zur Hauptwache in wenigen Minuten. Nox sollte bereits dort sein. Treffpunkt ist eine amerikanische Kaffeekette.

„Fällt dir wirklich nichts Besseres ein?“, hat Ott gefragt.

„Ich weiß, du hasst so etwas, aber ihm ist nichts anderes eingefallen. Er ist wirklich völlig durcheinander, Ott. Bitte sei freundlich zu ihm.“

„Quatsch.“

„Ich meine es ernst. Seit unserem Chat macht er Fehler im Darknet. Ich überwache ihn und musste schon zweimal eingreifen, um ihn dort zu schützen. Und dabei ist er der präziseste Hacker, den ich kenne.“

„Außer dir.“

„Bitte, Ott.“

„Klar.“

Wenn Nox ein rotes Warnlicht über dem Kopf tragen würde, könnte er für Ott kaum auffälliger sein.

Schon aus der Entfernung erkennt Ott einen jungen Mann, etwa in Floppys Alter, nur etwas größer und trainierter.

Er läuft nervös hin und her, die Hände tief in den Hosentaschen. Als er Ott kommen sieht, stockt ihm sichtbar der Atem, und seine Knie beginnen leicht zu zittern.

Nervöser Streuner, denkt Ott. Scheiß leben für ein so begabtes Kind.

Ohne es sich anmerken zu lassen, scannt Ott die gesamte Umgebung. Die Russen entdeckt er längst. Insgesamt sind es fünf. Sie wirken verwahrlost, manche wirken, als stünden sie unter Drogen. Die Pistolen lassen sich kaum übersehen.

Er beschleunigt seine Schritte, erreicht Nox und versucht zu lächeln.

Das macht die Sache für Nox nur schlimmer. Ein leichenblasses Gesicht voller Narben, das plötzlich die Zähne zeigt, wirkt auf ihn eher wie die Warnung eines Raubtiers als wie ein Lächeln.

Gemeinsam setzen sie sich Richtung Bahnhofsviertel in Bewegung. Ott will zu Fuß gehen und möglichst viele der Russen hinter sich herziehen. Er will das gesamte Rudel an einem Ort versammeln.

„Hast du mit deinem Boss gesprochen? So, wie ich es gesagt habe?“

Das sind die ersten Worte, mit denen Ott ihn begrüßt.

„Ja. Er und die Russen warten auf uns.“

„Genau so, wie ich es gesagt habe?“

„Scheiße, Alter. Ja. Aber was soll das alles?“

„Willst du raus?“

Nox schaut überrascht zu ihm auf.

„Willst du bei deinem Boss bleiben? Natürlich kommen die Russen nicht infrage.“

„Ich muss bleiben.“

„Wegen deiner Mutter?“

„Scheiße, Alter. Was hat der Penner dir erzählt?“

Ott bleibt abrupt stehen. Langsam beugt er sich etwas nach vorn und bohrt Nox mit seinem regungslosen schwarzen Blick. Dem jungen Hacker läuft ein Schauer über den Rücken, und zum ersten Mal bereut er ernsthaft, den Psycho eingeschaltet zu haben.

„Der Penner, wie du ihn nennst, verdankt dir mehrmals sein Leben. Und wir wissen auch von den Kindern, die du heimlich aus dem Netzwerk deines Bosses herausholst und in Sicherheit bringst.“

Ott hält den Blick.

„Der Penner verfolgt alles, was du tust. Der Penner bewundert dich. Deshalb tue ich das auch.“

Nox kann kaum glauben, was er hört. Floppy und der Psycho wissen also längst Bescheid.

Mit weit geöffneten Augen starrt er in Otts schwarze Pupillen, als würden sie ihn festhalten. Mehr als ein stummes Nicken bringt er nicht zustande.

„Du willst bleiben? Gut. Dann geben wir deinem Boss heute ein paar neue Regeln. Vor allem, was den Kinder- und Menschenhandel betrifft. Klar?“

Die Frage klingt mehr nach einem Befehl als nach einer Frage, doch Nox ist ohnehin sprachlos.

„Wir machen das zusammen. Du und ich. Kein BKA. Kein SEK. Keine große Show. Nur wir zwei. Schaffst du das?“

„Was soll ich tun?“, bringt Nox schließlich leise hervor.

„Du hast den Server-Drive immer bei dir, richtig?“

„Ja.“

Ott nickt kaum merklich.

„Dann hör mir jetzt ganz genau zu, du Penner.“

Zum ersten Mal seit vier Tagen erscheint ein echtes Lächeln auf Nox’ Lippen.

Der Psycho hat also doch Humor, denkt er.


Im Bahnhofsviertel, auf der Westseite des Hauptbahnhofs, betreten sie ein schmutziges, nach Urin und Feuchtigkeit stinkendes Wohnhaus.

Dicht hinter ihnen folgen die fünf Russen.

Sie steigen sieben Stockwerke über das Treppenhaus hinauf. Ott hat bewusst ein Gebäude ohne Aufzug ausgewählt. Niemand soll ihnen lautlos oder schneller folgen können.

Der Raum, in den sie geführt werden, ist ein großes Open-Space-Büro, das fast ein Viertel der Etage einnimmt. Kaum tritt Ott ein, wandert sein Blick unauffällig zu der Stelle, an der sich nach Floppys Informationen eine getarnte Fluchttür befindet. Genau dort sollen Nox und der Boss verschwinden, sobald Ott ihnen das Zeichen gibt.

In der Mitte des Raumes steht ein runder Tisch – ebenfalls ein ausdrücklicher Wunsch Otts. Der russische Boss setzt sich gemeinsam mit seinen Bodyguards so hin, dass sie den Rücken zu den bodentiefen Fenstern haben. Genau so, wie Ott es geplant hat.

Die fünf Russen betreten ebenfalls den Raum und schließen die Tür hinter sich. Sie verteilen sich lautlos im gesamten Raum und ziehen ihre Pistolen.

Insgesamt stehen Ott nun acht russische Männer und eine Frau gegenüber, angeblich die Buchhalterin. Noch bevor jemand ein Wort sagt, erkennt er die Frau als die eigentliche Anführerin.

Ott schiebt Nox ruhig, aber bestimmt zum Tisch und legt ihm kurz die Hand auf die Schulter, bis er sich rechts neben seinen Boss setzt. Damit liegt die Fluchttür links hinter den beiden. Genau dort bleibt Ott stehen – nah genug am Tisch, um jederzeit eingreifen zu können, und gleichzeitig mit ausreichend Bewegungsfreiheit.

Ott hat dem Boss des Bahnhofsviertels bereits vor Stunden seine Bedingungen zukommen lassen:

„Ich nehme dir die Russen vom Hals. Du hast Floppy während des Blackouts geholfen. Du hast daran aber auch reichlich verdient. Jetzt helfe ich dir. Ab heute gilt: kein Geschäft mehr mit Menschenhandel, keine Geschäfte mit Russen und keine Geschäfte mit osteuropäischen Netzwerken. Hältst du dich nicht daran, schalte ich dich ab.“

Der Boss hat allem zugestimmt. Trotz des Schutzes, den er durch Teile der Frankfurter Unterwelt, korrupte Kontakte und einzelne Politiker genießt, weiß er, dass Ott niemals Drohungen ausspricht, die er nicht umsetzt.

„Drive auf den Tisch.“

Ott spricht im Ton eines Mannes, dessen Befehle nicht diskutiert werden. Er will niemandem auch nur eine Sekunde Zeit zum Nachdenken geben.

Nox zieht die Kapuze tiefer ins Gesicht, greift in seine Umhängetasche und legt einen schmalen SSD-Drive auf den Tisch.

Jetzt richtet Ott seinen Blick ausschließlich auf die Frau.

„Der Penner wird euch künftig im Geschäft unterstützen. Was ihr außerhalb davon macht, interessiert mich einen Scheiß. Nur eines ist nicht verhandelbar: Der Junge geht nirgendwohin. Er bleibt in Frankfurt.“

Die Frau verzieht keine Miene. Offenbar ergibt Schauspielerei keinen Sinn mehr.

„Ich weiß, wer Sie sind, Herr Ott.“

„Gut.“

Ott unterbricht sie sofort.

„Dann weißt du auch, dass ich meine Bedingungen nicht ändere. Es sei denn, du möchtest, dass ich mich persönlich um euer Geschäft kümmere.“

Mehrere Russen verlagern unruhig ihr Gewicht. Ihre Finger legen sich fester um die Griffe ihrer Pistolen. Niemand zieht – noch nicht.

„Wie du willst, Schwuchtel“, sagt die Frau mit unverhohlener Verachtung.

Ott reagiert nicht einmal mit einem Blinzeln.

Nox schließt den SSD-Drive an den Laptop der Russen an. In dem Moment, in dem der USB-Anschluss einrastet, beginnt Floppys eigentliche Arbeit.

Unsichtbare Schadprogramme breiten sich im Hintergrund aus. Von diesem einen Rechner aus springen sie auf jedes erreichbare System des russischen Netzwerks über – Server, Spiegelserver und verbundene Geräte, ganz gleich, in welchem Land sie sich befinden.

Lokal dagegen läuft alles anders.

Nox drückt eine zuvor programmierte Tastenkombination. Sofort beginnt der Laptop, sämtliche Daten unwiederbringlich zu löschen.

Noch bevor jemand versteht, was gerade geschieht, zieht Nox den Drive wieder aus dem Rechner.

Das ist das vereinbarte Zeichen.

Der Boss des Bahnhofsviertels greift unter den Tisch und hebt die Tischplatte an. Sofort verriegelt sie sich in ihrer Position und bildet einen gepanzerten Schutzschild.

Auch das ist eine Forderung Otts gewesen.

Die drei gehen sofort hinter dem Tisch in Deckung und erreichen die getarnte Tür. Sie öffnet sich augenblicklich. Nox und der Boss verschwinden, noch bevor sie sich wieder schließt.

Vom ersten Griff unter den Tisch bis zum Schließen der Tür vergehen keine acht Sekunden.

Währenddessen hat Ott bereits beide Revolver gezogen. Zwölf Patronen. Zehn Gegner. Das reicht.

Mit der rechten Schulter drückt Ott gegen den schweren Tisch und schiebt ihn den fünf Russen entgegen, die ihnen nach oben gefolgt sind.

Sie machen genau den Fehler, auf den Ott gehofft hat: Sie stehen zu dicht beieinander. Dadurch nehmen sie sich gegenseitig die Bewegungsfreiheit und werden zu einem leichteren Ziel.

Die übrigen drei Männer bleiben bei der Frau und versuchen, den Raum zu verlassen. Doch die Tür ist inzwischen verriegelt.

Aus dem siebten Stock führt jetzt nur noch ein Weg hinaus – durch die Fenster. Genau so hat Ott den Raum geplant.

Er schießt kontrolliert, ohne eine einzige überflüssige Bewegung. Jede Kugel hat ein Ziel.

Fünf Schüsse. Fünf Russen gehen zu Boden und sind kampfunfähig.

Zwei der Männer, die die Frau schützen, reagieren schneller als die anderen. Sie springen gleichzeitig über den Tisch und greifen Ott von hinten an.

Ott lässt sich im selben Moment rückwärts fallen. Noch bevor seine Schultern den Boden vollständig berühren, feuert er einen Schuss auf den ersten Angreifer, der sofort zusammenbricht.

Der zweite nutzt den kurzen Moment aus. Ein Schuss trifft Ott in die linke Schulter. Der Einschlag reißt ihn herum. Schmerz durchzuckt den Arm, doch Ott bleibt handlungsfähig.

Er rollt sich über den Boden, greift nach dem Bein des Angreifers und reißt es mit voller Kraft weg. Der Mann verliert das Gleichgewicht. Ott schießt gezielt auf dessen Knie und setzt ihn damit außer Gefecht.

Jetzt richtet Ott sich langsam wieder auf.

Aufrecht. Ruhig. Unverändert.

Sein Blick ruht ausschließlich auf der Frau.

Dem letzten Mann schenkt er kaum Beachtung. Nach Haltung und Kleidung wirkt er eher wie ein Organisator oder Buchhalter als wie ein Kämpfer. Sein Gesicht ist kreidebleich vor Angst.

Ott hebt den verletzten linken Arm. Jeder Zentimeter schmerzt, doch die Hand bleibt ruhig.

Ein Schuss.

Der Mann schreit auf und geht zu Boden. Die Verletzung setzt ihn außer Gefecht, ohne ihn zu töten.

„Du wirst heute nicht sterben.“

Ott tritt einen Schritt näher.

„Du gehst zurück und richtest aus: Das hier ist die erste und letzte Warnung von Europol. Beim nächsten Mal kommen wir zu euch. Verstanden?“

Der Mann nickt hektisch. Er presst ein Tuch gegen die Wunde und zittert unkontrolliert.

Jetzt wendet Ott sich der Frau zu.

Sie begegnet seinem Blick voller Hass.

„Schwuchtel.“

Sie spuckt ihm das Wort förmlich entgegen.

„Du kommst in ein Europol-Hochsicherheitsgefängnis in Rumänien.“

Ott macht einen Schritt auf sie zu, um sie festzunehmen.

In genau diesem Moment unterschätzt er sie.

Noch bevor sein Fuß vollständig aufsetzt, trifft ihn ein harter Tritt in die Körpermitte.

Der Aufprall schleudert ihn gegen die Wand.

Nicht, weil sie eine Frau ist. Sondern weil Ott für den Bruchteil einer Sekunde seine Deckung geöffnet hat. Diesen Fehler registriert er sofort. Für ihn spielt das Geschlecht eines Täters keine Rolle.

Wer Gewalt ausübt, wird gestoppt.

Der Treffer nimmt ihm kurz die Luft. Schmerz schießt durch Bauch und Rücken.

Sie versteht ihr Handwerk.

Ohne zu zögern setzt sie nach.

Ein weiterer Schlag trifft Ott am Unterkiefer. Seine Zähne prallen schmerzhaft aufeinander. Sein Kopf schlägt gegen die Wand.

Benommen ist er. Handlungsunfähig ist er jedoch nicht.

Den dritten Angriff, der auf seinen Unterleib zielt, erkennt er rechtzeitig.

Er erkennt, wohin ihr Tritt zielt, fängt ihr Bein ab und bringt sie mit einer schnellen Hebelbewegung aus dem Gleichgewicht.

Ein deutliches Knacken hallt durch den Raum.

Ihr Schrei überdeckt für einen Moment jedes andere Geräusch. Sie stürzt, erreicht jedoch eine der Pistolen, die am Boden liegen.

Mit erstaunlicher Entschlossenheit richtet sie sich trotz der Verletzung wieder auf. Sie hebt die Waffe.

Noch bevor sie abdrücken kann, geht Ott explosiv nach vorn. Mit voller Wucht rammt er sie mit der Schulter.

Sie wird rückwärts gegen das Fenster geschleudert. Glas zerspringt. Der alte Holzrahmen bricht auseinander.

Die Frau bleibt mit dem Oberkörper über der Fensteröffnung hängen. Unter ihr liegen sieben Stockwerke.

Sie würde abstürzen, wenn Ott sie nicht festhielte.

Doch Ott greift nicht nach.

Ott dreht sich um.


SIGNAL // END-TO-END ENCRYPTEDSESSION RESTOREDNODE: FRANKFURT-07ROUTE: TOR > TOR > TORLOGGING: OFFSCREENSHOT DETECT: ONSESSION ID: #9FC7-11A8

[23:18:04]

NOX

...

NOX

bist da

NOX

bro

NOX

pls

(18 Sekunden)

FLOPPY

kommt drauf an

NOX

fck dch

FLOPPY

NOX

halt maul

FLOPPY

...

NOX

bin noch da

FLOPPY

seh ich

NOX

nich deswegen

NOX

wegen dem Psycho

FLOPPY

?

NOX

lach nich alter

[23:20:11]

NOX

digga...

NOX

wtf war das

FLOPPY

Frankfurt

NOX

ne

NOX

ich mein IHN

FLOPPY

ach so

NOX

komplett irre

FLOPPY

jo

NOX

nich normal irre

NOX

anders

NOX

totalschaden

FLOPPY

auch jo

SYSTEM:relay changed...new route established...

NOX

ich dachte Darknet labert

NOX

wie immer

NOX

90 % müll

FLOPPY

95

NOX

aber bei ihm...

NOX

alter

NOX

alles wahr

FLOPPY

eher schlimmer

[23:23:08]

NOX

der sieht alles

NOX

wirklich alles

NOX

bevor ich die Russen gesehen hab

NOX

hatte der die längst gezählt

NOX

inkl der Waffen

NOX

inkl der Chefin

NOX

inkl dem Fluchtweg

...

NOX

WIE

FLOPPY

Ott halt

NOX

fck off

NOX

weißt was krank war

FLOPPY

?

NOX

der hatte recht

...

FLOPPY

leider oft

NOX

halt maul

[23:25:44]

NOX

ich hatte richtig schiss

NOX

kein film

NOX

echte panik

NOX

beine weich

NOX

hände am zittern

FLOPPY

weiß

NOX

woher

FLOPPY

deine fehlerquote

NOX

...

NOX

du hast mich überwacht?

FLOPPY

24/7

NOX

wtf

FLOPPY

2x fast erwischt

NOX

echt jetzt

FLOPPY

jo

NOX

...

NOX

danke

...

FLOPPY

gern

[23:28:31]

NOX

hass bullen immer noch

FLOPPY

weiß ich

NOX

ändert sich nich

FLOPPY

muss auch nich

NOX

aber...

NOX

der Psycho...

NOX

ist irgendwie anders

FLOPPY

?

NOX

freu dich nich zu früh

NOX

will den trotzdem nich wiedersehen

FLOPPY

?

NOX

ernst

FLOPPY

weiß

NOX

hab gedacht

NOX

jetzt kommt ’n

NOX

moral

vortrag

NOX

handschellen

NOX

anzeigen

NOX

alles

FLOPPY

und?

NOX

nix

NOX

gar nix

NOX

stattdessen

NOX

“bleib beim boss”

NOX

“aber kinder fasst ihr nich an”

NOX

wtf

[23:31:54]

FLOPPY

passt zu ihm

NOX

überhaupt nich

FLOPPY

doch

NOX

er hätte mich einsperren können

FLOPPY

ja

NOX

warum nich

...

FLOPPY

weil ich gefragt hab

...

NOX

...

NOX

ernst?

FLOPPY

ja

NOX

einfach so?

FLOPPY

ja

NOX

...

NOX

du hast echt Einfluss auf den

FLOPPY

’n bisschen

NOX

’n bisschen???


SYSTEM: encrypted attachment removed...checksum verified...


[23:35:07]

NOX

ich hab noch was

FLOPPY

?

NOX

als wir gelaufen sind...

NOX

hab den gefragt

NOX

warum er hilft

FLOPPY

mhm

NOX

weißt du was er sagt?

FLOPPY

ja

NOX

...

NOX

du weißt ALLES

FLOPPY

meistens

NOX

penner

FLOPPY

NOX

er sagt

NOX

“du hast Floppy gerettet”

NOX

“also rette ich dich”

...

NOX

alter...

...

FLOPPY

unsere regel

NOX

ja...

NOX

kein kind bleibt zurück

FLOPPY

[23:38:12]

NOX

versteh euch nich

FLOPPY

muss auch nich

NOX

du hacker

NOX

er cop

NOX

ihr seid komplett verschieden

FLOPPY

NOX

??

FLOPPY

gleiches ziel

NOX

...

NOX

👌

FLOPPY

ja

[23:40:28]

NOX

weißt

NOX

ich glaub

NOX

wenn der irgendwann stirbt...

NOX

gibt richtig Chaos

FLOPPY

jo

NOX

du drehst dann komplett durch

...

(1 Minute keine Antwort.)

...

FLOPPY

wahrscheinlich

...

NOX

digga...

NOX

das macht mir grad mehr angst

FLOPPY

mir auch

[23:43:17]

NOX

pass auf ihn auf

...

FLOPPY

versuch ich

NOX

ernst gemeint

FLOPPY

weiß

NOX

und...

NOX

danke

NOX

alles

...

FLOPPY

immer

SYSTEM

SESSION IDLE...

SYSTEM

PEER DISCONNECTED

FLOPPY OFFLINE

NOX

...

NOX

bruder?

...

NOX

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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author

Super spannend, kurz, intensiv und mit durchschlagender Wirkung.
Die kurze Begegnung mit Natalie ist interessant. Aber macht Ott das nicht verwundbar wenn er sich öffentlich mit ihr zeigt?

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